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Aufgeschlagener Budgetband auf einem Besprechungstisch, daneben Taschenrechner, Brille und Eurogeld

Landesbudget Steiermark 2027: 594 Mio. Euro Defizit und die Folgen

190 Millionen Euro zahlt das Land Steiermark 2027 allein an Zinsen - um 43 Millionen mehr als heuer und deutlich mehr, als für Wirtschaft, Forschung und Arbeitsmarkt zusammen im Budget steht. Der Entwurf für den Landeshaushalt 2027, den die Landesregierung am 8. Oktober 2026 beschlossen hat, sieht Einnahmen von 8,86 Milliarden Euro und Ausgaben von 9,45 Milliarden Euro vor. Die Lücke von 594 Millionen Euro ist um 241 Millionen kleiner als 2026, liegt aber um 79 Millionen über dem Wert, den der Stabilitätspakt erlaubt. Der Schuldenstand steigt bis Ende 2027 auf 8,86 Milliarden Euro.

Die Eckzahlen des Entwurfs

Kennzahl Rechnungsabschluss 2025 Budget 2026 Entwurf 2027
Einzahlungen 8.409 Mio. Euro 8.413 Mio. Euro 8.859 Mio. Euro
Auszahlungen 9.174 Mio. Euro 9.248 Mio. Euro 9.454 Mio. Euro
Nettofinanzierungssaldo -765 Mio. Euro -835 Mio. Euro -594 Mio. Euro
Maastricht-Saldo des Landes samt ausgegliederten Einheiten -787 Mio. Euro -861 Mio. Euro -741 Mio. Euro
Schuldenstand am Jahresende 7.418 Mio. Euro 8.267 Mio. Euro 8.857 Mio. Euro
Zinsen für Finanzschulden - 147 Mio. Euro 190 Mio. Euro

Quelle: Land Steiermark, Informationsunterlage zum Entwurf des Landesbudgets 2027. Zinsen 2026 errechnet aus dem Wert 2027 und der ausgewiesenen Veränderung.

Binnen zwei Jahren wächst der Schuldenberg damit um 1,44 Milliarden Euro oder 19 Prozent. Der Landesrechnungshof hatte bereits im Juli gewarnt, die Schulden könnten bis 2029 auf mehr als zehn Milliarden Euro steigen, die Verschuldung pro Kopf von rund 5.833 Euro im Jahr 2025 auf knapp 8.000 Euro. Rechnet man die Gemeindeschulden dazu, liegt die Steiermark nach dieser Analyse unter den Bundesländern an der Spitze.

Woher die Verbesserung kommt

Die Landesregierung spricht von einem Konsolidierungskurs. Die Zahlen zeigen, dass die Ausgaben trotzdem weiter steigen: um 205 Millionen Euro oder 2,2 Prozent. Kleiner wird das Defizit, weil die Einnahmen mit plus 446 Millionen Euro mehr als doppelt so stark wachsen. Die größten Posten auf der Einnahmenseite:

Einnahme Betrag 2027 Veränderung zu 2026
Ertragsanteile an den Bundessteuern 3.147,4 Mio. Euro +126,5 Mio. Euro
Erträge aus Beteiligungen, Liegenschaftsverkäufen und Baurechten (Finanzressort) 95,8 Mio. Euro +95,8 Mio. Euro
Erträge aus Beteiligungen im Wirtschaftsressort 19,5 Mio. Euro +19,5 Mio. Euro
Landesanteil an der Nächtigungsabgabe 28,5 Mio. Euro +19,8 Mio. Euro
Dividende der Energie Steiermark AG 85,0 Mio. Euro +10,0 Mio. Euro
Wohnbauförderungsbeitrag 228,6 Mio. Euro +9,8 Mio. Euro

Quelle: Informationsunterlage zum Entwurf des Landesbudgets 2027, Globalbudgets Finanzen, Wirtschaft und Beteiligungsverwaltung.

Drei dieser Zeilen verdienen einen zweiten Blick. Die Beteiligungserträge von zusammen 115 Millionen Euro standen 2026 noch gar nicht im Budget. Laut Unterlage stammen sie aus dem Verkauf nicht betriebsnotwendiger Liegenschaften, aus Baurechten, Dividenden und der „Realisierung von Synergieeffekten“. Zusammen mit der höheren Dividende der Energie Steiermark machen sie rechnerisch gut die Hälfte der Verbesserung von 241 Millionen Euro aus. Ein Grundstück lässt sich aber nur einmal verkaufen: Ob diese Einnahmen 2028 wiederkehren, lässt der Entwurf offen.

Die Dividende des Landesenergieversorgers steigt von 75 auf 85 Millionen Euro. Erwirtschaftet wird sie von den Kunden des Landesenergieversorgers, Haushalten wie Betrieben. Und der Wohnbauförderungsbeitrag, den Dienstgeber und Dienstnehmer vom Lohn abführen, bringt dem Land 228,6 Millionen Euro - für Neubau und Sanierung sind als operative Mittel 121,2 Millionen Euro vorgesehen.

Was im Budget für die Wirtschaft steht

Das Bereichsbudget von Finanz- und Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer wächst auf der Ausgabenseite um 55 Millionen Euro, wovon allerdings 43 Millionen auf die höheren Zinsen entfallen. Für die Betriebe relevant sind diese Positionen:

Position Betrag 2027 Veränderung zu 2026
Zuschüsse an die Steirische Wirtschaftsförderung SFG 21,48 Mio. Euro -0,15 Mio. Euro
COMET-Kompetenzzentren 12,77 Mio. Euro +4,44 Mio. Euro
Silicon Austria Labs 9,76 Mio. Euro +1,03 Mio. Euro
Joanneum Research (Zuschuss für die Virtual Vehicle GmbH) 13,8 Mio. Euro +1,3 Mio. Euro
Wissenschaftsfonds 5,8 Mio. Euro +1,0 Mio. Euro
FH Joanneum 33,8 Mio. Euro unverändert
Arbeitsmarktförderungen 6,56 Mio. Euro -0,46 Mio. Euro
Bildungsscheck für Lehrlinge und Lehrabsolventen 0,2 Mio. Euro neu

Quelle: Informationsunterlage, Globalbudgets Wirtschaft, Wissenschaft & Forschung und Arbeit.

Das Muster ist deutlich: Mehr Geld fließt in die anwendungsnahe Forschung, also in die Zentren, an denen Industrie und Hochschulen gemeinsam entwickeln. Die COMET-Mittel steigen um mehr als die Hälfte. Ehrenhöfer nannte bei der Präsentation die Transformation der steirischen Automobilindustrie als Schwerpunkt, dazu passt der zusätzliche Zuschuss für das Grazer Fahrzeugforschungszentrum Virtual Vehicle. Für die Zulieferbetriebe rund um den Mobilitätscluster ACstyria und die Mikroelektronik im Silicon Alps Cluster ist das die wichtigste Botschaft des Entwurfs.

Die klassische Betriebsförderung über die SFG bleibt dagegen praktisch eingefroren und verliert damit real an Wert. Dasselbe gilt für die FH Joanneum, deren Gesellschafterzuschuss ausdrücklich nicht valorisiert wird, und für die Arbeitsmarktförderungen, die einen „Konsolidierungsbeitrag“ leisten. Angekündigt sind dort mehr Qualifizierungen in Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Neu ist ein kleiner Topf von 200.000 Euro für einen Bildungsscheck, der Lehrlingen, Lehrabsolventen und Kandidaten der außerordentlichen Lehrabschlussprüfung zugutekommt - ein Signal an Betriebe, die am Lehrstellenmarkt kaum Bewerber finden.

Straßen, Bahn und Bau: wo Aufträge entstehen

Das Verkehrsbudget ist eines der wenigen, die wachsen: um 10,2 Millionen auf 319,4 Millionen Euro. Der Zuwachs geht allerdings nicht in neue Straßen. Für Planung, Instandsetzung und Neubau von Landesstraßen stehen wie heuer 84,2 Millionen Euro bereit, und Verkehrslandesrätin Claudia Holzer beziffert die Teuerung im Straßenbau mit durchschnittlich zehn Prozent. Mit demselben Geld wird also weniger gebaut. Mehr gibt es für den Straßenerhaltungsdienst (47,6 Millionen, plus 4,8 Millionen) und für bestellte Verkehrsdienste samt Landesbahnen (177,0 Millionen, plus 6,9 Millionen). Der Radwegebau verliert eine Million Euro und hält bei 7,1 Millionen.

Weiterverfolgt werden laut Holzer die Neubauprojekte B 70 neu und B 68 neu sowie der niveaufreie Anschluss der B 320 bei Gröbming Ost. Bei der Murtalbahn läuft die gemeinsame Ausschreibung von Elektrozügen mit Tirol und Salzburg, der Startschuss für die Elektrifizierung.

Für die Bauwirtschaft sind zwei weitere Zeilen wichtig. Der Hochwasserschutz wird von 10,6 auf 18,4 Millionen Euro aufgestockt, die Wildbach- und Lawinenverbauung um 0,8 auf 3,6 Millionen - jeweils ohne die Kofinanzierung des Bundes, die dadurch ausgelöst wird. Welche Vorhaben anstehen, zeigt die Übersicht der Hochwasserschutzprojekte nach Bezirken. In der Wohnbauförderung steigen die operativen Mittel für Neubau und Sanierung um 3,6 auf 121,2 Millionen Euro, nachdem die Fertigstellungen 2025 um 27 Prozent eingebrochen waren.

Gekürzt wird bei Energie und Klimaschutz, von 30,7 auf 23,2 Millionen Euro. Der größte Brocken: Das Land steigt aus der Kofinanzierung von „Sauber Heizen für Alle“ aus und spart 5,5 Millionen Euro, die Förderung für einkommensschwache Haushalte trägt ab 2027 nur noch der Bund. Installateure sollten das bei der Beratung zum Heizungstausch berücksichtigen.

Tourismus: mehr Abgabe, weniger Marketing

Die auffälligste neue Einnahme kommt von den Gästen. Der Landesanteil an der Nächtigungsabgabe ist mit 28,5 Millionen Euro veranschlagt, um 19,8 Millionen mehr als 2026 - Begründung in der Unterlage: „Anhebung der Sätze“. Geplant sind 4,90 Euro pro Person und Nacht in Beherbergungsbetrieben, 3,90 Euro am Campingplatz und 2,90 Euro auf Schutzhütten. Was das für Gäste und Vermieter bedeutet, steht im Beitrag zur Erhöhung der Nächtigungsabgabe.

Zurück in den Tourismus fließen davon 8,5 Millionen Euro: Der Tourismusförderungsfonds samt Investitionskostenzuschüssen wächst um 5,24 auf 10,18 Millionen Euro, die Förderung der regionalen Zusammenarbeit um 3,29 auf 6,32 Millionen. Die Differenz von gut elf Millionen Euro bleibt im allgemeinen Haushalt. Gleichzeitig muss die landeseigene Tourismusmarketinggesellschaft STG mit 4,02 Millionen Euro auskommen, 560.000 Euro weniger als heuer. Auch die nichtgewerblichen Tourismusförderungen sinken um 390.000 Euro.

Wo gespart wird

Die großen Summen des Landeshaushalts liegen in Gesundheit, Pflege und Sozialem. Dort entscheidet sich, ob der Kurs hält.

  • Pflege: plus 72,7 Millionen auf 1,015 Milliarden Euro, davon 68 Millionen für die stationäre Pflege. Es ist der größte Zuwachs unter den ausgewiesenen Ausgabenposten.
  • Spitäler: minus 30,2 Millionen bei den Fondskrankenanstalten, erreicht durch ein „Maßnahmenbündel“ und die Auflösung von Rücklagen des Gesundheitsfonds. Der Zuschuss an die KAGes liegt bei 1,007 Milliarden Euro.
  • Soziales: minus 7,56 Millionen bei der Sozialunterstützung, minus zehn Millionen in der Grundversorgung, minus 2,5 Millionen im Förderbudget. Die Behindertenhilfe steigt um 15,75 auf 602 Millionen Euro, die Kinder- und Jugendhilfe um 7,95 auf 182 Millionen.
  • Personal: 150 Stellen werden nicht nachbesetzt (5,7 Millionen Euro), dazu kommen verzögerte Nachbesetzungen (7,5 Millionen). Der Personalaufwand ohne KAGes steigt trotzdem um 15,8 auf 600 Millionen Euro. Für die Landespolitik gibt es die dritte Nulllohnrunde in Folge.
  • Kultur: minus 2,2 Millionen auf 76,3 Millionen Euro. Bei Förderungen, Preisen und Kunst im öffentlichen Raum fehlen 3,7 Millionen.
  • Kinderbetreuung und Jugend: minus 5,7 Millionen bei den Beiträgen an Gemeinden und private Träger, minus 1,8 Millionen in der Jugendarbeit, die Ausgleichszahlungen an Gemeinden für Musikschulen (3,3 Millionen) entfallen. Geplant sind dennoch 40 neue Krippen- und 20 Kindergartengruppen.
  • Sport: minus 1,1 Millionen, verteilt auf Vereine, Verbände und Mannschaftssport. Die Mittel für den Österreichring in Spielberg sinken um 1,7 auf 1,3 Millionen Euro.

Für Gemeinden ist das Bild gemischt: Die Bedarfszuweisungen steigen, zugleich fallen Landesbeiträge für Musikschulen und Kinderbetreuung weg. Gemeinden mit engem Haushalt werden das an Gebühren oder Investitionen ausgleichen müssen, was wiederum lokale Auftragnehmer spüren.

Die ORF-Landesabgabe und ein Detail für Unternehmen

Die Landesabgabe auf den ORF-Beitrag soll mit 31. Dezember 2028 fallen, der Beschluss ist für den Budgetlandtag im Dezember angekündigt. Für Betriebe steht in der Unterlage ein bemerkenswerter Nebensatz: Die Unternehmensbeiträge zur Kultur- und Sportförderungsabgabe werden seit 2025 nicht mehr eingehoben, weil nach der Novelle des ORF-Gesetzes die rechtlichen Voraussetzungen fehlen. Dem Kulturbudget entgehen dadurch rund 3,2 Millionen Euro. Für 2027 hat das Land diese Einnahme „aus kaufmännischer Vorsicht“ gar nicht mehr angesetzt.

Das Stabilitätspakt-Problem

Um den Österreichischen Stabilitätspakt einzuhalten, hätte die Neuverschuldung 2027 höchstens 515 Millionen Euro betragen dürfen. Der Entwurf liegt 79 Millionen darüber. Ehrenhöfer zeigte sich laut ORF Steiermark zuversichtlich, die Vorgabe „im konsequenten Vollzug“ dennoch zu erreichen, der Entwurf sei vorsichtig erstellt. Das Land verweist außerdem auf sein AA-Rating mit positivem Ausblick bei Standard & Poor’s.

Für die steirische Wirtschaft ist das mehr als eine Formalie. Jeder Euro Zinsen fehlt für Förderungen und Investitionen, und die Zinslast wächst mit 29 Prozent weit schneller als das Budget. Landeshauptmann Mario Kunasek kündigte an, „im nächsten Schritt auch bei den Strukturen ansetzen“ zu müssen. Was das heißt, blieb offen.

Die Opposition setzt genau dort an. SPÖ-Chef Max Lercher spricht von einem „Sparpaket ohne Substanz und Plan“ und rechnet vor, dass die Schulden seit Amtsantritt der Regierung bis Ende 2027 um 2,4 Milliarden Euro steigen. Neos-Klubobmann Niko Swatek vermisst Strukturreformen und fordert die Offenlegung der Empfehlungen des Budget-Expertenbeirats. Die Grünen kritisieren die Kürzungen bei Klimaschutz, Jugendarbeit und Kinderbildung, die KPÖ jene im Sozial- und Gesundheitsbereich.

Der Fahrplan bis zum Beschluss

  • 20. Oktober 2026: Budgetrede von Finanzlandesrat Ehrenhöfer im Landtag
  • 1. Dezember 2026: Beratungen im Ausschuss
  • 16. Dezember 2026: geplanter Beschluss im Landtag, samt dem Beschluss zum Ende der ORF-Landesabgabe

Bis dahin sind Änderungen möglich. Die Regierungsparteien FPÖ und ÖVP verfügen im Landtag über die Mehrheit.

Häufige Fragen zum Landesbudget 2027

Wie hoch ist die Neuverschuldung der Steiermark 2027?

Der Entwurf sieht einen Nettofinanzierungssaldo von minus 594,4 Millionen Euro vor. 2026 sind es 835,4 Millionen Euro.

Wie hoch sind die Schulden des Landes?

Ende 2027 sollen es 8,857 Milliarden Euro sein, nach 8,267 Milliarden Ende 2026 und 7,418 Milliarden Ende 2025.

Kommen neue Steuern oder Abgaben?

Eine neue Abgabe ist nicht vorgesehen. Erhöht wird die Nächtigungsabgabe, und zwar auf 4,90 Euro pro Person und Nacht in Beherbergungsbetrieben. Einer Lkw-Steuer auf Landesstraßen hat Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom eine Absage erteilt.

Wird die Wirtschaftsförderung gekürzt?

Der Zuschuss an die SFG sinkt geringfügig um 150.000 Euro auf 21,48 Millionen Euro. Die Mittel für COMET-Zentren, Silicon Austria Labs und den Wissenschaftsfonds steigen.

Wann wird das Budget beschlossen?

Der Landtag soll am 16. Dezember 2026 abstimmen. Die Budgetrede ist für 20. Oktober angesetzt.

Stand: 8. Oktober 2026.