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Hochwasserschutz Steiermark: 50 Millionen für 2026, stockende Großprojekte und die offenen Baustellen nach 2024

50 Millionen Euro stecken Bund, Land und Gemeinden 2026 gemeinsam in den steirischen Hochwasserschutz – rund 20 Millionen weniger als 2025, dem bisherigen Rekordjahr mit 70 Millionen Euro. Hintergrund sind die schweren Niederschlagsereignisse 2024 im südlichen Burgenland und in der Oststeiermark, die einen Investitionsschub auslösten. Während Großprojekte wie das Rückhaltebecken am Granitzenbach in Weißkirchen oder der zweite Bauabschnitt am Lahnbach in Feldbach 2026 weiter vorangehen, stocken andere Vorhaben merklich. Im Lammerbachprojekt in Kindberg droht ein Stillstand wegen eines Vertragsstreits, in Graz rücken zwei zentrale Schutzbauten in Richtung 2029.

Was 2026 konkret gebaut wird

Die größten laufenden Projekte 2026 liegen quer durch die Steiermark verteilt. Sechs Vorhaben binden den Großteil des Budgets:

Projekt Bezirk / Ort Volumen Status 2026
Granitzenbach Weißkirchen, Murtal 15,4 Mio. EUR Hauptbauphase
Tollingbach Leoben 14,0 Mio. EUR in Umsetzung
Maierhoferbach Mürzzuschlag 11,0 Mio. EUR in Umsetzung
Gradnerbach Köflach, Voitsberg 9,3 Mio. EUR Bauabschluss
Lahnbach, 2. Bauphase Feldbach, Südoststeiermark k. A. Baustart 2026
Übelbach Wildbachschutz Graz-Umgebung 23,0 Mio. EUR Vorlaufarbeiten, Fertigstellung ~2036

Das Becken am Granitzenbach in Weißkirchen ist das größte Einzelvorhaben. Es geht 2024 mit Bauarbeiten in die Realisierung und schützt bei voller Auslegung mehrere hundert Gebäude im Talraum unterhalb. Bei Köflach wird der Gradnerbach-Schutz 2026 fertig, in Leoben läuft die Hauptbauphase am Tollingbach.

Im Bezirk Südoststeiermark beginnt am Lahnbach in Feldbach der zweite Bauabschnitt nach jahrelangen Planungen. Die Stadt war 2009 und 2024 von Überflutungen schwer betroffen, das neue Becken ergänzt die bereits errichtete Mauer entlang des Lahnbach-Mündungsbereichs.

Stockende Projekte: Wo der Schutz nicht vorankommt

Der ORF Steiermark berichtete im Februar 2026 von massiven Verzögerungen an mehreren Schlüsselprojekten. Drei Fälle stechen heraus.

Kindberg, Lammerbach
Das Rückhaltebecken sollte 92.000 Kubikmeter Wasser fassen. Gebaut sind bislang 40.000 Kubikmeter, das Becken bietet damit nur Schutz gegen 30-jährliche Hochwässer – Förderkriterium wäre der 100-jährliche Schutz. Die Kosten drohen von 4,8 auf über 8 Millionen Euro zu steigen. Vertragsstreit mit einem Steinbruchbetreiber blockiert die zweite Bauphase. Bürgermeister Christian Sandner (SPÖ) spricht von einem Patt: „Wir haben mit einem anderen Vertragspartner, der einen Steinbruch betreibt, keinen Vertrag zustande gebracht. Wir stehen vor einem Patt, weil wir weder vom Land noch vom Bund Unterstützung erhalten.“

Übelbach
Die Gemeinde im Bezirk Graz-Umgebung wurde 2024 schwer überflutet. Vor dem eigentlichen Bachausbau müssen drei Wildbäche oberhalb gesichert werden. Geschätzte Gesamtkosten: 23 Millionen Euro. Realistische Fertigstellung: rund 2036. Für die Bewohner heißt das: noch ein gutes Jahrzehnt mit erhöhtem Risiko.

Graz, Thalersee und Petersbach
Zwei zentrale Stadtprojekte sind verschoben. Das Rückhaltebecken am Thalersee wird vorbereitet, der Bauabschnitt am Petersbach ist budgetbedingt frühestens 2029 zu erwarten. Die Stadt verweist auf Engpässe im Investitionsbudget und auf parallele Großvorhaben wie die Reininghaus-Stadtentwicklung.

Was das Land Steiermark dem entgegensetzt

Wasser-Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) betont, dass trotz Sparbudget kein Cent beim Hochwasserschutz gekürzt werde: „Wir kürzen nicht beim Hochwasserschutz. Das Landesbudget für heuer bleibt trotz Sparmaßnahmen unverändert.“ Die Reduktion auf 50 Millionen Euro sei dadurch erklärbar, dass 2025 ein Sonderjahr mit einem zusätzlichen 20-Millionen-Paket war.

Auf Bundesebene hatte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) nach den Fluten 2024 ein Sofortpaket von 80 Millionen Euro freigegeben und ein Hochwasserschutz-Programm bis 2027 über insgesamt 1 Milliarde Euro angekündigt. Die Steiermark profitiert davon anteilig, vor allem für die Schadensbehebung an Schutzbauten und für neue Wildbachprojekte.

Seit 2020 wurden in der Steiermark laut Wasserwirtschaftsabteilung des Landes rund 15.000 Gebäude mit über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern durch neue Schutzbauten gesichert. Die typische Konstruktion: Retentionsbecken im Oberlauf, Uferstabilisierung im Mittellauf, Geschiebesperren an Wildbächen.

Förderungen für Gemeinden und Grundeigentümer

Wer als Gemeinde oder Grundeigentümer Schutzbauten errichten will, kann auf mehrere Töpfe zurückgreifen. Die wichtigsten:

  • Bundesförderung Wasserbau: Bis zu 50 Prozent der Errichtungskosten für Schutzbauten in Siedlungsgebieten.
  • Landesförderung Steiermark: Bis zu 30 Prozent für ergänzende Maßnahmen, abhängig vom Risikograd und Schutzziel (HQ30, HQ100, HQ300).
  • Naturgefahrenkataster: Kostenlose Risikoanalyse für Gemeinden, bislang von 108 steirischen Gemeinden in Anspruch genommen.
  • Objektschutz für Private: Förderungen für Schutzelemente wie mobile Dammbalken, Rückstauklappen und Geländemodellierungen, abgewickelt über die Bezirkshauptmannschaften.

Die zentrale Anlaufstelle ist die Förderstelle Hochwasserschutz der Wasserwirtschaft Steiermark. Antragspakete für 2026 müssen idealerweise bis Sommer eingereicht werden, um in die Mehrjahresplanung zu kommen.

Wo das Risiko jetzt am höchsten ist

Die Steiermark hat einige Talschaften mit überproportionalem Hochwasserrisiko. Dazu zählen das obere Murtal um Judenburg, das Sulm-Einzugsgebiet in der Südsteiermark, die Mürz-Region zwischen Mürzzuschlag und Bruck, das Raabtal und das obere Feistritztal. Wer in diesen Räumen wohnt oder baut, sollte den Hochwasserinformationsservice des Landes regelmäßig konsultieren – er liefert Pegelstände, Niederschlagsprognosen und Warnstufen in Echtzeit.

Für 2026 gilt: Die spürbarsten Investitionen fließen ins Murtal und in die Mur-Mürz-Furche. Im Stadtraum Graz dagegen verzögern sich Schlüsselprojekte trotz steigender Versiegelungsgrade – ein Punkt, der bei der nächsten Starkregen-Episode politisch nachgefragt werden dürfte.

Quellen