Um 5.15 Uhr früh hält ab 13. Dezember 2026 erstmals ein Zug am Flughafen Graz, der vorher durch den Koralmtunnel gefahren ist. Der Interregio 1151 startet um 3.51 Uhr in Villach, nimmt in Klagenfurt um 4.18 Uhr Fahrgäste auf und erreicht elf Minuten nach dem Flughafenhalt den Grazer Hauptbahnhof. In der Gegenrichtung fährt der Interregio 1150 um 23.23 Uhr in Graz ab, hält um 23.32 Uhr am Flughafen und ist um 0.57 Uhr in Villach. Das ist der Flughafenhalt, den Land und Wirtschaft seit Jahren fordern. Allerdings nur zweimal am Tag, zu Randzeiten, und über die alte Südbahn statt über die neue Hochgeschwindigkeitstrasse. Die Railjets fahren weiterhin vorbei.
Die ÖBB haben den Fahrplan 2027 am 14. Oktober 2026 vorgestellt, der Ticketverkauf läuft seit diesem Tag. Für die Steiermark ist der Flughafen die größte Veränderung: Neben den beiden Koralm-Zügen halten dort ab Dezember auch die Interregios zwischen Graz und Maribor.
Zwei Züge über Werndorf statt durch den Flughafentunnel
Die neue Koralmbahn verlässt Graz Richtung Süden auf einer eigenen Trasse. Eine Station am Flughafen gibt es dort nicht. Die bestehende Haltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen liegt an der Südbahn, rund 400 Meter vom Terminal entfernt, wie ORF Steiermark beschreibt. Um dort halten zu können, nehmen die beiden neuen Interregios laut Kleiner Zeitung den Umweg über die Südbahn bis Werndorf und wechseln erst dort auf die Koralmstrecke. Die Fahrzeit zwischen Graz und Klagenfurt steigt damit auf 1 Stunde und 8 Minuten.
Was der Umweg kostet, zeigt der Vergleich mit dem Railjet Xpress. Der RJX 638 braucht am 16. Dezember 2026 von Villach (ab 7.33 Uhr) bis Graz Hauptbahnhof (an 8.38 Uhr) 65 Minuten, der Interregio 1151 auf derselben Relation 95 Minuten. Eine halbe Stunde länger also, dafür ohne Umstieg zum Flughafen.
| Zug | Villach | Klagenfurt | Flughafen Graz | Graz Hbf |
|---|---|---|---|---|
| IR 1151 (Richtung Graz, täglich) | ab 3.51 | ab 4.18 | an 5.15 | an 5.26 |
| IR 1150 (Richtung Kärnten, täglich) | an 0.57 | an 0.31 | ab 23.33 | ab 23.23 |
Quelle: ÖBB-Fahrplanauskunft SCOTTY, Fahrplan 2027, abgefragt am 14.10.2026. Die ÖBB weisen darauf hin, dass die Daten für 2027 noch nicht vollständig sind.
Ganz neu ist nur die Morgenverbindung. Heute kommt der erste Zug aus Villach, der RJ 655, um 5.57 Uhr in Graz an. Ab Dezember ist der Interregio 1151 eine halbe Stunde früher da. Die Abendverbindung gibt es dagegen teilweise schon: An einzelnen Werktagen fährt derzeit der RJ 1152 um 23.22 Uhr von Graz nach Villach (an 0.48 Uhr), etwa am 19., 20. und 21. Oktober, nicht aber am Wochenende. An seine Stelle tritt der Interregio 1150, der neun Minuten später ankommt, dafür aber jeden Tag fährt. Werktags gibt es zusätzlich eine neue Frühverbindung von Graz um 4.48 Uhr nach Klagenfurt (an 5.47 Uhr) mit Anschlüssen nach Villach und Salzburg. Sie fährt am Flughafen vorbei.
Wem nützt das? Vor allem Kärntnern mit Frühflug ab Graz, die bisher am Hauptbahnhof in die S-Bahn umsteigen mussten und dafür frühestens den Zug um 5.57 Uhr hatten. Und Spätankommenden, die nach einem Abendflug direkt nach Klagenfurt oder Villach weiterwollen. Für Pendler zwischen den Landeshauptstädten ändert sich wenig. Welche Rolle die Koralmbahn für das Einzugsgebiet des Flughafens spielt, zeigt der Beitrag zum Sommerflugplan 2026 des Flughafens Graz.
Warum die Railjets weiter vorbeifahren
Die Entscheidung gegen einen Fernverkehrshalt fiel lange vor der Eröffnung. Die damalige Klimaschutz- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) verwies im März 2023 auf den internationalen Taktfahrplan mit fixen Fahrzeiten und auf eine Festlegung, die rund zehn Jahre zuvor getroffen worden war. Der damalige Landeshauptmann Christopher Drexler (ÖVP) und die Wirtschaftskammer Steiermark protestierten. Statt eines Halts sollte die S-Bahn-Haltestelle ausgebaut werden.
Daran hat sich wenig geändert. Bei der Bilanz nach 100 Tagen Koralmbahn im März 2026 lehnte ÖBB-Chef Andreas Matthä einen Halt erneut ab, wegen der knappen Fernverkehrsfahrpläne. Eine Änderung hielt er laut 5min.at frühestens ab etwa 2030 für denkbar, wenn der Semmering-Basistunnel mehr Kapazität bringt. Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ) hält an der Forderung fest. Beim Fahrplan 2027 bleibt die Taktung der Railjets durch den Tunnel unverändert, obwohl die Nachfrage steigt: Im ersten Halbjahr 2026 waren es laut Matthä im Schnitt 7.000 Fahrgäste pro Tag, inzwischen rund 10.000, berichtet ORF Steiermark. Zum Vergleich: 2025 fuhren zwischen Wien und Kärnten rund 2.800 Fahrgäste täglich mit der Bahn.
Wie die Bahn den Wirtschaftsraum zwischen Graz und Klagenfurt verändert, beschreibt der Beitrag zur AREA Süd.
Flughafen Graz-Feldkirchen: von null auf 32 Interregio-Halte
Die zweite Neuerung am Flughafen ist auf Dauer wichtiger als die beiden Nachtzüge. Die Interregios zwischen Graz und Maribor, die weitgehend im Stundentakt fahren, halten ab Dezember ebenfalls an der Haltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen. Für einen Werktag im Dezember weist SCOTTY dort 32 Interregio-Abfahrten aus: 30 auf der Südbahn Richtung Graz, Spielfeld-Straß, Maribor und zweimal am Nachmittag Ljubljana, dazu die beiden Koralm-Züge. Am Wochenende sind es ebenso viele. Im laufenden Fahrplan hält an der Station kein einziger Interregio, nur S-Bahnen (94 Halte an einem Werktag) und Busse.
Passend dazu wird die Haltestelle gerade umgebaut. Laut ÖBB-Presseinformation vom 6. Februar 2026 entstehen ein überdachter Personensteg mit Stiegentürmen und Aufzügen sowie eine neue Bushaltestelle, die Bahnsteige werden Richtung Norden von 190 auf 220 Meter verlängert. Die Arbeiten kosten rund sechs Millionen Euro und sollen Ende 2026 abgeschlossen sein, also rechtzeitig zum Fahrplanwechsel.
Was sich sonst in der Steiermark ändert
Der Fahrplan 2027 ist nach der großen Ausweitung zur Koralmbahn-Eröffnung kein zweiter Sprung, sondern eine Reihe gezielter Ergänzungen. Die steirischen Punkte aus der ÖBB-Übersicht und der Berichterstattung des ORF:
| Strecke | Neuerung | Ab |
|---|---|---|
| Graz - Klagenfurt - Villach | Interregio-Paar am Tagesrand mit Halt am Flughafen Graz, werktags Frühzug Graz 4.48 - Klagenfurt 5.47 | 13.12.2026 |
| Graz - Maribor | Interregios halten am Flughafen Graz; neue Früh- und Spätverbindungen, eine Verbindung bis Spielfeld-Straß statt nur bis Leibnitz | 13.12.2026 |
| Graz - Leoben | Frühzüge kehren zurück, unter anderem direkt Graz 7.12 - Leoben 8.06 (REX) | 13.12.2026 |
| St. Michael - Bruck an der Mur | zusätzliche Tagesrandverbindungen mit Anschluss Richtung Graz | 13.12.2026 |
| Obersteiermark (Regionalverkehr) | zwei Regionalzüge halten zusätzlich in Fentsch-St. Lorenzen und Kraubath | 13.12.2026 |
| Graz - Fehring - Szentgotthárd | Doppelstockzüge mit mehr Sitzplätzen | 2027 |
| Graz - Linz | drei zusätzliche Intercitys je Richtung, damit elf Direktzüge täglich | Juli 2027 |
Quellen: ÖBB, Neuer Fahrplan 2027; ORF Steiermark, 14.10.2026; Uhrzeit Graz - Leoben aus SCOTTY.
Leoben bekommt damit nach Protesten der Pendler seine Frühzüge zurück. Ganz zufrieden ist die Steirische Pendlerinitiative trotzdem nicht. Ihr Sprecher Walter Semlitsch kritisiert gegenüber dem ORF die knappen Umstiege in Bruck an der Mur am frühen Morgen: Die Bahnsteige lägen weit auseinander, es habe dabei schon Unfälle mit schweren Verletzungen gegeben. Die Rückfahrt um 16.45 Uhr ab Graz Richtung Leoben sei regelmäßig überfüllt.
Beim Wagenmaterial kommen 2027 österreichweit 57 neue Fahrzeuge dazu, darunter zehn Railjets der neuen Generation, 14 Doppelstock-Railjets und 27 Cityjet-Doppelstockzüge für den Nahverkehr. Bis 2030 investieren die ÖBB rund 6,1 Milliarden Euro in 330 Züge. Im Fernverkehr rechnet Matthä 2027 mit 16 Prozent mehr Fahrgästen, auf rund 50 Millionen.
Tickets ab 13. Dezember um 3,5 Prozent teurer
Mit dem Fahrplanwechsel steigen die Preise für ÖBB-Standardtickets und die Vorteilscard um durchschnittlich 3,5 Prozent. Angekündigt haben die ÖBB das schon Anfang Juli, mit Verweis auf die Energiekosten und darauf, dass die Erhöhung unter der Inflationsrate 2025 liegt. Die Ab-Preise der Sparschiene bleiben gleich, das Preissystem mit günstigeren Tarifen bei früher Online-Buchung ebenfalls, wie Salzburg24 berichtet. Neu ist ab Dezember ein schwankender Aufpreis für die Business Class, der sich nach Nachfrage und Auslastung des Zuges richtet.
Innerhalb der Steiermark ist die Erhöhung schon durch: Der Verbund Linie hat die Tarife am 1. Juli 2026 ebenfalls um durchschnittlich 3,5 Prozent angehoben. Das KlimaTicket Steiermark kostet seither 532 Euro im Jahr, für Grazer mit Hauptwohnsitz 432 Euro. Wer mit dem Auto pendelt und die Bahn als Alternative durchrechnet, findet die steuerlichen Seiten im Beitrag zu Pendlerpauschale und Pendlereuro.
Klimaticket im Koralmtunnel: weiter ein drittes Ticket
Der Streit um die Tickets durch den Tunnel geht ungelöst ins zweite Jahr. Regionale Klimatickets gelten nur bis zum letzten Halt im eigenen Bundesland, auf der Koralmbahn also bis Weststeiermark beziehungsweise ab St. Paul im Lavanttal. Wer ein steirisches und ein Kärntner Ticket besitzt, darf sie wegen des sogenannten Stückelungsverbots in den ÖBB-Tarifbestimmungen nicht zu einer durchgehenden Fahrt kombinieren und braucht für den Abschnitt dazwischen einen eigenen Fahrschein. Durchgehend gilt nur das KlimaTicket Österreich um 1.400 Euro, 868 Euro mehr als das steirische.
Am 2. Oktober 2026 haben sich bei der Landesverkehrsreferentenkonferenz in Bregenz alle Bundesländer hinter einen Antrag der Steiermark und Kärntens gestellt, das Stückelungsverbot aufzuheben, berichtet 5min.at. Landesrätin Holzer knüpft das an eine Bedingung: Mehrkosten für die beiden Länder dürfe es nicht geben. Genau dort liegt der Kern. Die Steiermark rechnete laut ORF schon 2025 mit rund 15 Millionen Euro Mehrkosten durch die zusätzlichen Kilometer, das Verkehrsministerium lehnte eine Beteiligung an einem gemeinsamen Ticket ab. Matthä spielt den Ball bei der Fahrplanpräsentation zurück an die Länder und ihre Verkehrsverbünde: Die ÖBB seien gesprächsbereit, aber beide Seiten müssten aufeinander zugehen. Zum Fahrplanwechsel ändert sich also nichts.
Sperren Richtung Westen und Sorgenkind Südbahn
Von 8. Februar bis 9. Juli 2027 sperrt die Deutsche Bahn das Deutsche Eck zwischen Freilassing und Rosenheim. Im selben Zeitraum ist die Tauernstrecke zwischen Schwarzach-St. Veit und Mallnitz-Obervellach für die zweite Etappe der Tunnelsanierung voll gesperrt. Für Steirer betrifft das die Route über die Koralmbahn und Villach nach Salzburg, die genau durch den gesperrten Tauernabschnitt führt, sowie Fahrten mit Umstieg in Salzburg Richtung Innsbruck und Vorarlberg. Die ÖBB bieten je nach Ziel durchgehende Züge mit längerer Fahrzeit oder Schienenersatzverkehr an. Konkrete Verbindungen stehen in SCOTTY, Auskunft gibt es auch unter 05-1717.
Auf der Südbahn Richtung Wien bleibt die Zuverlässigkeit das Problem. In der Nacht auf Montag, 12. Oktober 2026, rollten in Wiener Neustadt zwei Güterwagen los, entgleisten und beschädigten die Oberleitung, im Fernverkehr zwischen Wien und Mürzzuschlag fielen danach Züge aus, wie vienna.at berichtete. Unabhängig davon lag die Ausfallsquote auf der Südbahn im ersten Halbjahr 2026 laut Matthä bei drei Prozent, üblich seien ein bis zwei Prozent. Die Gründe reichen von Softwarepannen bis zu Kinderkrankheiten neuer Garnituren. Entlastung erhoffen sich die ÖBB vom Ausbau der Pottendorfer Linie, über die schnelle Fernzüge zwischen Wiener Neustadt und Wien Meidling an der stark belasteten Südbahn vorbeifahren können.
Häufige Fragen
Ab wann hält die Koralmbahn am Flughafen Graz?
Ab 13. Dezember 2026, allerdings nur mit zwei Interregios pro Tag: IR 1151 aus Villach und Klagenfurt mit Halt um 5.15 Uhr, IR 1150 Richtung Klagenfurt und Villach mit Abfahrt um 23.33 Uhr. Alle Railjets fahren weiterhin ohne Halt am Flughafen vorbei.
Wo halten die Züge am Flughafen Graz?
An der Haltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen an der Südbahn, rund 400 Meter vom Terminal. Sie wird bis Ende 2026 barrierefrei umgebaut, mit überdachtem Steg, Aufzügen und längeren Bahnsteigen.
Wie lange dauert die Fahrt Graz - Klagenfurt mit dem Flughafen-Zug?
1 Stunde und 8 Minuten. Der Umweg über Flughafen und Werndorf kostet gegenüber dem Railjet Xpress rund eine halbe Stunde, gerechnet auf der Strecke Villach - Graz sind es 95 statt 65 Minuten.
Um wie viel werden ÖBB-Tickets 2027 teurer?
Um durchschnittlich 3,5 Prozent ab 13. Dezember 2026, betroffen sind Standardtickets und die Vorteilscard. Die Ab-Preise der Sparschiene bleiben unverändert.
Gilt das KlimaTicket Steiermark ab Dezember bis Klagenfurt?
Nein. Das Stückelungsverbot bleibt bestehen, Steiermark- und Kärnten-Ticket lassen sich weiter nicht kombinieren. Für die Fahrt durch den Koralmtunnel braucht es einen Zusatzfahrschein oder das KlimaTicket Österreich.