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Lebensmittel- und Getränkeindustrie in der Steiermark – Von Bierkultur bis Bio-Schokolade

Die steirische Lebensmittel- und Getränkeindustrie erwirtschaftet eine Bruttowertschöpfung von über 1,2 Mrd. Euro jährlich. Mit der Brau Union als Marktführer, der Schokoladenmanufaktur Zotter und traditionellen Spezialitäten wie Kürbiskernöl hat sich die Steiermark als kulinarische Vorzeigeregion etabliert.

Brau Union: Österreichs Biermarktführer aus Graz

Die Brau Union Österreich AG mit Hauptsitz in Linz betreibt mehrere Braustandorte in der Steiermark. Göss bei Leoben und Schladming produzieren bereits mit 100 Prozent erneuerbarer Energie. Die Brauerei Göss nutzt ein vielschichtiges Energiesystem aus Fernwärme, Solarenergie und einer Biertreber-Vergärungsanlage.

Eine Wertschöpfungsstudie der Economica GmbH belegt den wirtschaftlichen Stellenwert: Im Jahr 2024 erzielte die Brau Union eine Bruttowertschöpfung von 532,7 Mio. Euro in Österreich. Die gesamte durch das Unternehmen ausgelöste Wertschöpfung beträgt 1,236 Mrd. Euro. Für die Steiermark bedeutet das 114 Mio. Euro direkte, indirekte und induzierte Wertschöpfung.

Biermarke Braustandort Besonderheit
Gösser Göss bei Leoben Erste grüne Brauerei Österreichs
Puntigamer Graz-Puntigam Steirisches Bier seit 1478
Schladminger Schladming 100% erneuerbare Energie

Regionale Rohstoffe für die Bierproduktion

Die Brau Union bezieht 83 Prozent des Malzes aus österreichischer Braugerste. 13 Hopfenbauern in Leutschach in der Südsteiermark liefern einen wesentlichen Teil des Hopfens. Das Brauwasser stammt zur Gänze aus hauseigenen Tiefenbrunnen. Diese regionale Verankerung sichert kurze Transportwege und unterstützt die heimische Landwirtschaft.

Zotter: Bio-Schokolade aus der Oststeiermark

Die Zotter Schokoladen Manufaktur in Bergl bei Riegersburg gehört zu den innovativsten Schokoladenherstellern Europas. Josef Zotter gründete das Unternehmen 1987 und erfand die handgeschöpfte Schokolade. Seit 2006 produziert Zotter ausschließlich in Bio-Qualität und ist Mitglied der WFTO World Fair Trade Organization.

Das Unternehmen verarbeitet Kakaobohnen nach dem Bean-to-Bar-Prinzip: Rösten, Walzen und Conchieren erfolgen im eigenen Haus. Die Produktionskette bleibt transparent. Über 500 verschiedene Schokoladensorten entstehen in der Manufaktur. Die Zotter-Erlebniswelt mit Schoko-Laden-Theater und Essbarem Tiergarten zieht jährlich über 270.000 Besucher an.

Steirische Spezialitäten mit geschützter Herkunft

Das Steirische Kürbiskernöl g.g.A. zählt zu den bekanntesten regionalen Produkten. Die Südsteiermark produziert jährlich rund 3 Millionen Liter des dunkelgrünen Öls. Die geografisch geschützte Angabe sichert Qualität und Herkunft. Weitere geschützte Spezialitäten sind der Steirische Kren und verschiedene Apfelsorten.

Die steirischen Weine genießen internationalen Ruf. Rund 4.600 Hektar Rebfläche, vorwiegend in der Süd- und Weststeiermark, bringen Sauvignon Blanc, Welschriesling und Schilcher hervor. Die traditionsreichen Familienunternehmen der Region pflegen das kulinarische Erbe seit Generationen.

Molkereien und Fleischverarbeitung

Berglandmilch betreibt mehrere Standorte in der Steiermark und verarbeitet Milch von regionalen Bauern zu Käse, Joghurt und Butter. Die Marke Schärdinger steht für österreichische Milchprodukte. Im Bereich der Fleischverarbeitung ist die Steirerfleisch GmbH ein bedeutender Arbeitgeber.

Die Grazer Gastronomie-Szene profitiert von der regionalen Lebensmittelwirtschaft. Die Einkaufszentren der Steiermark bieten steirische Spezialitäten im großen Sortiment. Die Verbindung von Produktion, Verarbeitung und Handel schafft Wertschöpfung in der gesamten Region.

Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion

Die steirische Lebensmittelindustrie setzt verstärkt auf nachhaltige Produktion. Die Brau Union nutzt Abwärme aus dem Brauprozess für Fernwärme und beliefert ganze Stadtteile. Zotter ist EMAS und ISO 14001 zertifiziert. Bio-Landwirtschaft und Fair-Trade-Prinzipien gewinnen branchenweit an Bedeutung.

Quellen