Mit rund 11,4 Millionen Euro Passiva und 47 betroffenen Dienstnehmern reiht sich die Fürgast Betriebsgastronomie GmbH aus Graz-Umgebung in die Liste der größten steirischen Gastronomie-Insolvenzen 2026 ein. Am 27. April 2026 eröffnete das Landesgericht Graz das Sanierungsverfahren über das Unternehmen, zu dem das 4-Sterne-Hotel „Das Grambacher“ in Raaba-Grambach, ein Falstaff-prämiertes Restaurant sowie der Betrieb mehrerer Werkskantinen gehören. Den rund 100 Gläubigern wird eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent angeboten, zahlbar binnen 24 Monaten ab Annahme des Plans.
Vom Vier-Sterne-Vorzeigeprojekt in das Sanierungsverfahren
Die Fürgast Betriebsgastronomie GmbH wurde am 16. September 2016 von Hamdi El Manchi gegründet, der bereits zuvor das gleichnamige Restaurant in Raaba-Grambach betrieb. Mit Einbringungsvertrag vom 28. September 2016 wurde das Einzelunternehmen Fürgast Betriebsgastronomie Hamdi El Manchi e.U. in die GmbH überführt. Eigentümerin der Gesellschaft ist die El Manchi Holding GmbH, die sämtliche Anteile hält. Der Firmensitz liegt in der Feldkirchner Straße 179 in 8055 Graz Puntigam, das Hotel selbst befindet sich in der Hauptstraße 20 in der Marktgemeinde Raaba-Grambach.
Das ambitionierte Hotelprojekt nahm 2021 Form an. Von September 2021 bis Dezember 2022 entstand am Stadtrand von Graz ein modernes Vier-Sterne-Haus mit 52 Zimmern in vier Kategorien, fünf Seminarräumen, zwei Besprechungszimmern und einem Restaurant. Die offizielle Eröffnung des Hotels erfolgte mit Jänner 2023. Konzipiert war das Haus als Business-Hotel für die zahlreichen Industrie- und Gewerbebetriebe rund um die Autobahnabfahrt Graz-Hausmannstätten. Der Bauherr setzte bewusst auf steirische Optik mit Holzfassade, Begrünung und Naturmaterialien, das Restaurant erhielt eine Falstaff-Auszeichnung, und Booking.com vergab 2026 den Traveller Review Award mit einer Gästebewertung von 8,8.
Trotz dieser positiven Außenwahrnehmung gerieten die Finanzen des Unternehmens kontinuierlich unter Druck. Die Gründe dafür sind vielschichtig und zeigen exemplarisch, mit welchen Belastungen mittelständische Hotellerie- und Gastronomiebetriebe in der Steiermark seit 2022 konfrontiert sind.
Im Firmen-Portfolio der El Manchi-Gruppe befinden sich neben der Fürgast Betriebsgastronomie GmbH auch weitere unternehmerische Aktivitäten. Dazu zählt die Fa. AllesEvent GmbH, die in Seiersberg einen Geschirr- und Equipment-Verleih sowie eine Autowaschanlage betreibt. Diese Querfinanzierung über mehrere Geschäftsfelder hatte der Gründer ursprünglich als wirtschaftliches Sicherheitsnetz konzipiert, weil saisonale Schwankungen in der Gastronomie durch andere Standbeine abgefangen werden sollten. Mit der gleichzeitigen Belastung aller vier Bereiche der Fürgast GmbH durch externe Faktoren funktionierte dieses Modell jedoch nicht wie geplant.
Vier Geschäftsbereiche, vier Problemzonen
Die Fürgast GmbH gliedert sich laut Insolvenzakt in vier Tätigkeitsbereiche, die laut Schuldnerangaben jeweils einen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaften: das Restaurant „Das Grambacher“, das angeschlossene Hotel mit Seminarräumlichkeiten, eine Betriebskantine sowie das Catering und das Aufstellen von Kaffeeautomaten in Industriebetrieben. Branchenmäßig entfallen 50 Prozent der Tätigkeit auf Restaurants und Gaststätten, 40 Prozent auf den Hotelbetrieb und 10 Prozent auf Event-Catering.
In allen Bereichen kam es zuletzt zu spürbaren Umsatzrückgängen. Besonders das Hotel litt nach der Eröffnung unter mehreren externen Faktoren: Die Baukosten waren in der Bauzeit 2021 und 2022 deutlich stärker gestiegen als ursprünglich kalkuliert, was eine zusätzliche Kreditaufnahme erforderlich machte und die Finanzierungskosten dauerhaft erhöhte. Unmittelbar nach der Hoteleröffnung wurden im Umfeld zusätzlich verstärkt Infrastrukturprojekte umgesetzt. Die damit verbundenen Straßensperren rund um das Hotel führten laut Kreditschutzverband KSV1870 zu massiven Umsatzeinbrüchen sowohl im Hotel- als auch im Restaurantbetrieb. Geschäftsreisende und Seminargäste mieden den schwer erreichbaren Standort, gleichzeitig blieben Stammgäste aus dem Umland weg.
| Eckdaten Insolvenz Fürgast Betriebsgastronomie GmbH | Wert |
|---|---|
| Eröffnung Sanierungsverfahren | 27. April 2026, LG Graz (25S84/26d) |
| Verfahrensart | Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung |
| Passiva | rund 11,4 Mio. € |
| Aktiva (zu Liquidationswerten) | rund 7,4 Mio. € |
| Gläubiger | rund 100 |
| Dienstnehmer | 47 |
| Sanierungsplanquote | 20 Prozent in 24 Monaten |
| Anmeldefrist Forderungen | 4. Juni 2026 |
| Insolvenzverwalter | Dr. Arno Lerchbaumer (Lerchbaumer Schlager Rechtsanwälte) |
Hinzu kam ein Einbruchschaden in Höhe von rund 200.000 Euro, der das ohnehin angespannte Liquiditätsniveau weiter belastete. Im Bereich der Werkskantinen entwickelten sich die Deckungsbeiträge laufend schlechter. Die belieferten Industriebetriebe reduzierten den Präsenzbetrieb ihrer Belegschaft, viele Mitarbeiter blieben dauerhaft im Homeoffice oder rotierten zwischen Standorten. Das führte dazu, dass weniger Essen ausgegeben wurde, die fixen Kantinenkosten aber bestehen blieben. Für die Fürgast GmbH bedeutete das zusätzliche laufende Kosten ohne entsprechende Umsatzgegenstücke.
Branchenkontext: Gastronomie als Insolvenz-Hotspot in der Steiermark
Der Fall Fürgast steht keineswegs für ein Einzelschicksal. Die Beherbergung und Gastronomie hat sich zu einer der drei am stärksten von Insolvenzen betroffenen Branchen in der Steiermark entwickelt. Im Gesamtjahr 2025 verzeichnete die Steiermark 723 Firmeninsolvenzen, was zwei Unternehmenspleiten pro Tag entspricht. Die Bauwirtschaft führte die Statistik mit 126 Fällen an, dicht gefolgt von Beherbergung und Gastronomie mit 122 Fällen, was einem Plus von rund 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Der Trend setzt sich 2026 fort, allerdings mit gemischter Bilanz. Im ersten Quartal 2026 zählte der Kreditschutzverband KSV1870 in der Steiermark 198 Unternehmensinsolvenzen, ein Anstieg um knapp 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Passiva schnellten um 415 Prozent auf 345 Millionen Euro nach oben, getrieben durch mehrere Großinsolvenzen wie Domaines Kilger in Gamlitz mit 82 Millionen Euro Passiva und LL-resources in Graz mit 131 Millionen Euro. Im Bereich Beherbergung und Gastronomie ging die Fallzahl im ersten Quartal zwar leicht zurück, das Niveau bleibt aber historisch hoch.
Die Ursachen sind branchenweit ähnlich gelagert: gestiegene Energie- und Lebensmittelkosten, deutlich höhere Personalkosten durch Kollektivvertragsabschlüsse, Zinsbelastungen aus Krediten der Niedrigzinsphase, ein anhaltender Personalmangel sowie das veränderte Gästeverhalten nach der Pandemie. Eine KSV1870-Umfrage unter 1.200 steirischen Unternehmen zeigte, dass jeder zweite Betrieb spürt, dass Kundinnen und Kunden weniger Geld ausgeben. Wirte berichten von kürzeren Aufenthalten, kleineren Bestellungen und einer wachsenden Zurückhaltung bei spontanen Restaurantbesuchen.
Sanierung statt Schließung: Die Aussichten für die Fürgast GmbH
Anders als bei einem klassischen Konkurs wird das Unternehmen vorerst weitergeführt. Die Antragstellerin hat selbst das Sanierungsverfahren beantragt und gibt an, dass jeder der vier Teilbereiche einen positiven Deckungsbeitrag liefert. Die Fortführung soll daher Überschüsse erwirtschaften, mit denen die Sanierungsplanquote von 20 Prozent finanziert werden kann. Zum Insolvenzverwalter wurde Dr. Arno Lerchbaumer von der Kanzlei Lerchbaumer Schlager Rechtsanwälte bestellt, sein Stellvertreter ist Mag. Harald Schlager. Die erste Prüfungs- und Berichtstagsatzung wurde für den 18. Juni 2026 angesetzt, die Sanierungsplantagsatzung für den 23. Juli 2026.
„Der Insolvenzverwalter wird nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann“, betont Mag. Julia Liszt vom KSV1870 Insolvenz Graz. Diese Prüfung umfasst eine genaue Analyse der Liquiditätsplanung, der erwarteten Umsätze in allen vier Bereichen und der Frage, ob das Liegenschaftsvermögen, das den Großteil der Aktiva von 7,4 Millionen Euro ausmacht, für eine geordnete Sanierung ausreicht.
Die Aktiva bestehen praktisch ausschließlich aus dem Hotel-Liegenschaftsvermögen, die Passiva überwiegend aus Kreditverbindlichkeiten gegenüber Banken. Damit entsteht eine Konstellation, die in der österreichischen Hotellerie nach 2022 mehrfach aufgetreten ist: Eine Immobilie mit hohem Investitionswert, aber unzureichendem Cashflow zur Bedienung der Finanzierung. Steigende Zinsen seit Mitte 2022 haben in solchen Fällen zusätzlichen Druck ausgelöst, weil variable Kreditraten innerhalb weniger Monate deutlich teurer wurden.
Was die Fürgast-Insolvenz für die Region bedeutet
Die wirtschaftlichen Folgen reichen über das Unternehmen hinaus. 47 Dienstnehmer bangen um ihre Arbeitsplätze, auch wenn die Fortführung Hoffnung macht. Die rund 100 Gläubiger umfassen Lieferanten aus der Region, Banken, das Finanzamt und die Sozialversicherungsträger. Lokale Lebensmittelproduzenten, Getränkelieferanten und Handwerksbetriebe aus Graz und Graz-Umgebung dürften zu den am stärksten betroffenen Geschäftspartnern zählen.
Für die Marktgemeinde Raaba-Grambach ist der Fall ein Rückschlag. Das Hotel galt als wichtige Infrastruktur für die zahlreichen Unternehmen im umliegenden Gewerbegebiet, die regelmäßig Geschäftspartner und Seminarteilnehmer beherbergen mussten. Auch die Gemeindeentwicklung profitierte von dem Vorzeigeobjekt, das eine Lücke zwischen Graz und den südlichen Industriegebieten schloss. Die wichtigsten Kennzahlen, die jetzt Aufmerksamkeit verdienen:
- Beschäftigung: 47 Arbeitsplätze in Graz-Umgebung, davon rund 8 im reinen Hotelbetrieb, der Rest in Restaurant, Catering und Werkskantinen
- Lieferantennetzwerk: Rund 100 Gläubiger, darunter zahlreiche regionale Lebensmittel- und Getränkebetriebe
- Tourismusangebot: 52 Hotelzimmer in einer Region mit hoher Nachfrage durch Geschäftsreisende
- Steueraufkommen: Tourismusabgabe, Kommunalsteuer und Umsatzsteuer für Gemeinde und Land
- Werkskantinenbelieferung: Mehrere steirische Industriebetriebe sind auf den Catering-Service angewiesen
Ausblick: Sanierungsplan als Chance
Bis zur Sanierungsplantagsatzung am 23. Juli 2026 müssen alle Beteiligten – Schuldnerin, Insolvenzverwalter, Banken und Gläubiger – die Frage beantworten, ob die angebotene Quote von 20 Prozent realistisch erreichbar ist. Entscheidend wird sein, ob sich die Umsatzlage in allen vier Geschäftsbereichen stabilisiert und ob die Banken bereit sind, bestehende Kredite umzustrukturieren. Die Fortsetzung der Werkskantinenbelieferung dürfte ebenfalls neu verhandelt werden müssen, weil sich das Arbeitsmodell der Industriebetriebe nach der Pandemie strukturell verändert hat. Hier ist Flexibilität gefragt: Kleinere Liefermengen, flexible Buchungssysteme und neue Catering-Konzepte für hybride Belegschaften könnten eine Lösung sein.
Für die Hotelvermarktung bietet die Fortführung im Sanierungsverfahren echte Vorteile. Die Reputation des Falstaff-prämierten Restaurants und die guten Booking.com-Bewertungen bleiben bestehen, das Personal kann gehalten werden, und die laufenden Buchungen werden abgewickelt. Bleiben die Straßensperren rund um das Hotel reduziert und entwickelt sich die Geschäftsreise-Nachfrage in Graz-Umgebung weiter positiv, hat das Unternehmen reale Chancen, die Sanierung erfolgreich abzuschließen. Der Fall Fürgast wird damit zu einem Lackmustest für die Frage, ob mittelständische Vier-Sterne-Hotels in steirischen Industrieregionen ihre Investitionskosten überhaupt noch refinanzieren können. Branchenbeobachter rechnen außerdem damit, dass weitere ähnlich gelagerte Insolvenzfälle im Hotelsektor folgen könnten, wenn Banken auslaufende Tilgungsmoratorien aus der Pandemiezeit nicht weiter strecken. Für die steirische Hotellerie wird 2026 damit zu einem Schlüsseljahr, in dem sich entscheidet, welche Häuser ihre Refinanzierung stemmen können und welche den Weg in die Sanierung antreten müssen.
Quellen
- ORF Steiermark: Gastrobetrieb Fürgast insolvent
- KSV1870: Insolvenzakt Fürgast Betriebsgastronomie GmbH
- GASTRO.at: Fürgast GmbH insolvent mit 11,4 Millionen Passiva
- KSV1870: Unternehmensinsolvenz Q1 2026
- Das Grambacher: Hotel-Information