Fast die Hälfte seines Karottenfelds ist ausgetrocknet. Markus Hillebrand baut in Bierbaum bei Premstätten Gemüse an, im Grazer Feld, wo es an Grundwasser eigentlich nicht mangelt. Geholfen hat das wenig. Bei 40 Grad und warmen Nächten kam die Bewässerung nicht nach, der Samen verbrannte trotz Gießens in der Erde, und was aufging, blieb klein. So schildert er es gegenüber ORF Steiermark.
Sein Feld steht für die ganze Branche. Die steirischen Gemüsebauern ernten 2026 um 40 bis 45 Prozent weniger als in einem normalen Jahr. Bei Äpfeln fehlt rund ein Drittel, bei Kürbis, Mais und Getreide je etwa ein Fünftel. Den steirischen Dürreschaden hatte die Österreichische Hagelversicherung schon Mitte August auf 140 Millionen Euro geschätzt, dazu kamen 39 Millionen Euro durch Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmung.
Die Erntebilanz 2026 nach Kulturen
Wie stark eine Kultur getroffen wurde, hing an zwei Dingen: ob sie bewässert werden konnte und wann sie im Boden war. Am schlimmsten erwischte es den Chinakohl, der im Spätsommer gesät wird und genau in die heißesten Wochen hinein keimen musste. Wo kein Wasser zur Verfügung stand, ging rund die Hälfte verloren. „Besonders schwierig ist die Situation bei Chinakohl in der Steiermark“, sagt Manfred Kohlfürst, Obmann des Branchenverbands für Obst und Gemüse (ÖBOG), in der Bilanz der Landwirtschaftskammer Österreich vom 16. Oktober 2026.
| Kultur | Einbuße 2026 | Anmerkung |
|---|---|---|
| Gemüse insgesamt | 40 bis 45 % | Durchschnitt über alle Kulturen |
| Chinakohl | rund 50 % | auf Flächen ohne Bewässerung |
| Karotten, Zwiebeln | rund 25 % | kleine Rüben, viele Ausfälle beim Auflaufen |
| Erdäpfel | starke Einbußen | keine Prozentangabe |
| Salate | Sommerausfälle | im Herbst teilweise aufgeholt |
| Tomaten (Folie, Glas) | starke Einbußen im Juli und August | Wachstumsstopp über 30 Grad |
| Äpfel | rund 35 % | 90.000 statt 138.000 Tonnen |
| Holunder | bis 50 % | Stand Mitte August |
| Kürbis | rund 20 % | Totalausfälle auf Schotterböden |
| Mais, Getreide | rund 20 % | Durchschnitt |
| Grünland, Futter | bis 80 % | je nach Standort |
Quellen: ORF Steiermark (17.10.2026), Landwirtschaftskammer Österreich (16.10.2026), Landwirtschaftskammer Steiermark (13.08.2026), top agrar (17.08.2026), ORF Steiermark (15.08.2026).
Unter Folie und Glas sah es besser aus als befürchtet, aber nicht gut. Paradeiser stellen bei über 30 Grad das Wachstum ein, im Juli und August brach dort die Ernte ein. Gurken, Paprika und Melanzani holten im Herbst einen Teil davon wieder auf. Ähnlich bei den Salaten: Was im Sommer verdorrte, ließ sich mit den Herbstsätzen zumindest teilweise ausgleichen.
Was 45 Prozent beim steirischen Gemüse bedeuten
Die jüngsten Bundesland-Zahlen der Landesstatistik Steiermark stammen aus 2023: 1.538 Hektar Gemüse, 31.298 Tonnen Ernte. Legt man die 40 bis 45 Prozent Ausfall auf diese Menge um, fehlen grob 12.500 bis 14.100 Tonnen steirisches Gemüse. Eine Überschlagsrechnung, denn die Prozentwerte sind Schätzungen der Branche und die Anbauflächen haben sich seit 2023 verschoben. Die Größenordnung zeigt sie trotzdem.
Interessanter ist, welche Kulturen das Gewicht tragen. Gemessen an der Erntemenge sind die vier wichtigsten steirischen Gemüsearten Salate (6.657 Tonnen auf 253 Hektar), Chinakohl (6.095 Tonnen auf 115 Hektar), Paradeiser (5.562 Tonnen auf nur 42 Hektar) und Kren (3.300 Tonnen auf 300 Hektar). Karotten und Zwiebeln, bei denen ein Viertel fehlt, spielen in der Steiermark mit 428 und 865 Tonnen eine kleine Rolle. Den großen Brocken liefern der Chinakohl und die Paradeiser, also genau die beiden Kulturen, die die Hitze am härtesten traf.
Für den Chinakohl kommt das Dürrejahr zu einem schlechten Zeitpunkt. 2010 standen in der Steiermark noch 280 Hektar, geerntet wurden 15.400 Tonnen. 2023 waren es 115 Hektar und 6.095 Tonnen. Die Fläche hat sich in 13 Jahren mehr als halbiert. Ein Jahr, in dem auf unbewässerten Flächen die Hälfte ausfällt, macht die Rechnung für Betriebe ohne eigene Brunnen nicht leichter.
Äpfel: 48.000 Tonnen weniger aus Österreichs Obstgarten
2025 stammten drei Viertel der österreichischen Äpfel aus Intensivanlagen aus der Steiermark, so die Obsternte-Statistik 2025. Entsprechend wiegt der Einbruch. Die Landwirtschaftskammer Steiermark erwartet heuer rund 90.000 Tonnen, nach rund 138.000 Tonnen im Vorjahr. Das sind 48.000 Tonnen oder 35 Prozent weniger.
Die Spätfröste Ende April hatten die Obstbauern mit Frostberegnung noch weitgehend abgewehrt. Dann kamen Juli und August mit Temperaturen über 35 Grad und 38 Litern Regen pro Quadratmeter, normal wären 230, wie top agrar unter Berufung auf die Landwirtschaftskammer berichtet. Auf seichten, sandigen Böden wuchsen die Äpfel ab Juli kaum noch, ab August starben dort einzelne Bäume ab, dazu kam Sonnenbrand auf den Früchten. Frostberegnen und bewässern lässt sich laut Kammerpräsident Andreas Steinegger nur rund 30 Prozent der steirischen Apfelfläche.
Am wenigsten tragen die frühen Sorten Gala, Elstar und Arlet. Spätere Sorten erholten sich mit dem Septemberregen etwas. Kurz vor der Ernte richtete zusätzlich die Marmorierte Baumwanze an Äpfeln und Birnen Schäden an. Die Äpfel sind heuer kleiner, dafür süßer und aromatischer. Steinegger zufolge reicht die Menge, um Österreich zu versorgen. Wie unsicher der Apfelbau geworden ist, zeigt eine andere Zahl aus demselben Bericht: In den vergangenen zehn Jahren gab es nur vier normale Apfelernten.
Beim Holunder sah es Mitte August noch dramatischer aus. „Der Holunder verdorrt auf vielen Flächen auf den Holunderbäumen“, sagte Kohlfürst, der auch Obmann der Bezirkskammer Graz-Umgebung ist, im ORF Steiermark. Die Hälfte der Ernte war da bereits verloren, ein Totalausfall nicht ausgeschlossen. Marille, Pfirsich und Kirsche kamen dagegen mit geringen Verlusten davon.
Und der Wein? Der kam fast ungeschoren durch. Die Wein Steiermark rechnet mit einer Menge auf Normalniveau, möglicherweise über dem Fünfjahresschnitt, nach 244.717 Hektolitern im Vorjahr. Regionale Niederschläge im Süden kamen rechtzeitig. „Wir rechnen kaum mit Ernteausfällen durch die heurige Trockenheit“, sagt Geschäftsführer Martin Palz.
Kürbis, Mais und Futter: Der Boden entscheidet
Beim Ölkürbis teilte die Trockenheit das Land. Auf Schotterböden fiel die Ernte teils komplett aus, in der Ost- und der Weststeiermark gab es gute Erträge. Franz Labugger von der Ölmühle in Lebring rechnete Ende August im ORF Steiermark mit einem unterdurchschnittlichen Ertrag, wobei früh angebaute Felder am besten abschnitten. Unterm Strich fehlen rund 20 Prozent, obwohl die Steirer heuer etwa zehn Prozent mehr Kürbis angebaut hatten. Die Kernqualität gilt als hervorragend, weil Hitze und Trockenheit kaum Fäulnis zuließen.
Mais und Getreide liegen im Schnitt ebenfalls um etwa 20 Prozent unter einem normalen Jahr. Die Landwirtschaftskammer nennt Mais, Kürbis und Soja auf sandig-schottrigen Böden als stark geschädigt. Begonnen hatte die Misere früh: Im April fiel in der Südoststeiermark rund 65 Prozent weniger Regen als im Schnitt, der erste Grasschnitt lag auf intensiven Flächen 50 Prozent unter dem Vorjahr, berichtete der ORF Steiermark schon Anfang Mai.
Am härtesten traf es die Tierhalter. Auf Weiden und Wiesen fehlten je nach Standort bis zu 80 Prozent des Futters, viele Betriebe verfütterten im August bereits ihre Wintervorräte. Kammer, Maschinenring und Bio Austria Steiermark organisierten deshalb eine gemeinsame Aktion zur Futterbeschaffung, wie die Landwirtschaftskammer Steiermark berichtet.
Bewässern um jeden Preis: Diesel, Auflagen, Nachtschichten
Wer bewässern konnte, rettete einen Teil der Ernte. Billig war das nicht. Viele Bewässerungsanlagen laufen mit Dieselpumpen, und Diesel ist 2026 teuer: Zwischen 5. Jänner und 10. Mai stieg der Preis laut Landwirtschaftsministerium um rund 25 Prozent, vor allem wegen des Irankriegs. Am 17. Oktober 2026 kostete ein Liter Diesel in der Steiermark im Median 2,111 Euro, wie der Spritpreis-Monitor Steiermark zeigt. Dazu kommen die Arbeitsstunden, denn gegossen wird vielfach in der Nacht.
Hillebrand verweist außerdem auf strenge Auflagen und die ständige Überwachung der Wasserentnahme. Auf Bundesebene ist dazu ein Wasserentnahmeregister für große Entnahmen in Begutachtung. Entlastung beim Treibstoff kommt mit der Agrardiesel-Rückvergütung: Sie wird um ein Jahr vorgezogen und im Dezember 2026 gemeinsam mit der AMA-Hauptauszahlung überwiesen, voraussichtlich rund 16 Cent je Liter.
Langfristig setzt das Land auf mehr Bewässerung. Seit 2024 fördert die Steiermark Bewässerungsprojekte mit 65 Prozent der Kosten, laut top agrar der höchste Satz in Österreich. Fast 200 Betriebe haben damit über acht Millionen Euro in neue Anlagen gesteckt, die Förderung läuft auch 2027 weiter. Die Branche fordert zusätzlich Wasserspeicher, Hagelnetze, hitzetolerante Sorten und leistbare Versicherungen.
Wird Gemüse jetzt teurer?
Kurzfristig spricht wenig für einen Preissprung im Geschäft. Die Gemüsebauern wollen ihre Mehrkosten laut ORF nicht an die Kundschaft weitergeben. Weil in ganz Europa weniger geerntet wurde, erzielten sie zwar vergleichsweise gute Erzeugerpreise, die einen Teil der Mengenverluste abfedern, die aber gegen gestiegene Energie-, Dünger- und Bewässerungskosten laufen.
Auf der Kundenseite wirkt eine Steuersenkung dagegen. Seit 1. Juli 2026 gilt für Grundnahrungsmittel, darunter Gemüse und heimisches Obst, ein Mehrwertsteuersatz von 4,9 statt 10 Prozent. Laut Statistik Austria lagen die Preise für Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol im August deshalb nur um 0,2 Prozent über dem Vorjahr, während die Gesamtinflation von Treibstoff und Heizöl auf 3,2 Prozent getrieben wurde. Wer steirische Äpfel kauft, wird heuer vor allem eines merken: kleinere Früchte.
Dürrehilfe: was automatisch kommt und was beantragt werden muss
Die Bundesregierung hat sich am 21. August 2026 auf ein Dürre-Hilfspaket von 240 Millionen Euro geeinigt. Der größte Teil, die Gutschrift auf die Sozialversicherung, wurde am 23. September im Nationalrat beschlossen, wie top agrar berichtet. Für steirische Betriebe sieht das so aus:
| Maßnahme | Volumen | Was Betriebe tun müssen |
|---|---|---|
| SVS-Gutschrift für Oktober und November 2026 (300 bis 4.100 Euro je nach Einheitswert) | 140 Mio. Euro | nichts, kommt automatisch |
| Zinszuschuss für Betriebsmittelkredite (Futter, Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz) | 25 Mio. Euro | Ansuchen bis 31. März 2027 |
| Zusätzliche Stundung von Agrarinvestitionskrediten | bis 25 Mio. Euro | Ansuchen nötig |
| Prämienzuschuss Dürreversicherung 2027: 65 statt 55 % | 50 Mio. Euro | Versicherung für 2027 abschließen |
| Agrardiesel-Rückvergütung, rund 16 Cent je Liter | eigenes Budget | Auszahlung Dezember 2026 |
| Raiffeisen Steiermark: zinsfreier Kredit bis 15.000 Euro | privates Angebot | Antrag bis Ende Oktober 2026 bei der Raiffeisenbank |
Quellen: BMLUK, Sonderrichtlinie Trockenheit 2026, top agrar (05.09. und 24.09.2026), Raiffeisen Steiermark (12.08.2026).
Für Gemüse- und Obstbauern lohnt der Blick ins Kleingedruckte der Sonderrichtlinie Trockenheit 2026, die seit 29. September gilt. Gefördert wird ein Kredit zwischen 5.000 und 75.000 Euro mit ein bis drei Jahren Laufzeit und höchstens 3,9 Prozent Zinsen. Die Obergrenze richtet sich nach der Fläche: 750 Euro je Hektar Acker- und Grünland, aber 4.500 Euro je Hektar Sonderkultur, wozu Gemüse, Obst, Wein und geschützter Anbau zählen. Ein Gemüsebetrieb kann je Hektar also sechsmal so viel geförderten Kredit aufnehmen wie ein Ackerbaubetrieb.
Ein Rechenbeispiel: Ein Betrieb mit acht Hektar Feldgemüse darf bis zu 36.000 Euro geförderten Kredit aufnehmen. Bei drei Jahren Laufzeit und halbjährlicher Tilgung in sechs gleichen Raten zu je 6.000 Euro übernehmen Bund und Land bei einem dürreversicherten Betrieb Zinsen von 2,75 Prozent, das sind rund 1.730 Euro. Verlangt die Bank die erlaubten 3,9 Prozent, bleiben dem Betrieb rund 720 Euro Zinsen selbst. Ohne Dürreversicherung, auch für 2027 nicht, sinkt der Zuschuss auf 2,5 Prozent oder rund 1.580 Euro. Das Ansuchen geht in der Steiermark an den Landeshauptmann als Förderungsabwicklungsstelle oder eine von ihm beauftragte Einreichstelle, nötig sind eine Bankbestätigung über Kredithöhe, Laufzeit, Zinssatz und Verwendungszweck sowie die Angaben zu bisherigen De-minimis-Förderungen. Bearbeitet wird in der Reihenfolge des Einlangens.
Versicherte Betriebe haben zusätzlich einen Rechtsanspruch auf Entschädigung. In der Steiermark sind 85 Prozent der Ackerflächen gegen Hagel und Dürre versichert, beim Grünland 60 Prozent gegen Hagel und zwei Drittel davon auch gegen Dürre. Die Dürreindex-Leistungen für Grünland und Frühjahrskulturen waren laut Hagelversicherung ab Mitte September fällig. Österreichweit bezifferte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig die Versicherungsleistungen Anfang September auf 400 Millionen Euro.
Unumstritten ist das Paket nicht. Mehrere Bauernverbände halten es für unzureichend, die FPÖ nannte die Beitragsgutschrift im Nationalrat einen „Taschenspielertrick“. Hintergrund ist die Finanzierung: Von 2027 bis 2031 überweist die Pensionsversicherung insgesamt 250 Millionen Euro weniger an die bäuerliche Krankenversicherung. Steinegger hatte im August vor allem eines gefordert: Die Hilfe müsse „rasch, unbürokratisch und treffsicher“ ankommen.
Häufige Fragen
Wie groß sind die Ernteausfälle in der Steiermark 2026?
Beim Gemüse fehlen 40 bis 45 Prozent, bei unbewässertem Chinakohl rund 50 Prozent, bei Karotten und Zwiebeln rund 25 Prozent. Die Apfelernte liegt mit rund 90.000 Tonnen etwa 35 Prozent unter dem Vorjahr. Kürbis, Mais und Getreide brachten je etwa 20 Prozent weniger, beim Futter von Wiesen und Weiden fehlten bis zu 80 Prozent.
Wie hoch ist der Dürreschaden in der Steiermark?
Die Österreichische Hagelversicherung schätzte ihn Mitte August auf rund 140 Millionen Euro, weitere 39 Millionen Euro entfielen auf Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmung. Österreichweit lag der Dürreschaden bei rund einer Milliarde Euro, ein Rekordwert.
Werden Obst und Gemüse wegen der Dürre teurer?
Bisher kaum. Die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse sinkt seit Juli 2026 von 10 auf 4,9 Prozent, Nahrungsmittel waren im August laut Statistik Austria nur 0,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Die steirischen Gemüsebauern wollen ihre höheren Bewässerungskosten nicht weitergeben.
Welche Dürrehilfe bekommen steirische Bauern automatisch?
Die Gutschrift von zwei Monatsbeiträgen zur Sozialversicherung für Oktober und November 2026, je nach Einheitswert zwischen 300 und 4.100 Euro. Ein Antrag ist dafür nicht nötig.
Bis wann kann der Zinszuschuss für Betriebsmittelkredite beantragt werden?
Bis 31. März 2027. Gefördert werden Kredite ab Juli 2026 zwischen 5.000 und 75.000 Euro, der Zuschuss beträgt 2,75 Prozent Zinsen für dürreversicherte Betriebe und 2,5 Prozent für nicht versicherte. Je Betrieb wird nur ein Kreditvertrag gefördert.