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Hand steckt einen Typ-2-Ladestecker in den Ladeanschluss eines Elektroautos

Elinx eingestellt: Energie Steiermark kündigt die Lade-Verträge

Die Energie Steiermark hat ihre Lade-App elinx abgeschaltet und die Verträge der Nutzer gekündigt. Auf elinx.at steht seit Montag nur noch ein Satz: Die App „wurde aus technischen Gründen mit sofortiger Wirkung eingestellt“. Bezahlte Grundgebühren bekommen Kunden zurück. Der Landesenergieversorger verweist auf seine Mobilitätskarte - und dort kostet die Kilowattstunde am eigenen Schnelllader je nach Tarif 18 bis 25 Prozent mehr als zuletzt bei elinx.

Zwischen der ersten Störungsmeldung und dem Aus lagen vier Tage. Am Freitag, dem 4. September, meldeten Kunden, dass die App ein Update verlangte, der Link dorthin aber ins Leere führte. Am Samstag sprach ein Sprecher gegenüber der Kleinen Zeitung von „technischen Problemen beim Partner“, die App werde bis Montag nicht nutzbar sein; ein Cyberangriff stecke nicht dahinter. Am Montag lief sie weiterhin nicht. Stattdessen kam die Kündigung per E-Mail.

Was die Energie Steiermark als Grund nennt

In der Kundeninformation ist von „qualitätsbezogenen Hürden“ die Rede. Dem eigenen Anspruch, „dauerhaft zuverlässige Produkte anzubieten“, habe man „leider nicht in der erforderlichen Qualität gerecht werden können“. Welcher Partner die Plattform betrieben hat und woran es technisch scheiterte, sagt das Unternehmen nicht. Die Formulierung „beim Partner“ deutet darauf hin, dass die App nicht im Haus entwickelt wurde, sondern auf einer zugekauften Plattform lief - ein in der Branche übliches Modell, bei dem der Energieversorger die Marke und die Tarife stellt, ein Dienstleister die Technik und das europaweite Roaming.

Genau dieses Roaming war das Verkaufsargument. Zum Start am 18. September 2025 warb die Energie Steiermark damit, als erstes Energieunternehmen Österreichs den Zugang zu 600.000 Ladepunkten in ganz Europa zu öffnen. Die Vorstände Martin Graf und Werner Ressi kündigten an, das Laden von E-Autos „in allen Teilen Europas so einfach und transparent wie möglich“ zu machen. Beworben wurden Live-Fahrzeugdaten, eine intelligente Routenplanung mit Ladestopps, Push-Nachrichten zum Ladeende und Zahlung per Kreditkarte, Apple Pay oder Google Pay. elinx löste damals die bestehende Ladekarte ab. Elf Monate später geht es zurück zu genau dieser Karte.

Was elinx-Kunden jetzt tun müssen

Die gekündigten Verträge laufen nicht weiter, die App ist aus den Stores verschwunden. Wer weiter an öffentlichen Säulen laden will, braucht einen neuen Vertrag - entweder die Mobilitätskarte der Energie Steiermark oder das Angebot eines anderen Anbieters. Die Mobilitätskarte lässt sich online bestellen, die physische Karte kommt laut Anbieter innerhalb weniger Tage per Post. Die erste Karte ist kostenlos, jede weitere kostet 9,90 Euro.

Vorausbezahlte Grundgebühren werden erstattet. Wer in den Tagen vor der Abschaltung geladen hat, sollte die Abrechnung im Auge behalten: Ladevorgänge über Roaming-Partner werden mit Verzögerung verrechnet, und die Plattform, die diese Daten verarbeitet hat, ist dieselbe, die ausgefallen ist.

Der Tarifvergleich: teurer wird vor allem das Schnellladen

Die Kritik der Kunden richtet sich auf die Preise. Der Vergleich der beiden offiziellen Preislisten zeigt, wo der Aufschlag sitzt. elinx hatte an den Säulen der Energie Steiermark einen Einheitspreis: Wechselstrom und Gleichstrom kosteten gleich viel. Die Mobilitätskarte trennt beides wieder - und Gleichstrom ist deutlich teurer.

Tarif Grundgebühr elinx elinx AC/DC Grundgebühr Mobilitätskarte Mobilitätskarte AC Mobilitätskarte DC
Pay as you go 0,00 € 70,0 / 75,0 ct - - -
S 4,99 € 49,0 / 49,0 ct 0,00 €* 45,0 ct 58,0 ct
M 9,99 € 43,0 / 43,0 ct 6,99 € 41,9 ct 53,9 ct
L 19,99 € 40,0 / 40,0 ct 19,99 € 38,3 ct 49,3 ct

Preise je Kilowattstunde an Ladepunkten der Energie Steiermark, Grundgebühr je Monat. * Bei Tarif S gilt ein Mindestumsatz von 3,90 Euro im Monat. Quellen: elinx.at und Energie Steiermark, Stand 8. September 2026.

Beim Gleichstromladen an den eigenen Säulen steigt der Preis in allen drei Tarifen: von 49,0 auf 58,0 Cent bei S (plus 18,4 Prozent), von 43,0 auf 53,9 Cent bei M (plus 25,3 Prozent) und von 40,0 auf 49,3 Cent bei L (plus 23,3 Prozent). Beim Wechselstromladen geht es dagegen leicht nach unten, um 1,1 bis 4,0 Cent.

Zwei Rechenbeispiele im Tarif M, jeweils 200 Kilowattstunden im Monat an Ladepunkten der Energie Steiermark:

  • Wer überwiegend schnelllädt, zahlte bei elinx 9,99 Euro plus 86,00 Euro Strom, zusammen 95,99 Euro. Mit der Mobilitätskarte sind es 6,99 plus 107,80 Euro, also 114,79 Euro - ein Plus von 18,80 Euro im Monat.
  • Wer an der Wechselstromsäule lädt, etwa über Nacht ohne eigene Garage, kam bei elinx auf dieselben 95,99 Euro. Mit der Mobilitätskarte sind es 6,99 plus 83,80 Euro, also 90,79 Euro - eine Ersparnis von 5,20 Euro.

Die Grundgebühr entfällt in den Tarifen M und L bis Jahresende 2026, bei Tarif S ist im selben Zeitraum der Mindestumsatz ausgesetzt. Für den Schnellladefahrer aus dem ersten Beispiel schrumpft der Aufschlag damit vorerst auf 11,81 Euro im Monat. Ab Jänner greift die volle Grundgebühr.

Im Partnernetz ändert sich fast nichts

Wer selten in der Steiermark und häufig unterwegs lädt, merkt den Wechsel kaum. Im Partnerverbund liegt die Mobilitätskarte durchwegs auf dem Niveau von elinx oder knapp darunter: 57,0 statt 59,0 Cent für Wechselstrom im Tarif S, 66,5 statt 69,0 Cent für Gleichstrom, im Tarif L 48,5 statt 50,0 und 56,5 statt 60,0 Cent. Der Preisnachteil beschränkt sich also auf die Heimatsäulen - jene Ladepunkte, an denen steirische Kunden naturgemäß am häufigsten stehen.

Dazu kommt eine Zeitkomponente, die in der Kilowattstundenrechnung nicht auftaucht. Die Mobilitätskarte verrechnet eine Infrastrukturabgabe: beim Wechselstromladen 3,5 Cent je Minute ab der 60. Minute, beim Gleichstromladen 12 Cent je Minute ab der 30. Minute. Eine Schnellladung von 45 Minuten kostet damit 1,80 Euro zusätzlich. Wer sein Auto an einer AC-Säule vier Stunden stehen lässt, zahlt 6,30 Euro obendrauf. Die Abgabe gilt in allen drei Tarifen.

Das Ladenetz bleibt, die App ist weg

Von der Abschaltung betroffen ist die Abrechnungsebene, nicht die Infrastruktur. Die Energie Steiermark betreibt nach eigenen Angaben eines der dichtesten Ladenetze des Landes; in Verzeichnissen wie dem E-Control-Register sind gut 400 Standorte des Unternehmens gelistet. Der Ausbau läuft weiter: Für über 400 Ladepunkte an 95 Hofer-Standorten im Bundesland nimmt der Versorger 9,4 Millionen Euro in die Hand, österreichweit koordiniert er für den Diskonter 2.000 Ladepunkte an 485 Standorten. Rund 1.000 weitere Ladepunkte in allen Regionen der Steiermark sind angekündigt.

Diese Säulen bleiben nutzbar - nur eben mit einer anderen Karte, einer anderen App oder über einen Fremdanbieter. Öffentliche Ladepunkte sind in Österreich anbieterübergreifend zugänglich; wer eine Ladekarte eines anderen Betreibers besitzt, kann die Säulen der Energie Steiermark über Roaming ansteuern, meist zu höheren Preisen als mit dem Hausvertrag. Für Gelegenheitsfahrer kann das trotzdem die einfachere Lösung sein, weil keine Grundgebühr anfällt.

Ein wachsender Markt ohne stabile Software

Der Zeitpunkt ist für den Versorger unglücklich. Der steirische Automarkt läuft auf E-Antrieb um: Im ersten Halbjahr 2026 wurden im Bundesland 4.837 rein elektrische Pkw neu zugelassen, ein Plus von 36,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Alternative Antriebe kommen zusammen auf 61,8 Prozent aller Neuzulassungen. Bei den Gebrauchtwagen legten Elektroautos um 47,5 Prozent zu. Österreichweit standen Ende Juli 303.311 reine E-Pkw in den Zulassungsregistern, und laut Bundesverband Elektromobilität gab es im Juli 39.100 öffentlich zugängliche Ladepunkte.

Jeder dieser Neukunden entscheidet sich in den ersten Wochen für einen Ladevertrag, und diese Entscheidung hält oft jahrelang. Ein Anbieter, der seinen Kunden binnen eines Jahres zweimal das Produkt wechselt - erst von der Ladekarte zu elinx, dann von elinx zurück zur Karte - verliert in dieser Phase Vertrauen, das sich nicht über den Kilowattstundenpreis zurückkaufen lässt. Die Mobilitätskarte war während der elinx-Zeit für Neukunden zeitweise gar nicht buchbar; nun ist sie wieder das einzige Angebot des Hauses.

Welche Alternativen es gibt

Neben der Mobilitätskarte stehen steirischen E-Autofahrern die üblichen österreichischen und europäischen Ladeanbieter offen, die dieselben Säulen über Roaming abrechnen. Für die Auswahl zählen vier Größen: die monatliche Grundgebühr, der Kilowattstundenpreis getrennt nach Wechsel- und Gleichstrom, der Aufschlag im Fremdnetz und der Zeitpunkt, ab dem eine Standgebühr greift. Wer überwiegend zu Hause lädt und die öffentliche Säule nur auf Reisen braucht, fährt mit einem Tarif ohne Grundgebühr in der Regel günstiger, selbst wenn der Arbeitspreis höher liegt. Bei 200 Kilowattstunden im Monat rechnet sich dagegen fast jedes Abo.

Für die Abrechnung des laufenden Monats gilt: Die Kündigung geht vom Anbieter aus, Kunden müssen selbst nichts veranlassen, um den Vertrag zu beenden. Wer die Rückerstattung der Grundgebühr nicht auf der nächsten Abrechnung findet, wendet sich an den Kundenservice der Energie Steiermark.