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Stahl- und Metallverarbeitung in der Steiermark – Europas modernste Edelstahlproduktion

Mit dem weltweit modernsten Edelstahlwerk in Kapfenberg hat die Steiermark 2023 einen technologischen Meilenstein gesetzt. Die voestalpine investierte 467 Mio. Euro in die Anlage – das erste neu errichtete Edelstahlwerk Europas seit 40 Jahren. Jährlich produziert das Werk 205.000 Tonnen Spezialstähle für die Luftfahrt-, Automobil- und Energieindustrie.

Obersteiermark als Stahlzentrum Europas

Die steirische Stahlindustrie blickt auf eine 140-jährige Tradition zurück. Am Standort Leoben-Donawitz werden jährlich mehr als 1,6 Millionen Tonnen Premiumstahl im LD-Verfahren hergestellt. Das Linz-Donawitz-Verfahren wurde hier mitentwickelt und revolutionierte die weltweite Stahlproduktion.

Die voestalpine betreibt in der Steiermark neun Standorte mit rund 11.000 Beschäftigten. Drei der vier Konzerndivisionen sind hier vertreten: Metal Engineering, Metal Forming und High Performance Metals. Die steirischen Werke produzieren Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge, Spezialdrähte, Nahtlosrohre und Schweißzusatzwerkstoffe für den Weltmarkt.

Digitalisierung auf Industrie-4.0-Niveau

Das neue Edelstahlwerk in Kapfenberg entspricht den fortschrittlichsten Industrie-4.0-Standards. Rund 8.000 Prozessdaten werden parallel erfasst und ausgewertet. Die Steuerung sämtlicher Schmelzprozesse erfolgt über einen zentralen Steuerstand. Ein hauseigenes Kompetenzzentrum für Digitalisierung qualifiziert Mitarbeiter in Robotik, Sensorik und Datenanalyse.

Standort Produkte Besonderheit
Kapfenberg Hochleistungsstähle, Edelstahl Modernstes Edelstahlwerk der Welt
Leoben-Donawitz Premiumstahl, Schienen Modernstes Drahtwalzwerk der Welt
Mürzzuschlag Bleche, Aerospace-Komponenten Luftfahrt-Spezialisierung
Zeltweg Weichen, Signaltechnik Bahninfrastruktursysteme

Dekarbonisierung der Stahlproduktion

Bis 2027 errichtet die voestalpine in Leoben-Donawitz einen Elektrolichtbogenofen. Dieser ersetzt schrittweise den konventionellen Hochofen und reduziert die CO2-Emissionen um 30 Prozent. Das Umspannwerk Leoben wird dafür um 118 Mio. Euro erweitert. Der Strombedarf steigt um eine Terawattstunde – das entspricht der Leistung von 75 Windkraftwerken.

Im Oktober 2025 genehmigte die Landesregierung Energie-Sonderstandorte in Leoben und Kapfenberg. Auf 52 Hektar Fläche entstehen Photovoltaik-Anlagen direkt bei den Stahlwerken. Der produzierte Strom wird ohne Belastung der allgemeinen Stromnetze direkt für industrielle Prozesse eingesetzt.

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region

Die voestalpine investierte in den vergangenen zehn Jahren rund 2,3 Mrd. Euro in ihre steirischen Standorte. Das Edelstahlwerk Kapfenberg generierte während der Bauphase eine Wertschöpfung von 350 Mio. Euro – davon 230 Mio. Euro in der Steiermark. Zusätzlich zu den 3.500 bestehenden Jobs wurden 2.500 Arbeitsplätze während der Errichtung gesichert.

Der 2025 fertiggestellte Lehrlingscampus Kapfenberg bildet 60 Lehrlinge in einer digitalisierten Arbeitswelt aus. Die Fachkräfteausbildung konzentriert sich auf Robotik, Sensorik und Datenanalyse. Die Nähe zur Montanuniversität Leoben und zur FH Joanneum Kapfenberg sichert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Weitere steirische Industrieunternehmen finden Sie im Ranking der größten Unternehmen.

Kreislaufwirtschaft im Stahlsektor

Das neue Edelstahlwerk verarbeitet Schrott aus der europäischen Automobilindustrie. Der Elektrolichtbogenofen wird zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben. Die Abwärme aus den Schmelzaggregaten wird in das Fernwärmenetz eingespeist. Geschlossene Kühlwasserkreisläufe minimieren den Ressourcenverbrauch.

Neben der voestalpine prägen weitere metallverarbeitende Betriebe die steirische Industrie. Pankl Racing Systems in Kapfenberg fertigt Hochleistungskomponenten für Motorsport und Luftfahrt. Die traditionsreichen Familienunternehmen der Region ergänzen die Großindustrie mit spezialisierten Zulieferleistungen.

Ausblick: Grüner Stahl aus der Steiermark

Die Steiermark positioniert sich als europäisches Zentrum für klimaneutrale Stahlproduktion. Forschungsprojekte wie HYFOR (Wasserstoff-Feinerzreduktion) und HPSR (Wasserstoffplasma-Schmelzreduktion) werden gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben entwickelt. Bis 2050 soll die gesamte Stahlproduktion CO2-neutral erfolgen.

Quellen