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Pendlereuro verdreifacht, Klimaticket teurer: Was 2026 für steirische Pendler zählt

Ein Pendler aus Leibnitz nach Graz bekommt 2026 rund 264 Euro mehr Pendlereuro pro Jahr und zahlt ab 1. Juli 18 Euro mehr für das KlimaTicket Steiermark. Netto bleibt ein klares Plus – aber die Rechnung fällt je nach Wohnort und Verkehrsmittel sehr unterschiedlich aus. Während die Pendlerpauschale in ihren Beträgen unverändert bleibt, verdreifacht sich der Pendlereuro ab 1. Jänner 2026 von 2 auf 6 Euro pro Kilometer. Parallel ziehen Verbund Linie und 35 steirische Verkehrsunternehmen die Tarife durchschnittlich um 3,5 Prozent an. Der Versuch der Grünen, das Klimaticket per Landtagsbeschluss einzufrieren, wurde am 28. April 2026 abgelehnt.

Pendlereuro: Verdreifachung statt Klimabonus

Die spürbarste Änderung betrifft den Pendlereuro. Er wurde bei seiner Einführung 2013 mit symbolischen 2 Euro pro Kilometer angesetzt – eine Größe, die sich nie an Inflation oder Spritpreisen orientierte. Ab 1. Jänner 2026 springt der Wert auf 6 Euro pro Kilometer einfacher Wegstrecke. Die Berechnung bleibt einfach: Entfernung zur Arbeitsstätte multipliziert mit 6.

Die Maßnahme ist Teil des Budgetbegleitgesetzes 2025. Sie soll den 2025 abgeschafften Klimabonus kompensieren, der zuvor bis zu 290 Euro pro Person ausschüttete. Wer 66 Kilometer von der Arbeit wohnt, bekommt durch den neuen Pendlereuro 396 Euro statt bisher 132 Euro pro Jahr – ein Plus von 264 Euro, das den entfallenen Klimabonus deutlich überkompensiert. Für Wenig- und Kurzpendler unter 20 Kilometern bleibt die Rechnung allerdings dürftig.

Entfernung einfach Pendlereuro 2025 Pendlereuro 2026 Differenz/Jahr
20 km 40 Euro 120 Euro + 80 Euro
40 km 80 Euro 240 Euro + 160 Euro
60 km 120 Euro 360 Euro + 240 Euro
100 km 200 Euro 600 Euro + 400 Euro

Zusätzlich steigt die maximale Negativsteuer für Niedrigverdiener von 608 auf 737 Euro pro Jahr. Wer wegen geringen Einkommens keine Lohnsteuer zahlt, bekommt also höhere Anteile als Negativsteuergutschrift retour. Der Verkehrsabsetzbetrag liegt 2026 nach Inflationsanpassung bei 496 Euro pro Jahr und wird vom Arbeitgeber automatisch berücksichtigt.

Pendlerpauschale: Beträge stehen, aber Anspruch lohnt sich

Anders als der Pendlereuro wird die Pendlerpauschale selbst 2026 nicht erhöht. Ihre Beträge gelten unverändert. Wer Anspruch hat, muss zwischen kleinem und großem Pendlerpauschale unterscheiden:

  • Kleines Pendlerpauschale: Wenn öffentliche Verkehrsmittel an mehr als der Hälfte der Arbeitstage zumutbar sind. Erst ab 20 Kilometer.
  • Großes Pendlerpauschale: Wenn Öffis auf mindestens der halben Strecke unzumutbar sind – etwa wegen fehlender Verbindung in Tagesrandzeiten. Bereits ab 2 Kilometer Wegstrecke.
Entfernung einfach Klein, monatlich Klein, jährlich Groß, monatlich Groß, jährlich
2 – 19,9 km 31 Euro 372 Euro
ab 20 km 58 Euro 696 Euro 123 Euro 1.476 Euro
ab 40 km 113 Euro 1.356 Euro 214 Euro 2.568 Euro
ab 60 km 168 Euro 2.016 Euro 306 Euro 3.672 Euro

Wer an mindestens vier Tagen pro Monat zur Arbeit pendelt, hat Anspruch auf ein Drittel des Pauschales. Ab acht Tagen sind es zwei Drittel, ab elf Tagen der volle Betrag. Homeoffice-Tage reduzieren die Zahl der Pendeltage entsprechend – ein Punkt, den viele Beschäftigte beim Lohnsteuerausgleich übersehen.

KlimaTicket Steiermark: 532 Euro ab 1. Juli 2026

Auf der Gegenseite steht eine Tariferhöhung. Die Verbund Linie Steiermark erhöht alle Tarife ab 1. Juli 2026 um durchschnittlich 3,5 Prozent. Die Begründung der Geschäftsführung: gestiegene Personal-, Energie- und Materialkosten sowie der Ausbau des Fahrplanangebots rund um Koralmbahn, S-Bahn-Verdichtung und Regiobusse.

Ticket bis 30.06.2026 ab 01.07.2026 Differenz
KlimaTicket Stmk Classic 514 Euro 532 Euro + 18 Euro
KlimaTicket Stmk Übertragbar 624 Euro 646 Euro + 22 Euro
KlimaTicket Jugend (unter 26) 386 Euro 399 Euro + 13 Euro
KlimaTicket Senior (ab 65) 386 Euro 399 Euro + 13 Euro
Stundenkarte 1 Zone 3,20 Euro 3,30 Euro + 0,10 Euro
24-Stunden-Karte 7,00 Euro 7,20 Euro + 0,20 Euro
Freizeitticket Wochenende 14 Euro 15 Euro + 1 Euro
TopTicket Schüler/Lehrlinge 140 Euro 155 Euro + 15 Euro

Beim TopTicket kommt es zu einer zweiten Erhöhung: Der Eigenbeitrag der Schüler und Lehrlinge steigt bereits ab Mai 2026 von 19,60 auf 29,60 Euro. Die Stundenkarte für Seniorinnen und Senioren bleibt bei 2,10 Euro unverändert. Die Strafgebühr bei Schwarzfahren liegt weiterhin bei 105 Euro.

Ungeachtet der Erhöhung bleibt das KlimaTicket für klassische Pendler ein wirtschaftliches Werkzeug. Wer fünfmal pro Woche von Bruck/Mur nach Graz fährt, zahlt bei Einzeltickets ein Mehrfaches. Die Amortisation beginnt rein rechnerisch bei rund 150 Fahrten pro Jahr – klassische Wochenpendler erreichen das in unter sieben Monaten.

Drei steirische Pendler-Beispiele

Wie sich die einzelnen Bausteine in der Praxis addieren, zeigen drei typische Wege.

Beispiel 1: Leibnitz nach Graz, Auto, 40 km einfach
Großes Pendlerpauschale (Öffis abendlich nicht zumutbar): 2.568 Euro Steuerfreibetrag, bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent eine Lohnsteuer-Entlastung von rund 770 Euro pro Jahr. Pendlereuro neu: 40 x 6 = 240 Euro Absetzbetrag (2025 waren es 80 Euro, also +160 Euro netto). Zusätzlich greift die Spritpreisbremse 2026 mit 10 Cent pro Liter – bei rund 1.000 Litern Jahresverbrauch weitere 100 Euro. Delta gegenüber 2025: rund 260 Euro mehr in der Tasche.

Beispiel 2: Voitsberg nach Graz, KlimaTicket, 32 km einfach
Kleines Pendlerpauschale 20-39 km: 696 Euro Steuerfreibetrag, bei 30 Prozent Grenzsteuersatz rund 209 Euro Lohnsteuer-Entlastung. Pendlereuro: 32 x 6 = 192 Euro Absetzbetrag. Summiert ergeben sich rund 400 Euro Steuerersparnis pro Jahr. Nach den 532 Euro KlimaTicket-Kosten bleiben rund 130 Euro Netto-Mobilitätskosten – für ein ganzes Jahr Bus, Bahn und Bim in der gesamten Steiermark.

Beispiel 3: Bruck an der Mur nach Graz, KlimaTicket, 51 km einfach
Kleines Pendlerpauschale ab 40 km: 1.356 Euro Steuerfreibetrag, bei 30 Prozent Grenzsteuersatz rund 407 Euro Lohnsteuer-Entlastung. Pendlereuro: 51 x 6 = 306 Euro Absetzbetrag. Summe der Steuereffekte: rund 713 Euro pro Jahr. Davon das KlimaTicket Classic 532 Euro abgezogen ergibt ein Plus von rund 180 Euro. Die S-Bahn S1 fährt stündlich unter einer Stunde Fahrzeit nach Graz Hauptbahnhof. Wer vorher mit dem Auto fuhr, spart zusätzlich Sprit, Wartung und Parkgebühren am Annenviertel oder Eggenberg.

Alle drei Rechnungen gelten für vier oder mehr Pendeltage pro Woche. Wer regelmäßig im Homeoffice arbeitet, muss die Pauschalen anteilig auf ein Drittel oder zwei Drittel kürzen – der Pendlereuro wird entsprechend mitgekappt.

Landtag Steiermark lehnt Preisbremse ab

Politisch war die Tariferhöhung umstritten. Am 28. April 2026 stellten die Grünen im steirischen Landtag den Antrag, das KlimaTicket für drei Jahre einzufrieren. Mobilitätssprecher Lambert Schönleitner argumentierte: „Angesichts der Energiekrise braucht es einen günstigen öffentlichen Verkehr. Kostensteigerungen sind jetzt absolut kontraproduktiv.“ Eine Preisbremse wäre laut Schönleitner ein wichtiges Signal an pendelnde Beschäftigte gewesen.

Der Antrag wurde mit Mehrheit abgelehnt. Die Regierungsparteien verwiesen auf den Angebotsausbau: Mit der Koralmbahn als neuem Wirtschaftsraum und der S-Bahn-Verdichtung steigen Betriebskosten und Investitionsbedarf. Auch die Lohnabschlüsse für das Verkehrspersonal lassen sich nicht überspringen. Die durchschnittliche Anpassung von 3,5 Prozent liegt unter der österreichischen Inflationsrate des Vorjahres.

So beantragen Sie Pendlerpauschale und Pendlereuro

Beide Beträge werden über denselben Weg geltend gemacht. Voraussetzung ist eine Berechnung über den offiziellen Pendlerrechner des BMF.

  1. Auf pendlerrechner.bmf.gv.at Wohn- und Arbeitsadresse, Arbeitszeit und Wochentage eingeben.
  2. Der Rechner ermittelt automatisch, ob kleines oder großes Pauschale zusteht, und liefert den genauen Pendlereuro-Betrag.
  3. Das Ergebnis als Formular L34 EDV ausdrucken oder als PDF speichern.
  4. Den unterschriebenen Ausdruck dem Arbeitgeber übergeben – dieser berücksichtigt die Beträge ab dem Folgemonat in der Lohnverrechnung.
  5. Wer keinen aktuellen L34 beim Arbeitgeber abgegeben hat, kann die Beträge im jährlichen Lohnsteuerausgleich über FinanzOnline nachträglich beantragen.

Wechselt der Arbeitsort oder die Wegstrecke wesentlich, ist der Pendlerrechner neu auszufüllen und das Formular zu aktualisieren. Bei dauerhaftem Homeoffice mit weniger als vier Pendeltagen pro Monat entfällt der Anspruch ganz – in dem Fall lohnt sich das KlimaTicket ohnehin nicht mehr.

Was sich für Auto- und Öffi-Pendler unterscheidet

Der Pendlereuro greift unabhängig vom Verkehrsmittel. Auch wer das KlimaTicket nutzt, bekommt ihn als zusätzlichen Absetzbetrag. Das ist ein wichtiger Unterschied zu früheren Sprit-orientierten Maßnahmen: Steirische Öffi-Pendler werden hier nicht benachteiligt. Wer parallel die Wohnbauförderung 2026 oder andere Förderungen nutzt, sollte den Gesamteffekt jährlich neu durchrechnen.

Was wirklich entscheidet, ist die Strecke und die Zumutbarkeit der Öffis. Liegt der Arbeitsweg unter 20 Kilometern und sind Bahn oder Bus erreichbar, gibt es ausschließlich Pendlereuro und Verkehrsabsetzbetrag, kein Pendlerpauschale. Für die Bewohner urbaner Lagen wie Graz-Andritz oder Graz-Geidorf, die im Stadtgebiet arbeiten, bringt das Paket 2026 deshalb wenig.

Quellen