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Metaller-KV ab 1. November 2026: 2,1 Prozent mehr – was der Abschluss für steirische Industrie bedeutet

Am 1. November 2026 steigen die Kollektivvertragslöhne in der Metalltechnischen Industrie um 2,1 Prozent, die tatsächlich ausbezahlten Ist-Löhne um 1,9 Prozent. Damit treten die zweite Stufe des Mehrjahres-Abschlusses in Kraft, den die Sozialpartner bereits am 22. September 2025 ausverhandelt haben. Für die steirische Industriebasis – von Voestalpine Kapfenberg über AVL List bis Magna Steyr Graz – ist das eine planbare Größe in einem ansonsten unruhigen Konjunkturumfeld. Mehr als 200.000 Beschäftigte österreichweit sind betroffen, allein in der Steiermark arbeiten rund 30.000 Menschen unter diesem Kollektivvertrag.

Die wichtigsten Eckwerte des Abschlusses

Der Mehrjahres-Abschluss läuft über zwei Stufen. Bereits am 1. November 2025 stiegen die KV-Löhne um 2,0 Prozent, die Ist-Löhne um 1,41 Prozent. Die Erhöhung 2026 baut darauf auf:

Position ab 1.11.2025 ab 1.11.2026
KV-Mindestlöhne und -gehälter + 2,00 % + 2,10 %
Ist-Einkommen (tatsächliche Löhne) + 1,41 % + 1,90 %
Lehrlingsentschädigungen + 2,00 % + 2,10 %
Nacht- und Drittschichtzulage + 7,54 % + 7,01 %

Auffällig ist die Differenz zwischen KV-Wert und Ist-Wert. Sie ist gewollt: Wer im Betrieb bereits über dem KV-Mindesteinkommen liegt, bekommt 2026 0,2 Prozentpunkte weniger als reine Mindestlohn-Bezieher. Diese KV/Ist-Schere ist ein klassisches Werkzeug, um die Kostenbelastung exportorientierter Industriebetriebe zu begrenzen, ohne dass die Lohnentwicklung unter der Inflationslinie verschwindet.

1.000 Euro Kaufkraftprämie zusätzlich

Über die Lohnerhöhungen hinaus enthält der Abschluss eine Kaufkraftsicherungsprämie von insgesamt 1.000 Euro pro Beschäftigtem, ausbezahlt in zwei Tranchen zu je 500 Euro:

  • Dezember 2025: erste 500 Euro
  • Juli 2026: zweite 500 Euro

Lehrlinge erhalten eine einmalige Sonderzahlung von 250 Euro. Die Prämien sind steuer- und sozialversicherungsfrei nach dem Mitarbeitergewinnbeteiligungsmodell. Alternativ können Beschäftigte mit ihrem Arbeitgeber eine Umwandlung in bis zu vier zusätzliche bezahlte freie Tage vereinbaren – eine Option, die in einigen steirischen Werken im Frühjahr 2026 stark nachgefragt wurde.

Was das für die großen steirischen Industriebetriebe bedeutet

Die Metalltechnische Industrie umfasst sechs Arbeitgeberverbände vom Maschinenbau über die Fahrzeugindustrie bis zur Stahlerzeugung. In der Steiermark gehören die folgenden Schwergewichte zu den größten betroffenen Arbeitgebern:

Betrieb Standort Tätigkeit
Voestalpine Edelstahl Kapfenberg, Donawitz Spezialstahl, Schienen
AVL List Graz Motoren- und Antriebsentwicklung
Magna Steyr Fahrzeugtechnik Graz Auftragsfertigung Pkw
Andritz AG Graz Anlagenbau Energie/Papier/Metall
Pankl Racing Systems Bruck/Mur, Kapfenberg Motorsport- und Luftfahrtkomponenten
Knapp AG Hart bei Graz Lager- und Logistikautomatisierung
König Maschinen Graz Bäckereitechnik

Für die Stahl- und Metallverarbeitung in der Steiermark ist der Abschluss in der aktuellen Konjunkturlage ein Zweischneider. Auf der einen Seite mildert die KV/Ist-Schere die Lohnnebenkosten. Auf der anderen Seite gehen die Bestellbücher in mehreren Sparten – vor allem Bau- und Schienenproduktion – seit Mitte 2025 zurück. Magna Steyr hat im Frühjahr 2026 mit dem Hochfahren chinesischer E-Auto-Aufträge begonnen, was Stellen sichert, aber die Marge unter Druck setzt.

Konjunkturhintergrund: Industriejobs unter Druck

Die Sozialpartner haben den Abschluss vor dem Hintergrund einer schwierigen Branchenlage verhandelt. Mehrere Industrieunternehmen meldeten 2024 und 2025 Produktionsrückgänge oder Kurzarbeit an, in einigen Sparten wurden Stellen abgebaut. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA machten klar, dass eine Nulllohnrunde – die manche Arbeitgebervertreter ins Gespräch brachten – keine Option sei. Die Inflation belaste Arbeiterinnen und Arbeiter weiterhin, lautete die Begründung.

Die Arbeitgeberseite akzeptierte die 2,1 Prozent vor allem deshalb, weil die KV/Ist-Schere die Kostenwirkung im Werk deutlich begrenzt. Für viele steirische Betriebe heißt das: Die effektive Lohnsumme steigt 2026 nur um 1,9 Prozent, nicht um 2,1 Prozent. Bei einem typischen Industriebetrieb mit 500 Beschäftigten und 25 Millionen Euro Lohnsumme summiert sich der Unterschied auf rund 50.000 Euro pro Jahr – eine merkbare Größe in der Kalkulation.

Praktische Auswirkung für Beschäftigte

Was bedeutet das konkret für eine Facharbeiterin oder einen Schichtarbeiter im steirischen Werk?

Beispiel Mindestlohn-Bezieher (Lohngruppe E, neuer Beruf 2026):
KV-Stundenlohn 2026 steigt von 17,50 auf rund 17,87 Euro brutto. Bei 38,5 Stunden Wochenarbeitszeit und 14 Monatsgehältern ergibt das etwa 720 Euro mehr Bruttolohn pro Jahr gegenüber 2025 – plus die zweite Kaufkraftprämien-Tranche von 500 Euro im Juli 2026.

Beispiel Ist-Lohn-Bezieher (Facharbeiter mit überkollektivvertraglicher Bezahlung):
Wer 4.000 Euro brutto monatlich verdient, bekommt durch die 1,9-Prozent-Erhöhung rund 76 Euro mehr pro Monat, also etwa 1.060 Euro mehr brutto pro Jahr. Die Kaufkraftprämie ist hier zusätzlich, steuerfrei.

Beispiel Lehrling im 3. Lehrjahr:
Lehrlingsentschädigung steigt um 2,1 Prozent. Bei einer aktuellen Bruttoentschädigung von 1.350 Euro ergibt das rund 28 Euro mehr pro Monat. Dazu kommt die 250-Euro-Einmalzahlung.

Was vom Herbst 2026 ansonsten noch ansteht

Der Metaller-Abschluss ist nicht der einzige Kollektivvertrag, der steirische Beschäftigte 2026 betrifft. Im Herbst stehen unter anderem die Verhandlungen für den Handelsangestellten-KV, den Sozial- und Gesundheits-KV und den Bau-KV an. Die Lohnabschlüsse 2026 werden insgesamt unter besonderer Beobachtung stehen, weil die Strompreise 2026 trotz leichter Senkung weiterhin überdurchschnittlich hoch sind und die Pendlerpauschale-Reform die Kaufkraft erst ab 2027 spürbar entlasten dürfte.

Wer eine Lohnerhöhung außerhalb des KVs verhandeln will, sollte sich im Frühjahr 2026 frühzeitig melden. Erfahrungsgemäß sind Industriebetriebe nach guten Halbjahresergebnissen eher bereit, individuelle Anhebungen zuzugestehen. In der schwächeren Konjunkturphase ab Mitte 2026 wird das schwieriger.

Quellen