56 Filialen, rund 2.000 Mitarbeiter, 1,3 Milliarden Euro Umsatz – MediaMarkt ist Österreichs größter Elektronikhändler. Seit dem 28. März 2026 steht ein möglicher Rückzug aus Österreich im Raum. Der Grund: Das Wirtschaftsministerium blockiert die Genehmigung der Übernahme durch den chinesischen Online-Konzern JD.com. Sollte der Deal ohne Österreich abgeschlossen werden, könnten alle heimischen MediaMarkt-Filialen schließen – darunter mehrere Standorte in der Steiermark. Für Graz, Leibnitz, Leoben, Fürstenfeld und weitere steirische Städte hätte das direkte Auswirkungen.
JD.com-Übernahme: Worum es geht
Im Juli 2025 kündigte der chinesische E-Commerce-Konzern JD.com die Übernahme der Mehrheit an Ceconomy an, der Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn. JD.com hielt Ende 2025 bereits 59,8 % der Ceconomy-Aktien. Das Übernahmevolumen liegt bei mehreren Milliarden Euro. Nach erfolgreicher Genehmigung soll Ceconomy von der Börse genommen werden.
Die Kartellbehörden in Deutschland, Italien, Frankreich, Polen, den Niederlanden und der Türkei haben dem Deal bereits zugestimmt. Auch aus Spanien wird eine baldige Freigabe erwartet. Einzig Österreich verweigert bisher die investitionskontrollrechtliche Genehmigung.
Das Wirtschaftsministerium führt Sicherheitsbedenken an – vor allem im Bereich Datenschutz. MediaMarkt verarbeitet Kundendaten, Zahlungsinformationen und Garantieansprüche von Millionen Österreichern. Die Frage: Sind diese Daten bei einem chinesischen Eigentümer sicher? JD.com hat laut Ceconomy weitreichende Zugeständnisse angeboten, das Ministerium sei bisher jedoch nicht zu einer gemeinsamen Lösung bereit gewesen.
Was das für die Steiermark bedeutet
In der Steiermark betreibt MediaMarkt mehrere Standorte. Die Filialen sind Teil der MediaMarkt Graz Shoppingcity Seiersberg GmbH:
- Graz – Shopping City Seiersberg: Größter MediaMarkt der Region, im beliebtesten Einkaufszentrum der Steiermark
- Graz – Lazarettgürtel: Innerstädtische Filiale
- Leibnitz: In der Wirtschaftsregion Leibnitz
- Leoben: Obersteiermark
- Fürstenfeld: In der Region Hartberg-Fürstenfeld
- St. Lorenzen im Mürztal: Mürztal
Sollte MediaMarkt Österreich aufgeben, verlören diese Standorte ihren größten Elektronik-Fachhändler. Für Konsumenten in der Südost- und Obersteiermark gibt es kaum Alternativen im stationären Elektronikhandel. Der Online-Handel über Amazon und Co. würde die Lücke füllen – auf Kosten lokaler Arbeitsplätze und Beratungsqualität.
| MediaMarkt Steiermark | Standort | Einzugsgebiet |
|---|---|---|
| Shopping City Seiersberg | Graz-Umgebung | Zentralraum Graz |
| Lazarettgürtel | Graz Stadt | Graz Innenstadt |
| Leibnitz | Wasserwerkstraße | Südsteiermark |
| Leoben | Leoben Stadt | Obersteiermark |
| Fürstenfeld | Grazerstraße | Oststeiermark |
| St. Lorenzen im Mürztal | Mürztal | Bruck-Mürzzuschlag |
Szenario 1: Deal wird genehmigt
Stimmt das Wirtschaftsministerium doch noch zu, bleibt MediaMarkt in Österreich. JD.com hat versichert, die Arbeitsplätze zu erhalten und die Marke eigenständig weiterzuführen. MediaMarkt-Österreich-CEO Jan Niclas Brandt hat diese Zusagen persönlich gegenüber dem Ministerium bekräftigt. In diesem Fall würde der Übergang für Kunden und Mitarbeiter kaum spürbar sein.
Brandt selbst wechselt demnächst in den Ceconomy-Vorstand. Sein Nachfolger in Österreich müsste den Standort unter chinesischer Eigentümerschaft neu positionieren. Ob JD.com langfristig in die österreichischen Filialen investiert oder den Fokus auf den Online-Handel verlagert, ist offen.
Szenario 2: Deal ohne Österreich
Wird die Übernahme ohne Österreich vollzogen, gehören die 56 heimischen Filialen nicht mehr zum Ceconomy-Konzern. Ceconomy müsste einen separaten Käufer für das Österreich-Geschäft finden. Findet sich keiner, droht eine schrittweise Schließung aller Standorte.
Die Marke Saturn ist in Österreich seit 2020 Geschichte – alle 15 Saturn-Filialen wurden damals zu MediaMärkten umgewandelt. Ein zweites Verschwinden einer großen Elektronikkette würde den Markt grundlegend verändern. Expert, Hartlauer und regionale Anbieter könnten Marktanteile gewinnen, decken aber nicht das Sortiment eines vollständigen Elektro-Fachmarkts ab.
Auswirkungen auf den steirischen Einzelhandel
Der steirische Einzelhandel befindet sich ohnehin im Umbruch. Die Expansionsanalyse 2026 von RegioData Research zeigt: Standardisierte Konzepte wie Woolworth (+48 Standorte österreichweit), Action und NKD expandieren, während traditionelle Formate unter Druck geraten. Der Bekleidungs- und Schuhhandel verliert Standorte. Nach der Insolvenz von Görtz übernahm Kastner und Öhler in Graz erst kürzlich die frei gewordenen Schuhflächen.
Ein Rückzug von MediaMarkt würde diesen Trend verstärken. Große Flächen in Einkaufszentren und Fachmarktzentren stünden leer. Für die Shopping City Seiersberg, der frequenzstärkste Handelsstandort der Steiermark, wäre der Verlust eines Ankermieters ein schwerer Schlag. Auch in Leibnitz und Fürstenfeld sind die MediaMarkt-Filialen zentrale Frequenzbringer für benachbarte Geschäfte.
Gleichzeitig wächst der Online-Handel weiter. Amazon, MediaMarkt.at (solange es besteht) und spezialisierte Shops übernehmen Marktanteile. Für Konsumenten in ländlichen Regionen der Steiermark – etwa im Bezirk Fürstenfeld – bedeutet das: weniger Beratung vor Ort, längere Lieferzeiten und fehlende Möglichkeiten, Geräte direkt in Augenschein zu nehmen.
Historischer Kontext: Elektronikketten in Österreich
Österreich hat in den vergangenen 15 Jahren mehrere große Elektronikketten verloren. Cosmos, einst mit über 30 Filialen präsent, ging 2014 in Insolvenz. DiTech, Österreichs größter Online-Elektronikhändler, folgte 2014 ebenfalls in die Pleite. Niedermeyer schloss 2012 alle Filialen. Zuletzt verschwand Saturn 2020 vom österreichischen Markt – allerdings nur dem Namen nach, da alle 15 Standorte zu MediaMärkten umgewandelt wurden.
MediaMarkt ist damit der letzte große Elektro-Fachhändler mit flächendeckender Präsenz in Österreich. Der einzige vergleichbare Mitbewerber im stationären Handel ist Expert, der allerdings als Verbundgruppe mit selbständigen Einzelhändlern anders aufgestellt ist. Hartlauer fokussiert sich auf Optik, Akustik und Foto – Unterhaltungselektronik in großem Stil bietet die Kette nicht.
Sollte MediaMarkt tatsächlich Österreich verlassen, wäre das Monopol des Online-Handels im Bereich Unterhaltungselektronik und Großgeräte fast vollständig. Für steirische Konsumenten, die Wert auf persönliche Beratung und sofortige Verfügbarkeit legen, ein realer Verlust.
Reaktion der Politik und Ausblick
Die politische Debatte um die JD.com-Übernahme berührt grundsätzliche Fragen: Wie weit darf ausländische Investitionskontrolle gehen? Sind 2.000 Arbeitsplätze wichtiger als Datenschutzbedenken? Die Opposition fordert Klarheit, die Gewerkschaft GPA warnt vor einem „Kahlschlag im Elektronikhandel“.
Das wirtschaftliche Umfeld in Graz zeigt, dass Arbeitsplätze im Einzelhandel besonders sensibel sind: Die Stadt liegt beim Zuwachs an Arbeitgeberbetrieben nur auf Platz sechs der steirischen Bezirke. Jeder Verlust eines großen Arbeitgebers wiegt schwer. Die Wirtschaftskammer Steiermark hat sich bisher nicht öffentlich positioniert, beobachtet die Entwicklung aber laut Brancheninsidern aufmerksam. Für die betroffenen Mitarbeiter – Verkäufer, Lageristen, Servicetechniker und Verwaltungspersonal – wäre ein Rückzug ohne Nachfolgelösung ein harter Schlag. Die Elektronikhändler-Branche bietet in Österreich kaum vergleichbare Arbeitsplätze in dieser Größenordnung.
Was Kunden jetzt wissen sollten
Unmittelbar ändert sich für MediaMarkt-Kunden nichts. Die 56 Filialen bleiben geöffnet, Garantieansprüche und Reparaturen laufen weiter. Wer aktuell ein Gerät bei MediaMarkt kauft, muss keine Nachteile befürchten. Die Gewährleistung ist gesetzlich geregelt und besteht unabhängig vom Eigentümer.
Wer Gutscheine besitzt, sollte diese einlösen, solange die Filialen bestehen. Bei vergangenen Schließungen anderer Ketten (wie Cosmos, DiTech oder Niedermeyer) waren Gutscheine nach der Insolvenz wertlos. Ein solches Szenario ist bei MediaMarkt aktuell nicht absehbar – aber Vorsicht schadet nicht.
Ausblick: Entscheidung des Ministeriums erwartet
Die futurezone berichtet über das mögliche MediaMarkt-Aus in Österreich. Die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums wird in den kommenden Wochen erwartet. JD.com will den Ceconomy-Deal noch im ersten Halbjahr 2026 abschließen. Für die rund 2.000 MediaMarkt-Mitarbeiter in Österreich – davon mehrere hundert in der Steiermark – steht viel auf dem Spiel. Die Fachzeitschrift elektro.at analysiert die möglichen Konsequenzen des Rückzugs für den heimischen Elektronikhandel.
Unabhängig vom Ausgang der Übernahme sollten steirische Konsumenten den Elektronikmarkt im Auge behalten. Die Branche verändert sich grundlegend. Click-and-Collect-Services, Online-Beratung per Video und Showroom-Konzepte könnten den klassischen Fachmarkt ergänzen oder ersetzen. MediaMarkt selbst hat mit Services wie der Smartbar (Handy-Reparatur) und Click-and-Collect-Express (Abholung in 30 Minuten) bereits auf den Wandel reagiert. Ob diese Innovationen unter einem chinesischen Eigentümer, einem neuen Käufer oder gar nicht weitergeführt werden, bleibt offen. Für die rund 2.000 Beschäftigten in Österreich – viele davon in steirischen Filialen – und für die Kunden, die den stationären Handel schätzen, steht in den kommenden Wochen eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen an.