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Styriarte 2026 in Graz: Programm, Spielstätten und Tickets zum Klassik-Festival

Einen Monat lang verwandelt sich Graz jeden Sommer in eine Bühne für klassische Musik auf Weltniveau. Die Styriarte, 1985 für den Dirigenten Nikolaus Harnoncourt gegründet, ist das wichtigste Klassik-Festival der Steiermark – und 2026 feiert sie unter dem Motto „Licht Spiele“ das Lebenselixier Licht. Vom 26. Juni bis 26. Juli erklingen 65 Aufführungen aus 32 Projekten, vom barocken Kirchenkonzert bis zur monumentalen Mahler-Symphonie, in historischen Sälen, Schlössern und sogar auf einem Berggipfel. Dieser Leitfaden bündelt alles für Ihren Festivalbesuch: Termin, Programm-Highlights, Spielstätten, Tickets und die Geschichte hinter dem Festival – und ordnet ein, was die Styriarte für die Kulturstadt Graz bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze: Die Styriarte 2026 läuft von 26. Juni bis 26. Juli 2026 in Graz und Umgebung, in ihrer 42. Ausgabe unter dem Motto „Licht Spiele“. Auf dem Programm stehen 65 Aufführungen aus 32 Projekten – Höhepunkte sind Mahlers Auferstehungssymphonie, Haydns Schöpfung, Mozarts Zauberflöte als Picknickkonzert und das Finale mit Jordi Savall. Karten gibt es über das Kartenbüro im Palais Attems; für unter 27-Jährige um 50 Prozent ermäßigt. Stand: Juni 2026.

Inhalt:

Termin, Motto und Eröffnung

Die 42. Styriarte findet von 26. Juni bis 26. Juli 2026 statt – rund einen Monat lang, mitten im steirischen Sommer. Das Motto lautet „Licht Spiele“: Das Festival spannt den Bogen von hellen bis dunklen Klangwelten und macht das Licht in all seinen Facetten zum roten Faden, vom Sonnenaufgang über die Aufklärung bis zur Erlösung aus der Finsternis. Mit 65 Aufführungen aus 32 Projekten ist das Programm vielfältiger als je zuvor.

Eröffnet wird die Styriarte am 26. Juni im prächtig illuminierten Palais Attems in der Grazer Sackstraße – ein „Einleuchten“, wie es das Festival programmatisch nennt. Künstlerischer Kopf und Intendant ist seit vielen Jahren Mathis Huber, der dem Festival sein unverwechselbares Profil zwischen historischer Aufführungspraxis, klugen Themen und Spielfreude gegeben hat.

Bemerkenswert ist die Dichte des Programms: An fast jedem der gut dreißig Festivaltage gibt es Konzerte, viele Produktionen werden mehrfach gespielt. Das gibt Besuchern die Freiheit, ihr eigenes Festival zusammenzustellen – vom einzelnen Abend bis zum mehrtägigen Klassik-Marathon. Genau diese Mischung aus großem Bogen und feiner Verästelung hat der Styriarte über vier Jahrzehnte einen Ruf weit über die Steiermark hinaus verschafft und zieht Jahr für Jahr Gäste aus dem In- und Ausland an. Für viele Stammbesucher ist die Styriarte ein fixer Sommertermin, den sie schon Monate vorher mit Hotel und mehreren Konzerten an aufeinanderfolgenden Tagen einplanen – das Festival ist damit das kulturelle Herzstück des Grazer Sommers.

Die Programm-Highlights 2026

Das Thema Licht zieht sich durch alle großen Produktionen. Drei Schlüsselwerke kreisen um das Motiv „Licht über Dunkelheit“, dazu kommen mythische Lichtgestalten und ein Finale von Weltrang:

  • Mahlers „Auferstehungssymphonie“ (16./17. Juli): Mahlers monumentale 2. Symphonie unter Mei-Ann Chen, gemeinsam mit dem Styriarte Youth Orchestra – einer der emotionalen Mittelpunkte des Festivals.
  • Haydns „Die Schöpfung“ (7./8. Juli): das große Oratorium über die Entstehung von Licht und Welt in der Helmut-List-Halle, dirigiert von Patrick Hahn.
  • Mozarts Requiem (11./12. Juli): als Kirchenkonzert in Stainz, dort, wo die Akustik dem Werk eine besondere Tiefe gibt.
  • Mozarts „Zauberflöte“ (28. Juni): als sommerliches Picknickkonzert in einer Harmoniemusik-Fassung – leicht, hell und gesellig.
  • „Sun God – Sun King“: die mythischen und historischen Dimensionen des Lichts, vom aztekischen Sonnengott Huitzilopochtli im Musiktheater Xochiyaoyotl (2./3. Juli) bis zu den glänzenden Huldigungen an den Sonnenkönig Ludwig XIV.
  • Das Finale mit Jordi Savall (26. Juli): der Doyen der Alten Musik beschließt das Festival mit Charpentiers strahlendem „Te Deum“.
  • Sonnenaufgang am Schöckl (26. Juli): ein musikalischer Sonnenaufgang auf dem Grazer Hausberg – Festivalromantik, wie es sie nur hier gibt.

Dazu kommen Kammermusik und Soloabende wie das Klavierrezital von Bernd Glemser mit Liszt-Arrangements, Vokalensembles von Weltrang wie Voces8 und der Arnold Schoenberg Chor sowie eigene Kindertheater-Produktionen, die das Festival schon für die Jüngsten öffnen. Die Bandbreite reicht damit vom intimen Liederabend bis zur Großproduktion mit Chor und Orchester.

Verbindendes Element ist die Dramaturgie des Lichts: Viele Werke führen aus der Dunkelheit ins Helle – vom Chaos zur geordneten Schöpfung bei Haydn, vom Tod zur Auferstehung bei Mahler, von der Trauer des Requiems zur strahlenden Apotheose im Te-Deum-Finale von Jordi Savall. Diese Klammer macht aus den Einzelkonzerten einen großen Bogen, den man über das ganze Festival hinweg verfolgen kann – und gibt selbst bekannten Werken einen frischen Deutungsrahmen.

Formal deckt das Festival die ganze Breite ab: groß besetzte Orchester- und Chorkonzerte, Musiktheater, Kammermusik und Soloabende, geistliche Musik in Kirchen und Stiften, Alte Musik auf historischen Instrumenten sowie Open-Air- und Kinderprogramme. Diese Vielfalt ist gewollt – sie erlaubt es, ein Thema wie das Licht aus vielen Richtungen zu beleuchten, vom barocken Te Deum bis zur spätromantischen Symphonie. Wer das volle Festival erleben will, mischt am besten ein großes Orchesterwerk, ein intimes Kammerkonzert und ein Picknickkonzert.

Spielplan 2026 im Überblick

Die wichtigsten Termine der Styriarte 2026 auf einen Blick. Es handelt sich um die zentralen Konzerte und Projekte; den vollständigen Spielplan mit allen 65 Aufführungen veröffentlicht die Styriarte auf ihrer Website, wo sich die Konzerte auch direkt buchen lassen.

Datum Konzert / Projekt Spielstätte
26. Juni Festivaleröffnung (Mathis Huber) Palais Attems
27. Juni Arnold Schoenberg Chor: Ligetis Lux aeterna
28. Juni Mozarts Zauberflöte (Picknickkonzert) Schloss Eggenberg
29. Juni Voces8: vier Jahrhunderte Vokalmusik
1.-3. Juli Pa-Pa-Papageno (Mozart für Kinder)
2./3. Juli Xochiyaoyotl (Musiktheater, Azteken-Sonnengott)
7./8. Juli Haydns Schöpfung (Patrick Hahn) Helmut-List-Halle
10. Juli Romantische Nacht: Birgit Minichmayr & Confringo Klavierquartett Helmut-List-Halle
11./12. Juli Mozart Requiem Pfarrkirche Stainz
11./12. Juli Vom kleinen Maulwurf (Kindertheater)
13. Juli François Lazarevitch: Tribut an Ludwig XIV.
16./17. Juli Mahlers 2. Auferstehungssymphonie (Mei-Ann Chen, Styriarte Youth Orchestra)
26. Juli Musikalischer Sonnenaufgang Schöckl
26. Juli Finale: Jordi Savall – Charpentiers Te Deum

Maßgeblich ist immer der offizielle Spielplan auf styriarte.com – Termine, Besetzungen und Spielstätten können sich ändern.

Die Spielstätten

Ein Teil des Reizes liegt in den außergewöhnlichen Orten. Die Styriarte bespielt nicht einen Konzertsaal, sondern eine ganze Region:

  • Helmut-List-Halle: 2003 musikalisch eröffnet, ein akustisch herausragender, flexibler Raum für große Werke – das moderne Herz des Festivals.
  • Stefaniensaal: einer der schönsten Konzertsäle der Welt, 1908 mit Beethovens Neunter eröffnet und seit über hundert Jahren erste Adresse für sinfonische Musik in Graz.
  • Minoritensaal und Palais Attems: historische Säle in der Grazer Altstadt für Kammermusik und Eröffnung.
  • Schloss Eggenberg: das UNESCO-Welterbe am Stadtrand, mit dem prunkvollen Planetensaal und sommerlichen Picknickkonzerten im Park.
  • Stainz: Pfarrkirche und Schloss in der Weststeiermark, traditioneller Ort für Kirchen- und Haydn-Konzerte.
  • Stift Vorau: das Augustiner-Chorherrenstift im Oststeirischen für geistliche Musik.
  • Pöllauer Teich und Schöckl: Naturschauplätze, an denen sich Musik und Landschaft verbinden.

Die beiden Grazer Hauptspielstätten könnten unterschiedlicher kaum sein. Die Helmut-List-Halle ist eine zur Konzerthalle umgebaute Industriehalle im Süden der Stadt – nüchtern, wandelbar und akustisch hervorragend, ideal für große Besetzungen und ungewöhnliche Inszenierungen. Der Stefaniensaal im Congress Graz dagegen ist ein Prunksaal aus der Habsburgerzeit, 1908 mit Beethovens Neunter eröffnet, mit goldenem Stuck und festlicher Atmosphäre. Im Stift Vorau wiederum erklingt die Musik in einem barocken Sakralraum mit jahrhundertealter Bibliothek. Jeder Saal erzählt seine eigene Geschichte mit.

Diese Mischung aus akustisch perfekten Sälen, barocken Schlössern und Naturkulissen macht jeden Konzertbesuch auch zu einem kleinen Ausflug – und unterscheidet die Styriarte von einem reinen Saalfestival.

Schloss Eggenberg: ein Schloss aus Licht und Zahlen

Kein Ort passt besser zum Lichtthema 2026 als Schloss Eggenberg, seit 2010 Teil des UNESCO-Welterbes. Das ab 1625 für Hans Ulrich von Eggenberg errichtete Barockschloss ist ein in Stein gebauter Kalender: Es hat 365 Außenfenster, so viele wie das Jahr Tage zählt. Die 24 Prunkräume im zweiten Stock stehen für die Stunden des Tages und sind symmetrisch in eine Tag- und eine Nachthälfte geteilt; je Stockwerk gibt es 31 Räume für die maximale Zahl der Tage eines Monats, und im zweiten Stock zählt man 52 Fenster für die Wochen des Jahres.

Höhepunkt ist der Planetensaal, vollendet 1685. Der Maler Hans Adam Weissenkircher ordnete darin die sieben damals bekannten Himmelskörper den Wochentagen, römischen Göttern, Metallen und Mitgliedern der Eggenberger Familie zu; an den Wänden vervollständigen die zwölf Tierkreiszeichen das astronomische Zahlenspiel. Wer hier ein Styriarte-Konzert über Sonne, Licht und kosmische Ordnung hört, erlebt Programm und Raum als Einheit – das ist Festivaldramaturgie, die über die reine Musik hinausgeht.

Geschichte: Harnoncourts Erbe

Die Styriarte wurde 1985 aus einem klaren Anlass gegründet: Man wollte den aus Graz stammenden Dirigenten Nikolaus Harnoncourt mit einem eigenen Festival in seine Heimatstadt zurückholen. Das erste Programm war ganz Johann Sebastian Bach gewidmet, gespielt vom Concentus Musicus unter Harnoncourts Leitung. Damit war der Ton gesetzt: historische Aufführungspraxis, Werktreue und die Lust, alte Musik neu und lebendig klingen zu lassen.

Harnoncourt war einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Schon 1953 hatte er mit seiner Frau Alice und Kollegen aus den Wiener Symphonikern den Concentus Musicus Wien gegründet, ein Ensemble, das konsequent auf historischen Instrumenten spielte. Über vier Jahre lang probte die Gruppe, ehe sie 1957 ihr Debüt gab. Damit wurde Harnoncourt zum Wegbereiter der historischen Aufführungspraxis – jener Bewegung, die Barock und Klassik mit den Klangmitteln ihrer Entstehungszeit neu zum Leben erweckte. Sein Credo, die Musik jeder Epoche lasse sich am besten mit den Mitteln ihrer Zeit erwecken, wurde zur DNA der Styriarte.

Getragen wird das Programm von eigenen Klangkörpern: Das hauseigene Orchester recreation – Großes Orchester Graz deckt das klassische und romantische Repertoire ab, für die Alte Musik kommen spezialisierte Originalklang-Ensembles zum Einsatz, und das Styriarte Youth Orchestra bindet junge Musikerinnen und Musiker ein, etwa bei Mahlers Auferstehungssymphonie 2026. So verbindet das Festival Weltstars mit dem eigenen Nachwuchs.

Harnoncourt trug das Festival mit Leidenschaft und Präzision von 1985 bis zu seinem Tod im Jahr 2016. Er prägte einen Stil, der die Styriarte bis heute auszeichnet – die Verbindung aus wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit und purer Musizierfreude. In seiner Nachfolge führt der kolumbianische Dirigent Andrés Orozco-Estrada, eng mit dem Festival und dem hauseigenen Orchester recreation – Großes Orchester Graz verbunden, das Erbe weiter. 2025 feierte das Festival sein 40-jähriges Bestehen – 2026 ist es bereits die 42. Ausgabe.

Dass ein Festival, das einst für einen einzelnen Dirigenten gegründet wurde, dessen Tod überdauert und weiter wächst, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Styriarte hat es geschafft, Harnoncourts Haltung in eine Institution zu überführen, ohne museal zu werden – getragen von einem treuen Stammpublikum und immer neuen Gästen, die das wechselnde Jahresthema neu anlockt. Genau darin liegt das Erfolgsrezept: Tradition als lebendige Praxis, nicht als Konservierung.

Was die Styriarte besonders macht

Drei Dinge unterscheiden die Styriarte von vielen anderen Sommerfestivals. Erstens die thematische Klammer: Jede Ausgabe steht unter einem Motto, das Programm, Werke und Orte zu einer Erzählung verbindet – 2026 eben das Licht. Das macht aus einer Konzertreihe ein durchkomponiertes Festival. Zweitens die historische Aufführungspraxis in der Tradition Harnoncourts: Alte Musik wird nicht museal, sondern frisch und sprechend musiziert, oft auf historischen Instrumenten. Drittens die Mischung aus Anspruch und Zugänglichkeit: Neben den großen Orchesterabenden gibt es lockere Picknickkonzerte im Schlosspark, Kindertheater, Konzerte unter freiem Himmel und Programme an außergewöhnlichen Naturschauplätzen.

Die Picknickkonzerte sind zu einem Markenzeichen geworden: leichte, oft heitere Programme, bei denen das Publikum mit Decke und Korb im Grünen sitzt statt im dunklen Saal. Sie sind der ideale Einstieg für alle, die Klassik bisher nur vom Hörensagen kennen – und ein Beleg dafür, dass das Festival hohe Kunst und gute Laune nicht als Gegensatz versteht.

Tickets, Preise und Abos

Die Karten sind in Preiskategorien gestaffelt, je nach Konzert und Platz. Wer flexibel oder jung ist, fährt deutlich günstiger:

  • Ermäßigung 50 Prozent: für alle unter 27 Jahren sowie für Studierende der Universität Graz bis 30 – eine der großzügigsten Jugendregelungen unter den großen Festivals.
  • Abonnements: Über Genre-Abos sparen Sie bis zu 20 Prozent gegenüber Einzelkarten. Das Restplatzabo für Spontane gibt es in zwei Varianten – 5 Konzerte um 72 Euro oder 8 Konzerte um 96 Euro.
  • Stammabonnenten erhalten zusätzlich 10 Prozent Rabatt auf bis zu zwei Karten ausgewählter Konzerte.

Gekauft oder reserviert wird im Kartenbüro im Palais Attems, Sackstraße 17, 8010 Graz, über den Online-Shop (außer Abos), telefonisch unter +43 316 825 000 oder per E-Mail an tickets@styriarte.com. Das Kartenbüro hat werktags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Weil beliebte Konzerte – allen voran die großen Orchesterabende – früh ausverkauft sind, lohnt sich die rechtzeitige Bestellung. Spontane setzen auf das Restplatzabo oder fragen kurz vor dem Konzert nach Restkarten.

Der Vorverkauf startet üblicherweise im Herbst oder Winter davor, sodass die Karten für den Sommer rechtzeitig erhältlich sind. Wer auf bestimmte Konzerte fixiert ist, sollte gleich zu Verkaufsbeginn zugreifen; flexible Besucher profitieren von Abos und Restkarten. Familien kombinieren Kindertheater und Picknickkonzerte oft zu einem günstigen Programm, weil dort die Ermäßigungen am stärksten greifen. Den genauen Spielplan mit allen Terminen und Besetzungen veröffentlicht die Styriarte auf ihrer Website, wo sich die einzelnen Konzerte auch direkt buchen lassen.

Anreise und Praktisches

Die meisten Spielstätten liegen in der Grazer Innenstadt und sind zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bestens erreichbar – Helmut-List-Halle, Stefaniensaal, Minoritensaal und Palais Attems sind nur wenige Gehminuten oder eine kurze Tramfahrt voneinander entfernt. Schloss Eggenberg erreichen Sie mit der Straßenbahnlinie 1 oder der S-Bahn bis zur Station Graz Don Bosco. Für die auswärtigen Schauplätze in Stainz, Vorau oder am Schöckl ist das Auto die praktischste Wahl, einige Konzerte werden mit Bus-Transfers ab Graz angeboten.

Ein paar Hinweise für den Abend: Die Kleiderordnung ist gepflegt, aber nicht streng – festlich-leger genügt. Für die Picknickkonzerte in Eggenberg dürfen Decke und Korb mit, hier ist die Stimmung bewusst entspannt. Wer von weiter anreist, verbindet den Konzertbesuch gut mit einem Aufenthalt in Graz: Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe, und vor oder nach dem Konzert lädt die dichte Gastronomie der Stadt zum Verweilen ein. Tipp für Sommerabende: Die Freibäder der Region und andere Sommerveranstaltungen lassen sich gut mit einem Festivalbesuch kombinieren.

Die Styriarte als Kulturfaktor für Graz

Die Styriarte ist weit mehr als ein Sommervergnügen für Klassikfreunde – sie ist ein Aushängeschild der Kulturstadt Graz. Über einen ganzen Monat zieht das Festival ein internationales Publikum in die Stadt, füllt Säle, Hotels und Lokale und stärkt den Ruf von Graz als Musik- und Kulturdestination. Graz, seit 2011 UNESCO City of Design und Stadt mit einer der größten erhaltenen Altstädte Mitteleuropas, verzeichnete 2023 fast 1,3 Millionen Nächtigungen und damit einen Rekord – getragen wesentlich vom Kultur- und Städtetourismus, der Rückgänge im Geschäfts- und Kongressbereich mehr als ausgeglichen hat.

Die Styriarte steht dabei nicht allein. Graz war 2003 Kulturhauptstadt Europas und trägt seit 2011 den Titel UNESCO City of Design – die Stadt hat sich eine dichte Festivallandschaft aufgebaut, vom avantgardistischen steirischen herbst über das Straßenkunstfestival La Strada bis zum Filmfestival Diagonale. In diesem Reigen ist die Styriarte das große klassische Sommerformat, das die warme Jahreszeit kulturell besetzt. Solche Veranstaltungen zahlen doppelt ein: über die unmittelbare Wertschöpfung bei Hotels, Gastronomie und Handel und über den Imagegewinn, der Graz als Kulturdestination weit über die Festivalwochen hinaus attraktiv hält.

Für die Regionen West- und Oststeiermark hat das einen angenehmen Nebeneffekt: Weil die Styriarte bewusst auch außerhalb von Graz spielt – in Stainz, Vorau oder am Pöllauer Teich -, fließt ein Teil des Publikums in Orte, die sonst seltener im Rampenlicht stehen. Hochkultur wird so zum sanften Tourismusmotor für den ländlichen Raum, ähnlich wie die großen Sportevents im Murtal. Übernachtungen, Gastronomie und Ortsbild profitieren von Konzertbesuchern, die ohne das Festival kaum den Weg in diese Dörfer fänden.

In dieses Bild fügt sich die Styriarte als hochwertiger Ankerpunkt: Sie verlängert die Sommersaison, verteilt Publikum auch in die Regionen Weststeiermark und Oststeiermark und positioniert die Steiermark als Land der Festivals. Wie die meisten großen Kulturveranstaltungen wird sie öffentlich gefördert – von Land Steiermark, Stadt Graz und Bund -, weil Kultur dieser Größenordnung sich nicht allein über den Kartenverkauf trägt. Der Gegenwert liegt in der Wertschöpfung rund um das Festival und im Imagegewinn für den Standort, ähnlich wie die Großevents des Sports die Region prägen – ein Effekt, den wir auch beim Wirtschaftsfaktor Formel 1 in Spielberg beschrieben haben. Mehr zur wirtschaftlichen Dynamik des Großraums lesen Sie in unserem Beitrag zur Wirtschaft in Graz-Umgebung.

Tipps für den Festivalbesuch

  • Früh buchen für die Höhepunkte: Die großen Orchester- und Chorabende (Mahler, Haydn, das Savall-Finale) sind regelmäßig zuerst weg.
  • Restplatzabo für Spontane: 5 Konzerte um 72 Euro sind ein günstiger Einstieg, wenn man sich nicht früh festlegen will.
  • Jung und günstig: Unter 27 zahlen Sie die Hälfte – ein Argument, auch unbekanntere Programme auszuprobieren.
  • Picknickkonzert als Einstieg: Wer den klassischen Konzertsaal bisher gemieden hat, beginnt am besten mit einem lockeren Picknickkonzert in Eggenberg.
  • Mit dem Graz-Aufenthalt verbinden: Altstadt, Schlossberg und die Spielstätten liegen nah beieinander – ein Festivalwochenende lässt sich ideal als Städtetrip planen.
  • Quartier in der Innenstadt: Wer zentral wohnt, erreicht die meisten Spielstätten zu Fuß und hat nach einem späten Konzert keine Anfahrt. In den Festivalwochen früh buchen.
  • Zeit für Pausen einplanen: Die Grazer Kaffeehäuser und die Gastronomie der Altstadt gehören zum Festivaltag dazu – ein Konzertbesuch in Graz ist immer auch ein Stadterlebnis.

Häufige Fragen zur Styriarte 2026

Wann findet die Styriarte 2026 statt?
Von 26. Juni bis 26. Juli 2026 in Graz und in der Steiermark, in der 42. Ausgabe unter dem Motto „Licht Spiele“.

Was kostet eine Karte für die Styriarte?
Die Preise sind nach Konzert und Platzkategorie gestaffelt. Unter 27-Jährige und Studierende der Uni Graz bis 30 zahlen die Hälfte. Über Abos spart man bis zu 20 Prozent, das Restplatzabo gibt es ab 72 Euro für fünf Konzerte.

Wo finden die Konzerte statt?
Vor allem in Graz (Helmut-List-Halle, Stefaniensaal, Minoritensaal, Palais Attems, Schloss Eggenberg), dazu an Spielstätten wie Stainz, Stift Vorau und am Schöckl.

Wer war Nikolaus Harnoncourt?
Der aus Graz stammende Dirigent und Pionier der historischen Aufführungspraxis, für den die Styriarte 1985 gegründet wurde. Er prägte das Festival bis zu seinem Tod 2016.

Wie kaufe ich Tickets?
Im Kartenbüro im Palais Attems (Sackstraße 17, 8010 Graz), über den Online-Shop, telefonisch unter +43 316 825 000 oder per E-Mail an tickets@styriarte.com.

Was bedeutet das Motto „Licht Spiele”?
Das Festival 2026 macht das Licht in all seinen Facetten zum Thema – von hellen bis dunklen Klangwelten, von Haydns Schöpfung bis zu den Huldigungen an den Sonnenkönig.

Was ist das Besondere an der Styriarte?
Sie verbindet ein jährliches Leitthema, die historische Aufführungspraxis in der Tradition Nikolaus Harnoncourts und außergewöhnliche Spielstätten – von der Helmut-List-Halle bis zum UNESCO-Welterbe Schloss Eggenberg.

Gibt es Konzerte für Kinder und Familien?
Ja. Die Styriarte bietet eigene Kindertheater-Produktionen und lockere Picknickkonzerte im Grünen, die sich gut für den Einstieg mit Kindern eignen.

Wie lange dauert das Festival?
Einen ganzen Monat, von 26. Juni bis 26. Juli 2026, mit Konzerten an fast jedem Tag an wechselnden Spielstätten.

Kann man die Styriarte mit einem Graz-Besuch verbinden?
Sehr gut. Die meisten Spielstätten liegen in oder nahe der UNESCO-Welterbe-Altstadt, sodass sich Konzertbesuch und Städtetrip ideal verbinden lassen.

Quellen

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