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Saisonarbeit in der steirischen Landwirtschaft 2026: Was Erntehelfer von Erdbeere bis Kürbis verdienen

Mit dem Erdbeerstart Mitte Mai 2026 beginnt die Saisonarbeit in der steirischen Landwirtschaft. Die wichtigsten Erntefenster: Erdbeere bis Juli, Marille Juni-Juli, Apfel August-Oktober, Kürbis Mitte August bis Ende Oktober. Wer als Erntehelfer mitarbeiten will, verdient nach dem Kollektivvertrag für die bäuerlichen Betriebe seit 1. Jänner 2026 mindestens 1.928,13 Euro brutto pro Monat als Hilfskraft und bis zu 2.246,48 Euro als selbstständige Leiterin oder selbstständiger Leiter eines Betriebszweigs. Wer nur tage- oder wochenweise mithilft, wird als nichtständige Stundenlöhnerin oder nichtständiger Stundenlöhner mit mindestens 11,13 Euro brutto pro Stunde bezahlt. Gegenüber 2025 sind das 3,4 Prozent mehr; damals lag der Mindestlohn bei 1.864,73 Euro und der Stundenlohn bei 10,76 Euro. Das österreichweite Saisonkontingent für die Landwirtschaft wurde 2026 auf 2.727 Plätze plus 288 flexible Plätze aufgestockt (plus 4,5 Prozent gegenüber 2025) - dennoch bleibt der Personalmangel ein Dauerthema.

KV-Löhne 2026 in der steirischen Landwirtschaft

Der Kollektivvertrag für Arbeiterinnen und Arbeiter in den bäuerlichen Betrieben und Gutsbetrieben gilt seit 1. Jänner 2026 für zwölf Monate. Er kennt vier Lohnkategorien. Für die Einstufung zählt nicht die Kultur, sondern wie selbstständig gearbeitet wird: Pflücken und Sortieren fällt in Kategorie 4, wer überwiegend den Traktor fährt, in Kategorie 2.

Kategorie Tätigkeit laut Kollektivvertrag Bruttolohn pro Monat 2026 2025
4 Hilfskräfte; Haus-, Hof-, Feld- und Gartenarbeit 1.928,13 Euro 1.864,73 Euro
3 Fachlich Qualifizierte, die unter Anleitung einschlägig arbeiten, etwa im Verkauf 1.969,70 Euro 1.904,93 Euro
2 Speziell Qualifizierte, die auf Anweisung fachlich komplexe Arbeiten verrichten, etwa Traktorführer 2.145,69 Euro 2.075,14 Euro
1 Speziell Qualifizierte als selbstständige Leiter von Betriebszweigen 2.246,48 Euro 2.172,61 Euro
- Nichtständige Stundenlöhner (typisch für Erntehelfer) 11,13 Euro pro Stunde 10,76 Euro
- Buschenschankpersonal in Service, Küche und Raumpflege, inklusive Nacht- und Sonntagszuschlag 13,42 Euro pro Stunde keine Angabe

Urlaubszuschuss und Weihnachtsgeld stehen zusätzlich zu, jeweils in Höhe eines kollektivvertraglichen Monatslohns. Lehrlinge verdienen 827,20 Euro im ersten Lehrjahr, 940,94 Euro im zweiten und 1.230,46 Euro im dritten. Praktikanten aus Schulen und Hochschulen erhalten 550 Euro monatlich; dauert das Praktikum länger als vier Monate, gilt das Lehrlingseinkommen des zweiten Lehrjahres. Stellt der Betrieb Kost und Quartier, darf er dafür 2026 laut Sachbezugswerte-Verordnung 196,20 Euro im Monat vom Bruttolohn abziehen. Für Gartenbaubetriebe gilt ein eigener Kollektivvertrag mit abweichenden Sätzen.

Vier Erntefenster, vier verschiedene Anforderungen

Erdbeerernte (Mai bis Juli)

Steirische Erdbeerbetriebe in der Südoststeiermark, im Vulkanland und um Hartberg suchen meist von Mitte Mai bis Mitte Juli Pflücker. Die Tätigkeit ist körperlich anstrengend - viel Bücken, frühe Aufstehzeiten ab 5 Uhr morgens. Pluspunkt: hohe Stundenzahl möglich, Akkord-Zuschläge bei einigen Betrieben.

Marillenernte (Juni bis Juli)

Die steirische Marillenernte konzentriert sich auf die Südoststeiermark und das Murtal. Hier ist die Saison kurz - oft nur drei bis vier Wochen. Wer in dieser Zeit verfügbar ist, kann ein gutes Zubrot verdienen. Die Marille ist auch eines der gesundheits-relevantesten Heimprodukte mit kurzen Transportwegen.

Apfelernte (August bis Oktober)

Die Steiermark ist Apfelland Nummer eins in Österreich - rund 70 Prozent der österreichischen Apfelernte wachsen hier. Die Hauptsaison läuft von Ende August bis Ende Oktober. Apfelernte verlangt Schwindelfreiheit (Leiterarbeit) und Ausdauer. Stundenlöhne plus Akkord-Zuschlag sind möglich.

Kürbisernte (August bis Oktober)

Die Steirische Ölkürbisernte ist Saisonhighlight in der Süd- und Oststeiermark. Hier wird mit Maschinen geerntet, der Personalbedarf ist trotzdem hoch - bei der Trocknung, Sortierung und Aufbereitung der Kerne. Die Steirische Kernöl-Produktion arbeitet mit etwa 4.500 Betrieben zusammen.

Anmeldung und Versicherung als Erntehelfer

Wer in der Landwirtschaft als Saisonkraft arbeitet, muss bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) / Landwirtschaftsabteilung angemeldet werden. Anmeldung ist Sache des Arbeitgebers. Wichtige Eckpunkte:

  • Anmeldung vor Arbeitsantritt: elektronisch über die ELDA-Schnittstelle
  • Lohnzettel und Lohnabrechnung: monatlich, mit allen KV-konformen Abrechnungen
  • Krankenversicherung: ab dem ersten Tag der Anmeldung
  • Unfallversicherung: in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung inkludiert
  • Urlaub: aliquote Ansprüche je nach Beschäftigungsdauer

Schwarzarbeit in der Landwirtschaft wird zunehmend kontrolliert. Bei Aufdeckung drohen erhebliche Verwaltungsstrafen für den Betrieb und der Erntehelfer verliert seine Versicherungsansprüche.

Drittstaaten-Saisonarbeitskräfte: Das Kontingent ist knapp

Der heimische Arbeitsmarkt deckt den Erntehelfer-Bedarf seit Jahren nicht mehr ab. Über das Bundes-Saisonkontingent für Drittstaatsangehörige dürfen Saisonarbeitskräfte aus Ländern wie der Ukraine, dem Westbalkan oder Vietnam beschäftigt werden. Das Kontingent wird jährlich per Verordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) festgelegt.

Saisonkontingent Landwirtschaft 2026 Plätze
Stammkontingent Land- und Forstwirtschaft Österreich 2.727
Flexible Plätze für Erntehelfer (nach Konsultation) 288
Steigerung gegenüber 2025 + 4,5 %
Niederösterreich (zum Vergleich, eigene Allokation) 610
Überschreitungsrahmen in Spitzenzeiten + 30 %

Wichtige Änderung 2026: Das frühere eigene Erntehelfer-Kontingent mit 119 Plätzen wurde abgeschafft. Diese Plätze sind ins reguläre Landwirtschafts-Kontingent integriert. Außerdem gilt seit 1. Januar 2026 die Ausweitung der sozialversicherungsfreien kurzfristigen Beschäftigung in landwirtschaftlichen Betrieben auf 90 Tage oder 15 Wochen. Anträge können bis zu vier Monate vor geplantem Beschäftigungsbeginn beim AMS gestellt werden, Beschäftigungsbewilligungen bis drei Monate vorher.

Praktisches Problem: Das Kontingent ist regelmäßig schon im April/Mai für die Hauptsaison verteilt. Betriebe, die zu spät anmelden, müssen entweder selbst werben oder Ernteausfälle in Kauf nehmen. Die Landwirtschaftskammer fordert deshalb seit Jahren weitere Aufstockungen. Wer als Stammsaisonier (registrierte langjährige Arbeitskraft eines Betriebs) angemeldet ist, hat klare Vorteile - die Beschäftigungsbewilligung erfolgt außerhalb des Kontingents ohne Arbeitsmarktprüfung.

Wer als steirischer Schüler oder Student arbeiten will

Für österreichische Inländer, vor allem Schüler ab 15 und Studierende, bieten sich besonders folgende Möglichkeiten:

  • Sommer-Ferialjob auf einem Erdbeer- oder Marillenhof: 2-6 Wochen, oft mit kostenloser Unterkunft am Hof
  • Apfelernte für 4-6 Wochen: ideal als Anschluss an das Studienjahr, kann den September abdecken
  • Buschenschank-Hilfe im Herbst: Erntefeste und Sturm-Saison, oft mit Trinkgeld-Anteil
  • Maschinenring-Vermittlung: regionale Genossenschaften vermitteln Aushilfen flexibel an mehrere Höfe

Der Steirische Landwirtschaftsausschuss schätzt, dass rund 10 Prozent der Erntehelfer in Spezialkulturen Inländer sind - dieser Anteil müsste laut Branche deutlich höher sein, um die Drittstaaten-Abhängigkeit zu reduzieren.

Pragmatische Empfehlungen für Bewerber 2026

  1. Frühzeitig melden: Direkter Kontakt zu Höfen über Maschinenring Steiermark, Landwirtschaftskammer-Stellenbörse oder regionale Anzeigenplattformen.
  2. Geografisch flexibel sein: Wer im südsteirischen Erntegebiet wohnt, hat Vorteile. Wer für sechs Wochen umziehen kann, verdient mehr und kommt zu besseren Höfen.
  3. Vertragslogik klären: Mündliche Zusagen reichen nicht. Schriftlicher Arbeitsvertrag mit Kategorie, Lohn pro Stunde, Arbeitszeiten und Unterkunfts-Bedingungen ist Pflicht.
  4. Saisonal denken: Wer Erdbeere im Juni macht und Kürbis im September dranhängt, kann fast vier Monate durchgehend arbeiten - mit erheblichem Verdienst-Potenzial.

Wirtschaftsfaktor Saisonarbeit

Die steirische Landwirtschaft beschäftigt zur Erntespitze 2026 schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Saisonarbeitskräfte. Der Wert dieser Arbeit für die Wirtschaft des Bundeslands ist erheblich - ohne sie würden steirische Kernölflaschen, Apfelsaft, Marillenmarmelade und Erdbeeren in Supermarktregalen rund um Graz schlicht fehlen. Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie der Steiermark hängt direkt an dieser Arbeitsleistung.

Für viele Familienbetriebe ist Saisonarbeit gleichzeitig die größte Kostenposition nach Pacht, Treibstoff und Maschinen. Steigende Mindestlöhne, knappes Drittstaaten-Kontingent und höhere Versicherungsbeiträge setzen Margen unter Druck. Wer langfristig betrieblich überleben will, automatisiert, kooperiert oder steigt in Direktvermarktung mit höheren Endpreisen ein.

Quellen