Als das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz am 22. April 2026 den Konkurs über die Domaines Kilger Schloss Gamlitz Betriebs GmbH eröffnete, standen Schulden von rund 2,13 Millionen Euro Aktiva von 27.000 Euro gegenüber. Fünf Tage später ordnete das Gericht die Schließung des Unternehmens an. Für die Paare, die auf dem Schloss heiraten wollten und dafür angezahlt hatten, war das die denkbar schlechteste Ausgangslage. Seit 12. August steht fest, wie es weitergeht: Ab 1. September 2026 führt die JUFA-Hotelgruppe den Betrieb gemeinsam mit Schlosseigentümer Arnold Melcher weiter.
Die Pleite traf den Betreiber, nicht das Schloss
Dieser Unterschied entscheidet über alles Weitere. Das Gebäude selbst gehört der Familie Melcher, die es um 1900 erworben hat. Arnold Melcher führt an der Eckberger Weinstraße 32 seit 1. Juni 1997 ein Einzelunternehmen mit rund 28 Hektar Landwirtschaft, etwa ein Viertel davon Weinbau. Die insolvente Gesellschaft wurde dagegen erst 2018 gegründet und betrieb lediglich Hotellerie und Gastronomie im Schloss – sie war Pächterin, nicht Eigentümerin.
Deshalb konnte der Betrieb in wenigen Monaten neu vergeben werden, statt in der Verwertungsmasse zu verschwinden. Melcher und JUFA führen das Haus künftig gemeinsam, die operative Verantwortung liegt bei der Hotelgruppe. Für die Eventschiene hat JUFA Verena Kubik zurückgeholt, eine erfahrene Veranstaltungsfachfrau, die exklusiv für diesen Bereich zuständig ist.
Die Anzahlungen sind der eigentliche Knackpunkt
Wer vor der Konkurseröffnung Geld an die Betriebsgesellschaft überwiesen hat, ist damit Insolvenzgläubiger geworden – mit Anspruch auf die Quote, nicht auf die Leistung. Wie hoch diese Quote ausfällt, lässt sich in diesem Fall bereits beziffern: Am 10. Juni 2026 zeigte der Masseverwalter dem Gericht an, dass die Insolvenzmasse nicht einmal ausreicht, um die Masseforderungen zu erfüllen. Diese Anzeige nach § 124a der Insolvenzordnung bedeutet, dass der Verwalter die Zahlungen einstellen muss und Masseforderungen Vorrang haben. Für gewöhnliche Insolvenzforderungen – und dazu zählen geleistete Anzahlungen – bleibt danach praktisch nichts übrig.
Genau an diesem Punkt setzt die Lösung an, und sie ist ungewöhnlich: Arnold Melcher trägt die Hälfte aller bereits geleisteten Hochzeits-Anzahlungen persönlich. Rechtlich schuldet er den Paaren nichts, ihre Verträge liefen mit der Betriebsgesellschaft. Verena Kubik formuliert die Zusage in der gemeinsamen Aussendung so: „Sämtliche Veranstaltungen inklusive deren Anzahlungen und alle Zimmerbuchungen bleiben in vollem Umfang aufrecht.“ Im April war von rund 25 vorgebuchten Hochzeiten die Rede, zuletzt von 35 betroffenen Feiern.
Was Betroffene jetzt konkret erledigen sollten
- Buchung schriftlich neu bestätigen lassen. Der alte Vertrag lief mit einer geschlossenen Gesellschaft. Verbindlich ist erst eine Bestätigung des neuen Betriebs – mit Datum, Räumen, Leistungsumfang und der Anrechnung der Anzahlung.
- Zahlungsbelege aufheben. Kontoauszug oder Zahlungsbestätigung sind der Nachweis für die Höhe der angerechneten Summe.
- Die zweite Hälfte klären. Die Zusage Melchers deckt die Hälfte ab. Wie der Rest behandelt wird – Anrechnung, Nachzahlung oder Verzicht – gehört vor der Unterschrift geklärt.
- Die Forderungsanmeldung realistisch einschätzen. Die Anmeldefrist endete am 4. Juni 2026, nachträgliche Anmeldungen kosten Gerichtsgebühr. Angesichts der Masseunzulänglichkeit zahlt sich das bei üblichen Anzahlungshöhen kaum aus.
Die Insolvenz in Zahlen
| Domaines Kilger Schloss Gamlitz Betriebs GmbH | Wert |
|---|---|
| Verfahrenseröffnung | 22. April 2026, LGZ Graz (25 S 94/26z) |
| Verfahrensart | Konkursverfahren |
| Masseverwalter | Dr. Gerhard Petrowitsch, Kadagasse 11, 8430 Leibnitz |
| Passiva | rund 2,13 Mio. € (bis zu 6,2 Mio. € inklusive verbundener Unternehmen) |
| davon Banken | 1,57 Mio. €, Lieferanten und Dienstleister rund 295.000 € |
| Aktiva | rund 27.000 € |
| Gläubiger / Dienstnehmer | 57 / 15 |
| Schließung angeordnet | 27. April 2026 |
| Anmeldefrist / Prüfungstagsatzung | 4. Juni 2026 / 18. Juni 2026 |
| Masseunzulänglichkeit angezeigt | 10. Juni 2026 |
Als Ursachen nannte das Unternehmen die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie, inflationsbedingt gestiegene Kosten und den anhaltenden Personalmangel in der Gastronomie. Details zum Verfahren stehen in der amtlichen Insolvenzdatei der Justiz.
Sechs Verfahren aus einem Firmengeflecht
Das Schloss ist nur ein Baustein im Zusammenbruch der Unternehmensgruppe des bayerischen Investors Hans Kilger, der in der Südsteiermark einst als Großinvestor auftrat. Den Anfang machte am 23. Februar 2026 die Muttergesellschaft, und zwar nicht auf Eigenantrag, sondern auf Antrag eines Gläubigers. Bei der ersten Gläubigerversammlung standen Passiva von rund 81,5 Millionen Euro Aktiva von rund 68,6 Millionen Euro gegenüber, darunter über 40 Millionen Euro Bankschulden und rund 34 Millionen Euro an Forderungen verbundener Unternehmen. Zuletzt beschäftigte die Gruppe etwa 230 Menschen. In der Insolvenzdatei sind derzeit sechs steirische Verfahren mit dem Namen Kilger eingetragen:
| Gesellschaft | Sitz / Aktenzeichen | Stand |
|---|---|---|
| Domaines Kilger GmbH & Co KG | Gamlitz, 25 S 51/26a | Konkurs seit 23. Februar 2026, rund 81,5 Mio. € Passiva |
| Domaines Kilger GmbH | Wies, 25 S 58/26f | Konkurs seit 11. März 2026, Unternehmen bleibt geschlossen |
| Domaines Kilger Gastro GmbH | Leibnitz, 27 S 58/26w | Sanierungsverfahren seit 25. März 2026, betrifft Jaglhof und Stupperhof, 14 Dienstnehmer |
| Domaines Kilger Schloss Gamlitz Betriebs GmbH | Gamlitz, 25 S 94/26z | Konkurs seit 22. April 2026, geschlossen, Masse unzulänglich |
| Domaines Kilger Wein GmbH | Gamlitz, 27 S 78/26m | seit 23. April 2026, 200.000 € Passiva, 6 Dienstnehmer, Quote 30 % in zwei Jahren, Fortführung auf 15 bis 20 Hektar |
| Kilger KG | Leibnitz, 25 S 143/26f | Sanierungsverfahren seit 23. Juli 2026, Immobilienvermietung, rund 2,68 Mio. € Passiva |
Der jüngste Fall zeigt die Kettenwirkung besonders deutlich: Bei der Kilger KG, die Objekte in Leibnitz und Heimschuh vermietet, stellte die finanzierende Bank nach den Insolvenzen in der Gruppe die Kreditlinie fällig. Von den rund 2,68 Millionen Euro Passiva entfallen etwa 2,45 Millionen auf Bankverbindlichkeiten. Die zunächst gewährte Eigenverwaltung wurde bereits am 28. Juli wieder entzogen. Laufend aktualisierte Fälle finden Sie in der Übersicht der steirischen Firmeninsolvenzen 2026.
Was JUFA mit dem Schloss vorhat
Die sichtbarste Änderung betrifft die Vinothek. Bisher lagen dort ausschließlich Weine der Domaines Kilger, künftig sollen auch andere Gamlitzer Winzer vertreten sein. JUFA-Chef Gerhard Wendl will daraus ein Schaufenster für die Region machen, die Vinothek solle sich „zu einem lebendigen Aushängeschild für die herausragende Feinkost und Weinkunst der gesamten Region“ entwickeln.
Wirtschaftlich ist das mehr als Symbolik. Gamlitz ist die größte Weinbaugemeinde der Steiermark, und ein Verkaufsplatz im Schloss war bisher für genau einen Betrieb reserviert. Öffnet er sich, entsteht für die Winzer entlang der Südsteirischen Weinstraße ein zusätzlicher Absatzkanal an einem Ort, an den Gäste ohnehin kommen.
Für JUFA passt das Haus in eine Linie, die die Gruppe seit einem Jahr verfolgt: historische Objekte als exklusive Hochzeits- und Veranstaltungsorte. Das Muster dafür steht im Gesäuse. Das JUFA Hotel Schloss Röthelstein bei Admont sperrte am 3. Juli 2026 nach zwei Jahren Pause wieder auf – mit 41 Zimmern, Rittersaal, Schlosskapelle und der Möglichkeit, das gesamte Schloss exklusiv zu mieten.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt, denn JUFA kommt selbst gerade aus einer Sanierung. Der 1991 von Wendl gegründeten Gruppe fehlten nach der Pandemie 16 Millionen Euro an liquiden Mitteln, fünf Häuser wurden zugesperrt. Im Juli 2025 stieg EOSS Industries als Mehrheitseigentümer ein, die JUFA-Privatstiftung blieb als Partner an Bord, Wendl blieb Geschäftsführer. Heuer folgten die Wiedereröffnungen von Röthelstein, Pöllau und Seckau. Aktuell umfasst die Gruppe knapp 60 Standorte in Österreich, Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz mit rund 1.500 Beschäftigten.
Was das Haus zu bieten hat
Das Schloss ist das einzige aus dem 16. Jahrhundert erhaltene Herrenhaus von Gamlitz. Der dreigeschossige Bau geht in seiner heutigen Form auf das 17. und 18. Jahrhundert zurück, im Untergeschoß liegen ausgedehnte Weinkeller. 1990 fand hier die steirische Landesausstellung zur Weinkultur statt; deren Exponate bilden bis heute das Weinmuseum im Haus.
Für Feiern stehen laut Angaben des Hauses mehrere Bereiche zur Verfügung: der Festsaal für bis zu 120 Personen, das Schlossrestaurant EMMY für bis zu 30 Personen, dazu Schlosshof, Weide, ein moderner Schlosskeller und ein 450 Jahre alter, denkmalgeschützter Weinkeller. Übernachtet wird in Doppelzimmern, Apartments und im Presshaus.
Was für Gäste ab September gilt
Bestehende Zimmerbuchungen und Veranstaltungstermine gelten unverändert weiter, der Betreiberwechsel erfolgt zum 1. September. Wer eine offene Frage zu einem Termin hat, wendet sich am besten direkt an das Haus an der Eckberger Weinstraße 32 in 8462 Gamlitz, telefonisch unter +43 3453 2363. Die bisherige E-Mail-Adresse endet auf die Domain der insolventen Gruppe und dürfte mit dem Wechsel auslaufen – für alles Verbindliche ist die neue Bestätigung des künftigen Betriebs maßgeblich.
Für die Region ist die Lösung mehr als eine Randnotiz. Der Bezirk Leibnitz lebt wirtschaftlich zu einem guten Teil vom Zusammenspiel aus Weinbau, Tourismus und Industrie. Ein leerstehendes Schloss mitten in der größten Weinbaugemeinde hätte in der Hochsaison eine sichtbare Lücke hinterlassen – samt der Gäste, die für eine Hochzeit zwei Nächte in der Umgebung bleiben.