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Mindestlohn Gastronomie Steiermark: neue Löhne seit 1. Oktober 2026

Seit 1. Oktober 2026 gilt in der steirischen Gastronomie und Hotellerie eine neue Lohnordnung. Der niedrigste Mindestlohn für Arbeiterinnen und Arbeiter liegt jetzt bei 2.096,50 Euro brutto im Monat, 70,50 Euro mehr als bisher. Die Erhöhung kam fünf Monate später als üblich: Die vorige Lohnordnung galt seit 1. Mai 2025, die neue trat erst im Herbst in Kraft. Als Ausgleich steht Beschäftigten eine Einmalzahlung von bis zu 275 Euro zu, die der Betrieb bis 31. Dezember 2026 überweisen muss.

Der Abschluss 2026 in Zahlen

Nach mehreren Verhandlungsrunden haben sich die Fachverbände Gastronomie und Hotellerie der Wirtschaftskammer mit den Gewerkschaften vida und GPA geeinigt. Die Löhne und Gehälter steigen im Durchschnitt um 3 Prozent, die Lehrlingseinkommen um durchschnittlich 3,44 Prozent. Angehoben wurde nicht prozentuell, sondern um Fixbeträge zwischen 65 und 72 Euro je Lohngruppe. Das begünstigt die unterste Gruppe: Dort macht das Plus 3,48 Prozent aus, in der obersten knapp 2,9 Prozent.

Die fünf Lohngruppen in der Steiermark

Die steirische Lohnordnung kennt fünf Lohngruppen. Die Zählung läuft von oben nach unten: Lohngruppe 1 ist die Küchenchefin mit Personalverantwortung, Lohngruppe 5 die Hilfskraft. Innerhalb jeder Gruppe steigt der Lohn mit den Dienstjahren im Betrieb.

Lohngruppe Wer dazugehört Bis 5. Dienstjahr, ab 1.10.2026 Bisher (seit 1.5.2025) Ab 21. Dienstjahr
1 Abteilungsverantwortliche mit Einkauf, Kalkulation und Personalverantwortung, etwa Restaurant- oder Küchenleitung 2.571,00 Euro 2.499,00 Euro 2.828,10 Euro
2 Qualifizierte mit fachlicher Verantwortung für andere, etwa Chef de partie, Barchefin, Stellvertretung der Küchenleitung 2.328,00 Euro 2.262,00 Euro 2.560,80 Euro
3 Fachkräfte mit Lehrabschluss oder einschlägiger Schule, etwa Köchin, Restaurantfachmann, Konditorin, Masseur 2.232,00 Euro 2.165,00 Euro 2.455,20 Euro
4 Beschäftigte mit absolvierter Lehr- oder Schulzeit ohne Abschluss sowie Hilfskräfte mit mindestens zehn Jahren Branchenerfahrung 2.153,00 Euro 2.088,00 Euro 2.368,30 Euro
5 Hilfskräfte mit weniger als zehn Jahren Branchenerfahrung, etwa im Service, in der Küche, beim Abwasch oder im Housekeeping 2.096,50 Euro 2.026,00 Euro 2.148,90 Euro (ab 6. Dienstjahr)

Dazwischen liegen weitere Stufen ab dem 6., 11. und 16. Dienstjahr. Eine Köchin in Lohngruppe 3 kommt ab dem 6. Dienstjahr auf 2.287,80 Euro, ab dem 11. auf 2.343,60 Euro und ab dem 16. auf 2.399,40 Euro. In Lohngruppe 5 gibt es nur eine einzige Vorrückung, weil Hilfskräfte nach zehn Jahren in der Branche ohnehin in Lohngruppe 4 wechseln. Für Beschäftigte, die am 30. April 2025 bereits mindestens 20 Jahre ununterbrochen im selben Betrieb waren, gilt eine auslaufende Übergangsregelung mit eigenen Stufen ab dem 19., 22. und 25. Dienstjahr.

Alle Beträge sind Mindestlöhne für Vollzeit. Wer mehr verdient als der Kollektivvertrag vorschreibt, hat keinen automatischen Anspruch darauf, dass die Überzahlung mitwächst - das hängt vom Dienstvertrag ab.

Die Einstufung entscheidet - und verfällt nach sechs Monaten

Zwischen Lohngruppe 5 und Lohngruppe 4 liegen 56,50 Euro im Monat, und den Unterschied macht allein die Branchenerfahrung: Eine Abwäscherin oder ein Hilfskoch mit zehn Jahren im Hotel- und Gastgewerbe gehört in Lohngruppe 4, egal in wie vielen Betrieben diese Jahre gesammelt wurden. Wer den Arbeitgeber wechselt, sollte frühere Dienstverhältnisse in der Branche deshalb belegen können.

Wichtig ist die Frist: Ansprüche wegen einer falschen Einstufung verfallen, wenn sie nicht innerhalb von sechs Monaten schriftlich geltend gemacht werden. Wer rechtzeitig schreibt, wahrt die dreijährige Verjährungsfrist. Für Betriebe heißt das umgekehrt, die Einstufung bei jeder Neuaufnahme zu dokumentieren.

Einmalzahlung: bis zu 275 Euro für die Monate ohne Erhöhung

Weil die Löhne von Mai bis September 2026 auf dem Stand von 2025 blieben, sieht der Abschluss eine Einmalzahlung vor. Anspruch hat, wer am Stichtag 1. Oktober 2026 in einem aufrechten Dienstverhältnis steht. Die Zahlung beträgt 275 Euro brutto, bei Lehrlingen 175 Euro, und ist in einem Betrag bis spätestens 31. Dezember 2026 auszuzahlen. Auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld wirkt sie sich nicht aus.

In der Praxis bekommen viele weniger als den vollen Betrag:

  • Teilzeit: anteilig nach dem vereinbarten Stundenausmaß. Bei 20 Wochenstunden sind es 137,50 Euro.
  • Überzahlung: Wer in den fünf Monaten vor dem Stichtag mehr als den Mindestlohn bekommen hat, dem wird die Summe dieser Überzahlungen abgezogen. Das Rechenbeispiel aus dem Abkommen: Mindestlohn 2.026 Euro, tatsächlicher Lohn 2.050 Euro, also 24 Euro Überzahlung mal fünf Monate - von 275 Euro bleiben 155 Euro.
  • Eintritt nach dem 1. Mai 2026: anteilig nach Beschäftigungstagen.
  • Entgeltfreie Zeiten zwischen 1. Mai und 30. September, etwa Elternkarenz oder Krankenstand ohne Entgelt: dafür gibt es nichts.
  • Geringfügig Beschäftigte haben keinen Anspruch.
  • Bagatellgrenze: Ergibt die Rechnung 10 Euro oder weniger, entfällt die Zahlung.

Wer durch die Einmalzahlung nachweislich eine andere, in Summe günstigere Leistung wie ein Stipendium oder eine Beihilfe verlieren würde, hat keinen Anspruch und muss das dem Betrieb unverzüglich schriftlich mitteilen. Für die Lohnverrechnung gibt es einen Fallstrick: Das Abkommen erlaubt zwar, die Einmalzahlung als steuerfreie Mitarbeiterprämie auszuzahlen. Die Fachverbände raten davon derzeit aber ab, weil nicht geklärt ist, ob das Finanzministerium das in den überarbeiteten Lohnsteuerrichtlinien anerkennt.

Lehrlingseinkommen seit Oktober 2026

Lehrjahr Ab 1.10.2026 Bisher (seit 1.5.2025) Plus
1. Lehrjahr 1.090 Euro 1.050 Euro 40 Euro
2. Lehrjahr 1.220 Euro 1.180 Euro 40 Euro
3. Lehrjahr 1.445 Euro 1.400 Euro 45 Euro
4. Lehrjahr oder Doppellehre 1.550 Euro 1.500 Euro 50 Euro

Lehrlinge, die am 1. Oktober in einem aufrechten Lehrverhältnis stehen, erhalten zusätzlich die Einmalzahlung von 175 Euro. Wer die Lehre gerade abgeschlossen hat und sich in der Behaltefrist befindet, bekommt eine Mischung aus beiden Sätzen, anteilig nach Lehr- und Behaltezeit. Wie sich die Lehre mit der Reifeprüfung verbinden lässt, zeigt der Beitrag zur Lehre mit Matura in der Steiermark.

Zulagen: Nachtarbeit und Fremdsprachen

Die Zulagen wurden mit dem Abschluss 2026 nicht erhöht. Der Nachtarbeitszuschlag beträgt weiterhin höchstens 28,50 Euro und ist zeitlich gestaffelt: je 9,50 Euro für Arbeit zwischen 0:01 und 2:00 Uhr, zwischen 2:01 und 4:00 Uhr sowie zwischen 4:01 und 6:00 Uhr. Wer frühestens um 5:00 Uhr beginnt, etwa im Frühstücksdienst, erhält 4,75 Euro; ab einem Dienstbeginn um 5:30 Uhr entfällt der Zuschlag. Die Fremdsprachenzulage bleibt bei 40 Euro.

Angestellte: dieselben Fixbeträge

Für Angestellte im Hotel- und Gastgewerbe gilt eine eigene Gehaltsordnung. Die Mindestgehälter steigen ebenfalls seit 1. Oktober 2026 um Fixbeträge: 85 Euro in Beschäftigungsgruppe 0, 72 Euro in Gruppe 1, 65 Euro in den Gruppen 2 und 4, 67 Euro in Gruppe 3 und 70,50 Euro in Gruppe 5. Die Regeln zur Einmalzahlung sind dieselben wie bei den Arbeiterinnen und Arbeitern.

Was Betriebe jetzt erledigen müssen

  • Lohnverrechnung umstellen: Die neuen Sätze gelten für alle Abrechnungen ab Oktober 2026.
  • Einmalzahlung berechnen: für jede Person einzeln, mit Blick auf Teilzeitausmaß, Eintrittsdatum, entgeltfreie Zeiten und Überzahlungen der Monate Mai bis September. Auszahlung bis 31. Dezember 2026.
  • Geringfügige Dienstverhältnisse prüfen: Die Geringfügigkeitsgrenze liegt 2026 unverändert bei 551,10 Euro im Monat. Mit dem höheren Stundenlohn kann dasselbe Stundenausmaß darüber rutschen und die Vollversicherung auslösen.
  • Einstufungen kontrollieren: vor allem bei langjährigen Hilfskräften, die mit zehn Jahren Branchenerfahrung in Lohngruppe 4 gehören.

Die höheren Löhne treffen die Betriebe in einem Jahr, in dem sich auch an der Kassa einiges ändert: Seit 1. Oktober 2026 genügt der digitale Kassenbon, und das Anti-Mogelpackungs-Gesetz verlangt seit April neue Kennzeichnungen. Auf der Kostenseite spielen daneben die Strompreise eine Rolle, besonders in Hotels mit Wellnessbereich. Welche Häuser im Land den Ton angeben, steht in der Übersicht der besten Hotels in der Steiermark.

Häufige Fragen zum Mindestlohn in der Gastronomie

Wie hoch ist der Mindestlohn in der steirischen Gastronomie?

Seit 1. Oktober 2026 mindestens 2.096,50 Euro brutto im Monat für Vollzeit. Das ist der Satz der Lohngruppe 5 bis zum 5. Dienstjahr. Fachkräfte mit Lehrabschluss beginnen bei 2.232 Euro.

Warum gab es im Mai 2026 keine Erhöhung?

Der neue Abschluss gilt erst ab 1. Oktober 2026. Für die Monate davor sieht er statt einer rückwirkenden Erhöhung eine Einmalzahlung von bis zu 275 Euro vor.

Bis wann muss die Einmalzahlung überwiesen sein?

Bis spätestens 31. Dezember 2026, in einem einzigen Betrag.

Bekommen Teilzeitkräfte die Einmalzahlung?

Ja, anteilig nach dem vereinbarten Stundenausmaß. Geringfügig Beschäftigte sind ausgenommen.

Was verdient ein Lehrling im Gastgewerbe?

1.090 Euro im ersten, 1.220 Euro im zweiten, 1.445 Euro im dritten und 1.550 Euro im vierten Lehrjahr oder bei einer Doppellehre.

In welche Lohngruppe gehört eine Hilfskraft?

Mit weniger als zehn Jahren Branchenerfahrung in Lohngruppe 5, ab zehn Jahren in Lohngruppe 4.

Stand: 6. Oktober 2026. Quellen: WKO, Lohnordnung Gastronomie und Hotellerie Steiermark ab 1.10.2026, Lohnordnung Steiermark ab 1.5.2025, WKO-Information zum Kollektivvertragsabschluss 2026 und das Lohn- und Gehaltsabkommen 2026 mit den Rechenbeispielen zur Einmalzahlung.