87.110 steirische Haushalte heizen mit Öl, nur in Tirol sind es mehr. Seit 10. Juli 2026 gab es vom Bund für den Tausch dieser Kessel keinen Cent mehr, weil das Jahresbudget nach gut sechs Monaten aufgebraucht war. Ab 2. November 2026 öffnet die Registrierung wieder: Die Bundesregierung hat am Sonntag, 11. Oktober 2026, ihre Sanierungsoffensive 2027 vorgestellt und den Rahmen von 360 auf 500 Millionen Euro aufgestockt. 321 Millionen gehen in die thermische Sanierung, 179 Millionen in den Heizkesseltausch. Für den Start im November werden rund 20 Millionen Euro aus Rückflüssen des laufenden Jahres verwendet, das Budget 2027 steht ab 4. Jänner 2027 bereit.
Was ab 2. November gilt und was noch offen ist
Der Fahrplan ist klar, die Förderrichtlinie nicht. Bundeskanzler Christian Stocker, Umweltminister Norbert Totschnig und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (alle ÖVP) haben Eckpunkte genannt, aber noch kein Infoblatt veröffentlicht. Auf sanierungsoffensive.gv.at steht am 12. Oktober 2026 als jüngste Meldung weiterhin das Ende der Aktion 2026 vom 10. Juli. Was bisher öffentlich ist:
- Heizkesseltausch: Registrierung ab 2. November 2026, zunächst aus rund 20 Millionen Euro freigewordener Mittel 2026, ab Jänner aus den 179 Millionen des Budgets 2027. Für den Anschluss eines Einfamilienhauses an erneuerbare Fernwärme nennt die Regierung laut heute.at bis zu 4.000 Euro. Pauschalen für Wärmepumpe und Holzheizung wurden nicht genannt.
- Fenster: bis zu 4.000 Euro für den Tausch alter Fenster im Rahmen einer Sanierung, mit außenliegendem Sonnenschutz bis zu 5.000 Euro. Der Bund übernimmt höchstens 30 Prozent der förderungsfähigen Kosten. Dass Beschattung erstmals mitgefördert wird, bezeichnet SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr als Lehre aus dem Hitzesommer.
- Mehrgeschoßiger Wohnbau: bis zu 100 Euro je Quadratmeter bei umfassender thermischer Sanierung, dazu 150 Euro je Quadratmeter begrünter Fläche. Auch gemeinnützige Bauträger sollen antragsberechtigt sein, Mieter profitieren damit indirekt.
- Verfahren: Die Sanierungsförderungen werden in einem Schema zusammengefasst, die Antragstellung soll einfacher werden.
Zwei Punkte aus dem Frühjahr stehen quer zu dieser Ankündigung. In der Budgetrede vom 10. Juni 2026 hatte Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) den Fördersatz beim Kesseltausch von 30 auf 20 Prozent gesenkt und damit rund 30.000 Heizungstäusche pro Jahr finanzieren wollen, wie das Fachmagazin TGA aus den Budgetunterlagen zitiert. Die thermische Sanierung sollte zudem auf einen Finanzierungszuschuss umgestellt werden, also auf eine Förderung der Kreditzinsen statt eines Zuschusses zur Investition. Ob die 20 Prozent beim Kesseltausch bleiben und ob die 321 Millionen als Zuschuss oder Zinsförderung fließen, geht aus den Unterlagen vom Sonntag nicht hervor. Dazu kommt die Kritik der WKÖ-Bundessparte Gewerbe und Handwerk vom 18. August 2026: Nach dem damaligen Diskussionsstand hätte der Fernwärmeanschluss weiter Vorrang, Wärmepumpen und Holzheizungen bekämen nur dann Geld, wenn ein Anschluss technisch unmöglich oder wirtschaftlich unzumutbar ist. Genau diese Regel galt schon 2026.
Wie sich die Pauschalen von 2026 bei einem konkreten Kesseltausch rechnen und wie das Verfahren bei der KPC Schritt für Schritt ablief, zeigt das Hausbau Magazin in seinem Beitrag zur Sanierungsoffensive 2027 mit einem Rechenbeispiel.
| Eckpunkt | Sanierungsoffensive 2026 | Sanierungsoffensive 2027 |
|---|---|---|
| Budget gesamt | 360 Mio. Euro (ein Topf) | 500 Mio. Euro (zwei Töpfe) |
| Thermische Sanierung | gestoppt am 2. Februar 2026 | 321 Mio. Euro, Start 4. Jänner 2027 |
| Heizkesseltausch | gestoppt am 10. Juli 2026 | 179 Mio. Euro, Registrierung ab 2. November 2026 |
| Pauschalen Kesseltausch Einfamilienhaus | 6.500 Fernwärme / 7.500 Wärmepumpe / 8.500 Holz | Fernwärme bis 4.000 Euro, übrige offen |
| Deckel | 30 % der förderungsfähigen Kosten | 30 % laut Regierung, 20 % laut Budgetrede (Kesseltausch) |
| Geförderte Haushalte | rund 53.000 (Kesseltausch) | rund 30.000 Heizungstäusche pro Jahr geplant |
Quellen: BMLUK vom 10. Juli 2026, ORF vom 11. Oktober 2026, WKÖ vom 11. Oktober 2026, TGA zur Budgetrede. Stand 12. Oktober 2026.
Steiermark: fast jeder fünfte Ölkessel Österreichs steht hier
Nirgendwo in Österreich hängt so viel an dieser Förderung wie in der Steiermark und in Tirol. Von den 443.142 Ölheizungen, die Statistik Austria für 2024 als Hauptheizsystem zählt, stehen 87.110 in der Steiermark, das sind 19,7 Prozent. Beim Gas ist das Land dagegen Nebenschauplatz: 40.706 Gasheizungen entsprechen 7,1 Prozent der steirischen Haushalte, bundesweit heizt jeder fünfte mit Gas. Zusammen laufen in der Steiermark 127.816 fossile Hauptheizungen, die für den Kesseltausch in Frage kommen.
| Hauptheizsystem | Steiermark | Anteil Stmk | Österreich | Anteil Ö |
|---|---|---|---|---|
| Heizöl | 87.110 | 15,3 % | 443.142 | 10,7 % |
| Erdgas | 40.706 | 7,1 % | 843.691 | 20,4 % |
| Fernwärme | 205.635 | 36,1 % | 1.329.799 | 32,2 % |
| Holz | 125.916 | 22,1 % | 668.908 | 16,2 % |
| Wärmepumpe | 69.062 | 12,1 % | 591.874 | 14,3 % |
| Strom (direkt) | 41.203 | 7,2 % | 258.086 | 6,3 % |
| Haushalte gesamt | 569.632 | 100 % | 4.125.521 | 100 % |
Quelle: Statistik Austria, Mikrozensus Energieeinsatz der Haushalte 2023/24, Hauptwohnsitze, aufbereitet im Klimadashboard. Anteile eigene Berechnung, Österreich-Summe aus den Bundesländerwerten.
Eine Überschlagsrechnung zeigt, wie weit die 179 Millionen reichen. Teilt man sie durch die geplanten 30.000 Täusche, bleiben knapp 6.000 Euro je Anlage. Entfällt auf die Steiermark ein Anteil, der ihrem Fünftel am Ölkesselbestand entspricht, wären das etwa 6.000 steirische Heizungen im Jahr. Bei diesem Tempo wären allein die bestehenden Ölkessel des Landes erst in rund 15 Jahren ausgetauscht, die Gaskessel nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Das Land Steiermark hat allein 2025 rund 8.600 Heizungstausch-Fälle aus dem alten Landesprogramm abgerechnet, wie Michael Sebanz von der Fachabteilung Energie und Wohnbau dem ORF Steiermark sagte.
Was das Land Steiermark dazulegt, und was nicht
Wer einen Öl- oder Gaskessel ersetzt, bekommt vom Land Steiermark nichts. Diese Lücke füllt seit 2026 ausschließlich der Bund, und sie klafft seit 10. Juli. Die steirische Landesförderung deckt nur den umgekehrten Fall: den Tausch einer mindestens 15 Jahre alten Biomasseheizung oder Wärmepumpe gegen eine neue erneuerbare Anlage, mit 3.000 Euro für Biomasse auf Biomasse und 1.500 Euro für den Wechsel auf eine Wärmepumpe. Das Land weist dafür auf seiner Förderseite ein Budget von 700.000 Euro für 2026 aus, am 6. Oktober 2026 waren noch 27 Prozent davon frei. Die Aktion endet am 31. Dezember 2026. Die Sätze, Abschläge und das Rechenbeispiel zum Kesseltausch stehen im Beitrag zum Heizungstausch in der Steiermark nach dem Förderstopp.
Beim Dämmen sieht es anders aus. Der Sanierungspass des Landes, offiziell „Thermische Sanierung mit Sanierungskonzept“, zahlt 10 bis 30 Prozent je nach Zahl der Maßnahmen, ist mit 20 Millionen Euro dotiert und vorerst bis 31. Dezember 2026 befristet. Die Budgetanzeige auf der Förderseite des Landes zeigte am 6. Oktober 2026 noch 23 Prozent verfügbare Mittel. Die Richtlinie in der Fassung vom 1. Oktober 2026 enthält einen Satz, der mit der Bundesförderung 2027 Gewicht bekommt: Landes- und Bundesförderung dürfen für dieselbe Maßnahme zusammen höchstens 30 Prozent der förderungsfähigen Investitionskosten ausmachen. Wer sich vom Land schon 30 Prozent für vier Maßnahmen holt, kann die Bundespauschale ab Jänner also nicht einfach obendrauf legen. Eine KPC-Zusage des Bundes ist bei der Endabrechnung beim Land vorzulegen.
Das wirft eine Terminfrage auf, die das Land bisher nicht beantwortet hat: Die Bundesförderung startet am 4. Jänner 2027, der Sanierungspass läuft Ende Dezember aus, sofern das Restbudget nicht schon vorher weg ist. Ob das Land die Aktion 2027 fortführt und wie beide Töpfe dann zusammenspielen, war am 12. Oktober 2026 auf der Förderseite nicht angekündigt. Für die Große Eigenheimsanierung, also Kauf plus Sanierung eines alten Hauses mit Landesdarlehen bis 80.000 Euro und Zuschuss bis 24.000 Euro, standen am 6. Oktober noch 87 Prozent des Darlehensbudgets bereit.
Volle Auftragsbücher am Bau, leere bei den Installateuren
Stocker begründete das Paket mit der Konjunktur: „Wir kurbeln die Bauwirtschaft an, sichern Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.“ Hattmannsdorfer formulierte es so: „Aus Bauplänen sollen volle Auftragsbücher und sichere Jobs werden.“ Für das steirische Baugewerbe trifft das Bild nur zur Hälfte. In der Konjunkturerhebung der Bundesinnung Bau zum zweiten Quartal 2026 melden die steirischen Betriebe mit 22,3 Wochen den höchsten Auftragsbestand aller Bundesländer, 1,5 Wochen mehr als im Vorjahr und deutlich über dem Österreich-Wert von 16,7 Wochen. Gleichzeitig zeichnete der Baugipfel vom 18. Mai 2026 ein anderes Bild: Die Zahl der bei der Bauarbeiter-Urlaubskasse gemeldeten Beschäftigten in der Steiermark sank von 22.487 im Oktober 2021 auf 18.531 im März 2026, ein Minus von 17,6 Prozent. 30 Prozent der befragten Betriebe erwarteten laut WKO Steiermark sinkende Auftragsbestände, nur 11 Prozent vollere Bücher.
Härter getroffen hat der Förderstopp die Heizungstechniker. Anton Berger, Bundesinnungsmeister der Installateure, sprach im September 2025 nach dem Ende des Vorgängerprogramms davon, dass „ein ganzes Standbein weggebrochen“ sei; Hausbesitzer warteten auf neue Förderungen, statt zu tauschen. Nach der Budgetrede im Juni 2026 verlangte er, dass es keinen Förderstopp mehr geben dürfe und die Registrierung sofort wieder aufgehen müsse, wenn ein Topf leer ist (WKO Installateure). Genau diese Lücke von knapp vier Monaten, 10. Juli bis 2. November, hat die Branche heuer trotzdem bekommen. WKÖ-Präsidentin Martha Schultz begrüßte das Paket mit dem Satz: „Entscheidend ist jetzt, dass die Förderungen rasch in konkrete Projekte münden.“
Kritik kommt von zwei Seiten. FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm nannte die Offensive am 11. Oktober „teure Augenauswischerei“ und forderte Steuersenkungen statt eines „Bürokratiemonsters“. Greenpeace hatte im Juli die damals geplanten Mittel für die thermische Sanierung als viel zu niedrig bezeichnet; mit der Aufstockung auf 321 Millionen ist dieser Einwand zumindest zahlenmäßig entkräftet. Offen bleibt, warum das Doppelbudget die Sanierungsoffensive samt „Sauber Heizen für Alle“ mit 345 Millionen Euro für 2027 veranschlagt, die Regierung aber 500 Millionen ankündigt. Eine Erklärung, woher die zusätzlichen 140 Millionen für die thermische Sanierung kommen, blieb am Sonntag aus.
Was steirische Haushalte bis 2. November erledigen können
Wer 2026 noch registriert war, muss nichts Neues tun: Diese Registrierungen laufen weiter, 273 Tage ab Registrierung, Einreichung längstens bis 31. Dezember 2026. Für alle anderen gilt, dass die Registrierung 2026 nach dem Prinzip der Reihenfolge vergeben wurde und die 20 Millionen aus Rückflüssen, die im November zur Verfügung stehen, bei Pauschalen um 4.000 bis 7.000 Euro für höchstens 3.000 bis 5.000 Anlagen reichen. Vorbereitung lohnt sich daher:
- Energieberatung. 2026 verlangte der Bund für die Registrierung ein Energieberatungsprotokoll des Bundeslandes. Ob das 2027 wieder gilt, ist offen; die Energieberatung des Landes in der Landhausgasse 7 in Graz (Telefon 0316 877-3955) berät produktunabhängig und hat vor Förderstarts regelmäßig Wartezeiten.
- Fernwärme prüfen. Liegt eine Leitung in der Straße, war 2026 der Anschluss die einzige geförderte Variante, sofern Wärmepumpe oder Holzkessel nicht mindestens 25 Prozent günstiger kamen. Die WKÖ-Kritik vom August deutet darauf hin, dass diese Regel bleibt.
- Angebote einholen, aber nicht beauftragen. 2026 waren Lieferungen ab 3. Oktober 2025 förderbar, also ab dem Datum der Programmankündigung. Für 2027 ist kein Stichtag veröffentlicht. Bis zur Registrierungsbestätigung sollte kein Vertrag unterschrieben sein.
- Vorlauftemperatur klären. Höchstens 55 Grad musste das Wärmeabgabesystem 2026 schaffen. In unsanierten Häusern mit kleinen Radiatoren scheitert eine Wärmepumpe daran, nicht am Geld.
- Steuer mitnehmen. Das Öko-Sonderausgabenpauschale bringt bei einem geförderten Kesseltausch 400 Euro jährlich über fünf Jahre, bei einer geförderten thermischen Sanierung 800 Euro, sofern nach Abzug aller Förderungen mehr als 2.000 beziehungsweise 4.000 Euro Kosten übrig bleiben. Voraussetzung ist eine ausbezahlte Bundesförderung, die Landesförderung allein genügt nicht.
Wer dämmt statt heizt, hat eine zweite Entscheidung zu treffen: jetzt beim Land registrieren, solange die 23 Prozent reichen, oder auf den Bund im Jänner warten. Wegen der gemeinsamen 30-Prozent-Grenze bringt die Kombination weniger, als die Summe der Sätze vermuten lässt. Für Fenster und Sonnenschutz hat der Bund mit 5.000 Euro eine Obergrenze genannt, die das Land bei vier Maßnahmen und 80.000 Euro anerkannten Kosten mit bis zu 24.000 Euro klar übertrifft. Wer sowieso mehrere Bauteile angeht, fährt mit dem Sanierungspass besser, wer nur Fenster tauscht, mit dem Bund. Was dabei beim außenliegenden Sonnenschutz zu beachten ist und welche Rolle der neue Energieausweis spielt, steht in den jeweiligen Beiträgen.
Häufige Fragen
Ab wann kann ich den Heizungstausch wieder einreichen?
Ab 2. November 2026. Die Registrierung läuft wie bisher über die Kommunalkredit Public Consulting, zunächst mit rund 20 Millionen Euro aus Rückflüssen des Jahres 2026. Ab 4. Jänner 2027 steht das Budget von 179 Millionen Euro bereit.
Wie viel gibt es 2027 für eine Wärmepumpe oder Pelletsheizung?
Das ist am 12. Oktober 2026 nicht veröffentlicht. Genannt wurden bis zu 4.000 Euro für den Fernwärmeanschluss eines Einfamilienhauses und ein Deckel von 30 Prozent der förderungsfähigen Kosten. Die Budgetrede vom Juni sah für den Kesseltausch 20 Prozent vor. 2026 lagen die Pauschalen bei 7.500 Euro für die Wärmepumpe und 8.500 Euro für Holzheizungen.
Fördert das Land Steiermark den Tausch einer Ölheizung?
Nein. Das Land fördert nur den Ersatz einer mindestens 15 Jahre alten, bereits erneuerbar betriebenen Anlage mit 3.000 Euro (Biomasse auf Biomasse) oder 1.500 Euro (auf Wärmepumpe), befristet bis 31. Dezember 2026. Für Öl und Gas ist allein der Bund zuständig.
Kann ich Sanierungspass und Bundesförderung kombinieren?
Ja, aber begrenzt. Laut Richtlinie des Landes vom 1. Oktober 2026 dürfen Landes- und Bundesförderung zusammen höchstens 30 Prozent der förderungsfähigen Investitionskosten derselben Maßnahme ausmachen. Die Zusage der KPC ist bei der Endabrechnung vorzulegen.
Was passiert mit meiner Registrierung aus 2026?
Sie bleibt gültig. Ab der Registrierung haben Sie 273 Tage für Umsetzung und Antrag, die Einreichung ist längstens bis 31. Dezember 2026 möglich. Es gelten die Pauschalen und Bedingungen von 2026, nicht die neuen.