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Schweißarbeiten an einem Stahlrohr mit Flansch in einer Industriehalle

Christof Industries erneut insolvent: Schiedsspruch löst Sanierung aus

Ende August kam in einem Schiedsverfahren in London eine Entscheidung, die laut Christof Industries überraschend nur zu einem Bruchteil zugunsten des Unternehmens ausfiel. Zwei Wochen später, am Freitag, dem 11. September 2026, eröffnete das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz über die Christof Industries Austria GmbH ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Betroffen sind 180 Beschäftigte an den Standorten Graz, Wels und Wien sowie rund 450 Gläubiger.

Es ist das zweite Verfahren binnen vier Jahren. Im September 2022 hatte dasselbe Unternehmen schon einmal Insolvenz angemeldet, damals mit rund 350 Beschäftigten und 66,1 Millionen Euro Passiva. Die Gläubiger erhielten eine Quote von 20 Prozent, und das Unternehmen hat sie vollständig bezahlt. Genau diese Quote bietet Christof jetzt wieder an.

Das Verfahren in Zahlen

Angabe Stand 11.09.2026
Schuldnerin Christof Industries Austria GmbH, FN 441775w
Sitz Plabutscherstraße 115, 8051 Graz
Zweigniederlassungen Wels (Maria-Theresia-Straße 51), Wien (Kölblgasse 8)
Verfahren Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, Eigenantrag
Gericht und Aktenzeichen Landesgericht für ZRS Graz, 27 S 168/26x
Insolvenzverwalter Mag. Stefan Weileder, Rechtsanwalt in Graz
Geschäftsführer Johann Christof, DI Wolfgang Körner
Gesellschafterin FMT Industrieholding GmbH (100 %)
Dienstnehmer 180
Gläubiger rund 450
Passiva laut Antrag 62,6 Mio. Euro, davon 32,24 Mio. Euro Schadenersatz aus Projektbeendigungen
Aktiva 52,1 Mio. Euro Buchwert, 6,96 Mio. Euro zu Liquidationswerten
Angebotene Quote 20 Prozent, zahlbar binnen 24 Monaten nach Annahme
Anmeldefrist 3. November 2026
Berichts- und Prüfungstagsatzung 17. November 2026, 10:25 Uhr
Sanierungsplantagsatzung 1. Dezember 2026, 11:00 Uhr

Quellen: AKV EUROPA und KSV1870, beide vom 11.09.2026.

30 oder 62 Millionen Euro: warum zwei Summen kursieren

Die Kreditschützer beziffern die Verbindlichkeiten zu Liquidationswerten mit rund 30 Millionen Euro. Im Zerschlagungsfall kämen laut KSV1870 weitere rund 32 Millionen Euro an Kosten für nicht fertiggestellte Projekte hinzu. Im Insolvenzantrag selbst stehen deshalb 62.595.000 Euro. Davon entfallen 32,24 Millionen Euro auf Schadenersatzansprüche aus Projektbeendigungen, rund 4,17 Millionen Euro auf Lieferanten, der Rest auf Rückstellungen, Forderungen der Dienstnehmer und Sonstiges.

Christof Industries betont gegenüber der APA, dass es sich bei den 32 Millionen Euro um Haftungen handle. Schlagend würden sie nur, wenn das Unternehmen schließt, und genau das solle die Fortführung verhindern.

Auffällig ist die Bewertung der Vermögenswerte. In den Büchern stehen 52,1 Millionen Euro, zu Liquidationswerten bleiben knapp 7 Millionen Euro übrig. Den Großteil der Abschläge erklärt der Antrag mit Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen und mit Leistungen, die noch nicht abgerechnet werden können. Der AKV kündigt an, diese Abwertungen kritisch zu prüfen. Nach eigener Darstellung ist das Unternehmen rechnerisch überschuldet. Anders als 2022 spielen Verbindlichkeiten innerhalb der Gruppe laut AKV nur mehr eine geringe Rolle.

Keine Bankfinanzierung, dann der Schiedsspruch

Die Ursachen reichen zurück bis in die Pandemie. Mit ihrem Ausbruch konnten Großprojekte nicht wie geplant abgeschlossen und abgerechnet werden. 2022 kamen die Folgen des Kriegs in der Ukraine, stark gestiegene Energiepreise und massive Kostenüberschreitungen bei zwei Schlüsselprojekten dazu. Am 30. September 2022 wurde das erste Sanierungsverfahren eröffnet (Aktenzeichen 27 S 149/22x), am 9. Februar 2023 war der Sanierungsplan rechtskräftig bestätigt.

Danach entwickelte sich das Unternehmen nach eigenen Angaben positiv und zahlte die Quote vollständig ab. Ein Problem blieb: Seit dem Abschluss des ersten Verfahrens bekam Christof keine ausreichende Bankfinanzierung mehr. Parallel lief in London ein Schiedsverfahren um die Abgeltung von Mehrleistungen aus einem Großprojekt. Als der Schiedsspruch Ende August 2026 nur zu einem Bruchteil zugunsten von Christof ausfiel, entstand der Liquiditätsengpass, der zum Antrag führte.

Das Unternehmen gibt sich zuversichtlich. Die Auftragsbücher seien voll, laufende Projekte würden fortgeführt, die Fortführung finanziere sich selbst. Die Gesellschaften der Gruppe in Rumänien und China sind vom Verfahren nicht betroffen. Begleitet wird die Sanierung vom Insolvenzrechtsexperten Clemens Jaufer.

Was jetzt passiert: Termine bis Dezember

In einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung verliert die Geschäftsführung die Verfügung über das Vermögen. Der vom Gericht bestellte Verwalter führt das Unternehmen und kontrolliert die Finanzen. Laut Unternehmensserviceportal muss der Sanierungsplan mindestens 20 Prozent der Forderungen binnen zwei Jahren vorsehen. Mehr bietet Christof also nicht, sondern exakt das gesetzliche Minimum.

  • Bis 3. November 2026 melden Gläubiger ihre Forderungen beim Landesgericht für ZRS Graz an, direkt oder über einen Kreditschützer.
  • 17. November 2026: In der Berichtstagsatzung legt Verwalter Stefan Weileder dar, ob die Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt. KSV1870-Regionalleiter René Jonke nennt genau diese Prüfung und die Frage, ob der Plan erfüllbar ist, als nächsten Schritt.
  • 1. Dezember 2026: In der Sanierungsplantagsatzung stimmen die anwesenden Gläubiger ab. Angenommen ist der Plan, wenn die Mehrheit zustimmt und diese Mehrheit zugleich mehr als die Hälfte der Forderungen hält.

Die Abstimmung liegt knapp innerhalb der 90 Tage nach Eröffnung. Wird der Plan in dieser Frist nicht angenommen, wird das Unternehmen verwertet und das Verfahren zum Konkurs. Erfüllt Christof den Plan dagegen, ist das Unternehmen von den restlichen Schulden befreit.

Was die 180 Beschäftigten wissen müssen

Offene Löhne und Gehälter sichert der Insolvenz-Entgelt-Fonds. Laut Arbeiterkammer übernimmt er laufende Entgelte, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Kündigungsentschädigung, Urlaubsersatzleistung und die Abfertigung alt, beim laufenden Entgelt bis 13.860 Euro brutto im Monat. Wird der Betrieb im Sanierungsverfahren fortgeführt, sind Lohn und Sonderzahlungen jedenfalls bis zur Berichtstagsatzung gesichert, hier also bis 17. November 2026.

Die Anmeldung beim Fonds übernimmt die Arbeiterkammer kostenlos. Weil Ansprüche verfallen können, sollten sich Betroffene rasch melden. Wie viele Stellen die weitere Sanierung kostet, ist offen. Der KSV1870 hält fest, dass Restrukturierungsmaßnahmen folgen werden. Im ersten Verfahren hatte das Unternehmen einzelne Teilbereiche geschlossen und Personal abgebaut.

Wer hinter Christof Industries Austria steht

Die heutige Christof Industries Austria GmbH wurde im Oktober 2015 als FMT Ferro Technik GmbH gegründet. Im September 2019 wurden die Christof Project GmbH, die Doubrava Industrieanlagenbau GmbH und die Fenerito GmbH mit ihr verschmolzen, im November 2019 bekam sie ihren heutigen Namen. Alleingesellschafterin ist die FMT Industrieholding GmbH, die Geschäfte führen Johann Christof und Wolfgang Körner.

Das Unternehmen deckt den Lebenszyklus von Industrieanlagen ab, von Mechanik und Elektrik bis zu Service und Wartung. Im Firmenbuchgegenstand stehen neben dem Maschinenbau auch Stahl-, Rohr- und Behälterbau sowie Schweiß-, Mess- und Regeltechnik. Die gesamte Christof-Gruppe gibt rund 4.000 Mitarbeiter und mehr als 4.500 umgesetzte Anlagenprojekte an, mit Schwerpunkten in der Energie- und Abfallwirtschaft sowie in der Industrie. 2022 musste neben der Austria-Gesellschaft auch die Holding Christof Industries Global GmbH saniert werden, ihr Sanierungsplan wurde im Mai 2023 bestätigt.

Eine der größten steirischen Insolvenzen des Jahres

Die Steiermark verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 laut KSV1870 391 Firmeninsolvenzen, um 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die vorläufigen Passiva stiegen von 175 auf 602 Millionen Euro. Mit 56 Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung lag die Steiermark in dieser Verfahrensart vor allen anderen Bundesländern, knapp vor Niederösterreich (51) und Wien (49).

Gemessen an den Passiva laut Antrag reiht sich Christof unter die größten steirischen Fälle des Jahres ein. In der Halbjahresliste des KSV1870 lagen nur die Grazer LL-resources GmbH mit 131 Millionen Euro und die Domaines Kilger GmbH & Co KG in Gamlitz mit 83 Millionen Euro darüber. Weitere Verfahren des Jahres, darunter jenes der Fürgast Betriebsgastronomie, sind in der Übersicht der Insolvenzen in der Steiermark 2026 gesammelt.

Häufige Fragen zur Insolvenz von Christof Industries

Wird Christof Industries geschlossen?

Nein, das Unternehmen soll fortgeführt werden. Ob das im Interesse der Gläubiger ist, prüft der Insolvenzverwalter bis zur Berichtstagsatzung am 17. November 2026. Über den Sanierungsplan stimmen die Gläubiger am 1. Dezember 2026 ab.

Welche Standorte sind betroffen?

Der Firmensitz in der Grazer Plabutscherstraße sowie die Zweigniederlassungen in Wels und Wien. Die Gesellschaften der Christof-Gruppe in Rumänien und China sind nicht Teil des Verfahrens.

Bis wann müssen Gläubiger ihre Forderungen anmelden?

Bis 3. November 2026 beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz unter dem Aktenzeichen 27 S 168/26x. KSV1870 und AKV bieten an, Gläubiger im Verfahren zu vertreten.

Wie viel bekommen die Gläubiger?

Angeboten sind 20 Prozent der Forderungen, zahlbar binnen 24 Monaten nach Annahme des Sanierungsplans, aber nicht vor dessen rechtskräftiger Bestätigung. Das Geld soll aus dem laufenden Geschäft und aus den Forderungen der fortgeführten Projekte kommen.

War Christof Industries schon einmal insolvent?

Ja. Das erste Sanierungsverfahren wurde am 30. September 2022 eröffnet, der Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent am 9. Februar 2023 rechtskräftig bestätigt und vollständig erfüllt.