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Wirtschaft in Voitsberg – Strukturwandel in der Lipizzanerheimat

Stölzle Oberglas in Köflach erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 416,5 Millionen Euro und beschäftigt 3.150 Mitarbeiter weltweit. Der Glasproduzent ist das mit Abstand größte Unternehmen im Bezirk Voitsberg. Die Region hat den Strukturwandel vom Kohlebergbau zur diversifizierten Industrie vollzogen – kämpft aber aktuell mit konjunkturellen Herausforderungen.

Wirtschaftslage und Konjunktur

Das Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark zeigt für den Bezirk Voitsberg einen Saldenwert von minus 74,4 Prozent beim Wirtschaftsklima. 74,9 Prozent der befragten Unternehmen geben eine Verschlechterung des Ist-Standes an. Die Auftragslage liegt bei minus 57,8 Prozent, die Investitionsbereitschaft bei minus 55,4 Prozent.

Der Bezirk hat die niedrigste Steuer-Kopf-Quote der gesamten Steiermark. WKO-Obmann Peter Sükar fordert gezielte Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts müsse oberste Priorität haben.

Top-Unternehmen im Bezirk

Fünf Voitsberger Unternehmen schaffen es in die Top 100 der steirischen Wirtschaft. Stölzle Oberglas belegt Platz 17 und ist damit das zweitgrößte Unternehmen in der Süd-Weststeiermark. Das Unternehmen produziert hochwertiges Verpackungsglas und erhielt 2022 den TRIGOS-Nachhaltigkeitspreis für sein Recycling-Glas-Projekt.

Unternehmen Standort Umsatz (Mio. €) Mitarbeiter
Stölzle Oberglas Köflach 416,5 3.150
Remus Holding Bärnbach/Voitsberg 188 1.013
Bauer Pumpen- und Röhrenwerk Voitsberg 178 586
Holz-Her Voitsberg 102 258
Lagerhaus Graz-Land Region 101 297

Vom Kohlebergbau zum Strukturwandel

Bis 1983 prägte der Kohlebergbau die Wirtschaft des Bezirks. Das Dampfkraftwerk Voitsberg wurde bis Ende 2015 abgerissen. Die Sprengung des Turms am 20. Dezember 2015 markierte das Ende einer Ära. Die Region musste sich neu erfinden.

Heute dominiert ein Branchenmix aus Klein- und Mittelbetrieben. Der Maschinenbau, die Glasindustrie und die Abgastechnik bilden die industriellen Kernbereiche. Die Krenhof GmbH in Köflach ist ein traditionsreiches Schmiedeunternehmen mit Mitarbeitern, die seit über 40 Jahren im Betrieb sind.

Infrastruktur und Verkehr

Die Infrastrukturentwicklung bereitet Sorgen. Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Lieboch-Köflach wurde auf 2033 verschoben. Das UVP-Verfahren für die neue B70 dauert bereits siebeneinhalb Jahre. Diese Verzögerungen belasten die Standortattraktivität.

Die Graz-Köflacher Eisenbahn verbindet die Region mit der Landeshauptstadt. Die S-Bahn-Linie S61 fährt im Stundentakt. Eine Verbesserung der Taktung und die Elektrifizierung würden die Pendlerströme erleichtern.

Koralmbahn und AREA SÜD

Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer rechnet mit positiven Impulsen durch die Koralmbahn. Der Bezirk Voitsberg soll vom neuen Wirtschaftsraum AREA SÜD profitieren. Im Umkreis von 30 Kilometern einer neuen Infrastruktur bewege sich immer etwas, so der Landesrat.

Die WKO-Befragung zeigt: 90 Prozent der steirischen und Kärntner Unternehmen bewerten die verstärkte Kooperation zwischen den Bundesländern positiv. Für den Bezirk Voitsberg könnte die bessere Anbindung an Kärnten neue Absatzmärkte erschließen.

Tourismus in der Lipizzanerheimat

Der Bezirk bildet gemeinsam mit Köflach, Maria Lankowitz und Bärnbach den Tourismusverband Lipizzanerheimat. Das weltberühmte Gestüt Piber und die Therme NOVA in Köflach sind die touristischen Highlights. Die Sommerrodelbahn in Modriach und der Trialpark Salzstiegl ergänzen das Freizeitangebot.

Die Hotellerie der Region profitiert von Tagesgästen und Kurzurlaubern. Die Verbindung aus Pferdetradition, Wellness und Naturerlebnis spricht ein breites Publikum an.

Arbeitsmarkt und Beschäftigung

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk entwickelt sich durchwachsen. Im Dezember 2025 sank sie um 1,3 Prozent – ein Lichtblick nach vielen Monaten mit steigenden Zahlen. Inklusive Schulungsteilnehmer sind 1.941 Personen ohne Beschäftigung.

Die Beschäftigungserwartungen der Unternehmen liegen bei minus 48,5 Prozent. Die Betriebe rechnen mit weiterem Personalabbau. Sükar fordert von der Politik Anreize für Investitionen und eine Entbürokratisierungsoffensive.

Erneuerbare Energie als Chance

Die Energiewende bietet Chancen für den Bezirk. Photovoltaik-Anlagen und ein geplantes Pumpspeicherkraftwerk auf der Koralm könnten neue Arbeitsplätze schaffen. Das UVP-Verfahren für das Kraftwerk läuft bereits. Die Region könnte sich als Standort für erneuerbare Energien positionieren.

Der Holzcluster Steiermark vernetzt Unternehmen aus der Forst- und Holzwirtschaft. Für den waldreichen Bezirk Voitsberg ergeben sich Potenziale in der nachhaltigen Holznutzung und im Holzbau.

Gemeinden und Bevölkerung

Die Stadt Voitsberg hat 9.547 Einwohner (Stand Jänner 2025) und erstreckt sich über 28,54 Quadratkilometer. Bürgermeister Bernd Osprian führt die Stadtgemeinde seit 2019. Die SPÖ dominiert den Gemeinderat mit 14 von 25 Mandaten.

Zu den weiteren wichtigen Gemeinden zählen Köflach (Wirtschaftszentrum), Bärnbach (Industriestandort) und Maria Lankowitz (Wallfahrtsort). Die evangelische Pfarrgemeinde erstreckt sich über den gesamten Bezirk – ein Hinweis auf die historische Bedeutung des Protestantismus in der Region.

Perspektiven und Herausforderungen

Der Bezirk Voitsberg steht vor einem weiteren Strukturwandel. Die Transformation der Automobilindustrie trifft Zulieferer wie Remus. Die Digitalisierung verändert traditionelle Geschäftsmodelle. Gleichzeitig bieten erneuerbare Energie und nachhaltiges Wirtschaften neue Chancen.

Die Unternehmen fordern kürzere Bewilligungsdauern für Projekte. Vier bis zwölf Monate sollten ausreichen, meint Landesrat Ehrenhöfer. Die lange Verfahrensdauer bremst Investitionen und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit. Mit gezielter Wirtschaftspolitik und besserer Infrastruktur kann der Bezirk seine Zukunft gestalten.

Quellen