Ab dem 1. April 2026 sinkt der Netzarbeitspreis für Strom in Österreich um 20 % – allerdings nur für Haushalte mit einem Smart Meter im Opt-In-Modus. Der sogenannte Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP) gilt von April bis September, täglich zwischen 10 und 16 Uhr. Die Idee: Wenn mittags viel PV-Strom ins Netz fließt, sollen Haushalte ihren Verbrauch in diese Stunden verlagern. Das entlastet das Stromnetz und spart Geld. Für steirische Haushalte mit einem durchschnittlichen Netzarbeitspreis von rund 10 Cent/kWh bedeutet das eine Ersparnis von etwa 2 Cent pro Kilowattstunde im Rabattfenster.
So funktioniert der Sonnenrabatt
Der SNAP reduziert den verbrauchsabhängigen Teil des Netzentgelts – den Netzarbeitspreis. Grundentgelte, Messpreise und staatliche Abgaben bleiben unverändert. Die Rechtsgrundlage bildet die SNE-V 2018 Novelle 2026 der Regulierungsbehörde E-Control.
Wer den Rabatt nutzen will, braucht zwei Voraussetzungen. Erstens: einen Smart Meter auf Netzebene 7 (normaler Haushaltsanschluss). Zweitens: die aktivierte Viertelstundenmessung (Opt-In). Nur dann kann der Netzbetreiber den Verbrauch zeitgenau zuordnen. Ein verbauter Smart Meter allein reicht nicht. Ohne Opt-In kein Rabatt.
Das Opt-In kann online über das Kundenportal des Netzbetreibers aktiviert werden. In der Steiermark ist das in der Regel die Energienetze Steiermark oder der städtische Netzbetreiber. Die Benötigten Daten (Zählpunktnummer, Kundennummer) finden sich auf der Stromrechnung. Nach der Aktivierung wird der SNAP automatisch verrechnet – kein separater Antrag nötig.
| SNAP-Detail | Regelung |
|---|---|
| Rabatthöhe | 20 % auf den Netzarbeitspreis |
| Zeitfenster | Täglich 10:00 – 16:00 Uhr |
| Gültigkeitszeitraum | 1. April – 30. September (jährlich) |
| Voraussetzung | Smart Meter mit Opt-In (Viertelstundenmessung) |
| Ersparnis pro kWh | Ca. 2 Cent (abhängig vom Netzbetreiber) |
| Antrag nötig? | Nein – automatisch nach Opt-In |
Warum der SNAP eingeführt wird
Österreich hat in den letzten Jahren massiv in Photovoltaik investiert. An sonnigen Tagen produzieren PV-Anlagen mittags mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann. Gleichzeitig ist der Verbrauch in dieser Zeit niedrig – viele Haushalte kochen abends und nutzen Geräte am Morgen oder Abend. Das führt zu Netzüberlastungen und verschwendetem Sonnenstrom.
Der SNAP setzt einen finanziellen Anreiz, den Verbrauch in die sonnigen Mittagsstunden zu verlagern. Wer die Waschmaschine um 11 Uhr statt um 19 Uhr startet, zahlt weniger Netzgebühren. Das stabilisiert das Netz und nutzt den verfügbaren PV-Strom besser. Die Energiebranche in der Steiermark unterstützt diesen Ansatz.
Was steirische Haushalte konkret sparen
Im Durchschnitt fallen rund 15 % des Stromverbrauchs in das SNAP-Zeitfenster. Wer Geräte gezielt umschichtet, kann diesen Anteil auf 25 bis 30 % steigern. Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh und einem Netzarbeitspreis von 10 Cent/kWh ergibt sich folgende Rechnung:
Ohne SNAP: 3.500 kWh x 10 Cent = 350 Euro Netzarbeitspreis. Mit SNAP bei 25 % Verlagerung: 875 kWh x 8 Cent + 2.625 kWh x 10 Cent = 70 + 262,50 = 332,50 Euro. Ersparnis: 17,50 Euro pro Saison. Klingt wenig, addiert sich aber über die Jahre – und steigt mit höherem Verbrauch (Wärmepumpe, E-Auto-Laden).
Besonders profitieren Haushalte mit Photovoltaikanlage. Wer eigenen Sonnenstrom erzeugt und gleichzeitig den Netzbezug in die SNAP-Stunden konzentriert, spart doppelt: durch Eigenverbrauch und durch den reduzierten Netzpreis bei eventuellem Zukauf. Die Wohnbauförderung der Steiermark unterstützt PV-Installationen bei Sanierungen.
Praktische Tipps: So nutzen Steirer den SNAP optimal
Waschmaschine und Geschirrspüler auf 10 bis 16 Uhr vorprogrammieren. Die meisten modernen Geräte haben eine Startzeitvorwahl. E-Auto laden in der Mittagspause statt über Nacht – sofern eine Wallbox am Arbeitsplatz oder zu Hause vorhanden ist. Wärmepumpe mit Pufferspeicher gezielt auf Mittagsbetrieb programmieren. Und: Im Grazer Umfeld Smart Meter Opt-In über das Portal der Energienetze Steiermark aktivieren.
Die Arbeiterkammer Steiermark empfiehlt den SNAP als eine von mehreren Maßnahmen zur Stromkostensenkung. In Kombination mit einem Anbieterwechsel beim Energiepreis und dem neuen Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte lassen sich die Gesamtstromkosten 2026 deutlich reduzieren.
ElWG als rechtliche Grundlage
Der SNAP basiert auf dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), das am 1. Jänner 2026 in Kraft trat. Es löst das über 15 Jahre alte ElWOG-2010 ab und bringt zahlreiche Modernisierungen für den Strommarkt. Eine zentrale Neuerung: Alle Netzbetreiber sind verpflichtet, Smart Meter auf die Übermittlung von Viertelstundenwerten umzustellen. Das ist die technische Voraussetzung für den SNAP.
Die Umstellung erfolgt schrittweise. Im ersten Schritt werden Kunden mit über 5.000 kWh Jahresverbrauch oder mit Wärmepumpe, Ladepunkt oder Erzeugungsanlage umgestellt. Im zweiten Schritt folgen Haushalte mit 1.500 bis 5.000 kWh. Wer früher umsteigen möchte, kann das jederzeit im Smart-Meter-Webportal des Netzbetreibers tun.
Kunden behalten das Recht auf Opt-Out – also die Möglichkeit, die Viertelstundenmessung abzulehnen. In diesem Fall wird der Verbrauch weiterhin in Monatswerten erfasst. Der SNAP-Rabatt entfällt dann allerdings. Die Energienetze Steiermark informieren betroffene Haushalte schriftlich über die Umstellung und die Opt-In-Möglichkeit.
Ab 1. Jänner 2027 wird die Viertelstundenmessung für fast alle Haushalte vorgeschrieben. Wer bis dahin nicht aktiv widerspricht (Opt-Out), wird automatisch umgestellt. Der SNAP wird dann für deutlich mehr steirische Haushalte verfügbar sein.
Dynamische Tarife und SNAP – die Kombination
Besonders interessant wird der SNAP in Kombination mit dynamischen Stromtarifen. Anbieter wie Tibber oder aWATTar koppeln den Energiepreis an den stündlichen Börsenstrompreis. An sonnigen Mittagen sinkt der Börsenstrompreis oft auf 5 bis 8 Cent/kWh – gleichzeitig greift der 20-%-Rabatt auf das Netzentgelt. Wer beide Effekte nutzt, zahlt für Mittagsstrom deutlich weniger als für Nachtstrom.
Für steirische Haushalte mit Wärmepumpe ist das besonders relevant. Eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher kann gezielt in den SNAP-Stunden heizen und die Wärme für den Abend speichern. Bei einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh für die Wärmepumpe und einem Verlagerungspotenzial von 40 % ergibt sich eine Netzkosten-Ersparnis von rund 40 Euro pro Saison. Kombiniert mit einem günstigen dynamischen Tarif steigt die Ersparnis auf 80 bis 100 Euro.
Was Steirer jetzt tun sollten
Die drei konkreten Schritte für steirische Haushalte: Erstens, den Smart Meter Opt-In aktivieren. Das geht online über das Portal der Energienetze Steiermark in wenigen Minuten. Die benötigte Zählpunktnummer steht auf der Stromrechnung. Zweitens, energieintensive Geräte auf 10 bis 16 Uhr programmieren: Waschmaschine, Geschirrspüler, Trockner. Drittens, den Energiepreis vergleichen: Der SNAP senkt die Netzkosten, aber der größte Hebel bleibt der Anbieterwechsel beim Energiepreis (rund 40 % der Gesamtrechnung).
Die Netzentgelte in der Steiermark liegen im oberen Drittel des österreichischen Vergleichs – umso wichtiger ist jede Einsparung. Die Energienetze Steiermark investieren massiv in den Netzausbau für PV, Wärmepumpen und E-Ladeinfrastruktur. Von 2025 bis 2029 fließen über 2 Milliarden Euro in die steirische Energieinfrastruktur. Der SNAP ist ein Baustein, um diese Investitionen effizient zu nutzen – und steirische Haushalte am Sonnenstrom-Boom teilhaben zu lassen.
Der Sonnenrabatt ist kein revolutionäres Sparprogramm – aber ein erster Schritt zu einem intelligenteren Stromsystem. Wer sein Verbrauchsverhalten anpasst, profitiert. Wer nicht reagiert, zahlt den vollen Netzpreis. Die Aktivierung des Opt-In ist kostenlos und unverbindlich. Steirische Konsumenten sollten die Gelegenheit nutzen – gerade jetzt, wo die Sonne scheint und der Rabatt greift.
Die E-Control rechnet mit einer breiten Nutzung des SNAP ab dem zweiten Halbjahr 2026, wenn die automatische Smart-Meter-Umstellung weiter fortschreitet. Für die steirische Energiewirtschaft ist der SNAP ein wichtiger Impuls: Er motiviert Haushalte, sich aktiv mit ihrem Stromverbrauch auseinanderzusetzen und die Vorteile der Digitalisierung im Energiebereich zu nutzen.
Steirische Haushalte mit durchschnittlich 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlen rund 330 Euro Netzentgelte. Der SNAP reduziert diese Kosten im Sommerhalbjahr spürbar – vorausgesetzt, der Smart Meter ist auf Opt-In gestellt und der Verbrauch wird gezielt verlagert.