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Jeden Tag 19 Firmenpleiten: So stark trifft es die Steiermark

Die Insolvenzen in der Steiermark 2026 steigen deutlich schneller als im Rest des Landes. Von Jänner bis Ende September haben in Österreich 5.139 Unternehmen Insolvenz angemeldet, knapp 19 pro Tag. 620 davon entfielen auf die Steiermark. Das sind 2,3 Firmenpleiten pro Tag und um 13,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, während die Zahl österreichweit mit plus 0,4 Prozent fast gleich blieb. Stärker gestiegen ist sie nur in Vorarlberg. So steht es in der Hochrechnung, die der Gläubigerschutzverband KSV1870 am 16. September 2026 veröffentlicht hat.

Bis Jahresende erwartet der KSV1870 in der Steiermark 800 bis 850 Firmenpleiten. Am unteren Ende wären das so viele wie 2014, am oberen so viele wie seit 2012 nicht mehr. Die geschätzten Verbindlichkeiten der steirischen Fälle sind bis September auf 778 Millionen Euro gestiegen, mehr als das Zweieinhalbfache des Vorjahreswerts.

In einem Punkt steht die Steiermark aber besser da als der Rest des Landes. Nur 29 Prozent der steirischen Firmenpleiten werden mangels Masse gar nicht eröffnet, österreichweit sind es 43 Prozent. Und auf 100 Insolvenzen kommen in der Steiermark 14 Sanierungsverfahren, im Bundesschnitt 7.

Steiermark 2026: die Kennzahlen bis September

Jänner bis September 2026 Steiermark Österreich
Unternehmensinsolvenzen 620 5.139
Veränderung zum Vorjahreszeitraum +13,1 % +0,4 %
Firmenpleiten pro Tag 2,3 18,8
Geschätzte Passiva 778 Mio. € 5.952 Mio. €
Veränderung der Passiva +165,5 % -7,0 %
Eröffnete Verfahren 440 2.935
davon Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung 9 45
davon Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung 77 335
davon Konkursverfahren 354 2.555
Mangels Masse nicht eröffnet 180 2.204
Anteil nicht eröffnet 29,0 % 42,9 %
Sanierungsverfahren je 100 Insolvenzen 13,9 7,4
Insolvenzen je 1.000 Unternehmen (1. Halbjahr, Creditreform) 7,7 9,4

Quellen: KSV1870, Hochrechnung 1. bis 3. Quartal 2026, Passiva geschätzt zum Stichtag 9. September 2026; Insolvenzquote: Creditreform, Firmeninsolvenzstatistik 1. Halbjahr 2026.

Der steirische Anteil an allen österreichischen Firmenpleiten ist damit von 10,6 Prozent im Jahr 2025 auf 12,1 Prozent gestiegen. Vor rund zehn Jahren war er noch höher, 2014 und 2015 lag er bei 14,8 Prozent. Gemessen an der Zahl der Unternehmen trifft es die Steiermark trotzdem seltener als den Bundesschnitt: Laut Creditreform wurden im ersten Halbjahr 7,7 von 1.000 steirischen Unternehmen insolvent, österreichweit 9,4.

Laut ORF Steiermark verloren bis September 2.530 Beschäftigte insolvenzbedingt ihren Job, fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Den stärksten Zuwachs hat der Bau mit fast 12 Prozent mehr Fällen, in der Gastronomie sind es rund 5 Prozent mehr, im Handel 9 Prozent weniger. Den Sprung bei den Passiva führt der KSV1870 auf einige steirische Großinsolvenzen zurück. Im ersten Halbjahr entfiel mehr als die Hälfte der steirischen Verbindlichkeiten, 328 von 602 Millionen Euro, auf fünf Gesellschaften aus drei Unternehmensgruppen: LL-resources, Domaines Kilger und Wollsdorf.

Steirische Firmenpleiten seit 2008: zurück auf dem Niveau von 2014

Säulendiagramm der Unternehmensinsolvenzen in der Steiermark von 2008 bis 2025 mit der Prognose von 800 bis 850 Fällen für 2026
Balkendiagramm der Unternehmensinsolvenzen in der Steiermark von 2008 bis 2025 mit der Prognose von 800 bis 850 Fällen für 2026
Nach dem Tiefstand von 363 Fällen im Jahr 2021 hat sich die Zahl der steirischen Firmenpleiten bis 2024 mehr als verdoppelt.

2008 und 2009 zählte der KSV1870 in der Steiermark knapp 900 Firmenpleiten im Jahr, 896 und 894. Die Steiermark sei in der Finanzkrise „früher und daher stärker getroffen“ worden als die anderen Bundesländer, schrieb der Verband im Jänner 2009, und nannte als Grund die starke Ausrichtung auf maschinelle Fertigung, Stichwort Autocluster. Danach ging die Zahl mit kleineren Ausschlägen zurück, bis auf 588 im Jahr 2019.

In den Corona-Jahren fiel sie auf 390 und 2021 auf 363, den niedrigsten Wert der Reihe. Seither geht es steil nach oben. 2024 waren es 741 Fälle, mehr als doppelt so viele wie 2021. Die Passiva dieses Jahres von 4.189 Millionen Euro gehen fast zur Gänze auf eine einzige Insolvenz zurück, jene der Grazer Fisker GmbH mit 3.793 Millionen Euro. 2025 sank die Fallzahl leicht auf 720, 2026 liegt sie bis September wieder deutlich über dem Vorjahr.

Jahr Steiermark Veränderung eröffnet nicht eröffnet Anteil nicht eröffnet Österreich Anteil Steiermark
2008 896 6.315 14,2 %
2009 894 -0,2 % 6.902 13,0 %
2010 832 -6,9 % 6.376 13,0 %
2011 837 +0,6 % 5.869 14,3 %
2012 873 +4,3 % 6.041 14,5 %
2013 789 -9,6 % 5.459 14,5 %
2014 800 +1,4 % 486 314 39,2 % 5.423 14,8 %
2015 762 -4,7 % 473 289 37,9 % 5.150 14,8 %
2016 703 -7,7 % 441 262 37,3 % 5.226 13,5 %
2017 624 -11,2 % 378 246 39,4 % 5.079 12,3 %
2018 608 -2,6 % 408 200 32,9 % 4.980 12,2 %
2019 588 -3,3 % 386 202 34,4 % 5.018 11,7 %
2020 390 -33,7 % 246 144 36,9 % 3.034 12,9 %
2021 363 -6,9 % 255 108 29,8 % 3.034 12,0 %
2022 521 +43,5 % 360 161 30,9 % 4.775 10,9 %
2023 611 +17,3 % 431 180 29,5 % 5.380 11,4 %
2024 741 +21,3 % 526 215 29,0 % 6.587 11,2 %
2025 720 -2,8 % 495 225 31,2 % 6.810 10,6 %
Jänner bis September 2026 620 +13,1 % 440 180 29,0 % 5.139 12,1 %

Quelle: KSV1870, Insolvenzstatistik Unternehmen der Jahre 2008 bis 2025 und Hochrechnung 1. bis 3. Quartal 2026. Die Aufteilung in eröffnete und nicht eröffnete Verfahren liegt für die Steiermark ab 2014 vor.

Firmenpleiten nach Bezirk: Graz vor Leibnitz und Graz-Umgebung

Von 1. Jänner bis 16. September 2026 führt die Insolvenzdatei der Justiz für die Steiermark 287 Gesellschaften mit Firmenbuchnummer, über die ein Insolvenzverfahren eröffnet oder deren Antrag mangels Vermögens abgewiesen wurde. Sechs davon haben ihren Sitz in einem anderen Bundesland, darunter die FMT Personalservice GmbH in Wels. Einzelunternehmen und nicht protokollierte Gewerbebetriebe sind in dieser Zählung nicht enthalten, deshalb liegt sie deutlich unter den 620 Fällen des KSV1870.

Balkendiagramm mit dem Anteil der steirischen Bezirke an den Firmenpleiten 2026 im Vergleich zu ihrem Anteil an den aktiven Kammermitgliedern
Balkendiagramm mit dem Anteil der steirischen Bezirke an den Firmenpleiten 2026 im Vergleich zu ihrem Anteil an den aktiven Kammermitgliedern
Graz stellt knapp ein Viertel der steirischen Unternehmen, aber fast die Hälfte der insolventen Gesellschaften.

127 der 281 steirischen Gesellschaften haben ihren Sitz in Graz, das sind 45 Prozent. Unter den aktiven Mitgliedern der Wirtschaftskammer macht die Landeshauptstadt 24 Prozent aus. In Graz enden auch deutlich mehr Fälle ohne Verfahren: 31 der 127 Grazer Fälle endeten mit einer Abweisung mangels Vermögens, rund ein Viertel. In allen übrigen Bezirken zusammen waren es 17 von 154, gut jeder zehnte.

Dahinter liegt Leibnitz mit 32 Gesellschaften. Gemessen an den aktiven Kammermitgliedern kommt der Bezirk auf 5,0 Fälle je 1.000, fast so viele wie Graz mit 5,9. Ein Teil davon geht auf die Insolvenzen rund um das Weingut Kilger zurück: Vier der 32 Gesellschaften tragen den Namen Domaines Kilger, dazu kommt eine Kilger KG. Graz-Umgebung kommt ebenfalls auf 32 Fälle, liegt damit aber unter seinem Anteil an den Unternehmen.

Am anderen Ende steht Murau, wo 2026 bis Mitte September keine Gesellschaft insolvent wurde. Auch Weiz, Hartberg-Fürstenfeld, Liezen, die Südoststeiermark, Murtal und Voitsberg haben deutlich weniger Fälle, als ihrem Anteil an den Unternehmen entspräche. Von den zehn Fällen im Bezirk Weiz betreffen je zwei Gesellschaften mit den Namen Wollsdorf und ADA. 242 der 287 Verfahren führt das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz, 45 das Landesgericht Leoben. 250 der Gesellschaften sind GmbHs.

Bezirk Gesellschaften insolvent davon nicht eröffnet Anteil an den Fällen aktive Kammermitglieder Anteil an den Mitgliedern Fälle je 1.000 Mitglieder
Graz 127 31 45,2 % 21.389 23,8 % 5,9
Graz-Umgebung 32 7 11,4 % 11.789 13,1 % 2,7
Leibnitz 32 0 11,4 % 6.356 7,1 % 5,0
Bruck-Mürzzuschlag 15 1 5,3 % 5.733 6,4 % 2,6
Deutschlandsberg 12 2 4,3 % 4.463 5,0 % 2,7
Leoben 12 0 4,3 % 3.527 3,9 % 3,4
Hartberg-Fürstenfeld 10 1 3,6 % 6.983 7,8 % 1,4
Liezen 10 1 3,6 % 5.941 6,6 % 1,7
Weiz 10 1 3,6 % 7.777 8,7 % 1,3
Südoststeiermark 9 1 3,2 % 5.541 6,2 % 1,6
Murtal 7 3 2,5 % 4.982 5,5 % 1,4
Voitsberg 5 0 1,8 % 3.492 3,9 % 1,4
Murau 0 0 0,0 % 1.824 2,0 % 0,0
Steiermark 281 48 100 % 89.797 100 % 3,1

Quellen: Insolvenzdatei der Justiz, Ersteintragungen 1. Jänner bis 16. September 2026, Bundesland Steiermark. Gezählt sind Gesellschaften mit Firmenbuchnummer (ohne eingetragene Einzelunternehmen) mit eröffnetem Verfahren oder mangels Vermögens abgewiesenem Antrag, Bezirk nach Postleitzahl und Ort des Sitzes. WKO Steiermark, aktive Mitglieder zum 31.12.2025.

Pleiten ohne Verfahren: die Steiermark weit unter dem Bundesschnitt

Ein Insolvenzverfahren wird nur eröffnet, wenn das Vermögen zumindest die Anlaufkosten deckt. Reicht es nicht, kann das Gericht laut Unternehmensserviceportal von den organschaftlichen Vertretern, bei einer GmbH also von der Geschäftsführung, einen Kostenvorschuss von höchstens 4.000 Euro verlangen. Wird er nicht bezahlt, weist das Gericht den Antrag ab und die Gewerbeberechtigung wird entzogen. Einen Insolvenzverwalter, der Vermögen aufspürt, verwertet und an die Gläubiger verteilt, gibt es dann nicht. Die Gläubiger müssen ihre Forderungen zur Gänze abschreiben.

Liniendiagramm des Anteils der mangels Masse nicht eröffneten Firmeninsolvenzen in der Steiermark und in Österreich von 2014 bis 2026
Liniendiagramm des Anteils der mangels Masse nicht eröffneten Firmeninsolvenzen in der Steiermark und in Österreich von 2014 bis 2026
2014 lagen Steiermark und Österreich fast gleichauf, heuer trennen sie fast 14 Prozentpunkte.

Seit 2014 liegt der steirische Anteil in jedem Jahr unter dem österreichischen. Anfangs betrug der Abstand weniger als einen Prozentpunkt, von 2022 bis 2025 waren es sieben bis gut acht. Bis September 2026 ist er auf 13,9 Prozentpunkte angewachsen, weil der Anteil österreichweit auf 42,9 Prozent gestiegen ist, während er in der Steiermark mit 29,0 Prozent auf dem Niveau der Vorjahre blieb.

Gestapeltes Balkendiagramm mit dem Anteil eröffneter und mangels Masse nicht eröffneter Firmeninsolvenzen je Bundesland von Jänner bis September 2026
Gestapeltes Balkendiagramm mit dem Anteil eröffneter und mangels Masse nicht eröffneter Firmeninsolvenzen je Bundesland von Jänner bis September 2026
In Wien endet fast jede zweite Firmenpleite ohne Verfahren, in der Steiermark nicht einmal jede dritte.

Die Steiermark hat damit den niedrigsten Anteil aller Bundesländer, vor Vorarlberg (31 Prozent) und dem Burgenland (34 Prozent). In Wien sind es 49 Prozent. Bei den Sanierungsverfahren ist es umgekehrt: 86 der 620 steirischen Insolvenzen sind Sanierungsverfahren, 9 davon mit Eigenverwaltung. Das sind 13,9 Prozent aller Fälle, österreichweit 7,4 Prozent. Absolut hat nur Wien mit 91 mehr Sanierungsverfahren, bei dreimal so vielen Pleiten.

Für Lieferanten und andere Gläubiger macht das einen Unterschied. Ein Sanierungsplan muss laut Unternehmensserviceportal ohne Eigenverwaltung mindestens 20 Prozent der Forderungen vorsehen, mit Eigenverwaltung mindestens 30 Prozent, jeweils zahlbar innerhalb von zwei Jahren. Aus einer nicht eröffneten Insolvenz gibt es gar nichts.

Österreichweit nennt der KSV1870 zwei Gründe für die steigende Zahl der Fälle ohne Verfahren. Unternehmen warten immer häufiger zu lange mit dem Antrag, obwohl er spätestens 60 Tage nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit fällig ist. Im Handel etwa sanken die eröffneten Verfahren seit Jahresbeginn um 15,3 Prozent, die nicht eröffneten stiegen um 17,2 Prozent. Der zweite Grund ist das Betrugsbekämpfungsgesetz, das seit Jänner gilt.

Bundesland Sanierung mit EV Sanierung ohne EV Konkurse nicht eröffnet Anteil nicht eröffnet
Steiermark 9 77 354 180 29,0 %
Vorarlberg 4 12 88 46 30,7 %
Burgenland 0 13 78 47 34,1 %
Tirol 1 3 133 91 39,9 %
Niederösterreich 9 72 437 373 41,9 %
Kärnten 4 14 162 142 44,1 %
Oberösterreich 1 52 276 270 45,1 %
Salzburg 3 15 135 126 45,2 %
Wien 14 77 892 929 48,6 %
Österreich 45 335 2.555 2.204 42,9 %

Quelle: KSV1870, Hochrechnung 1. bis 3. Quartal 2026. EV: Eigenverwaltung.

Bau, Handel, Gastronomie: die steirischen Branchen

Im ersten Halbjahr 2026 kamen Handel (60 Fälle), Bau (57) sowie Beherbergung und Gastronomie (51) zusammen auf 43 Prozent der 391 steirischen Insolvenzen. Die Rangfolge hat sich damit gegenüber 2025 verschoben: Im Gesamtjahr 2025 lag der Bau mit 124 Fällen knapp vor Handel (122) und Gastronomie (118), 2024 hatte der Bau mit 147 Fällen noch deutlicher geführt. Bis September verzeichnet der Bau laut ORF Steiermark aber wieder den stärksten Zuwachs.

Bei den Verbindlichkeiten dominieren andere Bereiche. Auf die Herstellung von Waren entfielen im ersten Halbjahr bei nur 31 Fällen 180 Millionen Euro, auf die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen bei 11 Fällen 166 Millionen Euro. Zusammen sind das 57 Prozent der steirischen Passiva des Halbjahrs.

Branche 2024 2025 1. Halbjahr 2026 Passiva 1. Halbjahr 2026 in Mio. €
Bau 147 124 57 38
Handel 141 122 60 27
Beherbergung und Gastronomie 110 118 51 53
Herstellung von Waren 43 42 31 180
Sonstige Dienstleistungen 39 60 34 19
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen 49 45 25 5
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 47 34 20 46
Grundstücks- und Wohnungswesen 29 28 26 32
Verkehr und Lagerei 38 41 15 7
Alle Branchen 741 720 391 602

Quelle: KSV1870, Branchentabellen Steiermark der Jahresstatistiken 2024 und 2025 sowie der finalen Auswertung 1. Halbjahr 2026. 2024 und 2025 nach ÖNACE 2008, 2026 nach ÖNACE 2025, die Abgrenzung einzelner Branchen unterscheidet sich daher leicht.

Die großen steirischen Insolvenzen 2026

Unternehmen Sitz Passiva Beschäftigte Stand September 2026
LL-resources GmbH Graz 131 Mio. € Sanierungsplan im Juli nicht angenommen, Antrag zurückgezogen
Domaines Kilger GmbH & Co KG Gamlitz 83 Mio. € Konkursverfahren, Betrieb in Gamlitz seit März geschlossen
Christof Industries Austria GmbH Graz 62,6 Mio. € laut Antrag 180 Sanierungsverfahren seit 11. September
Domaines Kilger GmbH Wies 50 Mio. € Konkursverfahren
Wollsdorf International GmbH Wollsdorf 33 Mio. € Sanierungsplan zurückgezogen, seit September Konkursverfahren
Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. St. Ruprecht an der Raab 31 Mio. € 361 Sanierungsplan zurückgezogen, seit Juni Konkursverfahren
ADA Möbelwerke Holding AG Anger 17 Mio. € 96 Sanierungsplan am 4. August angenommen, Anfang September bestätigt
MEON Medical Solutions GmbH & Co KG Graz 14 Mio. € 86 Sanierungsplan am 25. Juni angenommen, Anfang September bestätigt
WEBA GmbH Sebersdorf 13 Mio. € Konkursverfahren
Fürgast Betriebsgastronomie GmbH Seiersberg-Pirka 11 Mio. € Sanierungsverfahren

Quellen: Passiva laut KSV1870, Großinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 (Christof Industries laut Insolvenzantrag); Beschäftigte zum Zeitpunkt der Insolvenz laut Creditreform bzw. KSV1870; Stand laut Insolvenzdatei der Justiz, KSV1870 und ORF Steiermark.

LL-resources: Sanierung des Rohstoffhändlers gescheitert

Die größte steirische Insolvenz des Jahres kam gleich am Anfang. Am 5. Jänner 2026 wurde über die Grazer LL-resources GmbH ein Konkursverfahren eröffnet. Das Unternehmen handelt laut KSV1870 weltweit mit Ferrolegierungen, Stahlprodukten, Schrott, Kohle, Bitumen und Düngemitteln und ist auf Mineralien, Metalle und metallurgische Waren spezialisiert. Nach eigenen Angaben kam es zu „Unstimmigkeiten bzw. Täuschungshandlungen“ in der Geschäftsabwicklung. Im Antrag standen laut ORF Steiermark Aktiva von 154,9 Millionen Euro Passiva von 144,9 Millionen gegenüber, das Unternehmen war also zahlungsunfähig, aber nicht überschuldet.

Die angestrebte Sanierung ist gescheitert. Laut Insolvenzdatei bot LL-resources zuletzt eine Quote von 32 Prozent, am 9. Juli 2026 wurde der Sanierungsplan nicht angenommen. Am 22. Juli zog das Unternehmen den Antrag zurück. Seither ordnet das Gericht Schritt für Schritt die Schließung weiterer Unternehmensbereiche an, zuletzt am 15. September die operative Leitung ausländischer Tochtergesellschaften.

Domaines Kilger: Folgeinsolvenzen in der Südsteiermark

Im Februar wurde die Domaines Kilger GmbH & Co KG aus Gamlitz insolvent, Anfang März schloss der Betrieb in Gamlitz. Nach der ersten Gläubigerversammlung wies das Verfahren laut ORF Steiermark Passiva von rund 81,5 Millionen Euro und Aktiva von 68,6 Millionen Euro aus. Fix seien Bankverbindlichkeiten von über 40 Millionen Euro, rund 34 Millionen sollen Forderungen innerhalb des Firmengeflechts sein. Die Aktiva bestehen großteils aus Liegenschaften in der Südsteiermark, in Wien und im Burgenland. Die Gruppe beschäftigte vor wenigen Jahren rund 230 Mitarbeiter, zum Hauptsitz gehört ein 80 Hektar großes Weingut rund um Schloss Gamlitz.

Danach folgten Insolvenzanträge von Tochtergesellschaften fast im Wochentakt. Ende März beantragten Jaglhof und Stupperhof Sanierungsverfahren, im April folgte der Hotel- und Restaurantbetrieb im Schloss Gamlitz mit 15 Beschäftigten. Die Domaines Kilger Wein GmbH wollte sich laut ORF Steiermark im Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung auf 15 bis 20 Hektar Weinbau verkleinern und bot eine Quote von 30 Prozent. Laut Insolvenzdatei ordnete das Gericht Anfang Mai jedoch die Schließung an, seither läuft das Verfahren als Konkurs. Gelungen ist dagegen die Sanierung der Domaines Kilger Gastro GmbH: Ihr Sanierungsplan wurde im Juni bestätigt, das Verfahren im Juli aufgehoben. In der steirischen Insolvenzdatei stehen 2026 sechs Gesellschaften mit dem Namen Kilger.

Wollsdorf Leder: vom Weltmarktführer zur Schließung

Am 9. Jänner 2026 wurden über die Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. und die Holding Wollsdorf International GmbH Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Betroffen waren 365 Beschäftigte und etwa 660 Gläubiger. Die Gruppe ist laut KSV1870 Weltmarktführer bei Lederbezügen für Lenkräder, der Standort in Wollsdorf in der Gemeinde St. Ruprecht an der Raab deckte die gesamte Fertigung von der rohen Rinderhaut bis zum gefärbten Leder ab. Als Ursachen nannte der KSV1870 laut ORF Steiermark die seit September 2024 rückläufige Nachfrage der Autohersteller und Qualitätsprobleme bei Rohhäuten. Die Produktion sollte nach Mexiko verlagert werden.

Ursprünglich sollten rund 50 Beschäftigte in Österreich bleiben. Ab Mitte Februar ordnete das Gericht die Schließung eines Unternehmensbereichs nach dem anderen an, von der Färbung bis zu Einkauf, Lager und Vertrieb. Am 12. Juni 2026 zog Wollsdorf Leder den Sanierungsplanantrag zurück, das Verfahren läuft seither als Konkurs. Für die Holding folgte derselbe Schritt am 9. September.

ADA und MEON: zwei Sanierungen, die gelungen sind

Der Möbelhersteller ADA aus Anger ging am 24. März 2026 mit der Holding und der ADA Möbelfabrik GmbH in ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Die Schulden beliefen sich auf rund 30 Millionen Euro, in Österreich beschäftigte ADA rund 180 Mitarbeiter, mit Standorten in Anger und Raaba sowie in Ungarn und Rumänien. Das Unternehmen nannte Konsumzurückhaltung, den Rückgang des stationären Möbelhandels und einen Bestelleingang, der seit Jahresbeginn im Schnitt 20 Prozent unter den Erwartungen lag. Nach dem Abbau von 80 Stellen nahmen die Gläubiger am 4. August 2026 laut KSV1870 den Sanierungsplan mit 20 Prozent Quote an, finanziert aus dem Fortbetrieb und über einen strategischen Partner.

Die Grazer MEON Medical Solutions GmbH & Co KG entwickelt ein Laborgerät, das Immunoassay-, klinisch-chemische und Elektrolyt-Tests in einem Gerät vereint. Die Entwicklung dauerte deutlich länger als geplant, am 17. Februar 2026 folgte das Sanierungsverfahren mit Passiva von 19,9 Millionen Euro laut Antrag und 86 Beschäftigten. Am 25. Juni nahmen die Gläubiger laut KSV1870 eine Quote von 20 Prozent an. Das Unternehmen wird fortgeführt, allerdings mit 25 statt 86 Beschäftigten. Anfang September bestätigte das Gericht die Sanierungspläne von MEON und der ADA-Holding.

Christof Industries: der nächste große Fall im September

Nach dem Stichtag der Hochrechnung kam ein weiterer großer Fall dazu. Am 11. September 2026 wurde über die Christof Industries Austria GmbH in Graz ein Sanierungsverfahren eröffnet, mit 62,6 Millionen Euro Passiva laut Antrag und 180 Beschäftigten. Am 16. September meldete der Kreditschutzverband AKV laut ORF Steiermark zudem ein Sanierungsverfahren über die FMT Personalservice GmbH in Wels, deren Alleingesellschafterin Christof Industries Austria ist. Zu den weiteren großen steirischen Verfahren des Jahres zählt jenes der Fürgast Betriebsgastronomie mit 11 Millionen Euro Passiva.

Österreich: 5.139 Firmenpleiten, 19 pro Tag

Kennzahl Jänner bis September 2026 Jänner bis September 2025 Veränderung
Unternehmensinsolvenzen 5.139 5.120 +0,4 %
davon eröffnet 2.935 3.163 -7,2 %
davon mangels Masse nicht eröffnet 2.204 1.957 +12,6 %
Geschätzte Passiva 5.952 Mio. € 6.403 Mio. € -7,0 %
Betroffene Beschäftigte 15.700 15.000 +4,7 %
Betroffene Gläubiger 36.300 33.400 +8,7 %

Quelle: KSV1870, Hochrechnung 1. bis 3. Quartal 2026. Passiva sind geschätzte Verbindlichkeiten zum Stichtag 9. September 2026.

Auf einen einzelnen Tag heruntergebrochen heißt das österreichweit: 19 Firmenpleiten, 57 betroffene Beschäftigte, 133 Gläubiger mit offenen Forderungen und knapp 22 Millionen Euro an geschätzten Verbindlichkeiten. Mit echten Verlusten sind die Passiva allerdings nicht gleichzusetzen, denn Quoten aus Sanierungsplänen, Erlöse aus der Verwertung und Sicherheiten holen einen Teil davon wieder herein.

Ein Sommerloch gab es heuer nicht. Üblicherweise verlangsamt sich die Insolvenzdynamik im dritten Quartal, was der KSV1870 mit der Ferien- und Urlaubszeit erklärt. 2026 lag das dritte Quartal mit 1.690 Fällen knapp über dem zweiten (1.680), die meisten Pleiten fielen ins erste Quartal (1.769). Für das Gesamtjahr erwartet der KSV1870 rund 6.800 Unternehmensinsolvenzen, also das Niveau von 2025. November und Dezember seien „erfahrungsgemäß für viele Betriebe herausfordernd“.

Gestapeltes Säulendiagramm der Unternehmensinsolvenzen in Österreich von 2007 bis 2025, aufgeteilt in eröffnete und mangels Masse nicht eröffnete Verfahren
Gestapeltes Balkendiagramm der Unternehmensinsolvenzen in Österreich von 2007 bis 2025, aufgeteilt in eröffnete und mangels Masse nicht eröffnete Verfahren
Österreichweit war 2025 mit 6.810 Fällen das zweitstärkste Pleitejahr seit 2007, übertroffen nur von 2009.

Mehr Firmenpleiten als 2025 zählte der KSV1870 seit 2007 nur 2009 mit 6.902, für 2005 hatte der Verband über 7.000 gemeldet. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 fiel die Zahl auf jeweils 3.034, was der KSV1870 damals als „paradoxes Bild“ infolge der Maßnahmen der Bundesregierung beschrieb. Gegen Ende 2021 stellten Gesundheitskasse und Finanzämter laut KSV1870 wieder Insolvenzanträge. 2025 lag die Zahl um 124 Prozent über 2021 und um 36 Prozent über dem Vorkrisenjahr 2019.

Säulendiagramm der Insolvenzen in Österreich je Quartal vom ersten Quartal 2019 bis zum zweiten Quartal 2026 laut Statistik Austria
Säulendiagramm der Insolvenzen in Österreich je Quartal vom ersten Quartal 2019 bis zum zweiten Quartal 2026 laut Statistik Austria
Seit dem Höchstwert im ersten Quartal 2025 bewegen sich die Quartalszahlen seitwärts, auf deutlich höherem Niveau als 2019.

Auch die Statistik Austria zählt Insolvenzen, auf Basis der Ediktsdatei der Justiz. Sie kommt für 2025 auf 6.793 Unternehmensinsolvenzen und für das zweite Quartal 2026 auf 1.668, um 3,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Setzt man die Insolvenzen ins Verhältnis zu den Neuregistrierungen im Unternehmensregister, kamen 2021 auf 100 Registrierungen 4,2 Insolvenzen, im ersten Halbjahr 2026 sind es 9,8.

Die Bundesländer im Vergleich

Balkendiagramm der Veränderung der Firmenpleiten je Bundesland von Jänner bis September 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum
Balkendiagramm der Veränderung der Firmenpleiten je Bundesland von Jänner bis September 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum
Die Steiermark hat nach Vorarlberg den stärksten Anstieg, Tirol den deutlichsten Rückgang.

Fünf Bundesländer verzeichnen weniger Firmenpleiten als im Vorjahr, vier mehr. Vorarlberg liegt mit plus 42,9 Prozent vorne, allerdings von niedriger Basis: 150 Fälle statt 105. Es folgen die Steiermark mit plus 13,1, Kärnten mit plus 11,4 und Niederösterreich mit plus 8,9 Prozent. Nach der Zahl der Fälle liegt die Steiermark hinter Wien (1.912) und Niederösterreich (891) an dritter Stelle. Die höchsten Passiva hat Tirol mit 2.116 Millionen Euro, davon gehen rund 1,7 Milliarden auf die Laura Privatstiftung aus dem Umfeld von Signa und René Benko zurück.

Bundesland Fälle 2026 Fälle 2025 Veränderung Passiva 2026 in Mio. € pro Tag
Wien 1.912 1.971 -3,0 % 1.652 7,0
Niederösterreich 891 818 +8,9 % 512 3,3
Steiermark 620 548 +13,1 % 778 2,3
Oberösterreich 599 604 -0,8 % 291 2,2
Kärnten 322 289 +11,4 % 146 1,2
Salzburg 279 312 -10,6 % 157 1,0
Tirol 228 311 -26,7 % 2.116 0,8
Vorarlberg 150 105 +42,9 % 168 0,5
Burgenland 138 162 -14,8 % 132 0,5
Österreich 5.139 5.120 +0,4 % 5.952 18,8

Quelle: KSV1870, Hochrechnung 1. bis 3. Quartal 2026. Pro Tag: bezogen auf 273 Kalendertage.

Bundesland Insolvenzen 1. Halbjahr 2026 Veränderung zum Vorjahr Insolvenzen je 1.000 Unternehmen
Wien 1.313 -0,4 % 15,9
Kärnten 222 +13,3 % 9,2
Niederösterreich 582 +5,8 % 8,8
Burgenland 97 -8,5 % 8,2
Steiermark 383 +1,1 % 7,7
Oberösterreich 401 +3,9 % 7,3
Salzburg 188 -17,9 % 6,7
Vorarlberg 99 +37,5 % 6,0
Tirol 158 -39,9 % 4,6
Österreich 3.443 -1,6 % 9,4

Quelle: Österreichischer Verband Creditreform, Firmeninsolvenzstatistik 1. Halbjahr 2026. Die Creditreform zählt etwas anders als der KSV1870, daher die abweichenden Fallzahlen.

Betrugsbekämpfungsgesetz: Finanzamt und Sozialversicherung behalten ihr Geld

Bis Ende 2025 konnte ein Insolvenzverwalter Zahlungen anfechten, die ein Unternehmen vor der Eröffnung noch geleistet hatte, auch jene an Finanzamt und Sozialversicherung. Das Geld floss zurück in die Masse und wurde nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung auf alle Gläubiger verteilt. Seit 1. Jänner 2026 ist das für einen Teil dieser Zahlungen ausgeschlossen. Das Betrugsbekämpfungsgesetz 2025 nimmt entrichtete Sozialversicherungsbeiträge (§ 65 Abs. 3 ASVG) sowie die Umsatzsteuer und im Abzugsweg erhobene Abgaben wie die Lohnsteuer (§ 211a BAO) von der Anfechtung aus. Deckt das Vermögen die Anlaufkosten des Verfahrens nicht, gilt der Schutz für Beträge über 4.000 Euro.

Was der Fiskus behalten darf, fehlt in der Masse, aus der Lieferanten, Vermieter und Handwerksbetriebe ihre Quote bekommen. Der KSV1870 hatte bereits im Gesetzgebungsverfahren gewarnt, damit lebe der sogenannte Klassenkonkurs wieder auf, eine Ungleichbehandlung der Gläubiger, wie es sie in Österreich schon einmal gab. Neun Monate später beschreibt der Verband genau diese Folgen: Anfechtungsansprüche fallen weg, die Zahl der Gläubigeranträge sinkt, und die Quoten gehen zurück. Die steigende Zahl nicht eröffneter Fälle sei „zumindest punktuell“ eine Folge davon. Die Anwaltskanzlei Binder Grösswang erwartet ebenfalls deutlich niedrigere Insolvenzquoten.

Handel, Bau und Gastronomie: die Branchen in ganz Österreich

Österreichweit hat der Handel seit Jahresbeginn mit 861 Fällen die meisten Firmenpleiten verzeichnet, um 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Dahinter liegen der Bau mit 719 Fällen (minus 0,3 Prozent) sowie Beherbergung und Gastronomie mit 649. Die Gastronomie ist die einzige der drei großen Branchen mit einem deutlichen Anstieg, plus 9,8 Prozent. Als Gründe nennt der KSV1870 hohe Betriebskosten, fehlendes Personal, das viele Betriebe zu kürzeren Öffnungszeiten zwingt, und wenig Eigenkapital.

Gestapeltes Balkendiagramm der zehn Branchen mit den meisten Unternehmensinsolvenzen in Österreich im ersten Halbjahr 2026
Gestapeltes Balkendiagramm der zehn Branchen mit den meisten Unternehmensinsolvenzen in Österreich im ersten Halbjahr 2026
Im Gesundheits- und Sozialwesen werden 94 Prozent der Insolvenzen mangels Masse nicht eröffnet, im Bau 27 Prozent.

Völlig aus dem Rahmen fällt das Gesundheits- und Sozialwesen: 258 Insolvenzen im ersten Halbjahr, davon 242 ohne Verfahren, bei durchschnittlich knapp 60.000 Euro Passiva je Fall. Gemessen an der Zahl der bestehenden Unternehmen ist das Risiko laut Creditreform im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung am höchsten, mit 23,3 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen, gefolgt vom Bauwesen mit 19,0. Der Handel kommt trotz der vielen Fälle nur auf 6,4, es gibt schlicht sehr viele Handelsbetriebe.

Branche eröffnet nicht eröffnet gesamt Anteil nicht eröffnet Passiva in Mio. €
Handel 309 250 559 45 % 271
Bau 356 129 485 27 % 235
Beherbergung und Gastronomie 274 177 451 39 % 149
Grundstücks- und Wohnungswesen 205 67 272 25 % 912
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen 141 123 264 47 % 76
Gesundheits- und Sozialwesen 16 242 258 94 % 15
Verkehr und Lagerei 129 115 244 47 % 64
Sonstige Dienstleistungen 129 109 238 46 % 54
Herstellung von Waren 112 30 142 21 % 316
Wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 95 47 142 33 % 135
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 72 38 110 35 % 2.026
Alle Branchen 2.005 1.444 3.449 42 % 4.374

Quelle: KSV1870, Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026, finale Auswertung. Branchen nach ÖNACE 2025, geschätzte Passiva zum Stichtag 6. Juli 2026.

Branche Insolvenzen 1. Halbjahr 2026 Veränderung zum Vorjahr Insolvenzen je 1.000 Unternehmen
Verkehr und Nachrichtenübermittlung 344 -4,7 % 23,3
Bauwesen 458 +1,1 % 19,0
Kredit- und Versicherungswesen 98 -23,4 % 17,5
Beherbergungs- und Gaststättenwesen 424 +5,7 % 9,6
Unternehmensbezogene Dienstleistungen 573 -4,7 % 7,7
Sachgütererzeugung 191 -9,9 % 6,7
Handel 491 -11,2 % 6,4

Quelle: Österreichischer Verband Creditreform, Firmeninsolvenzstatistik 1. Halbjahr 2026. Die Creditreform fasst die Branchen gröber zusammen als der KSV1870.

Die größten Firmenpleiten Österreichs

Drei der sechs größten Insolvenzen Österreichs im ersten Halbjahr betrafen steirische Unternehmen. Die Passiva hängen generell an wenigen großen Fällen: Von den 2.005 eröffneten Verfahren des ersten Halbjahrs hatten 44 mehr als 10 Millionen Euro Verbindlichkeiten, zusammen 71 Prozent aller Passiva. Bis September zählte der KSV1870 knapp 70 solcher Großinsolvenzen, fast die Hälfte mit Bezug zum Immobiliensektor.

Unternehmen Sitz Passiva in Mio. €
Laura Privatstiftung Innsbruck 1.708
Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG Wien 320
LL-resources GmbH Graz 131
Domaines Kilger GmbH & Co KG Gamlitz 83
FOP Immobilienbesitz beta GmbH Parndorf 69
Domaines Kilger GmbH Wies 50
Mediashop GmbH Neunkirchen 36
Pfarrwiese Condos Entwicklungs GmbH Wien 35

Quelle: KSV1870, Hochrechnung 1. bis 3. Quartal 2026, Liste der zehn größten Insolvenzen nach Passiva (ohne die zwei darin enthaltenen Verfahren natürlicher Personen).

Die Passiva sind Schätzungen zum jeweiligen Stichtag und können je nach Quelle weit auseinandergehen. Für die Laura Privatstiftung nennt die Creditreform 1,07 Milliarden Euro, der KSV1870 rund 1,7 Milliarden. Nach der Zahl der Beschäftigten war laut Creditreform die steirische Wollsdorf Leder mit 361 Mitarbeitern der größte Fall des ersten Halbjahrs. Auf Platz drei folgt die HELLWEG Die Profi-Baumärkte GmbH mit 165 Beschäftigten, deren Verfahren auch die Hellweg-Filialen in Graz-Raaba und Fürstenfeld betrifft.

Unternehmen Bundesland Beschäftigte
WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges.m.b.H. Steiermark 361
EITEK GmbH Niederösterreich 319
HELLWEG Die Profi-Baumärkte GmbH Oberösterreich 165
Mediashop GmbH Niederösterreich 162
Zentrum für Tageseltern in Salzburg Salzburg 160
Ing. H. Gradwohl Gesellschaft m.b.H. Niederösterreich 160
ADA Möbelwerke Holding AG Steiermark 96
M. Lienbacher GmbH Oberösterreich 87
MEON Medical Solutions GmbH & Co KG Steiermark 86
CCS Facility Services GmbH Oberösterreich 81

Quelle: Österreichischer Verband Creditreform, Firmeninsolvenzstatistik 1. Halbjahr 2026.

Insolvenz-Entgelt-Fonds: 160 Millionen Euro fehlen für 2027

Bleibt ein insolventes Unternehmen die Löhne schuldig, springt der Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) ein. Er übernimmt laut Arbeiterkammer laufende Entgelte, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Kündigungsentschädigung, Urlaubsersatzleistung und die Abfertigung alt, beim Entgelt bis zu 13.860 Euro brutto im Monat. Der Antrag geht innerhalb von sechs Monaten nach Eröffnung des Verfahrens an die IEF-Service GmbH. Wird eine Insolvenz mangels Masse nicht eröffnet, laufen die sechs Monate ab Kenntnis des Gerichtsbeschlusses. Das betrifft auch die 2.530 Beschäftigten, die in der Steiermark bis September insolvenzbedingt ihren Job verloren haben.

Genau dieser Fonds gerät jetzt unter Druck. Wie der ORF unter Berufung auf „Kurier“ und „Kronen Zeitung“ berichtete, verfügte der IEF Anfang 2026 über 385 Millionen Euro, bis Jahresende sollen davon nur 30 Millionen übrig sein. Für 2027 rechnet das Arbeitsministerium mit 350 Millionen Euro an Leistungen, denen nur 162 Millionen Euro an Einnahmen gegenüberstehen.

Insolvenz-Entgelt-Fonds Wert
Fondsvermögen Anfang 2026 385 Mio. €
Erwartetes Fondsvermögen Ende 2026 30 Mio. €
Erwartete Leistungen 2027 350 Mio. €
Erwartete Einnahmen 2027 162 Mio. €
Finanzierungslücke 2027 rund 160 Mio. €
IESG-Zuschlag der Arbeitgeber seit 1. Jänner 2022 0,1 % der Beitragsgrundlage
Rückflüsse aus Insolvenzverfahren im Schnitt 15 % des Insolvenz-Entgelts
Höchstbetrag Insolvenz-Entgelt 2026 13.860 € brutto im Monat

Quellen: ORF.at vom 25. Juli 2026 (Werte laut „Kurier“ und Arbeitsministerium), IEF-Service GmbH (Zuschlagssatz, Rückflussquote).

Gespeist wird der Fonds vor allem über einen Zuschlag der Arbeitgeber. Anfang 2022 wurde er auf 0,1 Prozent der Beitragsgrundlage halbiert, nach zwei Jahren mit jeweils 3.034 Firmenpleiten. Dazu kommen Rückflüsse aus den Insolvenzverfahren, im Schnitt 15 Prozent des ausbezahlten Insolvenz-Entgelts. Festgelegt wurde der niedrigere Satz also bei rund acht Pleiten pro Tag. Heute sind es 19, und die Reserve des Fonds schmilzt entsprechend schnell.

Wie die Lücke geschlossen wird, ist offen. Arbeiterkammer und Gewerkschaft GPA fordern eine Aufstockung. Kehrte der Zuschlag auf 0,2 Prozent zurück, stiege der Arbeitgeberbeitrag laut ORF von durchschnittlich 54 auf 108 Euro im Jahr. Die NEOS lehnen eine Erhöhung ab und verweisen auf einen Rohbericht des Rechnungshofs, der Fehlanreize bei den Leistungen aufzeige. Auch der KSV1870 hält eine automatische Anhebung für keine Option, weil sie die Betriebe zusätzlich belasten würde.

Häufige Fragen zu Firmenpleiten in der Steiermark und in Österreich

Wie viele Firmen sind 2026 in der Steiermark insolvent geworden?

Von Jänner bis September 2026 waren es laut Hochrechnung des KSV1870 620 Unternehmen, im Schnitt 2,3 pro Tag und um 13,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet der KSV1870 800 bis 850 steirische Firmenpleiten, nach 720 im Jahr 2025.

In welchem steirischen Bezirk gibt es die meisten Firmenpleiten?

In Graz. Von den 281 Gesellschaften mit Sitz in der Steiermark, die bis 16. September 2026 in der Insolvenzdatei aufscheinen, hatten 127 ihren Sitz in Graz, je 32 in den Bezirken Leibnitz und Graz-Umgebung. Im Bezirk Murau wurde bis dahin keine Gesellschaft insolvent.

Wie viele Unternehmen gehen in Österreich pro Tag pleite?

Von Jänner bis September 2026 waren es laut KSV1870 knapp 19 pro Kalendertag, insgesamt 5.139. Im Gesamtjahr 2025 lag der Schnitt mit 6.810 Fällen ebenfalls bei 19. Die Creditreform rechnet auf Werktage um und kommt für das erste Halbjahr 2026 auf rund 29 Insolvenzen pro Werktag.

Was bedeutet „mangels Masse nicht eröffnet“?

Das Vermögen des Unternehmens reicht nicht, um die Anlaufkosten des Insolvenzverfahrens zu decken, und auch ein Kostenvorschuss von bis zu 4.000 Euro wird nicht bezahlt. Das Gericht weist den Antrag ab, es gibt keinen Insolvenzverwalter und keine Verteilung an die Gläubiger. In der Steiermark betraf das bis September 2026 29 Prozent der Firmenpleiten, österreichweit 43 Prozent.

Wie viel bekommen Gläubiger in einem Sanierungsverfahren?

Der Sanierungsplan muss ohne Eigenverwaltung mindestens 20 Prozent, mit Eigenverwaltung mindestens 30 Prozent der Forderungen vorsehen, zahlbar binnen zwei Jahren. Angenommen ist der Plan, wenn die Mehrheit der anwesenden Gläubiger zustimmt und diese Mehrheit mehr als die Hälfte der Forderungen der anwesenden Gläubiger hält.

Wann gibt es die nächsten Insolvenzzahlen?

Die Statistik Austria veröffentlicht die Zahlen für das dritte Quartal am 10. November 2026 und jene für das vierte Quartal am 10. Februar 2027. Seine Jahresbilanz 2025 samt Steiermark-Zahlen hatte der KSV1870 am 13. Jänner 2026 vorgelegt.