Zweimal innerhalb eines Jahres hat die Energie Steiermark den Strompreis gesenkt – zuletzt im Februar 2026 um weitere 17 %. Ab 1. Juni liegt der Arbeitspreis bei 11,4 Cent pro kWh netto für alle 300.000 Kunden. Für einen Durchschnittshaushalt ergibt das eine Ersparnis von rund 300 Euro pro Jahr gegenüber 2025. Gleichzeitig sinken auch die Netzkosten leicht. Doch wer nur beim Landesversorger bleibt, zahlt nicht automatisch den günstigsten Preis. Der steirische Strommarkt bietet 2026 Alternativen ab 9,20 Cent pro kWh.
Energie Steiermark: Zwei Senkungen in zwölf Monaten
Im September 2025 reduzierte die Energie Steiermark den Strompreis um ein Viertel. Damals mussten Kunden dem neuen Tarif aktiv zustimmen. Rund 300.000 Bestandskunden profitierten. Im Februar 2026 folgte die zweite Senkung: minus 17 %, wirksam ab 1. Juni 2026.
Der neue Arbeitspreis beträgt 11,4 Cent pro kWh netto – einheitlich für Bestands- und Neukunden. Diesmal ist keine aktive Zustimmung nötig. Die Energie Steiermark verweist auf neue Allgemeine Geschäftsbedingungen, die eine automatische Anpassung ermöglichen. Vorstände Martin Graf und Werner Ressi bezeichnen die Reduktion als Reaktion auf das günstigere Marktumfeld.
Die Energie Steiermark muss rund 90 % ihres Stroms am Markt zukaufen. Trotzdem investiert das Unternehmen in eigene Erzeugung: Von 2025 bis 2029 fließen über 2 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energie und Netzinfrastruktur. Die Energie- und Umwelttechnik bleibt ein zentraler Wirtschaftszweig der Steiermark.
Energie Graz zieht nach
Auch die Energie Graz senkt ihre Strompreise ab Juni 2026. Der neue Fixpreis-Tarif liegt bei 13,44 Cent brutto pro kWh (entspricht ca. 11,2 Cent netto). Für Kunden, die im Herbst 2025 bereits dem Aktionstrarif zugestimmt haben, beträgt die Reduktion 15 %.
Die Grazer Wirtschaft profitiert von den sinkenden Energiekosten. Für Betriebe mit höherem Stromverbrauch fallen die Einsparungen entsprechend größer aus. Die Gewerbe- und Industrietarife bewegen sich in der Steiermark aktuell im österreichischen Mittelfeld.
| Anbieter | Arbeitspreis netto | Gültig ab | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Energie Steiermark | 11,4 Cent/kWh | 1. Juni 2026 | Automatisch, keine Zustimmung nötig |
| Energie Graz | ~11,2 Cent/kWh | 1. Juni 2026 | 15 % Senkung für Bestandskunden |
| Günstigster Marktanbieter (Stmk.) | ab 9,20 Cent/kWh | Sofort | Wechsel über E-Control Tarifkalkulator |
| Sozialtarif (einkommensschwach) | 6 Cent/kWh | 1. April 2026 | Nur für 2.900 kWh Grundkontingent |
Netzkosten in der Steiermark: Leicht sinkend, aber im oberen Bereich
Die Stromrechnung besteht aus drei Teilen: Energiepreis, Netzentgelte und Steuern/Abgaben. Während der Energiepreis sinkt, bleiben die Netzkosten ein relevanter Faktor. Die Energienetze Steiermark, ein Tochterunternehmen der Energie Steiermark, betreibt das Verteilnetz.
Für 2026 sinken die Stromnetzkosten um durchschnittlich 5,9 %. Für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch ergibt das eine Reduktion von 8,63 Euro pro Jahr. Trotzdem liegen die Netztarife für Haushaltskunden in der Steiermark im oberen Drittel des österreichischen Vergleichs. Die Ursache: hohe Investitionen in den Netzausbau für Photovoltaik, Wärmepumpen und E-Ladepunkte.
Bei Erdgas sieht die Lage anders aus: Die Gasnetztarife steigen 2026 um durchschnittlich 23 %. Der Rückgang der Gasverbrauchsmengen treibt die Kosten pro Verbraucher nach oben. Für steirische Gasheizungen wird es teurer.
Anbieterwechsel: 5,4 % Wechselquote sind zu wenig
Nur 5,4 % der österreichischen Stromkunden wechselten 2025 ihren Anbieter. In der Steiermark dürfte die Quote ähnlich niedrig liegen. Dabei lohnt sich ein Vergleich: Der E-Control Tarifkalkulator zeigt mit wenigen Klicks die günstigsten Angebote für den eigenen Standort.
Ein Drei-Personen-Haushalt in der Steiermark kann durch einen Anbieterwechsel bis zu 452 Euro pro Jahr sparen. Bei höherem Verbrauch steigt das Einsparpotenzial auf bis zu 783 Euro. Der Wechsel selbst ist unkompliziert: Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung beim alten Lieferanten.
Gerade für steirische Haushalte mit Wärmepumpe oder Elektroheizung rechnet sich der Vergleich. Der durchschnittliche Haushalt in der Steiermark verbraucht rund 3.500 kWh pro Jahr. Haushalte mit Wärmepumpe kommen auf 5.000 bis 8.000 kWh – jeder Cent pro kWh zählt.
Verbund „Österreich-Tarif“ setzt Landesversorger unter Druck
Im Jänner 2026 sorgte die Verbund AG für Bewegung: Mit dem „Österreich-Tarif“ prescht der größte heimische Stromproduzent vor und senkt die Preise für Neu- und Bestandskunden um rund ein Drittel. Dieser Vorstoß zwang die Landesversorger zum Nachziehen.
Die Energie Steiermark reagierte rasch: Bereits Mitte Jänner kündigten die Vorstände Graf und Ressi eine weitere Preissenkung im ersten Halbjahr an. Das Unternehmen verweist darauf, 2025 rund 50.000 Neukunden gewonnen zu haben. Der Wettbewerb am Strommarkt wird schärfer – zum Vorteil der Konsumenten.
Die Pressemitteilung der Energie Steiermark zur Preissenkung bestätigt die Strategie: Der Landesversorger will sich im österreichweiten Wettbewerb als attraktive Alternative positionieren.
Dynamische Tarife: Chance oder Risiko für Steirer?
Neben den klassischen Fixtarifen bieten einige Anbieter inzwischen dynamische Stromtarife an. Dabei schwankt der Preis mit dem Börsenstrompreis – stündlich oder im Viertelstundentakt. Wer seinen Verbrauch gezielt in Zeiten niedriger Preise (etwa nachts oder mittags bei Sonnenschein) verlagern kann, spart unter Umständen mehr als mit einem Fixpreis.
Für die meisten steirischen Haushalte ist das Risiko aber höher als die Chance. An kalten Winterabenden, wenn die Nachfrage steigt und die PV-Einspeisung fehlt, können die Preise auf das Drei- bis Vierfache des Durchschnitts klettern. Ohne Smart-Home-Steuerung und flexiblen Verbrauch (Wärmepumpe mit Pufferspeicher, Wallbox mit Ladezeitsteuerung) ist ein dynamischer Tarif für Normalverbraucher kein Vorteil.
Die Empfehlung für steirische Haushalte: Fixpreis-Tarife mit Preisgarantie bieten Planungssicherheit. Die aktuell sinkenden Marktpreise machen Verträge mit 12 bis 24 Monaten Bindung zu fairen Konditionen möglich. Wer bereits unter 10 Cent/kWh netto liegt, hat wenig Spielraum nach unten.
Strom sparen: Konkrete Tipps für steirische Haushalte
Neben dem Anbieterwechsel bleibt Energiesparen der effektivste Hebel. Ein Durchschnittshaushalt in der Steiermark verbraucht 3.500 kWh pro Jahr. Mit gezielten Maßnahmen lassen sich 10 bis 20 % einsparen:
- Kühlschrank und Gefriertruhe: Ältere Geräte verbrauchen bis zu dreimal so viel wie moderne A-Klasse-Modelle. Ein Tausch amortisiert sich oft innerhalb von zwei Jahren.
- LED-Beleuchtung: Eine 60-Watt-Glühbirne durch eine 8-Watt-LED ersetzen spart bei 3 Stunden Nutzung pro Tag rund 17 Euro im Jahr.
- Standby abschalten: Geräte im Standby verbrauchen in einem Haushalt zusammen oft 300 bis 400 kWh pro Jahr – Kosten von rund 35 bis 45 Euro.
- Waschmaschine bei 30 Grad: Eco-Programme bei niedrigen Temperaturen brauchen bis zu 60 % weniger Strom als Standardwäsche bei 60 Grad.
Für steirische Eigenheimbesitzer ist die Installation einer Photovoltaikanlage 2026 weiterhin attraktiv. Die Wohnbauförderung des Landes Steiermark unterstützt Sanierungen mit Darlehen bis zu 80.000 Euro. Der Eigenverbrauch senkt die Stromrechnung, die Einspeisevergütung bringt zusätzliche Einnahmen.
Strompreis-Ausblick: Was Steirer 2026 erwarten können
Die Großhandelspreise an der europäischen Strombörse haben sich stabilisiert. Experten erwarten für 2026 keine Rückkehr zu den Krisenniveaus von 2022/23. Allerdings bleibt eine gewisse Volatilität im Winterhalbjahr – abhängig von Wetter, Wasserkraft und Windeinspeisung.
In der Steiermark wächst die Photovoltaik seit Jahren stark. Das drückt vor allem mittags die Preise. Die geplante PV-Freiflächenanlage am Flughafen Graz mit 16 MWp Leistung ist nur ein Beispiel. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an das Netz – und damit die Netzkosten.
Für steirische Haushalte bedeutet das: Die Energiepreise sinken, die Netzkosten steigen mittelfristig, und wer nicht vergleicht, zahlt zu viel. Der ORF Steiermark berichtete über die Preissenkungen und empfiehlt den E-Control Tarifkalkulator als erste Anlaufstelle.
Der Wettbewerb unter den Stromanbietern in der Steiermark ist 2026 so intensiv wie seit Jahren nicht. Neben den Landesversorgern drängen bundesweite Anbieter in den Markt. Online-Vergleichsportale wie der E-Control Tarifkalkulator und durchblicker.at machen den Wechsel transparent und einfach. Für steirische Haushalte gilt: Wer seinen Stromvertrag seit mehr als einem Jahr nicht geprüft hat, verschenkt mit hoher Wahrscheinlichkeit Geld. Die Kombination aus sinkenden Großhandelspreisen, verstärktem Wettbewerb und dem neuen Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte macht 2026 zum besten Jahr seit der Energiekrise, um die eigene Stromrechnung zu optimieren.