Mit dem Erdbeerstart Mitte Mai 2026 beginnt die Saisonarbeit in der steirischen Landwirtschaft. Die wichtigsten Erntefenster: Erdbeere bis Juli, Marille Juni-Juli, Apfel August-Oktober, Kürbis Mitte August bis Ende Oktober. Wer als Erntehelfer mitarbeiten will, verdient nach dem Kollektivvertrag der steirischen Landarbeiter ab 1.864,73 Euro brutto pro Monat für Helfer-Einsteiger und bis 2.172,61 Euro für erfahrene Facharbeiter. Auf die Arbeitsstunde umgerechnet entspricht das einem Brutto-Stundenlohn ab 10,76 Euro für Helfer (1.864,73 / 173,3 Stunden pro Monat). Die jüngste KV-Runde brachte 3,3 Prozent mehr für alle Lohnkategorien. Das österreichweite Saisonkontingent für die Landwirtschaft wurde 2026 auf 2.727 Plätze plus 288 flexible Plätze aufgestockt (plus 4,5 Prozent gegenüber 2025) – dennoch bleibt der Personalmangel ein Dauerthema.
KV-Löhne 2026 in der steirischen Landwirtschaft
Die Landwirtschaftskammer Steiermark hat den Kollektivvertrag für Arbeiterinnen und Arbeiter in bäuerlichen und Gartenbaubetrieben kurz vor Weihnachten 2025 abgeschlossen. Die Löhne wurden um 3,3 Prozent in allen vier Lohnkategorien erhöht. In der Gartenbausparte kam eine neue Kategorie für den „Obergärtner“ dazu.
| Kategorie | Monatslohn 2026 | Tätigkeit |
|---|---|---|
| Helfer ohne Vorkenntnisse | ab 1.864,73 Euro | Pflückarbeit, Stalltätigkeit, einfache Hilfen |
| Angelernte Hilfskraft | ca. 1.950 – 2.000 Euro | spezialisierte Tätigkeiten |
| Facharbeiter | ca. 2.080 – 2.150 Euro | selbstständige Maschinenbedienung |
| Erfahrener Facharbeiter | 2.172,61 Euro | leitende Tätigkeiten, Spezialqualifikation |
| Obergärtner (Gartenbau, NEU) | 2.600,00 Euro | Betriebsleitung im Gartenbau |
Lehrlinge in der Landwirtschaft verdienen 2026 nach KV-Anhebung 800 Euro im ersten Lehrjahr, 910 Euro im zweiten und 1.190 Euro im dritten. Praktikanten erhalten 550 Euro monatlich. Bei Bereitstellung von Unterkunft kann der Lohn nach den Werten der Sachbezugsverordnung des Finanzministeriums entsprechend reduziert werden.
Vier Erntefenster, vier verschiedene Anforderungen
Erdbeerernte (Mai bis Juli)
Steirische Erdbeerbetriebe in der Südoststeiermark, im Vulkanland und um Hartberg suchen meist von Mitte Mai bis Mitte Juli Pflücker. Die Tätigkeit ist körperlich anstrengend – viel Bücken, frühe Aufstehzeiten ab 5 Uhr morgens. Pluspunkt: hohe Stundenzahl möglich, Akkord-Zuschläge bei einigen Betrieben.
Marillenernte (Juni bis Juli)
Die steirische Marillenernte konzentriert sich auf die Südoststeiermark und das Murtal. Hier ist die Saison kurz – oft nur drei bis vier Wochen. Wer in dieser Zeit verfügbar ist, kann ein gutes Zubrot verdienen. Die Marille ist auch eines der gesundheits-relevantesten Heimprodukte mit kurzen Transportwegen.
Apfelernte (August bis Oktober)
Die Steiermark ist Apfelland Nummer eins in Österreich – rund 70 Prozent der österreichischen Apfelernte wachsen hier. Die Hauptsaison läuft von Ende August bis Ende Oktober. Apfelernte verlangt Schwindelfreiheit (Leiterarbeit) und Ausdauer. Stundenlöhne plus Akkord-Zuschlag sind möglich.
Kürbisernte (August bis Oktober)
Die Steirische Ölkürbisernte ist Saisonhighlight in der Süd- und Oststeiermark. Hier wird mit Maschinen geerntet, der Personalbedarf ist trotzdem hoch – bei der Trocknung, Sortierung und Aufbereitung der Kerne. Die Steirische Kernöl-Produktion arbeitet mit etwa 4.500 Betrieben zusammen.
Anmeldung und Versicherung als Erntehelfer
Wer in der Landwirtschaft als Saisonkraft arbeitet, muss bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) / Landwirtschaftsabteilung angemeldet werden. Anmeldung ist Sache des Arbeitgebers. Wichtige Eckpunkte:
- Anmeldung vor Arbeitsantritt: elektronisch über die ELDA-Schnittstelle
- Lohnzettel und Lohnabrechnung: monatlich, mit allen KV-konformen Abrechnungen
- Krankenversicherung: ab dem ersten Tag der Anmeldung
- Unfallversicherung: in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung inkludiert
- Urlaub: aliquote Ansprüche je nach Beschäftigungsdauer
Schwarzarbeit in der Landwirtschaft wird zunehmend kontrolliert. Bei Aufdeckung drohen erhebliche Verwaltungsstrafen für den Betrieb und der Erntehelfer verliert seine Versicherungsansprüche.
Drittstaaten-Saisonarbeitskräfte: Das Kontingent ist knapp
Der heimische Arbeitsmarkt deckt den Erntehelfer-Bedarf seit Jahren nicht mehr ab. Über das Bundes-Saisonkontingent für Drittstaatsangehörige dürfen Saisonarbeitskräfte aus Ländern wie der Ukraine, dem Westbalkan oder Vietnam beschäftigt werden. Das Kontingent wird jährlich per Verordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) festgelegt.
| Saisonkontingent Landwirtschaft 2026 | Plätze |
|---|---|
| Stammkontingent Land- und Forstwirtschaft Österreich | 2.727 |
| Flexible Plätze für Erntehelfer (nach Konsultation) | 288 |
| Steigerung gegenüber 2025 | + 4,5 % |
| Niederösterreich (zum Vergleich, eigene Allokation) | 610 |
| Überschreitungsrahmen in Spitzenzeiten | + 30 % |
Wichtige Änderung 2026: Das frühere eigene Erntehelfer-Kontingent mit 119 Plätzen wurde abgeschafft. Diese Plätze sind ins reguläre Landwirtschafts-Kontingent integriert. Außerdem gilt seit 1. Januar 2026 die Ausweitung der sozialversicherungsfreien kurzfristigen Beschäftigung in landwirtschaftlichen Betrieben auf 90 Tage oder 15 Wochen. Anträge können bis zu vier Monate vor geplantem Beschäftigungsbeginn beim AMS gestellt werden, Beschäftigungsbewilligungen bis drei Monate vorher.
Praktisches Problem: Das Kontingent ist regelmäßig schon im April/Mai für die Hauptsaison verteilt. Betriebe, die zu spät anmelden, müssen entweder selbst werben oder Ernteausfälle in Kauf nehmen. Die Landwirtschaftskammer fordert deshalb seit Jahren weitere Aufstockungen. Wer als Stammsaisonier (registrierte langjährige Arbeitskraft eines Betriebs) angemeldet ist, hat klare Vorteile – die Beschäftigungsbewilligung erfolgt außerhalb des Kontingents ohne Arbeitsmarktprüfung.
Wer als steirischer Schüler oder Student arbeiten will
Für österreichische Inländer, vor allem Schüler ab 15 und Studierende, bieten sich besonders folgende Möglichkeiten:
- Sommer-Ferialjob auf einem Erdbeer- oder Marillenhof: 2-6 Wochen, oft mit kostenloser Unterkunft am Hof
- Apfelernte für 4-6 Wochen: ideal als Anschluss an das Studienjahr, kann den September abdecken
- Buschenschank-Hilfe im Herbst: Erntefeste und Sturm-Saison, oft mit Trinkgeld-Anteil
- Maschinenring-Vermittlung: regionale Genossenschaften vermitteln Aushilfen flexibel an mehrere Höfe
Der Steirische Landwirtschaftsausschuss schätzt, dass rund 10 Prozent der Erntehelfer in Spezialkulturen Inländer sind – dieser Anteil müsste laut Branche deutlich höher sein, um die Drittstaaten-Abhängigkeit zu reduzieren.
Pragmatische Empfehlungen für Bewerber 2026
- Frühzeitig melden: Direkter Kontakt zu Höfen über Maschinenring Steiermark, Landwirtschaftskammer-Stellenbörse oder regionale Anzeigenplattformen.
- Geografisch flexibel sein: Wer im südsteirischen Erntegebiet wohnt, hat Vorteile. Wer für sechs Wochen umziehen kann, verdient mehr und kommt zu besseren Höfen.
- Vertragslogik klären: Mündliche Zusagen reichen nicht. Schriftlicher Arbeitsvertrag mit Kategorie, Lohn pro Stunde, Arbeitszeiten und Unterkunfts-Bedingungen ist Pflicht.
- Saisonal denken: Wer Erdbeere im Juni macht und Kürbis im September dranhängt, kann fast vier Monate durchgehend arbeiten – mit erheblichem Verdienst-Potenzial.
Wirtschaftsfaktor Saisonarbeit
Die steirische Landwirtschaft beschäftigt zur Erntespitze 2026 schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Saisonarbeitskräfte. Der Wert dieser Arbeit für die Wirtschaft des Bundeslands ist erheblich – ohne sie würden steirische Kernölflaschen, Apfelsaft, Marillenmarmelade und Erdbeeren in Supermarktregalen rund um Graz schlicht fehlen. Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie der Steiermark hängt direkt an dieser Arbeitsleistung.
Für viele Familienbetriebe ist Saisonarbeit gleichzeitig die größte Kostenposition nach Pacht, Treibstoff und Maschinen. Steigende Mindestlöhne, knappes Drittstaaten-Kontingent und höhere Versicherungsbeiträge setzen Margen unter Druck. Wer langfristig betrieblich überleben will, automatisiert, kooperiert oder steigt in Direktvermarktung mit höheren Endpreisen ein.
Quellen
- Landwirtschaftskammer Steiermark: Neue Löhne für Landarbeiter 2026
- Kollektivvertrag.at: KV Landwirtschaftsbetriebe Saisonarbeiter
- Landarbeiterkammer: Kollektivverträge im Detail
- LK NÖ: Ausländerbeschäftigung 2026 – Saisonkontingent und neue Regeln
- LK Steiermark: Beschäftigung von Erntehelfern
- Steiermärkische Landarbeiterkammer LAK