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Silicon Alps Cluster – Mikroelektronik-Allianz zwischen Steiermark und Kärnten

Rund 80 Prozent der österreichischen Wertschöpfung im Bereich Mikro- und Nanoelektronik werden in der Steiermark und Kärnten erwirtschaftet. Der Silicon Alps Cluster bündelt diese Stärke seit 2016 in Österreichs erster bundesländerübergreifender High-Tech-Allianz. 140 Unternehmen und Forschungseinrichtungen generieren einen Gesamtumsatz von 15 Milliarden Euro pro Jahr.

Gründung und Struktur

Die Silicon Alps Cluster GmbH mit Sitz in Villach wurde im August 2016 gegründet. Gesellschafter sind die Steirische Wirtschaftsförderung SFG, der Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds KWF, die Industriellenvereinigungen beider Bundesländer sowie führende Technologieunternehmen.

Die Gründungspartner aus der Industrie umfassen AT&S, AVL, NXP, TDK, Infineon, Ortner Cleanroom und CISC. Mit Intel stieg 2017 ein weiterer Global Player als Gesellschafter ein. Drei der sieben weltgrößten Mikrochip-Hersteller tragen Verantwortung für die Clusterentwicklung.

Wirtschaftliche Bedeutung

Im Einflussbereich des Clusters arbeiten mehr als 30.000 Menschen. Das Potenzial umfasst rund 255 Unternehmen mit über 40.000 Mitarbeitern und 20 Milliarden Euro Jahresumsatz. Die Region positioniert sich als treibende europäische Kraft zwischen dem Silicon Valley und den asiatischen Märkten.

Kennzahl Wert
Partnerunternehmen 140
Gesamtumsatz pro Jahr 15 Mrd. €
Beschäftigte im Einflussbereich 30.000+
Anteil an österreichischer Wertschöpfung 80%
Gründungsjahr 2016

Technologische Schwerpunkte

Der Cluster fokussiert auf Electronic Based Systems (EBS). Die Kernbereiche umfassen RFID und Wireless IoT, Smart Sensor Systems, Cyber Security Systems und Power Electronics. Diese Technologien bilden die Grundlage für Digitalisierung, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge.

Die Grazer Leitbetriebe ams, AT&S, EPCOS und NXP entwickeln Sensoren, Leiterplatten und Halbleiter für den Weltmarkt. AVL List nutzt Mikroelektronik für die Entwicklung von Antriebssystemen. Die Forschungsquote der Steiermark liegt bei 5,17 Prozent – eine der höchsten in Europa.

Silicon Austria Labs

Das Forschungszentrum Silicon Austria Labs (SAL) ergänzt den Cluster. Die Investition in diese Einrichtung stärkt den Standort Südösterreich als High-Tech-Schmiede. In den letzten Jahrzehnten gab es in Europa keine vergleichbare Investition in der Mikroelektronik-Branche.

SAL arbeitet an Zukunftsthemen wie KI-Integration, leistungselektronische Systeme und sensorbasierte Anwendungen. Die Forschungsergebnisse fließen direkt in die Produktentwicklung der Partnerunternehmen ein.

Internationale Vernetzung

Seit 2019 ist Silicon Alps österreichischer Botschafter für Startup Europe. Diese Initiative der Europäischen Kommission stärkt den digitalen Binnenmarkt. Der Cluster vernetzt sich mit Regionen wie Grenoble, Lyon und Sachsen – allesamt europäische Mikroelektronik-Standorte.

Die geografische Lage ermöglicht Kooperationen mit Italien, Slowenien und Kroatien. Der oberadriatische Raum bietet Zugang zu neuen Märkten und Talenten. Die Technologieregion Weiz liefert Fachkräfte und Know-how.

Herausforderungen

Der Fachkräftemangel bremst das Wachstum. Er zieht sich durch alle Bereiche – vom Lehrling bis zum Senior Researcher. Cluster-Geschäftsführer Günther Lackner betont: Die Region müsse als attraktiver Wirtschafts- und Lebensstandort wahrgenommen werden.

Die internationale Sichtbarkeit ist ein weiteres Thema. Von außen werde Österreich noch durch die Klischeebrille betrachtet und auf Mozartkugeln reduziert, so Lackner. Die Steiermark und Kärnten seien als Hightech-Standort mit Top-Forschung viel zu wenig bekannt.

Dienstleistungen für KMU

Der Cluster richtet seine Services insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen. Gründer und Kooperationsprojekte profitieren von der Vernetzung mit Leitbetrieben. Josef Ortner von der Ortner Group erklärt: Ein Cluster sei nicht nur für die Großen da. Der Vorteil liege vielmehr bei den Kleinen.

Die Zulieferbetriebe im Klein- und Mittelbereich werden auf technologischer Ebene gefordert. Über 100 Kernkompetenzen und Berufe brauche es, um im Mikroelektronik-Bereich zu arbeiten. Der Cluster fördert den Wissenstransfer und die Qualifizierung.

Zukunftsperspektiven

Die fortschreitende Digitalisierung treibt die Nachfrage nach Mikroelektronik. Kein Personalausweis, kein Gerät und kein Auto kommt ohne Chips aus. Ein moderner Pkw verarbeitet mehr Daten als die gesamte Apollo-11-Mission.

Die Koralmbahn und der neue Wirtschaftsraum AREA SÜD stärken die Verbindung zwischen Steiermark und Kärnten. Die räumliche Nähe erleichtert Kooperationen und Fachkräftemobilität. Der Silicon Alps Cluster steht bereit, diese Chance zu nutzen.

Quellen