Mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2.516 Euro für Eigentumswohnungen im Erstbezug bleibt die Steiermark 2026 das günstigste Bundesland Österreichs für Immobilienkäufer. Nach turbulenten Jahren mit Zinssteigerungen, verschärften Kreditrichtlinien und wirtschaftlicher Unsicherheit zeigt sich der steirische Immobilienmarkt wieder stabilisiert. Die Nachfrage zieht an, das Angebot ist ausreichend – und für Käufer öffnet sich laut Branchenexperten ein attraktives Zeitfenster.
Die Talsohle ist durchschritten
Der steirische Immobilienmarkt hat eine schwierige Phase hinter sich. Die deutlich gestiegenen Zinsen ab 2022, die strenge KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit haben viele Kaufentscheidungen verzögert. Doch seit Mitte 2025 zeichnet sich eine klare Trendwende ab. Die Zinsen sind wieder auf einem kalkulierbaren Niveau angekommen, die Einkommen konnten nachziehen, und die Leistbarkeit verbessert sich spürbar.
Roland Jagersbacher, Geschäftsführer bei s REAL Steiermark, bestätigt diese Entwicklung: Die Nachfrage steigt, ist aber deutlich selektiver geworden. Viele Käufer haben es nicht mehr eilig, sondern informieren sich detailliert über bautechnische Details und Daten, bevor sie eine Entscheidung treffen. Gleichzeitig ist die Kompromissbereitschaft gestiegen – statt des perfekten Traumhauses kaufen viele lieber günstig und verbessern ihr Zuhause sukzessive.
| Kennzahl | Steiermark 2024 | Österreich 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Eigentumswohnung Erstbezug (€/m²) | 2.516,28 € | 3.559,21 € | +1,83% |
| Gebrauchte Eigentumswohnung (€/m²) | 1.375,90 € | 2.890,00 € | stabil |
| Einfamilienhaus (€/m²) | 1.594,04 € | 2.450,00 € | +1,2% |
| Baugrundstück (€/m²) | 114,33 € | 185,00 € | +2,5% |
| Neuwertige Mietwohnung (€/m²) | 7,36 € | 11,20 € | +3,1% |
RE/MAX-Prognose: Moderater Aufschwung 2026
Österreichs größter Immobilienvermittler RE/MAX blickt optimistisch auf das Geschäftsjahr 2026. Die Erwartungen sind klar: Plus 3,9 Prozent bei der Nachfrage, plus 2,8 Prozent beim Angebot und plus 3,4 Prozent bei den Preisen. Der stotternde Neustart 2025 ist überwunden, der Markt soll wieder unspektakulär, aber rund laufen, fasst Anton Nenning, Head of Research bei RE/MAX Austria, die Einschätzungen von 650 Immobilienexperten aus dem RE/MAX-Netzwerk zusammen.
Besonders interessant für Investoren: Die Nachfrage steigt am stärksten im oberen Preissegment, während die Preise im unteren Segment am deutlichsten anziehen. Bei Mietwohnungen verschiebt sich die Nachfrage zunehmend an den Stadtrand und in Landgemeinden – ein Trend, der sich auch in der Grazer Wirtschaft widerspiegelt.
Window of Opportunity für Käufer
Für 2026 sieht der Immobilienvermittler s REAL ein vielversprechendes Zeitfenster. Die Kombination aus stabilisierten Zinsen, nachgezogenen Einkommen und einem vergleichsweise großen Immobilienangebot schafft attraktive Bedingungen für Käufer. Wer sich bisher zurückgehalten hat, profitiert nun von mehr Auswahl, realistischeren Preisvorstellungen und deutlich besseren Finanzierungskonditionen.
Das Ende der KIM-Verordnung im Juni 2025 wirkt zusätzlich stimulierend. Die Banken melden eine spürbare Belebung bei der Kreditvergabe. Allerdings werden die Grundsätze nachhaltiger Kreditvergabe von vielen Instituten weiterhin freiwillig angewendet – 20 Prozent Eigenkapital und eine Schuldendienstquote unter 40 Prozent bleiben oft Voraussetzung.
Graz: Selektiver Markt mit wachsendem Angebot
Die steirische Landeshauptstadt präsentiert sich als selektiver Markt. Der durchschnittliche Kaufpreis für eine Eigentumswohnung liegt in Graz bei rund 4.375 Euro pro Quadratmeter – deutlich über dem Landesschnitt, aber immer noch weit unter den Preisen in Wien (6.500 Euro), Salzburg (7.000 Euro) oder Innsbruck (8.000 Euro). Die Mietpreise bewegen sich bei durchschnittlich 11,26 Euro pro Quadratmeter.
Der Grazer Wohnungsmarkt war lange stark von Anlegern geprägt. Inzwischen konzentriert sich die Nachfrage fast ausschließlich auf den Eigenbedarf. Die Neubautätigkeit stagniert zwar, das Angebot an Bestandswohnungen ist jedoch groß – zumindest für Singles und Paare. Familienwohnungen ab 80 Quadratmeter sind hingegen rar, da in den vergangenen Jahren hauptsächlich Kleinwohnungen für Anleger errichtet wurden.
Regionale Verlagerung: Von Graz nach Leibnitz und Gleisdorf
Viele Familien weichen daher in den Großraum Graz-Umgebung und das weitere Umland aus. Das sorgt für steigende Nachfrage in Regionen wie Leibnitz oder Gleisdorf. Diese Entwicklung wird durch die verbesserte Verkehrsanbindung begünstigt – insbesondere die neue Koralmbahn wertet angeschlossene Regionen kräftig auf.
Die 130 Kilometer lange Zugverbindung zwischen Klagenfurt und Graz verkürzt nicht nur Pendelzeiten, sondern eröffnet auch neue Wohnalternativen. Regionen wie St. Paul im Lavanttal oder der Unterkärntner Bereich profitieren stark von der verbesserten Anbindung an Graz. Bauträger kaufen dort verstärkt Grundstücke, die Preise steigen – aber von einem niedrigen Niveau aus.
Bestandsimmobilien im Fokus
Ein klarer Trend zeichnet sich ab: Bestandsimmobilien gewinnen gegenüber Neubauten an Bedeutung. Der Grund liegt auf der Hand – gebrauchte Häuser und Wohnungen sind deutlich günstiger als Neubauten und bieten oft mehr Verhandlungsspielraum. Der Trend geht zum Sanieren statt Abreißen, wobei Eigenleistung eine immer größere Rolle spielt.
Allerdings mahnen Experten zur Vorsicht: Der Umfang einer erforderlichen Sanierung sollte vorab realistisch eingeschätzt werden. Energieeffizienz und nachhaltige Heizsysteme sind zentrale Faktoren für den Immobilienwert geworden. Schlecht gedämmte Objekte mit veralteten Heizsystemen verlieren an Wert, während energieeffiziente Immobilien preisstabil bleiben. Die größten Unternehmen der Steiermark setzen bei ihren Betriebsgebäuden längst auf klimafreundliche Lösungen.
Mietmarkt unter Druck
Während sich der Kaufmarkt stabilisiert, gerät der Mietmarkt zunehmend unter Druck. Im Vergleich zum Beginn der 2020er-Jahre können sich nach wie vor weniger Menschen Eigentum leisten. Viele weichen daher in den Mietmarkt aus – mit entsprechenden Konsequenzen für die Mietpreise.
In Graz liegt die durchschnittliche Miete für Neubauwohnungen bei etwa 13,50 Euro pro Quadratmeter. Besonders hochwertige Objekte in guten Lagen erreichen sogar 16 bis 17 Euro. Im Vergleich mit ganz Österreich liegen die Grazer Mietpreise jedoch im Mittelfeld – deutlich unter Innsbruck (bis zu 25 Euro) oder Wien (18 Euro).
| Region/Stadt | Miete €/m² (Neubau) | Kaufpreis €/m² (Wohnung) |
|---|---|---|
| Graz | 13,50 € | 4.375 € |
| Graz-Umgebung | 10,80 € | 3.200 € |
| Leibnitz | 8,50 € | 2.800 € |
| Murtal | 5,92 € | 2.068 € |
Wichtige Faktoren für Kaufentscheidungen
Die Kriterien für Immobilienkäufe haben sich deutlich verschoben. Während früher die reine Größe der Immobilie oft ausschlaggebend war, stehen heute andere Faktoren im Vordergrund. Die Energieeffizienz ist zum zentralen Bewertungskriterium geworden. Käufer achten verstärkt auf die Art des Heizsystems, die Qualität der Dämmung und alternative Energieformen wie Photovoltaikanlagen. Das Bewusstsein für die Energiekosten ist spürbar gestiegen – nicht zuletzt durch die Erfahrungen der Energiekrise 2022 und 2023.
Auch die Lage mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung gewinnt an Bedeutung – insbesondere die Anbindung an Graz. Regionen mit S-Bahn-Anschluss oder direkter Zugverbindung in die Landeshauptstadt verzeichnen steigende Nachfrage. Die ausgebaute Infrastruktur für tägliche Erledigungen ist ein weiterer wichtiger Faktor. Gemeinden mit Nahversorgung, Schulen und Kindergärten punkten bei Familien. Im südlichen Wiener Umland oder im Grazer Speckgürtel liegen die Preise sowohl im Miet- als auch im Eigentumssegment auf hohem Niveau.
Interessant ist auch die veränderte Einstellung zur Finanzierung. Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen hat sich gegenüber 2024 um etwa 20 Prozent erhöht. Käufer nehmen wieder mehr Geld in die Hand, wenn eine Immobilie ihren Wünschen entspricht und zum Budget passt. Die durchschnittliche Verwertungsdauer hat sich verkürzt – Kaufentscheidungen werden schneller getroffen als in den vergangenen Jahren. Die traditionsreichen Familienunternehmen der Steiermark investieren ebenfalls verstärkt in betriebliche Immobilien.
Prognose für einzelne Immobilientypen
Einfamilienhäuser und Baugrundstücke bleiben weiterhin gefragt. Angebot und Nachfrage steigen, die Preise entwickeln sich im Einklang mit der Inflation. Baugrundstücke könnten die Baukonjunktur ankurbeln, da die Preise hier schneller wachsen als bei fertigen Einfamilienhäusern. Im ersten Halbjahr 2025 stiegen die Verkäufe von Einfamilienhäusern in der Steiermark um 18,1 Prozent auf 959 Einheiten.
Bei Mietwohnungen und Eigentumswohnungen zeigt sich eine ähnliche Preisentwicklung, wobei Mietpreise minimal stärker anziehen als Kaufpreise. Die Nachfrage nach Mietwohnungen wächst vor allem am Stadtrand und in ländlichen Gemeinden, während Eigentumswohnungen in allen Lagen gleichbleibend gefragt sind. Am gefragtesten sind Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 50 und 80 Quadratmetern.
Im Bereich der Gewerbeimmobilien wie Betriebsgrundstücke, Gewerbeobjekte und Büroflächen wird ebenfalls eine positive Entwicklung erwartet. Diese Segmente sollen 2026 besser abschneiden als 2025. In Graz bleiben die Mieten auf Büroflächen mit 13,07 Euro pro Quadratmeter konstant, bei Geschäftslokalen gab es sogar Preisrückgänge von bis zu 5 Prozent – ein gutes Zeichen für Unternehmen, die expandieren wollen.
Ausblick: Langsame Erholung erwartet
Für 2026 erwarten die Experten eine Fortsetzung der Stabilisierung und weiter steigendes Käufervertrauen. Andreas Kern, neuer Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WKO Steiermark, ist optimistisch: Nimmt die Wirtschaft Fahrt auf, wird die Nachfrage anspringen. Das könnte schon 2026 passieren. Die Steiermark und Graz liegen preislich immer noch im guten Mittelfeld – besonders wenn man mit Tirol, Salzburg oder Wien vergleicht.
Die großen Herausforderungen bleiben Deregulierung und Bürokratieabbau. Der Sanierungsturbo wird von vielen als Schlüssel zur Marktbelebung gesehen. Langfristig sprechen mehrere Faktoren für steigende Preise: Der Bedarf an Wohnraum wächst weiter, während die Fertigstellungszahlen sinken. Diese Angebotslücke könnte den Markt in den kommenden Jahren prägen.