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Die 10 wichtigsten E-Mobilitäts-Unternehmen der Steiermark

Der ACstyria Mobilitätscluster vereint über 300 Unternehmen mit mehr als 70.000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von 17 Milliarden Euro. Doch welche steirischen Unternehmen treiben die Elektromobilität tatsächlich voran? Von der Batterieentwicklung über die Fahrzeugproduktion bis zur Ladeinfrastruktur – die Steiermark hat sich zum E-Mobilitäts-Hotspot Österreichs entwickelt. Wir stellen die zehn wichtigsten Player vor, die den Wandel zur elektrischen Mobilität aktiv gestalten.

1. AVL List GmbH – Weltmarktführer aus Graz

Das weltweit größte unabhängige Unternehmen für die Entwicklung von Antriebssystemen hat seinen Hauptsitz in Graz und beschäftigt rund 12.200 Mitarbeiter, davon 4.100 am Standort Graz. Der Umsatz lag 2024 bei 2,03 Milliarden Euro. Was einst als Spezialist für Verbrennungsmotoren begann, ist heute führend in der Batterieentwicklung, Brennstoffzellentechnologie und beim autonomen Fahren.

Das 2021 eröffnete Battery Innovation Center in Graz ist das Herzstück der E-Mobilitäts-Aktivitäten. Hier arbeiten Batterieentwickler, Produktionsspezialisten und Maschinenbauer Hand in Hand. Die Anlage ermöglicht den Bau von Prototypen unter seriennahen Bedingungen – ein entscheidender Vorteil für Automobilhersteller weltweit. Laut Unternehmensangaben entfallen bereits 40 bis 50 Prozent des Umsatzes auf E-Mobilitäts-Themen.

AVL entwickelt nicht nur Batterien, sondern auch Lösungen für thermisches Management, Sicherheitstests bei Thermal Runaway und komplette elektrische Antriebsstränge. Die Multi-Energieträger-Strategie umfasst sowohl batterieelektrische als auch Brennstoffzellenantriebe – ein Alleinstellungsmerkmal im globalen Wettbewerb.

2. Magna Steyr – Europas größter Auftragsfertiger

Magna Steyr betreibt in Graz-Thondorf Europas größten Standort für die Auftragsfertigung von Fahrzeugen. Rund 12.000 Mitarbeiter produzieren hier Modelle für Premium-Hersteller wie Mercedes-Benz (G-Klasse), BMW und Jaguar. Die Transformation zur E-Mobilität ist in vollem Gange: Bereits jedes siebente Fahrzeug, das vom Band läuft, ist ein Elektrofahrzeug.

Aktuell laufen Verhandlungen mit den chinesischen Herstellern XPeng Motors und GAC Motor über die Auftragsfertigung von Elektrofahrzeugen in Graz. Diese Kooperationen könnten die Produktionskapazitäten wieder voll auslasten und den Standort langfristig sichern. Die Erfahrung mit dem Fisker Ocean hat gezeigt, dass Magna komplexe E-Fahrzeuge in hoher Qualität fertigen kann.

Neben der Fahrzeugproduktion entwickelt Magna auch eigene E-Mobilitäts-Komponenten wie Batteriesysteme, elektrische Antriebsstränge und Leichtbaulösungen. Das Unternehmen ist damit sowohl Produzent als auch Zulieferer in einem.

3. Energie Steiermark AG – Der Ladeinfrastruktur-Pionier

Mit einem Umsatz von 2,79 Milliarden Euro und rund 2.070 Mitarbeitern ist die Energie Steiermark nicht nur der führende Energieversorger des Bundeslandes, sondern auch Vorreiter beim Aufbau der Ladeinfrastruktur. Das Unternehmen betreibt eines der dichtesten Ladenetze Europas und investiert jährlich mehrere Millionen Euro in den Ausbau.

Am Firmensitz in Graz demonstriert die Energie Steiermark mit Ultra-Schnellladestationen (bis zu 320 kW) die Zukunft des Ladens. Die batteriegepufferte Technologie des deutschen Partners ADS-TEC Energy ermöglicht Schnellladung auch an Standorten mit begrenzter Netzkapazität. Gemeinsam mit SPAR und Hofer baut das Unternehmen systematisch das Ladenetz in der Steiermark aus.

Der next-incubator als Innovations-Hub der Energie Steiermark entwickelt Zukunftsprojekte wie bidirektionales Laden (Car2Flex) und Sorptionsspeicher für die Sektorkopplung. Die E-Prämie von 82 Euro jährlich für E-Auto-Besitzer ist ein zusätzlicher Anreiz zum Umstieg.

Rang Unternehmen E-Mobilitäts-Schwerpunkt Mitarbeiter Steiermark
1 AVL List GmbH Batterieentwicklung, E-Antriebe 4.100
2 Magna Steyr E-Fahrzeug-Produktion 12.000
3 Energie Steiermark Ladeinfrastruktur 2.070
4 Andritz AG Green Tech, Wasserstoff 2.500
5 Pankl Racing Systems Hochleistungskomponenten 1.800

4. Andritz AG – Der grüne Technologieriese

Der Grazer Maschinen- und Anlagenbauer Andritz ist mit einem Umsatz von 8,66 Milliarden Euro das umsatzstärkste Unternehmen der Steiermark. Rund 29.700 Mitarbeiter weltweit (davon etwa 2.500 in Graz) arbeiten an Technologien für Wasserstoffproduktion, Energiespeicherung und nachhaltige Industrieprozesse.

Im Bereich E-Mobilität engagiert sich Andritz vor allem bei der grünen Wasserstoffproduktion und Brennstoffzellentechnologie. Als Mitglied des Green Tech Clusters arbeitet das Unternehmen eng mit Startups an digitalen Lösungen für die Mobilitätswende. Die Expertise in der Metallverarbeitung ist zudem für Leichtbaukomponenten in E-Fahrzeugen gefragt.

5. Pankl Racing Systems – Hochleistung für die E-Mobilität

Der Kapfenberger Spezialist für Hochleistungskomponenten beliefert seit Jahrzehnten den Motorsport und die Luftfahrt. Mit der Transformation zur E-Mobilität entwickelt Pankl nun auch Antriebskomponenten für elektrische Hochleistungsfahrzeuge. Die Expertise in Leichtbau und Präzisionsfertigung ist dabei von unschätzbarem Wert.

In der hauseigenen Pankl Academy in Kapfenberg werden Fachkräfte für die neuen Technologien ausgebildet. Das Unternehmen ist eng mit dem ACstyria Mobilitätscluster vernetzt und an zahlreichen Transformationsprojekten beteiligt.

6. Green Testing Lab GmbH – Batterieprüfung aus Graz

Als hochtechnologisches Prüflabor mit Schwerpunkt auf Batterieprüfständen und Batterietests ist das Green Testing Lab ein wichtiger Partner für Automobilhersteller und Zulieferer. Die Einrichtung ermöglicht umfassende Tests von Batteriezellen bis zu kompletten Batteriesystemen unter realistischen Bedingungen.

Die Nähe zu AVL und anderen E-Mobilitäts-Playern macht Graz zum idealen Standort für Batterietests. Das Unternehmen profitiert vom dichten Forschungsnetzwerk und der Verfügbarkeit hochqualifizierter Fachkräfte aus den lokalen Hochschulen.

7. Reinova GmbH – Italienisches Know-how in Graz

Die 2024 gegründete Reinova GmbH ist die österreichische Tochter der italienischen Reinova SpA aus Modena. Das Unternehmen hat sich auf das Testen von Batterien und Antriebsstrangkomponenten für Elektrofahrzeuge spezialisiert. In Italien beschäftigt die Muttergesellschaft bereits 100 Mitarbeiter und erzielt 15 Millionen Euro Umsatz.

Unter der Leitung von Michael Harb, der zuvor bei Magna Powertrain, Samsung SDI und AVL tätig war, baut Reinova in Graz ein schlagkräftiges Team auf. Das Unternehmen positioniert sich als Premium-Dienstleister für namhafte OEMs und plant bis 2025 eine Umsatzsteigerung von mehr als 50 Prozent.

8. AccuPower GmbH – Akkutechnik seit 1998

Seit über 25 Jahren entwickelt und vertreibt AccuPower aus Graz kundenspezifische Lösungen im Bereich Akku- und Ladetechnologie. Das Spektrum reicht von Automotive über Industrieanwendungen bis zur Medizintechnik. Vom Prototypen bis zur Serienfertigung bietet das Unternehmen Komplettlösungen für mobile Energie.

Die langjährige Erfahrung macht AccuPower zu einem wertvollen Partner für Unternehmen, die spezifische Batterielösungen benötigen. Die Kompetenz in der Ladetechnologie ergänzt das Angebot der größeren E-Mobilitäts-Player.

9. Holding Graz – Öffentliche Mobilität elektrisch

Die Holding Graz mit ihren Graz Linien treibt die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs voran. Die Straßenbahnflotte fährt bereits zu 100 Prozent elektrisch, bei Bussen laufen Testbetriebe mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Das Projekt Graz Bike mit über 200 Leihrädern ergänzt das multimodale Angebot.

Der Holding-Fuhrpark wird sukzessive auf E-Fahrzeuge umgestellt. Attraktive Jobtickets für Unternehmen kombinieren öffentlichen Verkehr und Elektromobilität. Als Modellregion für E-Mobilität entwickelt Graz laufend neue Kombinationspakete für nachhaltige urbane Mobilität.

10. ACstyria Mobilitätscluster – Das Netzwerk

Der ACstyria Mobilitätscluster selbst ist zwar kein produzierendes Unternehmen, aber unverzichtbar für das steirische E-Mobilitäts-Ökosystem. Seit 1995 vernetzt die Organisation Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von AVL über Magna bis zu innovativen Startups.

Mit dem Programm Enabling Transformation unterstützt der ACstyria Unternehmen aktiv bei der Umstellung auf E-Mobilität. Regelmäßige Businessfrühstücke zu Themen wie Cybersecurity, KI und Digitalisierung halten die Mitglieder auf dem neuesten Stand. Die internationale Vernetzung öffnet steirischen Unternehmen Türen zu globalen Märkten.

Rang Unternehmen E-Mobilitäts-Schwerpunkt Besonderheit
6 Green Testing Lab Batterieprüfung Hochtechnologisches Prüflabor
7 Reinova GmbH Batterietests Italienische Expertise in Graz
8 AccuPower Akkutechnik 25 Jahre Erfahrung
9 Holding Graz ÖPNV-Elektrifizierung Modellregion E-Mobilität
10 ACstyria Cluster Vernetzung 300+ Partnerunternehmen

Warum die Steiermark zum E-Mobilitäts-Zentrum wurde

Die Konzentration von E-Mobilitäts-Kompetenz in der Steiermark ist kein Zufall. Die Region profitiert von mehreren Faktoren: einer langen Tradition in der Fahrzeugproduktion seit Johann Puch, exzellenten Hochschulen wie der TU Graz und der FH Joanneum, einer starken Forschungslandschaft mit Kompetenzzentren wie dem Virtual Vehicle, und einem dichten Netzwerk aus Leitbetrieben und innovativen KMUs.

Die Cluster-Struktur mit ACstyria, Green Tech Cluster und Human.technology Styria fördert den Wissenstransfer zwischen Unternehmen, Forschung und Start-ups. Steirische Unternehmen erwirtschaften allein in der Automobilindustrie rund 8 Milliarden Euro Exportvolumen – 31 Prozent der gesamten steirischen Exporte. Jeder vierte Euro des Bruttoregionalprodukts stammt aus der Mobilitätsindustrie.

Mit der Transformation zur E-Mobilität stehen steirische Zulieferer vor der Herausforderung, ihre Produktpaletten anzupassen. Der ACstyria begleitet diesen Prozess aktiv: 36 Prozent der Partnerbetriebe haben ihre Produkte bereits erweitert, 48 Prozent neue Märkte erschlossen. Die größten Unternehmen der Steiermark investieren massiv in E-Mobilitäts-Technologien.

Fazit: Die Steiermark fährt elektrisch voran

Von der Batteriezelle bis zum fertigen Fahrzeug, von der Wallbox bis zur Ultra-Schnellladestation – die Steiermark deckt die gesamte Wertschöpfungskette der E-Mobilität ab. Die Kombination aus etablierten Leitbetrieben, innovativen Startups und einem starken Forschungsnetzwerk macht das Bundesland zum führenden E-Mobilitäts-Standort Österreichs.

Die Herausforderungen sind dennoch groß: Der globale Wettbewerb – insbesondere aus China – setzt die heimische Industrie unter Druck. Doch die Kooperationen von Magna mit chinesischen Herstellern zeigen, dass steirische Unternehmen auch aus dieser Entwicklung Chancen machen können. Die nächsten Jahre werden entscheiden, ob die Steiermark ihre Position als E-Mobilitäts-Hotspot behaupten und ausbauen kann.

Quellen