Die Steiermark ist mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2.516 Euro für Eigentumswohnungen im Erstbezug das günstigste Bundesland Österreichs. Doch die Preisunterschiede innerhalb des Bundeslandes sind enorm: Während ein Baugrundstück in Graz 380 Euro pro Quadratmeter kostet, zahlt man in Hartberg-Fürstenfeld nur 54 Euro. Wir zeigen, wo Immobilien am teuersten und wo am günstigsten sind – und welche Regionen für Käufer besonders interessant werden.
Das große Preisgefälle: Stadt versus Land
Der Immobilienmarkt der Steiermark zeigt ein klassisches Stadt-Land-Gefälle. Die Landeshauptstadt Graz ist mit Abstand der teuerste Standort, gefolgt von Graz-Umgebung. In den ländlichen Bezirken sind die Preise deutlich niedriger – mit entsprechenden Chancen für Käufer, die bereit sind, längere Pendelwege in Kauf zu nehmen.
Der Immobilienpreisspiegel 2025 der Wirtschaftskammer zeigt: Lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis beim Kauf von Eigentumswohnungen im Erstbezug 2024 in Österreich bei 3.559,21 Euro, waren es in der Steiermark nur 2.516,28 Euro – damit verzeichnet man in diesem Bereich den günstigsten Durchschnittspreis des Landes. Ähnlich sieht es bei Baugrundstücken (114,33 Euro), gebrauchten Eigentumswohnungen (1.375,90 Euro), Reihenhäusern (1.438,73 Euro) und Einfamilienhäusern (1.594,04 Euro) aus.
| Bezirk | Baugrund €/m² | Wohnung Neu €/m² | Miete €/m² |
|---|---|---|---|
| Graz Stadt | 380,18 € | 4.375 € | 11,26 € |
| Graz-Umgebung | 174,22 € | 3.500 € | 10,80 € |
| Leibnitz | 85,50 € | 2.850 € | 8,20 € |
| Weiz | 78,30 € | 2.650 € | 7,80 € |
| Liezen | 72,40 € | 2.750 € | 7,09 € |
| Murtal | 58,20 € | 2.068 € | 5,92 € |
| Südoststeiermark | 54,95 € | 2.200 € | 6,50 € |
| Hartberg-Fürstenfeld | 53,97 € | 2.150 € | 6,80 € |
Graz: Teuer, aber im Bundesvergleich moderat
Die Landeshauptstadt Graz sticht im steirischen Vergleich deutlich heraus. Ein Baugrundstück kostet hier durchschnittlich 380,18 Euro pro Quadratmeter – mehr als doppelt so viel wie im zweitteuersten Bezirk Graz-Umgebung (174,22 Euro). Bei Eigentumswohnungen im Erstbezug liegt Graz mit rund 4.375 Euro pro Quadratmeter ebenfalls deutlich über dem Landesschnitt.
Im bundesweiten Vergleich ist Graz jedoch verhältnismäßig günstig. Während in Innsbruck Neubauwohnungen durchschnittlich 7.956 Euro pro Quadratmeter kosten und in Wien bis zu 6.500 Euro, bleibt Graz mit seinen Preisen im Mittelfeld. Auch bei den Mieten zeigt sich dieses Bild: Mit 11,26 Euro pro Quadratmeter liegt Graz deutlich unter Wien (18 Euro) oder Innsbruck (bis zu 25 Euro).
Die günstigsten Bezirke: Murtal und Hartberg-Fürstenfeld
Wer günstigen Wohnraum sucht, wird im Murtal fündig. Mit durchschnittlich 2.068,51 Euro für Eigentumswohnungen im Erstbezug und nur 979,54 Euro für gebrauchte Wohnungen ist der Bezirk Preissieger in der Steiermark. Auch die Mieten bleiben hier mit 5,92 Euro pro Quadratmeter am niedrigsten im Bundesland.
Ähnlich günstig ist Hartberg-Fürstenfeld mit Baugrundstücken um 53,97 Euro pro Quadratmeter und die Südoststeiermark mit 54,95 Euro. Diese Bezirke bieten attraktive Möglichkeiten für Familien, die ein Eigenheim bauen wollen. Die Kombination aus niedrigen Grundstückspreisen und moderaten Baukosten macht den Traum vom Einfamilienhaus hier noch realisierbar.
Preisentwicklung 2024/2025: Stabilisierung auf breiter Front
Die Immobilienpreise in der Steiermark sind 2024 und 2025 relativ stabil geblieben. Bei Eigentumswohnungen im Erstbezug gab es einen leichten Anstieg von 1,83 Prozent auf 2.516,28 Euro pro Quadratmeter. Deutlicher fiel das Plus bei Betriebsgrundstücken in Graz aus (+10,69 Prozent).
Ein deutliches Minus gab es dagegen bei Geschäftsmieten. In Graz sanken sie um 5,01 Prozent, in Weiz um 4,17 Prozent und in Liezen um 2,08 Prozent. Für Unternehmen bedeutet das: Gewerbeflächen sind leistbarer geworden. Die Wirtschaft in Graz profitiert von diesen stabileren Konditionen.
Regionale Highlights: Wo sich Investitionen lohnen
Einige Regionen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Der Bezirk Leibnitz profitiert von der Nähe zu Graz und der attraktiven südsteirischen Landschaft. Viele Familien weichen aus der teuren Landeshauptstadt dorthin aus. Die Preise sind noch moderat, aber steigend. Für Kapitalanleger bietet die Region interessante Renditemöglichkeiten im Tourismus- und Weinsegment mit Bruttorenditen von 6,5 bis 7 Prozent.
Die Koralmbahn – die neue 130 Kilometer lange Zugverbindung zwischen Klagenfurt und Graz – wertet bestimmte Regionen deutlich auf. Orte wie St. Paul im Lavanttal oder der Unterkärntner Bereich profitieren von der verbesserten Anbindung. Die Grundstückspreise dort steigen bereits spürbar von 45 bis 100 Euro pro Quadratmeter, bewegen sich aber noch auf niedrigem Niveau im Vergleich zum Grazer Raum.
Der Bezirk Weiz gilt als einer der wirtschaftsstärksten Bezirke der Steiermark mit einer Exportquote von 65 Prozent. Die Nähe zu großen Arbeitgebern wie AVL List macht die Region für Berufstätige interessant. Die Immobilienpreise sind moderat, die Infrastruktur gut ausgebaut. Ähnlich verhält es sich mit dem Bezirk Gleisdorf, der von der S-Bahn-Anbindung nach Graz profitiert.
Mietpreise: Druck steigt in allen Regionen
Während die Kaufpreise stabil bleiben, steigen die Mieten in fast allen Bezirken. Den kräftigsten Anstieg verzeichnete Liezen mit +6,54 Prozent auf 7,09 Euro pro Quadratmeter. Das höchste Minus gab es in Bruck-Mürzzuschlag mit -2,64 Prozent – hier wirkt sich der demografische Wandel bereits auf die Mietpreise aus.
In Graz liegt die durchschnittliche Miete für Neubauwohnungen bei etwa 13,50 Euro pro Quadratmeter. Besonders hochwertige Objekte in guten Lagen erreichen sogar 16 bis 17 Euro. Die größten Unternehmen der Steiermark konkurrieren um attraktive Standorte für Mitarbeiterwohnungen in der Nähe ihrer Betriebe.
| Bezirk | Miete 2024 €/m² | Veränderung |
|---|---|---|
| Liezen | 7,09 € | +6,54% |
| Graz Stadt | 11,26 € | +3,2% |
| Weiz | 7,80 € | +2,8% |
| Murtal | 5,92 € | +1,5% |
| Bruck-Mürzzuschlag | 6,45 € | -2,64% |
Was Käufer beachten sollten
Der steirische Immobilienmarkt bietet je nach Budget und Lebensplanung unterschiedliche Optionen. Für Familien mit begrenztem Budget sind die ländlichen Bezirke wie Murtal, Hartberg-Fürstenfeld oder die Südoststeiermark interessant. Hier sind Einfamilienhäuser und Baugrundstücke noch leistbar.
Für Berufspendler lohnt sich der Blick auf Regionen mit guter Verkehrsanbindung. Der Speckgürtel von Graz – besonders Bezirke wie Leibnitz, Weiz oder Graz-Umgebung – bietet die Kombination aus moderateren Preisen und akzeptablen Pendelzeiten. Die Verlängerung der S-Bahn und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs machen diese Regionen zunehmend attraktiver.
Für Kapitalanleger bleiben Graz und Graz-Umgebung die erste Wahl. Die stabile Nachfrage, die Universitäten mit ihren Studenten und die wirtschaftliche Dynamik der Region sorgen für verlässliche Mieteinnahmen. Die Renditen liegen mittlerweile wieder über den Sparzinsen.
Ausblick: Was kommt 2026?
Für 2026 erwarten die Experten eine Fortsetzung der Stabilisierung. Die Preise werden voraussichtlich moderat steigen – im Rahmen von etwa 2 bis 3 Prozent. Ein starker Preisauftrieb bleibt unwahrscheinlich, solange das Angebot ausreichend ist und die Zinsen auf dem aktuellen Niveau verharren. Die RE/MAX-Prognose geht von plus 3,4 Prozent höheren Preisen bundesweit aus.
Die regionalen Unterschiede werden sich voraussichtlich verstärken. Gut angebundene Regionen mit Infrastruktur werden attraktiver, während periphere Lagen mit demografischen Herausforderungen kämpfen. Die Energieeffizienz von Gebäuden wird ein immer wichtigerer Preisfaktor – schlecht gedämmte Objekte mit veralteten Heizsystemen werden an Wert verlieren, während klimafreundliche Immobilien preisstabil bleiben.
Die Nachfrage nach Bestandsimmobilien wird weiter steigen. Die niedrigeren Preise im Vergleich zu Neubauten und der größere Verhandlungsspielraum machen gebrauchte Häuser und Wohnungen attraktiv. Der Trend geht zum Sanieren statt Abreißen – Eigenleistung spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Wer handwerklich geschickt ist, kann bei einem älteren Objekt erheblich sparen.
Wer mit dem Gedanken eines Immobilienkaufs spielt, sollte laut WKO-Experten die regionalen Besonderheiten genau analysieren. Die Steiermark und Graz liegen preislich immer noch im guten Mittelfeld – besonders wenn man mit Tirol, Salzburg oder Wien vergleicht, betont der langjährige Fachgruppenobmann Gerald Gollenz. Das macht die Steiermark zu einem attraktiven Standort für alle, die sich den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen. Die aktuelle Phase bietet nach Einschätzung vieler Experten ein Zeitfenster, das Käufer nutzen sollten – bevor die Nachfrage wieder stärker anzieht und die Preise mit ihr.