Mit über 33.000 verwalteten Wohneinheiten und mehr als 100.000 Bewohnern ist die ÖWG Wohnbau der unangefochtene Marktführer im steirischen Wohnbau. Die gemeinnützigen und gewerblichen Bauträger der Steiermark prägen das Gesicht des Bundeslandes – von den großen Stadtentwicklungsprojekten in Graz bis zu ländlichen Wohnanlagen in über 180 Gemeinden. Wir stellen die wichtigsten Akteure vor und zeigen, was sie auszeichnet.
1. ÖWG Wohnbau – Der Marktführer
Die ÖWG Wohnbau ist der größte gemeinnützige Wohnbauträger der Steiermark und eine der größten Hausverwaltungen Österreichs. Das 1950 in Graz gegründete Unternehmen beschäftigt über 200 Mitarbeiter und verwaltet mehr als 33.000 Wohnungen. Das jährliche Neubau- und Sanierungsvolumen beträgt rund 135 Millionen Euro. Mehr als 100.000 Menschen leben auf über zwei Millionen Quadratmetern Wohnfläche in ÖWG-Objekten.
Die ÖWG ist in der Steiermark, Kärnten, Wien und dem Burgenland aktiv. In über 180 steirischen Gemeinden hat der Wohnbauträger Kindergärten, Schulen, Studentenheime, Universitätsinstitute und Seniorenwohnhäuser errichtet. Aktuell ist die ÖWG federführend bei der Entwicklung von drei Quartieren auf den Reininghausgründen in Graz – dem größten Stadtentwicklungsprojekt der Landeshauptstadt.
2. ÖSW-Gruppe – Österreichs größter gemeinnütziger Konzern
Die ÖSW-Gruppe (Österreichisches Siedlungswerk) ist mit 27 Tochtergesellschaften und rund 56.000 verwalteten Einheiten der größte gemeinnützige Wohnbaukonzern Österreichs. Die ÖSW Wohnbauträger GmbH wurde 2007 als Tochtergesellschaft gegründet und verlegte ihren Sitz 2017 nach Graz, um verstärkt freifinanzierten Wohnbau in der Steiermark zu entwickeln.
Die Projekte der ÖSW setzen auf Nachhaltigkeit und Innovation. Das Projekt Reininghaus 10 wurde für seine klimaaktive Bauweise, nachhaltige Materialwahl und CO2-freie Stromversorgung ausgezeichnet. Die Wohnungen entsprechen den höchsten energetischen Standards und tragen das Österreichische Umweltzeichen.
| Rang | Bauträger | Verwaltete Einheiten | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| 1 | ÖWG Wohnbau | 33.000+ | Gemeinnützig |
| 2 | ÖSW-Gruppe | 56.000 (österreichweit) | Gemeinnützig/Freifinanziert |
| 3 | GWS | 18.000+ | Gemeinnützig |
| 4 | ENW | 12.000+ | Gemeinnützig |
| 5 | Wohnraumwerk | 8.000+ | Gemeinnützig |
| 6 | BE-WO Wohnbau | 5.000+ | Gewerblich |
| 7 | Belvedere 11 / G14 | 3.500+ | Gewerblich |
| 8 | SGN | 3.000+ | Gemeinnützig |
| 9 | Insula | 2.500+ | Gemeinnützig |
| 10 | H2 Wohnbau | 2.000+ | Gemeinnützig |
3. GWS – Gemeinnützige Wohnstätten
Die GWS (Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgenossenschaft) gehört zu den etablierten Akteuren im steirischen Wohnbau. Mit über 18.000 verwalteten Einheiten ist sie besonders in Graz und Graz-Umgebung präsent. Die GWS fokussiert sich auf leistbaren Wohnraum im geförderten Segment und unterstützt Mieter beim Erwerb von Eigentum durch Mietkauf-Modelle.
4. ENW – Erste Niederösterreichische Wohnbaugesellschaft
Die ENW ist zwar primär in Niederösterreich aktiv, hat aber auch in der Steiermark einen bedeutenden Fußabdruck. Als einer der 17 Bauträger auf den Reininghausgründen entwickelt die ENW mehrere Quartiere mit. Alexander Daum, Vorstandsdirektor der ENW, betont das Engagement über die reine Bautätigkeit hinaus: Neben der Infrastruktur investieren wir gezielt in das soziale und kulturelle Miteinander – in die Software des Stadtteils.
5. Wohnraumwerk
Das Wohnraumwerk ist als gemeinnütziger Bauträger in der Steiermark etabliert und konzentriert sich auf innovative Wohnkonzepte. Die Organisation legt besonderen Wert auf Partizipation der zukünftigen Bewohner bei der Planung und setzt auf nachhaltige Baumaterialien sowie energieeffiziente Bauweisen.
6. BE-WO Wohnbau – Über 20 Jahre Erfahrung
Die BE-WO Wohnbau und Grundstücksverwertungs GesmbH ist seit über 20 Jahren am Immobilienmarkt in Graz und Umgebung als privater Bauträger erfolgreich tätig. Das Leistungsspektrum umfasst sowohl große Wohnbauprojekte als auch kleine Wohnanlagen für institutionelle Anleger, Groß- und Kleinanleger sowie Endkunden.
Ein Leuchtturmprojekt ist der gemeinsam mit Mischek Bauträger entwickelte Wohnturm auf den Reininghausgründen, der 2021 an die deutsche ZBI-Gruppe verkauft wurde. Mit über 208 Mietwohnungen und rund 12.360 Quadratmetern Mietfläche gehört er zu den größten Einzelprojekten im Stadtentwicklungsgebiet.
7. Belvedere 11 und G14 Immobilien
Belvedere 11 und die G14 Immobilien sind steirische Immobilienentwickler mit Schwerpunkt auf hochwertigen Wohnimmobilien in Graz und Graz-Umgebung. Das Credo Dein neues Wohnen steht symbolisch für Leidenschaft und Qualität bei der Entwicklung von Wohnträumen. Die Unternehmen haben sich auf innovative Lösungen im Wohnbau spezialisiert und arbeiten mit lokalen Experten vor Ort.
8. SGN – Siedlungsgenossenschaft Neunkirchen
Die SGN (Siedlungsgenossenschaft Neunkirchen) wurde bereits 1910 gegründet und gehört damit zu den traditionsreichsten Wohnbauträgern Österreichs. Das vorrangige Ziel ist die Errichtung leistbarer Wohnungen nach modernsten qualitativen und ökologischen Standards. Die SGN ist auch in der Steiermark mit Projekten vertreten.
9. Insula
Insula ist ein gemeinnütziger Bauträger mit Fokus auf bedarfsgerechten Wohnbau. Die Organisation arbeitet eng mit Gemeinden und Ländern zusammen, um Wohnraum für verschiedene Zielgruppen zu schaffen – von jungen Familien bis zu Senioren. Soziale Durchmischung und langfristige Leistbarkeit stehen im Mittelpunkt.
10. H2 Wohnbau
H2 Wohnbau hat sich auf kompakte, effiziente Wohneinheiten spezialisiert. Der gemeinnützige Bauträger ist besonders in kleineren steirischen Gemeinden aktiv und entwickelt Projekte, die den örtlichen Bedarf berücksichtigen. Die enge Zusammenarbeit mit Kommunen ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für den regionalen Wohnungsmarkt.
Gemeinnützig vs. Gewerblich
Gewerbliche Bauträger errichten den Großteil aller Neubauprojekte in der Steiermark. In Graz beträgt ihr Anteil 85 Prozent, steiermarkweit sind es 73 Prozent. Sie agieren marktwirtschaftlich orientiert und reagieren daher stärker auf Konjunkturschwankungen. In der aktuellen Krise haben viele gewerbliche Bauträger ihre Projekte zurückgehalten. Hohe Baukosten und unsichere Absatzmöglichkeiten machten viele Kalkulationen zunichte.
Gemeinnützige Bauträger wie die ÖWG, GWS oder ENW unterliegen dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG). Sie sind nicht gewinnorientiert und reinvestieren Überschüsse in neue Projekte. Das macht sie zu einem stabilisierenden Faktor am Markt – auch in schwierigen Zeiten bauen sie weiter. Ihre Mietpreise liegen oft deutlich unter dem Marktdurchschnitt, was besonders für Familien und Menschen mit geringerem Einkommen wichtig ist.
Die traditionsreichen Familienunternehmen der Steiermark arbeiten oft mit beiden Typen zusammen – gemeinnützige für geförderte Mitarbeiterwohnungen, gewerbliche für Unternehmensimmobilien.
Regionale Verteilung der Bauträger
Die meisten Bauträger konzentrieren ihre Aktivitäten auf den Großraum Graz, wo rund 80 Prozent des steirischen Wohnbaus stattfinden. Doch auch in den Bezirken gibt es aktive Entwickler. Besonders in den Bezirken Leibnitz, Weiz und Hartberg-Fürstenfeld entstehen regelmäßig neue Wohnprojekte. Die Bezirke Murtal und Bruck-Mürzzuschlag sind aufgrund der demografischen Entwicklung weniger im Fokus der großen Bauträger.
Die regionalen Unterschiede zeigen sich auch bei den Preisen. Während eine Bauträgerwohnung in Graz durchschnittlich 305.300 Euro kostet, sind die Preise in ländlichen Bezirken deutlich niedriger. Im Murtal liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Neubauwohnungen bei nur 2.068 Euro – fast die Hälfte des Grazer Niveaus.
Innovation: Kiubo – Das flexible Wohnkonzept
Die ÖWG Wohnbau hat mit Kiubo ein innovatives Wohnkonzept entwickelt, das 2021 unter dem Namen FlexLiving auf der Architekturbiennale vorgestellt wurde. Das flexible Setzkastenprinzip ermöglicht individuell anpassbare Wohnlösungen. 2022 wurde die Kiubo GmbH gegründet. Das Konzept wurde mehrfach ausgezeichnet und ist aktuell auf der EXPO in Japan vertreten.
Ausblick: Die Bauträger nach der Krise
Die vergangenen Jahre waren für alle Bauträger herausfordernd. Die Kombination aus gestiegenen Zinsen, hohen Baukosten und der KIM-Verordnung hat viele Projekte verzögert oder gestoppt. Doch die Zeichen stehen auf Erholung. Mit dem Ende der KIM-Verordnung und der neuen Wohnraumoffensive des Landes Steiermark ab 2026 erwarten die Bauträger wieder steigende Aktivität.
Die gemeinnützigen Bauträger werden ihre stabilisierende Rolle weiter spielen. Die gewerblichen Entwickler können bei verbesserten Rahmenbedingungen ihre zahlreichen Pipeline-Projekte schnell umsetzen. Für die Steiermark bedeutet das: Der Wohnbau wird wieder anziehen – wenn auch mit Fokus auf Sanierung und qualitätsvolle Verdichtung statt großflächiger Neubautätigkeit auf der grünen Wiese.
Die über 10.000 genehmigten, aber noch nicht realisierten Wohneinheiten in der Steiermark zeigen das Potenzial. Sobald sich die Rahmenbedingungen verbessern, können die Bauträger rasch reagieren. Die enge Zusammenarbeit zwischen gemeinnützigen und gewerblichen Akteuren, wie sie auf den Reininghausgründen praktiziert wird, könnte zum Modell für zukünftige Großprojekte werden. Die steirischen Bauträger haben in den schwierigen Jahren bewiesen, dass sie anpassungsfähig und resilient sind – beste Voraussetzungen für die kommende Aufschwungphase.