Am 12. Dezember 2025 eröffnete die Koralmbahn. Graz und Klagenfurt rücken auf 45 Minuten Fahrzeit zusammen. Mit der neuen Verbindung entsteht der zweitgrößte Ballungsraum Österreichs nach Wien. Die Wirtschaftskammern Steiermark und Kärnten haben dafür die Dachmarke AREA SÜD initiiert.
Der neue Wirtschaftsraum in Zahlen
Die AREA SÜD erstreckt sich über knapp ein Drittel der Fläche Österreichs. Rund 1,8 Millionen Menschen leben hier. Mehr als 150.000 Betriebe mit 770.000 Beschäftigten erwirtschaften eine Wirtschaftsleistung von etwa 70 Milliarden Euro.
| Kennzahl | AREA SÜD |
|---|---|
| Einwohner | 1,8 Millionen |
| Betriebe | 150.000+ |
| Beschäftigte | 770.000 |
| Wirtschaftsleistung | 70 Mrd. € |
| Fahrzeit Graz-Klagenfurt | 45 Minuten |
| Anteil an Österreichs Fläche | ca. 33% |
Stimmen aus der Wirtschaft
WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk spricht von einer Jahrhundertchance: Diese gelte es zu nutzen, um den Wirtschaftsraum zu einem Vorzeigestandort in Europa zu machen. Die Agenda beginne beim Arbeitsmarkt und führe über Infrastrukturausbau bis zur gemeinsamen Vermarktung.
WKO-Kärnten-Präsident Jürgen Mandl sieht einen Quantensprung: Kärnten sei nicht länger peripher, sondern mittendrin in einem neuen Zentrum wirtschaftlicher Dynamik. Der Wirtschaftsraum sei in dieser Form einzigartig in Österreich.
Umfrageergebnisse unter Betrieben
Eine gemeinsame Befragung der Wirtschaftskammern unter 1.085 Betrieben zeigt breite Zustimmung. 90 Prozent bewerten die verstärkte Kooperation zwischen Steiermark und Kärnten positiv. Die größten Chancen sehen die Unternehmen in:
- Höherer Arbeitskräftemobilität (61 Prozent)
- Besserer Erreichbarkeit des Bezirks (59 Prozent)
- Wirtschaftlichem Bedeutungsgewinn (52 Prozent)
Engere Zusammenarbeit wird vor allem in den Bereichen Wirtschaft (75 Prozent), Bildung (64 Prozent), Verwaltung (60 Prozent) und Gesundheitsvorsorge (55 Prozent) gewünscht.
Die Koralmbahn als Infrastrukturprojekt
Der Koralmtunnel ist mit 33 Kilometern einer der längsten Eisenbahntunnel der Welt. Die Hochleistungsstrecke ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h. Im regulären Betrieb liegt die Geschwindigkeit bei rund 230 km/h. Der Fahrplan bietet 29 ÖBB-Verbindungen pro Tag und Richtung.
Ab März 2026 bedient auch die Westbahn die Koralmstrecke fünf Mal pro Tag. Die Koralmbahn ist Teil der Baltisch-Adriatischen-Achse – einer wichtigen europäischen Verkehrsverbindung von der Ostsee bis zur Adria.
Maßnahmenagenda der Wirtschaftskammern
67 Prozent der befragten Betriebe fordern rascheren Infrastrukturausbau. Die wichtigsten Projekte sind:
- Viergleisiger Ausbau Graz-Bruck
- Gütertrasse Klagenfurt-Villach
- Neuer Bosruck-Tunnel
- Ausbau Güterverkehrszentren
- Anbindung Flughafen Graz an Koralmbahn
Zusätzlich stehen Breitbandausbau, Photovoltaik und Pumpspeicherkraftwerke auf der Liste. 57 Prozent plädieren für eine Vereinheitlichung von Landesgesetzen.
Auswirkungen auf Regionen
Unterkärnten rückt in ein neues wirtschaftliches Licht. Die Region Deutschlandsberg und der Bezirk Voitsberg profitieren von der besseren Erreichbarkeit. Neue Perspektiven entstehen in Mobilität, Technologie und Wirtschaftsentwicklung.
Ein Pilotprojekt zu automatisierten Shuttle-Systemen verbindet St. Paul und St. Andrä mit Groß St. Florian. Diese Zubringerlösungen erleichtern den Zugang zu den Bahnhöfen und machen die Region zum Vorreiter intelligenter Nahverkehrssysteme.
Finanzsektor als Partner
Nikolaus Juhász, Vorstandsvorsitzender der BKS Bank, erwartet einen wirtschaftlichen Turbo. Die Koralmbahn werde einen deutlichen Wachstumsschub und eine nachhaltige Aufwertung der gesamten AREA SÜD bringen.
Die Bankenlandschaft in Kärnten und der Steiermark ist kapitalstark und breit aufgestellt. Regionalbanken, Genossenschaftsinstitute und spezialisierte Finanzdienstleister schaffen ein stabiles Fundament für Investitionen.
Internationale Positionierung
Die Dachmarke AREA SÜD soll nationale und internationale Sichtbarkeit schaffen. Ein gemeinsamer Markenauftritt wird von 51 Prozent der Betriebe als wichtig erachtet. Ziel ist die Positionierung als europäische Metropolregion.
Die steirischen Leitbetriebe wie Infineon-CEO Sabine Herlitschka unterstützen die Initiative. Der Süden Österreichs werde zu einem dynamischen Wirtschaftsraum mit enormem Potenzial.
Historische Dimension
Die Idee einer direkten Bahnverbindung zwischen Graz und Klagenfurt existiert seit den frühen 1900er Jahren. Die Bauarbeiten begannen 2001. Nach drei Jahrzehnten Planung und Bau ist das Jahrhundertprojekt abgeschlossen. Der Koralmtunnel überwindet geografische Grenzen und schafft neue wirtschaftliche Möglichkeiten.
Die Koralmbahn verändert nicht nur Verkehrswege, sondern ganze Lebensräume. Sie ist eine Brücke zwischen zwei starken Wirtschaftsräumen – und der Motor für den Aufschwung der AREA SÜD.