Zwei der drei steirischen Hellweg-Baumärkte stehen vor dem Aus: Der Sanierungsverwalter der Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH hat am 12. August 2026 beim Landesgericht Linz beantragt, die Filialen in Graz-Raaba und Fürstenfeld zu schließen. Betroffen sind rund 44 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gut ein Viertel der 165 Beschäftigten des Unternehmens. Sie wurden noch am selben Tag informiert. Der Markt in Graz-Eggenberg bleibt vorerst, er zählt zu den vier Standorten, die an einen Investor übergeben werden sollen.
Ein Investor – aber nicht für diese zwei Märkte
Hintergrund ist der laufende Investorenprozess. Der Sanierungsverwalter hat einen Interessenten gefunden, mit dem nach Unternehmensangaben aussichtsreiche Gespräche laufen. Für Raaba und Fürstenfeld sah dieser Investor nach Prüfung jedoch „kein positives Fortführungsszenario als Baumarkt“. Wer der Interessent ist, bleibt wegen der laufenden Verhandlungen offen.
Damit fällt die Entscheidung nicht am Standort, sondern am Verhandlungstisch: Ein Käufer übernimmt in der Regel nur jene Filialen, die er selbst profitabel führen kann – Miete, Fläche, Umsatz je Quadratmeter und Wettbewerbsdichte entscheiden. In Graz-Süd ist diese Dichte hoch. Rund um Raaba und die Seiersberger Achse konkurrieren mehrere große Bau- und Gartenmärkte um dieselben Kunden, während Hellweg in Österreich mit sechs Filialen nie die Größe erreicht hat, um Einkaufs- und Logistikkosten breit zu verteilen.
Die Warenbestände der beiden Lager werden laut Aussendung über ein Verwertungsunternehmen abverkauft. Für die vier übrigen Märkte laufen die Gespräche mit dem Investor weiter, Ziel ist eine geordnete Übergabe.
Die sechs Hellweg-Standorte und ihr Status
| Standort | Adresse | Status |
|---|---|---|
| Graz-Raaba | Josef-Krainer-Straße 16, 8074 Raaba-Grambach | Schließung beantragt |
| Fürstenfeld | Grazerstraße 26, 8280 Fürstenfeld | Schließung beantragt |
| Graz-Eggenberg | Eckertstraße 5, Graz | soll an Investor gehen |
| Kirchdorf an der Krems | Am Brauteich 7, 4560 Kirchdorf a. d. Krems | soll an Investor gehen |
| Ried im Innkreis | Grillparzerstraße 1, 4910 Ried im Innkreis | soll an Investor gehen |
| Straßwalchen | Bergstraße 1, 5204 Straßwalchen | soll an Investor gehen |
Für die Steiermark heißt das: Von drei Märkten bleibt einer. Der Markt in Raaba-Grambach und jener in Fürstenfeld haben bis auf Weiteres regulär offen, Montag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr und samstags von 8 bis 18 Uhr. Gleiches gilt für Graz-Eggenberg.
Warum das Gericht überhaupt zustimmen muss
Eine Filiale in einem laufenden Insolvenzverfahren lässt sich nicht einfach zusperren. Nach § 115 der Insolvenzordnung darf das Insolvenzgericht eine Schließung nur anordnen oder bewilligen, wenn feststeht, dass sich eine Erhöhung des Ausfalls für die Gläubiger anders nicht vermeiden lässt. Der Antrag des Sanierungsverwalters ist deshalb genau das – ein Antrag. Die Entscheidung trifft das Landesgericht Linz.
Das Verfahren selbst läuft seit 30. Juni 2026 als Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung bleibt also am Steuer, der Verwalter überwacht. Das erklärt auch die angebotene Quote von 30 Prozent: Sie ist bei dieser Verfahrensart das gesetzliche Mindestangebot, wie der Gläubigerschutzverband AKV Europa in seinem Bericht festhält.
Die Insolvenz in Zahlen
| Eckdaten Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH | Wert |
|---|---|
| Verfahrenseröffnung | 30. Juni 2026, Landesgericht Linz (17 S 71/26d) |
| Verfahrensart | Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung (Eigenantrag) |
| Sanierungsverwalter | Dr. Peter Shamiyeh, Rechtsanwalt in Linz |
| Passiva | rund 23,8 Mio. € |
| davon Kreditinstitute | 7,94 Mio. € (Lieferanten 3,43 Mio. €, verbundene Unternehmen 3,08 Mio. €) |
| Aktiva | 20,82 Mio. € Buchwert, 7,42 Mio. € Liquidationswert |
| Gläubiger | rund 280 |
| Dienstnehmer | 165 (davon 44 von den Schließungen betroffen) |
| Sanierungsplanquote | 30 %, zahlbar binnen 2 Jahren |
| Anmeldefrist für Forderungen | 11. September 2026 |
| Sanierungsplantagsatzung | 25. September 2026, 10:00 Uhr, LG Linz |
Als Ursachen nennt das Unternehmen die anhaltende Krise des Do-it-yourself-Marktes: ein gesättigter Markt ohne nachhaltiges Wachstum, Lieferkettenprobleme, Kaufzurückhaltung, steigende Miet- und Betriebskosten sowie wetterbedingte Umsatzrückgänge. Dazu kam die Entwicklung im Konzern. Die österreichische GmbH gehört zur deutschen Hellweg-Gruppe, deren Bau- und Gartenmarkt-Gesellschaft Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet hat – dort geht es um 68 Märkte und rund 2.900 Beschäftigte. Die österreichischen Standorte firmieren seit 1990 als eigene Gesellschaft mit Sitz in Linz.
Was die 44 Beschäftigten jetzt tun sollten
Offene Löhne, Sonderzahlungen, Urlaubsersatzleistung und Abfertigung sind über den Insolvenz-Entgelt-Fonds abgesichert. Entscheidend ist die Frist: Der Antrag muss binnen sechs Monaten gestellt werden, gerechnet ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens – endet das Dienstverhältnis erst später, beginnt die Frist mit dem Ende neu zu laufen. Wer den Antrag versäumt, verliert den Anspruch gegen den Fonds.
Bei Kündigungen dieser Größenordnung greift außerdem das Frühwarnsystem des AMS nach § 45a AMFG: Beabsichtigte Kündigungen sind mindestens 30 Tage vorher anzuzeigen, auch im Insolvenzfall. Diese Sperrfrist ist kein Formalakt – sie verschafft dem AMS Zeit, mit Beratung, Vermittlung oder einer Insolvenzstiftung einzugreifen, bevor die Kündigungen wirksam werden. Anlaufstelle für die Betroffenen aus Raaba ist das AMS Graz, für Fürstenfeld die Zweigstelle in der Kommendegasse 5, die montags und dienstags bis 15:30 Uhr, mittwochs bis freitags bis 12:30 Uhr offen hat.
Bis das Insolvenz-Entgelt tatsächlich am Konto liegt, vergehen erfahrungsgemäß rund zwei Monate. Genau diese Lücke schließt eine steirische Besonderheit: Die Arbeiterkammer Steiermark vergibt an ihre Mitglieder ein zinsloses Überbrückungsdarlehen von bis zu 70 Prozent des monatlichen Nettobezugs, gedeckelt mit 2.000 Euro pro Monat und insgesamt 6.000 Euro für maximal drei Monate. Voraussetzung sind belegte Ansprüche, etwa über Lohnzettel oder eine Bestätigung des Verwalters; die Soforthilfe gilt für Insolvenzen bis 31. Dezember 2026 und wird später aus dem Insolvenz-Entgelt zurückgeführt. Termine für die Beratung gibt es unter 05-7799-3000. Wer vor der Unterschrift unter eine einvernehmliche Auflösung steht, holt sich dort besser vorher Rat.
Gutscheine, Anzahlungen, Gewährleistung: was für Kunden gilt
Der heikelste Punkt sind Gutscheine. Rechtlich ist ein Gutschein eine Forderung gegen das Unternehmen. Wurde er vor der Verfahrenseröffnung am 30. Juni gekauft, ist er eine Insolvenzforderung – er darf ab Eröffnung grundsätzlich nicht mehr eingelöst werden, und der Inhaber bekommt im besten Fall die Quote, wie die Konsumentenschützer des VKI festhalten. Weil die Anmeldung Gerichtsgebühr kostet, zahlt sie sich bei kleinen Beträgen praktisch nie aus. Fortgeführte Betriebe akzeptieren Gutscheine in der Praxis oft trotzdem weiter – Hellweg hatte zu Verfahrensbeginn angekündigt, dass Kundenkarte und Rabatte gültig bleiben. Verlassen sollte man sich darauf nicht: Wer noch einen Gutschein hat, klärt am besten direkt im Markt, ob und wie lange er eingelöst wird, und tut das rasch.
Dasselbe Muster gilt für Anzahlungen auf noch nicht gelieferte Ware. Gerade Raaba und Fürstenfeld haben Beratungstermine für größere Projekte wie Fenster, Wintergärten oder Sondermaße angeboten – hier lohnt der Anruf, ob der Auftrag noch abgewickelt wird. Wer im Abverkauf kauft, zahlt Zug um Zug und ist damit auf der sicheren Seite. Die Gewährleistung läuft bei Käufen vor der Eröffnung ins Leere, weil auch sie zur Insolvenzforderung wird; bei Markenware bleibt die Herstellergarantie davon unberührt.
Wo es weiter Baumarkt gibt
In Fürstenfeld bleiben zwei Adressen. Der Obi-Markt in der Körmender Straße 27 öffnet montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr und samstags von 7 bis 17 Uhr, Telefon 03382 530150. Das Lagerhaus Thermenland in der Jahnstraße 5 deckt Baustoffe, Haus und Garten ab, sperrt aber deutlich früher zu: werktags 8 bis 17 Uhr, samstags nur bis 12 Uhr.
Im Grazer Süden ist die Auswahl größer. Der nächstgelegene Ersatz für Raaba ist der Obi-Markt am St.-Peter-Gürtel, einer von drei Obi-Standorten in Graz. Wenige Autominuten weiter westlich liegen in Seiersberg die beiden größten Märkte der Region, Bauhaus und Hornbach, dazu der Werkzeugspezialist Zgonc. Genau diese Ballung ist Teil der Erklärung, warum ein Käufer beim Standort Raaba zögert.
Einordnung: kein Einzelfall in der Steiermark
Die Hellweg-Schließungen fallen in ein Jahr, in dem die steirische Insolvenzstatistik ohnehin nach oben zeigt. Im ersten Halbjahr 2026 meldeten laut KSV1870 388 steirische Unternehmen Insolvenz an, um 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr, im Schnitt knapp zwei pro Tag. Die Passiva sprangen auf rund 597 Millionen Euro, ein Plus von 241 Prozent, getrieben von einigen Großverfahren. Betroffen waren 1.870 Dienstnehmer und damit um 76 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bau, Handel sowie Gastronomie und Beherbergung stellten zusammen 43 Prozent aller Firmenpleiten. Eine laufend aktualisierte Übersicht führt die Seite zu den Insolvenzen in der Steiermark 2026.
Für die Gemeinde Raaba-Grambach ist es der zweite größere Fall binnen weniger Monate: Ende April eröffnete das Landesgericht Graz das Sanierungsverfahren über die Fürgast Betriebsgastronomie GmbH mit dem Hotel „Das Grambacher“, damals mit 47 Dienstnehmern und 11,4 Millionen Euro Passiva. Das Gewerbegebiet an der A2-Abfahrt lebt von Frequenz – fällt ein Frequenzbringer aus, spüren das die Nachbarn.
Der Fahrplan bis Ende September
- Kurzfristig: Entscheidung des Landesgerichts Linz über den Schließungsantrag; danach beginnt der Abverkauf der Warenbestände über das Verwertungsunternehmen.
- 11. September 2026: Ende der Frist, um Forderungen im Verfahren anzumelden.
- 25. September 2026: Prüfungs- und Sanierungsplantagsatzung am Landesgericht Linz. Dann stimmen die Gläubiger über die 30-Prozent-Quote ab.
Nimmt die Gläubigermehrheit den Sanierungsplan an und kommt der Verkauf der vier verbliebenen Märkte zustande, überlebt das Geschäft – möglicherweise unter anderem Namen. Scheitert eines von beidem, droht die Verwertung des gesamten Unternehmens. Für die 44 Beschäftigten in Raaba und Fürstenfeld ändert das nichts mehr.
Stand: 12. August 2026. Verfahrensdaten laut KSV1870 und AKV Europa, Angaben zu den Schließungen laut Aussendung von Hellweg Österreich vom 12. August 2026, Insolvenzstatistik laut KSV1870-Halbjahresbilanz.
Häufige Fragen
Wann sperren die Filialen Raaba und Fürstenfeld zu?
Ein Datum steht nicht fest. Zuerst muss das Landesgericht Linz über den Schließungsantrag entscheiden, danach folgt der Abverkauf der Warenbestände. Bis dahin gelten die regulären Öffnungszeiten.
Bleibt der Hellweg in Graz-Eggenberg offen?
Ja. Eckertstraße 5 zählt zu den vier Standorten, die an den Investor übergeben werden sollen. Ein Abschluss ist damit aber noch nicht garantiert.
Kann ich meinen Hellweg-Gutschein noch einlösen?
Rechtlich sind vor dem 30. Juni 2026 gekaufte Gutscheine Insolvenzforderungen und damit nur mit der Quote werthaltig. Ob der Markt sie faktisch weiter annimmt, klärt am besten eine Nachfrage vor Ort – und zwar zeitnah.
Wie viele Hellweg-Märkte bleiben in Österreich?
Nach den beiden Schließungen sind es vier: Graz-Eggenberg, Kirchdorf an der Krems, Ried im Innkreis und Straßwalchen.