Rund 300 Mitarbeiter, über 1.000 Forschungsprojekte und Kooperationen mit den größten Automobilherstellern der Welt: Virtual Vehicle Research in Graz ist Europas führendes Forschungszentrum für virtuelle Fahrzeugentwicklung. Im Februar 2025 übernahm JOANNEUM RESEARCH die Mehrheit – ein Meilenstein für den steirischen Forschungsstandort.
Was macht Virtual Vehicle?
Das Forschungszentrum arbeitet an der Virtualisierung der Fahrzeugentwicklung. Statt physische Prototypen zu bauen, werden Fahrzeuge, Komponenten und Systeme digital simuliert. Das spart Zeit, Kosten und Ressourcen.
Die Kernkompetenzen umfassen:
- Simulation: Virtuelle Tests von Fahrzeugen und Komponenten
- Digitale Zwillinge: Exakte digitale Abbilder realer Systeme
- Künstliche Intelligenz: Machine Learning für Entwicklungsprozesse
- Modellbasierte Entwicklung: Software-Hardware-Integration
- Autonomes Fahren: Simulation von Verkehrsszenarien
Ursprünglich auf Mobilität fokussiert, werden die Technologien zunehmend auf andere Bereiche übertragen: Energie, Health Tech, Maritime und Defense.
Zahlen und Fakten
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Mitarbeiter | ca. 300 |
| Forschungsprojekte (gesamt) | über 1.000 |
| EU-Projekte 2024 | 48 |
| Internationale Industriepartner | 50+ |
| Wissenschaftliche Partner international | 30+ |
| Umsatzanteil Ausland | 46% |
Virtual Vehicle ist das größte COMET-finanzierte Forschungszentrum Österreichs. Als sogenanntes K2-Zentrum erhält es die höchste Förderstufe im österreichischen Kompetenzzentren-Programm.
Die neue Eigentümerstruktur
Im Oktober 2024 wurde die Übernahme bekannt gegeben, im Februar 2025 vollzogen: JOANNEUM RESEARCH hält nun 50,1% der Gesellschaftsanteile und ist damit Mehrheitseigentümer.
Die weiteren Gesellschafter bleiben an Bord:
- TU Graz: 18,30%
- AVL List GmbH: 8,69%
- MAGNA STEYR: 8,69%
- Siemens Mobility: 5,49%
- voestalpine Metal Engineering: 4,36%
- Infineon: (Anteil nicht öffentlich)
Diese Gesellschafterstruktur vereint die wichtigsten Player des steirischen Mobilitätsclusters – vom Automobilzulieferer über den Halbleiterhersteller bis zum Stahlkonzern.
Warum die Übernahme?
Wirtschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl erklärte die strategische Bedeutung: „Der technologische Wandel in der Mobilitätsbranche stellt die steirischen Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Veränderungen bieten aber auch Chancen, die wir für unseren Standort nutzen müssen.“
Die Verbindung mit JOANNEUM RESEARCH schafft Synergien:
- Gemeinsame Nutzung von Infrastruktur und Know-how
- Stärkere nationale und internationale Sichtbarkeit
- Langfristige Absicherung des Zentrums in seiner aktuellen Größe
- Verbesserte Anbindung an steirische Themen- und Clusterstrategien
Forschungsschwerpunkte
Das aktuelle Forschungsprogramm trägt den Titel „K2 Digital Mobility“. Die Arbeit konzentriert sich auf softwaredefinierte Fahrzeuge – Autos, bei denen Software eine immer größere Rolle spielt.
Aktuelle Projekte umfassen:
- evodis: Innovationsumgebung für digitale Fahrzeugdienste
- vehicleCAPTAIN toolbox: Echtzeit-Austausch von Sensordaten zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur (Innovationspreis 2024)
- PACE-DPP: Entwicklung eines Digitalen Produktpasses für die Kreislaufwirtschaft
- PISTIS: EU-Projekt zur Datenplattform-Entwicklung
- Metro-Simulation: Planung und Optimierung von U-Bahn-Systemen
Virtual Vehicle ist in europäischen Forschungsgremien aktiv vertreten, etwa im Präsidium der ARTEMIS Industrial Association oder im Governing Board von Shift2Rail.
Internationale Ausrichtung
Mit 39% der Projekte aus dem EU-Ausland und 7% aus Nicht-EU-Ländern ist Virtual Vehicle das COMET-Zentrum mit der stärksten internationalen Ausrichtung in Österreich.
Aus dem „Cockpit-Bericht 2019“ geht hervor, dass Virtual Vehicle das drittgrößte Projektvolumen aus Horizon 2020 aller außeruniversitären Forschungseinrichtungen Österreichs eingeholt hat.
Die Verbindung zu Partnern wie Silicon Alps und dem Green Tech Valley stärkt die Position im europäischen Forschungsraum.
Der Standort Graz
Virtual Vehicle sitzt in Graz und profitiert von der einzigartigen Konzentration an Mobilitätsforschung in der Region. Die TU Graz, AVL List, Magna Steyr und zahlreiche weitere Unternehmen bilden ein dichtes Netzwerk.
Das jährliche Graz Symposium Virtual Vehicle (GSVF) bringt internationale Experten zusammen. Die 18. Ausgabe fand im September 2025 statt, Thema: Cross-domain Innovations für nachhaltige, vernetzte und sichere Ökosysteme.
Für den Wirtschaftsstandort Graz ist Virtual Vehicle ein zentraler Innovationstreiber – und ein Magnet für internationale Forschungstalente.