Mit rund 100 Billa- und Billa Plus-Filialen in der Steiermark ist die Rewe-Tochter der zweitgrößte Lebensmittelhändler im Land – hinter Spar, aber vor Hofer und Lidl. Österreichweit betreibt Billa knapp 1.250 Standorte und beschäftigt rund 32.000 Mitarbeiter. Anfang 2026 hat Rewe in der Steiermark zusätzlich sechs Unimarkt-Standorte übernommen, die größtenteils als ADEG-Märkte weitergeführt werden, einzelne als Billa- oder Penny-Filialen.
Billa Steiermark: Zwei Formate, eine Strategie
Die Marke Billa wurde 1953 von Karl Wlaschek in Wien-Margareten gegründet – der Name steht für „Billiger Laden„. Aus der ursprünglichen Discount-Parfümerie wurde innerhalb von 15 Jahren eine der größten österreichischen Supermarktketten. 1996 verkaufte Wlaschek das Unternehmen an die deutsche Rewe-Group, die Billa seither weltweit ausbaut. 2020 wurde Billa Plus als Verbrauchermarkt-Format eingeführt – die ehemaligen Merkur-Filialen wurden 2021 auf Billa Plus umgeflaggt.
In der Steiermark unterscheidet Billa zwischen zwei Hauptformaten:
| Format | Verkaufsfläche | Sortiment | Typische Lage |
|---|---|---|---|
| Billa | 300 – 1.000 m² | ca. 10.000 Artikel | Nahversorger, Stadtteilmärkte |
| Billa Plus | 1.500 – 3.000 m² | bis zu 25.000 Artikel | Einkaufszentren, Stadtrand |
| Billa Pflanzilla | 200 – 400 m² | vegan/vegetarisch | Pilotprojekt Wien, Graz geplant |
Während Billa als klassischer Nahversorger Stadtteile und Ortszentren versorgt, sind die Billa Plus-Märkte Vollsortimenter mit Frischetheke, Käseabteilung, Feinkost und Großgebinden. Beliebte Billa Plus-Standorte in der Steiermark sind unter anderem Graz Citypark, Graz Murpark, der ehemalige Merkur in der Plüddemanngasse, das neue Billa Plus Reininghaus sowie Billa Plus in Liezen, Bruck an der Mur und Leibnitz.
Billa-Filialen in Graz und Umgebung
Die steirische Landeshauptstadt Graz zählt rund 30 Billa- und Billa Plus-Standorte. Wichtige Lagen sind die Innenstadt (Hauptplatz, Jakominiplatz, Annenstraße), die Wohnviertel Eggenberg, Geidorf, Liebenau, Andritz und St. Peter sowie die großen Einkaufszentren. Im neu entwickelten Stadtteil Reininghaus wurde ein Billa Plus eröffnet, der zum täglichen Treffpunkt von 12.000 künftigen Bewohnern werden soll.
In Graz-Umgebung ist Billa in nahezu allen größeren Gemeinden vertreten – von Seiersberg-Pirka über Kalsdorf, Premstätten, Hausmannstätten bis Lieboch. Diese Dichte ist ein wichtiger Standortfaktor für die Wachstumsregion Graz-Umgebung, die seit 2020 jährlich um über 1 Prozent wächst.
Bezirksvertretung: Billa in der gesamten Steiermark
Außerhalb des Großraums Graz ist Billa in den Bezirkshauptorten und größeren Gemeinden vertreten:
| Bezirk | Hauptstandorte |
|---|---|
| Liezen | Liezen, Schladming, Gröbming, Bad Aussee, Rottenmann, Stainach |
| Bruck-Mürzzuschlag | Bruck an der Mur, Kapfenberg, Mürzzuschlag, Kindberg |
| Leoben | Leoben, Trofaiach, Eisenerz |
| Murtal | Judenburg, Knittelfeld, Zeltweg |
| Murau | Murau, Scheifling |
| Voitsberg | Voitsberg, Köflach, Bärnbach |
| Deutschlandsberg | Deutschlandsberg, Stainz, Wies |
| Leibnitz | Leibnitz, Wagna, Gleinstätten |
| Südoststeiermark | Feldbach, Bad Radkersburg, Mureck |
| Hartberg-Fürstenfeld | Hartberg, Fürstenfeld, Friedberg |
| Weiz | Weiz, Gleisdorf, Birkfeld |
Billa Öffnungszeiten Steiermark
Die Öffnungszeiten der steirischen Billa-Filialen folgen dem österreichischen Standard im Lebensmitteleinzelhandel. In Graz sind die Innenstadt-Filialen oft länger geöffnet als die Standorte am Stadtrand:
- Montag bis Freitag: 7:15 bis 19:30 Uhr (Stadt: bis 20:00 Uhr)
- Samstag: 7:15 bis 18:00 Uhr
- Sonntag: geschlossen (Ausnahmen: Bahnhof Graz, Flughafen Graz)
Billa Plus-Märkte öffnen meist bereits um 7:00 Uhr und schließen unter der Woche um 19:30 oder 20:00 Uhr. Spezielle Öffnungszeiten gelten in Tourismusgebieten wie Schladming, wo die Billa-Filiale in der Hochsaison auch sonntags geöffnet hat. Der genaue Filialfinder mit aktuellen Öffnungszeiten ist über die Billa-App und auf billa.at verfügbar.
Übernahme von Unimarkt-Filialen 2026
Im Jänner 2026 erteilte die Bundeswettbewerbsbehörde der Rewe Group grünes Licht für die Übernahme von 21 Unimarkt-Standorten – sechs davon in der Steiermark. Die Mehrheit der Standorte wird als ADEG-Märkte von selbstständigen Kaufleuten weitergeführt, einzelne Standorte werden als Billa- oder Penny-Filialen weiterbetrieben. Auch Spar hat parallel 11 Unimarkt-Standorte in der Steiermark übernommen. Damit ist mit Mitte 2026 nahezu die gesamte Unimarkt-Präsenz in der Steiermark zwischen den beiden Konzernen aufgeteilt.
Für Konsumenten bedeutet das eine spürbare Veränderung der Markenlandschaft. Während Unimarkt in den letzten Jahren als preisbewusste Alternative zu Billa und Spar positioniert war, übernehmen jetzt selbstständige ADEG-Kaufleute oder die größeren Marken die ehemaligen Standorte. Die Diskussion um Mogelpackungen und Shrinkflation spielt dabei eine zentrale Rolle, weil regionale Anbieter andere Sortimentsstrategien fahren als die großen Filialisten.
Eigenmarken: „Ja! Natürlich“ und die Bio-Pioniere
Billa war 1994 mit der Bio-Eigenmarke „Ja! Natürlich“ einer der ersten österreichischen Lebensmittelhändler, der ein flächendeckendes Bio-Sortiment im Standardprogramm aufgebaut hat. Heute umfasst die Marke über 1.500 Produkte und gehört zu den führenden Bio-Eigenmarken in Europa. Viele Lieferanten kommen aus der Steiermark – von den Vulkanland-Bauern über die Brau Union und Zotter Schokolade bis zu den Käseproduzenten in Murau und Mariazell.
Neben „Ja! Natürlich“ führt Billa weitere starke Eigenmarken: „Clever“ als Preiseinstiegslinie, „Billa Bio“ und „Billa Vital“ als Lifestyle-Marken sowie „Wiener Zucker“ und „Vom Feinsten“. Insgesamt machen Eigenmarken bei Billa rund 40 Prozent des Umsatzes aus – deutlich weniger als bei Hofer mit über 90 Prozent, aber mehr als bei klassischen Vollsortimentern wie Spar mit etwa 30 Prozent.
Billa-Kaufleute: Das neue Modell
Seit 2023 testet Rewe ein eigenes Kaufleute-Modell für Billa und Billa Plus, ähnlich der bei Spar etablierten Struktur. Bis Ende 2026 sollen 100 selbstständige Billa-Kaufleute aktiv sein. Erste steirische Billa-Kaufleute sind seit 2024 im Einsatz, vor allem in mittelgroßen Gemeinden außerhalb von Graz. Das Modell stärkt die regionale Verankerung und ermöglicht den Kaufleuten Sortimentsfreiheit innerhalb des Billa-Rahmens.
Der niederschwellige Einstieg – ein niedriger fünfstelliger Investitionsbetrag genügt für ein bestehendes Geschäft – macht das Modell auch für ehemalige Filialleiter attraktiv. ADEG, ebenfalls Teil der Rewe Group, feiert 2026 sein 130-Jahr-Jubiläum und steht für ein noch traditionelleres Kaufleute-Modell. Beide Marken zusammen haben in der Steiermark rund 50 selbstständige Kaufleute.
REWE Group Österreich: Das größere Bild
Billa ist der größte Player innerhalb der Rewe Group Österreich, zu der auch Billa Plus, Penny, BIPA, ADEG und der Reiseveranstalter DERTOUR (ehemals ITS Billa Reisen) gehören. 2024 erzielte das Vollsortiment Österreich (Billa, Billa Plus, BIPA, Großhandel, Touristik) einen Umsatzplus von 5,1 Prozent auf 9,90 Milliarden Euro. In den kommenden drei Jahren plant die Rewe Group eine Investitionsoffensive von 1,5 Milliarden Euro am Standort Österreich, schwerpunktmäßig in die Filialmodernisierung und das Logistikzentrum Wiener Neudorf. Auch die Energiekosten spielen bei diesen Investitionen eine wichtige Rolle – viele Modernisierungen zielen auf bessere Energieeffizienz.
Die Mitarbeiterzahl der Rewe Group in Österreich liegt bei rund 46.000, davon mehr als 32.000 bei Billa und Billa Plus. In der Steiermark beschäftigt die Gruppe rund 4.000 Personen, schwerpunktmäßig im Verkauf und in der Logistik. Damit zählt Rewe nach Spar zu den größten privaten Arbeitgebern im steirischen Lebensmittelhandel.
Billa Online Shop und Lieferdienst Steiermark
Der Billa-Online-Shop (shop.billa.at) bietet seit 2018 die Lieferung von Lebensmitteln direkt nach Hause. In Graz und der näheren Umgebung steht der Service inklusive Frischwaren, Tiefkühl, Obst, Gemüse, Fleisch und Drogerieartikeln zur Verfügung. Der Lieferradius umfasst aktuell rund 25 Kilometer um die Landeshauptstadt – damit sind auch Gemeinden wie Seiersberg-Pirka, Kalsdorf, Premstätten oder Hausmannstätten abgedeckt.
Bestellte Ware wird in fixen Zeitfenstern zwischen Montag und Samstag zugestellt, in der Regel am nächsten Tag. Das Sortiment im Online-Shop entspricht etwa 90 Prozent eines Billa Plus-Marktes – rund 22.000 Artikel. Ergänzt wird das digitale Angebot durch die Billa-App und die jö Bonus Club-Karte, die monatlich rund 4 Millionen Mitgliedern in Österreich personalisierte Coupons und exklusive Aktionen liefert.
Konkurrenzsituation in der Steiermark
Im steirischen Lebensmittelhandel ist Billa nach Spar die Nummer zwei. Mit rund 100 Filialen liegt Billa vor Hofer (etwa 90), Lidl (rund 25) und Penny (etwa 30). Die Marktkonzentration ist hoch: Spar, Rewe und Hofer decken zusammen über 85 Prozent des steirischen Lebensmittelhandels ab. Diese Konzentration hat sich durch die Übernahme der Unimarkt-Filialen Anfang 2026 weiter erhöht. Verbraucherschützer kritisieren die geringe Vielfalt und fordern eine kritische Beobachtung durch die Bundeswettbewerbsbehörde, die ihrerseits umfangreiche Auflagen für die Unimarkt-Übernahmen verhängt hat.
Quellen
- Rewe Group: Übernahme von 21 Unimarkt-Standorten
- Rewe Group Österreich: Zahlen und Fakten 2024
- Billa AG: Unternehmen, Geschichte und Vorstand
- Salzburg24: Rewe übernimmt 21 Unimarkt-Filialen