Mit 1.685 bewirtschafteten Almen ist die Steiermark das almreichste Bundesland Österreichs. Sie beherbergt 26 Prozent aller österreichischen Almen, die zusammen rund 20 Prozent der Landesfläche bedecken. Im Almsommer 2026 startet die Beweidungssaison so früh wie nie – bereits Ende April brachten ungewöhnlich warme Temperaturen die Vegetation in Schwung, einige Hochalmen wurden früher beweidet als sonst. Gleichzeitig nimmt der Druck zu: Wolfsrisse, Personalmangel, betriebswirtschaftliche Engpässe. Wir liefern die Übersicht zu Auftriebsterminen, bewirtschafteten Hütten, Erreichbarkeit per ÖPNV und welche Almen aktuell unter besonderem Druck stehen.
Almreichste Region Österreichs: Zahlen, die einordnen
Die Steiermark hat 3.147 registrierte Almen – bewirtschaftet werden davon 1.685 (Stand letztverfügbare Erhebung des Steirischen Almwirtschaftsvereins). Sie verteilen sich auf drei Höhenkategorien:
- 1.744 Niederalmen – bis etwa 1.400 Höhenmeter, oft im Pre-Alpen-Raum
- 1.047 Mittelalmen – zwischen 1.400 und 1.700 Höhenmetern
- 356 Hochalmen – über 1.700 Höhenmeter, vorwiegend Niedere Tauern und Hochschwab
Der steirische Almgürtel reicht vom Ennstal über die Eisenerzer Alpen und die Niederen Tauern bis zum Hochschwab und in die südsteirische Hügelregion. Wer sich für einen Almurlaub oder eine Almwanderung interessiert, hat damit eine der größten Auswahlen Europas vor sich.
Auftriebstermine 2026: Früher als je zuvor
Traditionell wird das Vieh in der Steiermark zwischen Mitte Mai und Mitte Juni auf die Almen aufgetrieben. Die genauen Termine richten sich nach Vegetation, Höhenlage und Wetter. In den vergangenen Jahren haben sich die Auftriebstermine spürbar nach vorne verschoben – ein Effekt des Klimawandels mit milderen Frühjahren.
2026 setzt diese Entwicklung fort. Bereits in der letzten Aprilwoche wurden in einzelnen Regionen Vorhaben für sehr frühen Auftrieb angemeldet. Die Landwirtschaftskammer Steiermark berichtete in den vergangenen Saisonen wiederholt vom frühesten Almauftrieb aller Zeiten. Bezirksweise grobe Orientierung 2026:
| Region | Höhenlage | Typischer Auftrieb |
|---|---|---|
| Voralpenraum Süd- und Oststeiermark | 800-1.200 m | Mitte bis Ende Mai |
| Hochschwab, Eisenerzer Alpen | 1.300-1.700 m | Anfang bis Mitte Juni |
| Niedere Tauern (Schladming-Dachstein, Wölzer Tauern) | 1.500-2.000 m | Mitte Juni |
| Hochalmen Dachstein | über 1.800 m | Ende Juni |
Der Almabtrieb erfolgt traditionell zwischen Mitte September und Mitte Oktober. Mehrere Gemeinden veranstalten dazu festliche Almabtriebe. Der bekannteste fix-terminierte Almabtrieb 2026:
- Dachstein Almabtrieb Ramsau am Dachstein: 25. September 2026 (Freitag) am Walcherhof, Schildlehen 10, 8972 Ramsau am Dachstein. Beginn 8:00 Uhr mit Almfrühstück, ab 11:00 Uhr Schmücken der Tiere, anschließend Abtrieb von der Walcheralm. Eintritt frei.
- Almabtriebe Aussee / Tauplitz / Bad Mitterndorf: Termine 2026 werden meist erst im Spätsommer von den Tourismusverbänden veröffentlicht. Erfahrungswert: zweite und dritte Septemberwoche.
Bewirtschaftete Almhütten: Wo Sie einkehren und übernachten können
Viele der bewirtschafteten steirischen Almen führen Schutzhütten oder Almgasthäuser, die im Sommer für Wanderer geöffnet sind. Die wichtigsten Trägerorganisationen sind der Österreichische Alpenverein (ÖAV), der Steirische Bergsteigerbund und die Naturfreunde Steiermark.
Beispielhafte bewirtschaftete Hütten:
- Hochschwabhütte (Hochschwab, 2.153 m) – klassischer Stützpunkt für Hochschwab-Überquerung
- Sonnschien-Hütte (Hochschwab, 1.523 m) – familienfreundlich
- Hesshütte (Gesäuse, 1.699 m) – Ausgangspunkt Hochtor-Hauptmasse
- Mödlinger Hütte (Reichenstein, 1.523 m) – Eisenerzer Alpen
- Klausner Hütte (Niedere Tauern, 1.770 m) – Schladming-Dachstein
- Ignaz Mattis Hütte (Schladminger Tauern, 1.986 m)
- Voisthalerhütte (Hochschwab) – mit Wolfgangsee-Blick
- Naturfreundehütte Türnitzkogel (Niederöster.-Stmk-Grenze)
Übernachtungspreise 2026 – verifizierte Beispiele:
| Hütte | Lager AV-Mitglied | Lager Nichtmitglied | Zimmer AV-Mitglied | Zimmer Nichtmitglied |
|---|---|---|---|---|
| Hesshütte (Gesäuse) | 16,00 € | 32,00 € | 27,00 € | 42,00 € |
| Voisthaler Hütte (Hochschwab) | k.A. | + 12 € Aufschlag | k.A. | + 12 € Aufschlag |
| Sonnschien-Hütte (Hochschwab) | k.A. | + 12 € Aufschlag | k.A. | + 12 € Aufschlag |
Zusatzleistungen Hesshütte: Selbstversorger zahlen 5 € Infrastrukturabgabe, Frühstücksbuffet auf der Voisthaler Hütte 19 €. Schlafsack-Inlay ist auf allen AV-Hütten Pflicht. Junioren-, Jugend- und Kindertarife sind durchgängig reduziert. Mitgliedschaft im ÖAV, DAV, Naturfreunden, ÖTK oder Schwesterverbänden bringt 50 Prozent Ersparnis bei Übernachtung. Reservierung über das Alpenvereins-Reservierungssystem.
An Wochenenden im Juli und August ist eine Reservierung Pflicht – viele Hütten sind bereits ab Mai ausgebucht.
Almbuschenschank: Steirisches Original
Eine steirische Besonderheit sind die Almbuschenschänken – bewirtschaftete Almen, die landwirtschaftliche Produkte direkt vor Ort verkaufen. Sie ergänzen das klassische Buschenschank-Konzept der Weinstraße und sind besonders in den Bezirken Liezen, Murau, Murtal und Bruck-Mürzzuschlag verbreitet.
Typisches Angebot: Almkäse, Butter, Schinken, Joghurt, Topfen, Brettljause. Öffnungszeiten meist an Wochenenden, in der Hauptsaison auch werktags. Eine Übersicht aktueller bewirtschafteter Almen findet sich beim Steirischen Almwirtschaftsverein.
Erreichbarkeit per ÖPNV
Wer ohne Auto auf die Alm möchte, hat 2026 mehrere Optionen. Die wichtigsten Anschlüsse:
- Hochschwab über Aflenz Kurort: Bus von Bruck/Mur, dann Bürgeralm-Bahn als Aufstiegshilfe
- Eisenerzer Alpen über Eisenerz: Bahnhof Eisenerz, dann Wanderwege
- Schladming-Dachstein-Almen: Bahnhof Schladming, dann Wandertaxi oder Bergbahn (Reiteralm, Hauser Kaibling)
- Wölzer und Niedere Tauern: Bahnhof Mautern oder Murau, dann Wandertaxi
- Gleinalm und Stubalpe: Bahnhof Knittelfeld oder Bus aus Graz-Umgebung
Die Verbund-Linie bietet das KlimaTicket Steiermark, das für viele dieser Verbindungen gilt. Sondertarife für Wandertaxis und kleine Mountain-Bahnen sind nicht inkludiert.
Wolfsdruck auf die Almwirtschaft
Ein Dauerthema ist der Wolfsdruck. Bereits 2023 wurden in der Steiermark 31 bestätigte Wolfsrisse verzeichnet, in den Folgejahren weitere Fälle dazu. Das Wolfsmanagement Steiermark wird mit der Reform in Abteilung 10 ab Frühjahr 2026 neu organisiert.
Konkrete Auswirkungen für die Almsaison 2026:
- Notabtriebe einzelner Schafalmen, wenn Risse innerhalb kurzer Zeit gehäuft auftreten
- Versicherungsprämien sind in Risikogebieten gestiegen, einige Versicherer verweigern Beweidungsversicherungen
- Schutzzaun-Förderung des Landes deckt bis zu 80 Prozent des Materials, ist aber in Steilhanglagen technisch nicht umsetzbar
- Almbäuerinnen geben auf: einzelne Betriebe verzichten auf den Auftrieb, was die Almwirtschaft strukturell schwächt
Die Landwirtschaftskammer dokumentiert seit Jahren einen schleichenden Rückgang bewirtschafteter Almflächen. Ohne aktive Beweidung verbuschen die Flächen, der Charakter der Alm geht verloren – und damit auch das Landschaftsbild, das touristisch verkauft wird.
Praktische Tipps für den Almsommer 2026
- Frühzeitig planen: Beliebte Schutzhütten sind an Wochenenden ausgebucht. Für den Juli/August schon ab Mai reservieren.
- Wetter checken: Hochalmen-Wetter ist tageweise abrupt. ZAMG-Bergwetter und die Apps der Tourismusregionen geben verlässliche Vorhersagen.
- Verhalten gegenüber Weidetieren: Hunde anleinen, nicht durch die Herde laufen, Mutterkühe niemals zwischen Mutter und Kalb passieren.
- Abfallreduktion: Wer auf die Alm geht, nimmt seinen Müll wieder mit. Almhütten haben begrenzte Entsorgungsmöglichkeiten.
- Almsommer-Eintrag: Die meisten bewirtschafteten Almhütten haben einen Almsommer-Stempel – eine Sammlung für engagierte Wanderer.
Tourismus-Wirtschaftsfaktor Almsommer
Die steirische Tourismuswirtschaft generiert einen erheblichen Teil ihrer Sommernächtigungen aus dem Almsommer-Tourismus. Wanderer, Mountainbiker und Genuss-Reisende kombinieren Hüttenübernachtung, Almbuschenschank-Einkehr und Bergerlebnis. Die Almwirtschaft ist damit nicht nur landwirtschaftlich relevant, sondern auch ein wichtiger Pfeiler des Sommertourismus in Schladming-Dachstein, Hochschwab und Murtal.
Wer 2026 in die steirischen Berge will, sollte die Almsaison nicht erst Ende August beginnen. Mai und Juni bieten oft das beste Wetter, blühende Almflächen und deutlich freundlichere Übernachtungspreise als die Hauptsaison.
Quellen
- Almwirtschaft Österreich: Steirischer Almwirtschaftsverein
- Agrar-Server Land Steiermark: Almwirtschaft mit allen Zahlen
- Landwirtschaftskammer Steiermark: Frühester Almauftrieb aller Zeiten
- ORF Steiermark: Almauftrieb so früh wie noch nie
- Steiermark Tourismus: Almen und Hütten – Verzeichnis
- Hesshütte Gesäuse: Übernachtungspreise 2026
- Voisthaler Hütte Hochschwab: Preise und Reservierung
- Sonnschien-Hütte: Übernachtungspreise und Reservierung
- Schladming-Dachstein: Almabtrieb Ramsau 25.9.2026