723 Firmeninsolvenzen verzeichnete die Steiermark im Jahr 2025 – das entspricht zwei Unternehmenspleiten pro Tag. Wer in der steirischen Wirtschaft aktiv ist, sollte die aktuellen Entwicklungen im Blick behalten: Die Insolvenzdatenbanken von KSV1870, AKV Europa und der Justiz-Ediktsdatei bieten tagesaktuelle Informationen über eröffnete Verfahren, Anmeldefristen und betroffene Unternehmen in allen steirischen Bezirken.
Aktuelle Insolvenzen in der Steiermark – Wo finden Sie Informationen?
Für Unternehmer, Gläubiger und Geschäftspartner ist es entscheidend, über Insolvenzen informiert zu bleiben. Drei zentrale Quellen bieten tagesaktuelle Informationen über steirische Firmenpleiten und Privatkonkurse:
| Quelle | Website | Leistungen |
|---|---|---|
| KSV1870 | ksv.at/presse/insolvenzfaelle | Filterbar nach Bundesland, Eröffnungsdatum, Anmeldefrist |
| AKV Europa | akv.at/insolvenzticker | Kostenlose Forderungsanmeldung bis 3.000 € |
| Justiz-Ediktsdatei | edikte.justiz.gv.at | Offizielle Gerichtsdaten, Edikterstellung |
| WKO Steiermark | wko.at/insolvenzen | Filterbar nach Bundesland und Kategorie |
Die Datenbanken werden täglich aktualisiert und zeigen sowohl Konkursverfahren als auch Sanierungsverfahren (mit und ohne Eigenverwaltung). Gläubiger können hier Anmeldefristen einsehen und ihre Forderungen rechtzeitig geltend machen.
Insolvenzstatistik Steiermark 2025 – Die Zahlen im Überblick
Nach einer jahrelangen Negativspirale zeigt sich bei den steirischen Firmeninsolvenzen eine leichte Entspannung. Laut KSV1870 lag die Zahl der Unternehmenspleiten 2025 mit 723 Fällen um 2,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau – der zweitstärkste Rückgang im Bundesländervergleich nach dem Burgenland. Die vorläufigen Passiva sanken auf rund 476 Millionen Euro.
| Kennzahl | Wert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|
| Firmeninsolvenzen | 723 Fälle | -2,4 % |
| Passiva (Schulden) | 416,11 Mio. € | -88,6 %* |
| Privatkonkurse | 985 Fälle | -2,5 % |
| Betroffene Dienstnehmer | 2.071 Personen | – |
| Durchschnittliche Privatschulden | 110.000 € | – |
*Der starke Rückgang der Passiva erklärt sich durch die Fisker-Großinsolvenz 2024 mit 3,8 Milliarden Euro. Bereinigt um diesen Sondereffekt wären die Passiva 2025 um 20,2 Prozent gestiegen.
René Jonke, Leiter der KSV1870 Region Süd, erwartet für 2026 ein ähnliches Insolvenzniveau: „Das Insolvenzaufkommen ist auch im historischen Vergleich unverändert hoch und eine Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor.“
Betroffene Branchen – Bau, Gastronomie und Handel führen die Statistik
Die Analyse der Branchenverteilung zeigt klare Muster bei den steirischen Firmenpleiten. Drei Wirtschaftszweige dominieren das Insolvenzgeschehen in der Steiermark:
- Bauwirtschaft: 126 Fälle (trotz Rückgang von 14,3 Prozent weiterhin Spitzenreiter)
- Beherbergung und Gastronomie: 122 Fälle (+11 Prozent zum Vorjahr)
- Handel und Kfz-Reparatur: 122 Fälle
- Grundstücks- und Wohnungswesen: +3,4 Prozent
Die Bauwirtschaft leidet unter einer Kombination aus schwacher Auftragslage, hohen Kosten und Personalmangel. Besonders problematisch: Eine Insolvenz im Bau- oder Immobiliensektor zieht häufig weitere Pleiten nach sich, wenn Subunternehmer und Zulieferer nicht bezahlt werden können.
Die größten Insolvenzen in der Steiermark 2025
Mehrere Großinsolvenzen prägten das steirische Wirtschaftsjahr 2025. Die nach Passiva größten Fälle betrafen etablierte Unternehmen aus verschiedenen Branchen:
Heidenbauer-Gruppe (Bruck an der Mur) – 63,1 Millionen Euro
Die größte steirische Firmenpleite 2025 betraf die Heidenbauer-Unternehmensgruppe aus Bruck an der Mur. Das 1946 gegründete Traditionsunternehmen im Metallbau meldete im November 2025 für vier Gesellschaften Insolvenz an:
- Heidenbauer Edelstahl GmbH (Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung)
- Heidenbauer Dach Wand GmbH (Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung)
- Heidenbauer Aluminium GmbH (Konkursverfahren) – 33,43 Mio. € Passiva
- Heidenbauer Stahl und Tragwerk GmbH (Konkursverfahren) – 12,33 Mio. € Passiva
Von der Insolvenz waren 129 Beschäftigte und 600 Gläubiger betroffen. Als Ursachen wurden die Rückzahlung von Corona-Hilfen, Zahlungsausfälle durch insolvente Großkunden und die Krise am Immobilienmarkt genannt. Zwei der vier Unternehmen sollen fortgeführt werden.
myWorld-Gruppe (Graz) – 22,7 Millionen Euro
Die ehemalige Lyoness-Nachfolgefirma myWorld International AG mit Sitz in Graz-Eggenberg beantragte im August 2025 ein Sanierungsverfahren. Die Cashback-Plattform, deren Geschäftsmodell mehrfach als Schneeballsystem kritisiert wurde, beschäftigte 116 Mitarbeiter und hatte über 2.000 Gläubiger. Nur wenige Tage später folgte die Insolvenz der Lyconet Austria GmbH mit weiteren 5,7 Millionen Euro Schulden und 43 Beschäftigten.
Weitere bedeutende Fälle
- IKJF – Institut für Kinder, Jugend und Familie GmbH: 135 betroffene Dienstnehmer
- Weinbauer Christian Reiterer (Wies): Insolvenz im September 2025
- Krenn Wohnbauservice (Premstätten): 11,4 Mio. € Passiva (größte Pleite im 1. Halbjahr)
Nicht eröffnete Verfahren – Das versteckte Problem
Ein besorgniserregender Trend zeigt sich bei den sogenannten mangels Kostendeckung nicht eröffneten Verfahren. 2025 stieg diese Zahl um 3,7 Prozent auf über 220 Fälle – das entspricht rund einem Drittel aller steirischen Firmenpleiten.
„Wird ein Insolvenzfall nicht eröffnet, ist eine professionelle Aufarbeitung unmöglich“, warnt René Jonke vom KSV1870. „Die Folgen sind verheerend: Der Betrieb muss geschlossen werden, alle Arbeitsplätze gehen verloren und die Gläubiger sehen keinen einzigen Euro.“
Für betroffene Gläubiger bedeutet dies den Totalausfall ihrer Forderungen – ohne die Möglichkeit, über ein geordnetes Verfahren zumindest eine Quote zu erhalten.
Privatkonkurse in der Steiermark
Neben den Unternehmensinsolvenzen verzeichnete die Steiermark 2025 rund 985 Schuldenregulierungsverfahren bei Privatpersonen – knapp drei pro Tag. Die durchschnittliche Verschuldung liegt bei etwa 110.000 Euro pro Schuldner. Im Bundesvergleich zeigte die Steiermark mit einem Rückgang von 17,3 Prozent im ersten Halbjahr die stärkste Entspannung bei den Privatkonkursen.
Eine Umfrage des KSV1870 unter 1.200 steirischen Unternehmen ergab: Jeder zweite Betrieb spürt, dass Kundinnen und Kunden weniger Geld ausgeben. Die steigenden Lebenshaltungskosten belasten viele Haushalte weiterhin.
Aktuelle steirische Insolvenzen (Februar 2026)
Im Großraum Graz und den steirischen Bezirken wurden zuletzt folgende Insolvenzverfahren eröffnet:
- In3 GmbH (Köflach) – Konkursverfahren am LG Graz (28.01.2026)
- TH Erdbau GmbH (Ottendorf-Rittschein) – Konkursverfahren am LG Graz (27.01.2026)
- Naturhaus Wechselland GmbH (Pinggau) – Sanierungsverfahren am LG Graz (20.01.2026)
- Hotel Landliebe GmbH (Söchau) – Konkursverfahren am LG Graz (15.01.2026)
- Tom und Cherry Catering GmbH (Liezen) – Konkursverfahren am LG Leoben (14.01.2026)
- Kaufmann DISCO Ges.m.b.H. (Leoben) – Konkursverfahren am LG Leoben (13.01.2026)
- eVision automotive AUT GmbH (Leibnitz) – Konkursverfahren am LG Graz (12.01.2026)
- STAS Bau GmbH (Kalsdorf) – Konkursverfahren am LG Graz (12.01.2026)
- LAWID GmbH (Graz) – Konkursverfahren am LG Graz (13.01.2026)
- REI-Verlegetechnik GmbH (Leibnitz) – Konkursverfahren am LG Graz (05.02.2026)
- Zerocut e.U. (Graz-Liebenau) – Konkursverfahren am LG Graz (06.02.2026)
Für tagesaktuelle Informationen empfiehlt sich der regelmäßige Blick in die oben genannten Datenbanken.
Insolvenzverfahren – Konkurs oder Sanierung?
Bei einer Insolvenz unterscheidet das österreichische Recht zwischen verschiedenen Verfahrensarten. Nicht jede Pleite bedeutet automatisch das Ende eines Unternehmens:
- Konkursverfahren: Ziel ist die geordnete Verwertung des Vermögens und die Verteilung an die Gläubiger. Das Unternehmen wird in der Regel geschlossen.
- Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung: Ein Insolvenzverwalter übernimmt die Führung des Unternehmens. Ziel ist die Fortführung und Entschuldung über einen Sanierungsplan mit mindestens 20 Prozent Quote.
- Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung: Die bisherige Geschäftsführung bleibt unter Aufsicht eines Sanierungsverwalters tätig. Voraussetzung ist eine Quote von mindestens 30 Prozent.
In der Steiermark wurden 2025 pro Woche durchschnittlich zehn Firmeninsolvenzen eröffnet. Bei knapp einem Drittel der Verfahren kam es zu beschlossenen Sanierungsplänen – ein Zeichen dafür, dass viele Unternehmen trotz finanzieller Schwierigkeiten eine Chance auf Fortführung haben.
Was tun als Gläubiger bei einer Insolvenz?
Wenn ein Geschäftspartner oder Kunde insolvent wird, sollten Gläubiger schnell handeln. Die Arbeiterkammer Steiermark und die Gläubigerschutzverbände bieten Unterstützung:
- Forderung anmelden: Innerhalb der Anmeldefrist (meist 4-6 Wochen nach Eröffnung) beim zuständigen Gericht
- Unterlagen sammeln: Rechnungen, Lieferscheine, Verträge und Korrespondenz bereithalten
- Vertretung beauftragen: KSV1870 oder AKV übernehmen die Forderungsanmeldung – bei Forderungen bis 3.000 € oft kostenfrei
- Insolvenz-Entgelt: Arbeitnehmer können über die IEF-Service GmbH ausstehende Löhne und Gehälter beantragen
Prognose für 2026
Der KSV1870 rechnet für 2026 mit einem ähnlichen Insolvenzniveau wie 2025. Entscheidend werden die Entwicklung der Inflation, die Kostenbelastung für Unternehmen und die allgemeine Wirtschaftslage sein. Die Wirtschaftsforschung erwartet zwar eine abschwächende Inflation und moderates BIP-Wachstum – ob dies jedoch kurzfristig zu einer finanziellen Entlastung der Betriebe führt, bleibt offen.
Für Unternehmer in der Steiermark empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung der Bonität von Geschäftspartnern und die Beobachtung der Insolvenzentwicklung in der eigenen Branche.