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Ladeinfrastruktur Steiermark – Das größte Ausbauprojekt Österreichs

Ende 2024 standen in der Steiermark 3.411 öffentliche Ladepunkte für Elektroautos zur Verfügung – davon 658 Schnellladepunkte und 215 Ultraschnellladepunkte. Mit rund 26.000 zugelassenen E-Fahrzeugen kommt damit auf etwa 7,4 Elektroautos ein öffentlicher Ladepunkt. Die Energie Steiermark investiert gemeinsam mit Handelspartnern über 18 Millionen Euro in den größten Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur, den das Bundesland je gesehen hat.

Die Ausgangslage: Steiermark im österreichweiten Vergleich

Mit 3.411 öffentlichen Ladepunkten liegt die Steiermark auf Platz 4 der österreichischen Bundesländer – hinter Niederösterreich (5.903), Oberösterreich (4.224) und Tirol (3.568). Im Verhältnis zur Anzahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge entspricht das dem österreichischen Durchschnitt: Auf einen Ladepunkt kommen 7,4 E-Autos, während es im Österreich-Schnitt 7,5 sind.

Die Verteilung der Ladepunkte zeigt die strategische Ausrichtung des Ausbaus: Von den 3.411 Ladepunkten sind 2.538 Normalladepunkte mit bis zu 22 kW Leistung – ideal für längere Parkzeiten beim Einkauf oder am Arbeitsplatz. 658 Schnellladepunkte mit 22 bis 150 kW befinden sich hauptsächlich an Verkehrsknotenpunkten. Die 215 Ultraschnellladepunkte mit über 150 kW ermöglichen Reichweiten von 400 Kilometern in nur 15 Minuten Ladezeit.

Bundesland Ladepunkte gesamt Schnelllader Ultraschnelllader E-Pkw pro Ladepunkt
Niederösterreich 5.903 1.042 326 6,7
Oberösterreich 4.224 918 429 9,3
Tirol 3.568 442 286 5,0
Steiermark 3.411 658 215 7,4
Österreich gesamt 26.838 4.368 1.961 7,5

Das SPAR-Projekt: 8,8 Millionen Euro für 88 Standorte

Im Jänner 2023 startete die Energie Steiermark gemeinsam mit dem Lebensmittelhändler SPAR das damals größte Ausbauprojekt öffentlicher Ladeinfrastruktur in der Steiermark. An 88 SPAR-Standorten im gesamten Bundesland entstehen bis 2028 über 350 neue Ladepunkte. Die Energie Steiermark investiert dafür 8,8 Millionen Euro.

„Mit dem SPAR E-Ladeinfrastrukturprojekt starten wir das aktuell größte Ausbauprojekt öffentlicher Ladeinfrastruktur in der Steiermark“, sagte Christian Purrer, Vorstandssprecher der Energie Steiermark, bei der Projektvorstellung. Das Konzept verbindet den täglichen Einkauf mit dem Laden des Elektroautos – eine Kombination, die für viele Autofahrer ideal ist.

Getankt wird an allen SPAR-Standorten ausschließlich heimischer Grünstrom. Die Mobilitätskarte der Energie Steiermark ermöglicht den Zugang zu über 5.000 Ladepunkten in ganz Österreich – künftig auch an allen steirischen SPAR-Filialen. Österreichweit kooperiert SPAR mit verschiedenen Energieversorgern und plant bis 2028 mindestens 535 E-Ladestandorte bei seinen Filialen.

Das Hofer-Projekt: Größtes E-Mobilitätsprojekt Österreichs

Nur ein Jahr später, im Jänner 2024, folgte der noch größere Coup: Die Energie Steiermark koordiniert als Konsortialführer den Bau von über 2.000 Ladepunkten an 485 Hofer-Standorten in ganz Österreich. An 95 steirischen Hofer-Filialen entstehen dabei über 400 neue Ladepunkte – eine Investition von 9,4 Millionen Euro allein in der Steiermark.

Das bundesweite Konsortium besteht aus sieben Energieversorgern: Energie Steiermark, Energie Graz, EVN, KELAG, IKB, VKW und Linz AG. Die Gesamtinvestition für das österreichweite Projekt beträgt über 100 Millionen Euro. Der erste steirische Pilotstandort wurde in Leoben in Betrieb genommen.

„In der Steiermark ist aufgrund der Ausbauoffensive der Energie Steiermark bereits heute kein Haushalt weiter als 15 Kilometer bis zur nächsten E-Ladestation entfernt“, erklärten die Vorstände Christian Purrer und Martin Graf. „In den kommenden Jahren werden wir rund 1.000 neue Ladepunkte in allen Regionen des Landes bauen.“

Ultraschnellladen: Der neue Standard für Langstrecken

Der Trend geht eindeutig in Richtung High Power Charging (HPC). Moderne Ultraschnelllader mit Leistungen von 400 kW ermöglichen es, ein Elektrofahrzeug in nur 15 Minuten für 400 Kilometer Reichweite zu laden. Das macht längere Fahrten mit dem E-Auto praktisch so komfortabel wie mit dem Verbrenner.

SMATRICS EnBW, das Joint Venture zwischen Verbund und dem deutschen Energieversorger EnBW, betreibt mit 710 HPC-Ladepunkten das größte Schnellladenetz Österreichs. Im ersten Quartal 2025 kamen allein 46 neue HPC-Ladepunkte hinzu – davon 12 in der Steiermark.

Ein Highlight ist der Ladepark Spielberg mit zwölf Ultraschnellladepunkten direkt an der A9. Der Standort bietet ideale Bedingungen für Reisende auf der Route zwischen Graz und Oberösterreich. Ein weiterer wichtiger Standort ist der 100. HPC-Standort von SMATRICS EnBW in Sankt Johann in der Haide an der Autobahnabfahrt Hartberg mit fünf Alpitronic Hyperchargern à 400 kW.

„Wir bauen Ladeinfrastruktur nicht nur für heute, sondern für das, was morgen auf unseren Straßen unterwegs ist“, erklärt Thomas Landsbek, CEO von SMATRICS EnBW. „Und dabei gilt beim Laden: So schnell wie ein Kaffee – so weit wie ein Wochenendtrip.“ Allein 2025 werden im SMATRICS EnBW-Schnellladenetz rund 200 weitere HPC-Ladepunkte in Österreich errichtet.

Die wichtigsten Ladeanbieter in der Steiermark

Die steirische Ladeinfrastruktur wird von mehreren Anbietern betrieben. Die Energie Steiermark ist mit rund 1.100 Ladepunkten an 348 Standorten der größte regionale Betreiber. Über die Mobilitätskarte des Unternehmens haben Kunden Zugang zu über 600.000 Ladepunkten in ganz Europa – das erste österreichische Energieversorgungsunternehmen mit einem derart weitreichenden Netzwerk.

Für Reisende auf den Hauptverkehrsrouten sind die überregionalen Anbieter relevant: SMATRICS EnBW fokussiert sich auf Schnelllader entlang der Autobahnen und bei Handelspartnern. IONITY, das Gemeinschaftsunternehmen mehrerer Automobilhersteller, betreibt Standorte wie in Trieben an der A9. Shell Recharge bietet Ladepunkte an Autobahnraststätten, etwa in Ilz.

Anbieter Fokus Steirische Standorte Besonderheit
Energie Steiermark Flächendeckend 348 Grünstrom, regionale Verankerung
SMATRICS EnBW HPC-Schnelllader 12+ HPC-Standorte Bis 400 kW Ladeleistung
IONITY Autobahn Trieben, weitere OEM-Kooperation
Shell Recharge Tankstellen Ilz, weitere Europaweites Netzwerk

Förderungen für Ladeinfrastruktur in der Steiermark

Das Land Steiermark unterstützt den Ausbau der Ladeinfrastruktur mit verschiedenen Förderprogrammen. Der Ökofonds Steiermark fördert die Neuerrichtung von Ladeinfrastruktur auf rund um die Uhr öffentlich zugänglichen Parkplätzen. Für diese Ausschreibung stehen 1 Million Euro zur Verfügung.

Die Fördervoraussetzungen sind klar definiert: Jeder Ladepunkt muss mindestens 3,7 kW Ladeleistung dauerhaft bereitstellen. Eine barrierefreie Bezahlmöglichkeit ohne Registrierung ist Pflicht. Der eingespeiste Strom muss nachweislich aus erneuerbaren Energieträgern stammen. Die geförderte Anlage muss mindestens sieben Jahre betrieben werden.

Besondere Anreize gibt es für e5-Gemeinden und Gemeinden in Klima- und Energiemodellregionen: Sie erhalten bis zu 35 Prozent Förderung statt der regulären 30 Prozent. Anträge werden über ein eGovernment-Onlineformular eingereicht. Planungskosten werden bis zu 10 Prozent der Gesamtkosten anerkannt.

Für Unternehmen gibt es zusätzlich die bundesweite E-Mobilitätsoffensive. Diese fördert sowohl E-Nutzfahrzeuge (60 Prozent der Mehrkosten) als auch Ladeinfrastruktur am Betriebsstandort (40 Prozent). Die LADIN-Förderung des Bundes zielt speziell auf Schnellladeinfrastruktur in unterversorgten Gebieten ab.

Laden zu Hause und am Arbeitsplatz

Der Großteil der Ladevorgänge findet nicht an öffentlichen Ladestationen statt, sondern zu Hause oder am Arbeitsplatz. Immer mehr private Haushalte und Unternehmen nutzen eigene Photovoltaikanlagen zum Laden ihrer E-Autos – eine Kombination, die erhebliche Kostenersparnisse ermöglicht.

Das Land Steiermark informiert auf seiner Fachseite für Elektromobilität ausführlich über verschiedene Ladelösungen. Für Einfamilienhäuser empfehlen Experten Wallboxen mit 11 oder 22 kW Leistung. Eine 11-kW-Wallbox lädt etwa 200 Kilometer Reichweite in rund 3,5 Stunden – deutlich schneller als eine normale Haushaltssteckdose, die über 10 Stunden benötigt.

In Mehrparteienhäusern gelten seit 2022 besondere Regelungen: Wohnungseigentümer haben das Recht auf eine eigene Ladestation. Für Ladestationen bis 5,5 kW gilt ein vereinfachtes Verfahren. Gemeinschaftsanlagen mit dynamischem Lastmanagement sind besonders effizient, da sie die verfügbare Stromleistung flexibel auf mehrere Ladepunkte verteilen.

Die Zukunft: Bidirektionales Laden und Preistransparenz

Eine zukunftsweisende Technologie gewinnt zunehmend an Bedeutung: Das bidirektionale Laden ermöglicht es, die Fahrzeugbatterie nicht nur aufzuladen, sondern auch Strom zurück ins Haus oder Netz zu speisen. Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G) sind die Schlagworte dieser Entwicklung, die das Elektroauto zum mobilen Energiespeicher macht.

Ein wichtiger Schritt für die Nutzerfreundlichkeit ist die neue Ladepunkt-Daten-Verordnung. Sie verpflichtet Betreiber, Angaben zu Preisen und Verfügbarkeit bereitzustellen. Im Ladestellenverzeichnis ladestellen.at wird künftig ersichtlich sein, wie hoch der Strompreis ist und ob die Ladestelle frei ist. Je früher diese Verordnung vollständig umgesetzt wird, desto besser für die wachsende Zahl von E-Auto-Fahrern.

Für den steirischen Tourismus wird die Ladeinfrastruktur ebenfalls immer wichtiger. In den Niederlanden, nach Deutschland Österreichs zweitwichtigstem Urlaubsgästeland, sind bereits 35 Prozent der Neuwagen Elektroautos. Der Ausbau von Ladestellen bei Beherbergungsbetrieben und touristischen Zielen wird daher zur Standortfrage.

Fazit: Steiermark auf Kurs

Die Steiermark befindet sich mitten im größten Ausbau ihrer Ladeinfrastruktur. Die Kombination aus den Handelsprojekten mit SPAR und Hofer, dem kontinuierlichen Ausbau durch die Energie Steiermark und den HPC-Investitionen überregionaler Anbieter wie SMATRICS EnBW schafft ein dichtes Netz an Lademöglichkeiten.

Mit dem Ziel, dass kein steirischer Haushalt weiter als 15 Kilometer von einer Ladestation entfernt ist, setzt die Energie Steiermark auf flächendeckende Versorgung. Gleichzeitig entstehen an strategischen Punkten wie Spielberg oder Sankt Johann in der Haide hochmoderne Schnellladeparks für Langstreckenfahrer.

Die steirische Wirtschaft profitiert mehrfach: Elektroauto-Fahrer haben eine verlässliche Infrastruktur, Handelsunternehmen gewinnen Kunden während der Ladezeit, und regionale Energieversorger stärken ihre Position im Zukunftsmarkt E-Mobilität. Mit über 18 Millionen Euro Investition allein in den SPAR- und Hofer-Projekten zeigt die Energie Steiermark, dass der Umstieg auf Elektromobilität längst keine Zukunftsmusik mehr ist.

Quellen