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Wirtschaft in Liezen – Tourismus und Industrie im größten Bezirk Österreichs

Mit einer Fläche von 3.318 km² ist der Bezirk Liezen nicht nur der größte Bezirk Österreichs, sondern sogar größer als das gesamte Bundesland Vorarlberg. Diese alpine Region im Nordwesten der Steiermark vereint spektakuläre Naturlandschaften, einen boomenden Tourismus und eine überraschend starke Industriebasis – eine Kombination, die den Bezirk einzigartig macht.

Österreichs Tourismus-Hotspot

Der Bezirk Liezen ist das touristische Kraftzentrum der Steiermark. Im Jahr 2024 entfielen mehr als 38 Prozent aller steirischen Nächtigungen auf diesen Bezirk – ein Wert, der die enorme Bedeutung des Tourismus unterstreicht. Die Region Schladming-Dachstein ist dabei der wichtigste Treiber: Mit Skigebieten wie der Planai, dem Hauser Kaibling und der Reiteralm zählt sie zu den Top-Destinationen des österreichischen Wintersports.

Anders als viele alpine Regionen profitiert Liezen von einer ausgewogenen Saisonverteilung: 48 Prozent der Nächtigungen fallen auf die Wintersaison, während der Sommer mit der malerischen Seenlandschaft im Ausseerland und dem Nationalpark Gesäuse ebenfalls starke Zahlen liefert. Diese Diversifikation macht den Tourismus krisenresistenter und sichert ganzjährige Arbeitsplätze.

Wirtschaftsstruktur – Drei Regionen, drei Profile

Der Bezirk Liezen gliedert sich wirtschaftlich in drei unterschiedliche Teilregionen mit jeweils eigenem Profil:

Region Wirtschaftsschwerpunkt Wichtige Orte
Kernregion Liezen Industrie, Maschinenbau Liezen, Rottenmann, Trieben
Region Gröbming Tourismus, Wintersport Schladming, Haus, Ramsau
Ausseerland Tourismus, Kultur, Salz Bad Aussee, Altaussee, Grundlsee

Industriestandort mit Tradition

Überraschend für viele ist die starke industrielle Basis des Bezirks. Die Kernregion rund um die Bezirkshauptstadt Liezen ist ein bedeutender Industriestandort mit traditionsreichen Unternehmen. Die Maschinenfabrik Liezen und Gießerei ist einer der wichtigsten Arbeitgeber und fertigt hochspezialisierte Produkte für internationale Märkte. Auch Unternehmen wie AHT Cooling Systems und die MACO Produktions GmbH haben hier ihren Sitz.

Der Maschinenbau, die Nahrungsmittelindustrie sowie die Metallbranche sind tragende Wirtschaftszweige im Bezirk. Der Beschäftigungsanteil in der Industrie liegt bei 25,7 Prozent – ein beachtlicher Wert für eine Region, die oft primär mit Tourismus assoziiert wird. Ähnlich wie im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag gelingt hier der Spagat zwischen traditioneller Industrie und moderner Dienstleistungswirtschaft.

Schladming-Dachstein – Weltcup-Destination

Die Region Schladming-Dachstein ist weit über Österreich hinaus bekannt. Der jährliche Nachtslalom auf der Planai zieht bis zu 50.000 Zuschauer an und wird weltweit im Fernsehen übertragen. Diese Großveranstaltungen sind nicht nur sportliche Highlights, sondern auch wirtschaftliche Motoren: Hotels, Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleister profitieren massiv von der internationalen Aufmerksamkeit.

Der Tourismusverband setzt verstärkt auf Digitalisierung: Neben der Website und Social-Media-Kanälen sind an mehreren Standorten Digital Signage Stelen im Einsatz. Auch KI-gestützte Lösungen werden getestet, um den Gästeservice zu verbessern. Diese Innovationsfreude zeigt, dass der Tourismus im Bezirk nicht stehenbleibt, sondern aktiv die Zukunft gestaltet.

Bevölkerung und Arbeitsmarkt

Mit 79.579 Einwohnern (Stand Jänner 2025) ist der Bezirk Liezen trotz seiner enormen Fläche vergleichsweise dünn besiedelt. Die Bevölkerungsdichte liegt bei nur 24 Einwohnern pro Quadratkilometer – einer der niedrigsten Werte in der Steiermark. Die größten Gemeinden sind Liezen (8.147 Einwohner), Schladming (6.600) und Rottenmann (5.121).

Kennzahl Wert (Stand 2025)
Einwohner Bezirk 79.579
Fläche 3.318 km²
Bevölkerungsdichte 24 Einwohner/km²
Anteil an steirischen Nächtigungen 38,4%
Gemeinden 29

Der Arbeitsmarkt im Bezirk ist stark vom Tourismus geprägt. Fachkräfte in den Bereichen Technik, Pflege, IT und Tourismus sind besonders gefragt. Das Regionalmanagement Bezirk Liezen (RML) organisiert regelmäßig Wirtschaftsfrühstücke und Vernetzungsveranstaltungen, um Unternehmer zusammenzubringen und den Austausch zu fördern.

Infrastruktur und Erreichbarkeit

Die Verkehrsanbindung des Bezirks ist gut, wenn auch ausbaufähig. Die Pyhrn-Achse verbindet die Region mit Oberösterreich und weiter nach Deutschland. Der Bahnanschluss über die Knotenpunkte Selzthal und Liezen macht den Standort auch für Unternehmen mit Exportfokus attraktiv. Besonders gefragt ist der weitere Ausbau der Bahnverbindungen – ein Thema, das auch im Bezirk Murau diskutiert wird.

Das Bildungsangebot im Bezirk ist breit gefächert: Von Volksschulen über HTLs bis zu Berufsschulen reicht das Spektrum. Kooperationen mit Universitäten und Fachhochschulen in Leoben, Graz und Linz fördern die praxisnahe Ausbildung und Forschung – auch im ländlichen Raum.

Herausforderungen und Chancen

Die größte Herausforderung für den Bezirk Liezen ist die demografische Entwicklung. Nach Jahren des Bevölkerungsrückgangs stabilisiert sich die Einwohnerzahl zwar, aber die Abwanderung junger Menschen in städtische Zentren bleibt ein Problem. Die positive Wanderungsbilanz der letzten Jahre zeigt jedoch, dass gezielte Maßnahmen wirken.

Die Chancen liegen in der einzigartigen Kombination von Natur, Tourismus und Industrie. Der Bezirk profitiert von der wachsenden Nachfrage nach nachhaltigen Urlaubsangeboten und regionalen Produkten. Investitionen in die touristische Infrastruktur – wie die neue Achter-Gondelbahn auf der Fageralm (Investition: 12 Millionen Euro) – zeigen, dass die Region in die Zukunft investiert.

Ausblick

Der Bezirk Liezen steht vor spannenden Jahren. Mit der richtigen Balance zwischen Tourismusentwicklung, Industrieförderung und Lebensqualität für die Bevölkerung kann die Region ihre Position als wirtschaftlicher Motor des steirischen Nordens ausbauen. Die Kombination aus Weltklasse-Skigebieten, intakter Natur und solider Industriebasis ist ein Alleinstellungsmerkmal, das kaum eine andere Region in Österreich bieten kann.

Quellen