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Hände heben eine helle Keramikvase aus einem Regal mit Kerzen, Vasen und Polstern in einem Deko-Geschäft

Depot sperrt in Graz zu: Was die Pleite für die Steiermark bedeutet

Die Deko-Kette Depot verlässt Österreich. Die Gries Deco Austria GmbH gab am 27. Oktober 2026 bekannt, dass sie alle 24 Filialen bis spätestens 31. Jänner 2027 schließt und den Betrieb danach vollständig einstellt. In der Steiermark trifft das die beiden Grazer Geschäfte im Murpark und im Citypark, die letzten Reste eines Netzes, das vor zwei Jahren noch sechs steirische Standorte umfasste. Österreichweit verlieren rund 140 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz, einen Sozialplan gibt es nicht. Der Abverkauf begann am 28. Oktober mit 30 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment.

Anders als in Deutschland, wo die Betreibergesellschaft GDC Deutschland GmbH nach ihrer zweiten Insolvenz Ende September 2026 den Betrieb einstellte, läuft die Schließung in Österreich ohne Insolvenzverfahren. Eigentümer Christian Gries sagte gegenüber der Kronen Zeitung: „Wir werden Österreich ordentlich abwickeln. Ich möchte keine Insolvenz.“ Die Gesellschaft wird liquidiert, Löhne und Mieten sollen aus dem Abverkauf bezahlt werden.

Die zwei Grazer Filialen

Beide Standorte liegen in Einkaufszentren der SES-Gruppe. Der Murpark an der A2-Abfahrt Graz-Ost zählt über 90 Shops, der Citypark am Lazarettgürtel über 100. In beiden Häusern sitzt mit Nanu-Nana bereits ein direkter Mitbewerber im Segment Wohnaccessoires und Geschenkartikel, der die frei werdende Kundschaft aufnehmen kann.

Filiale Adresse Telefon Status
Depot im Murpark Ostbahnstraße 3, 8041 Graz 0316 42 31 43 Abverkauf seit 28.10.2026, Schließung bis 31.01.2027
Depot im Citypark Lazarettgürtel 55, 8020 Graz 0316 72 02 97 Abverkauf seit 28.10.2026, Schließung bis 31.01.2027; im WKO-Firmenverzeichnis als Lehrbetrieb geführt

Wie viele der 140 Beschäftigten auf Graz entfallen, hat das Unternehmen nicht aufgeschlüsselt. Rechnerisch kommen auf eine Filiale knapp sechs Köpfe, Teilzeitkräfte eingerechnet. Die Citypark-Filiale ist im Firmenverzeichnis der Wirtschaftskammer als Lehrbetrieb eingetragen. Lehrlinge, deren Ausbildungsbetrieb schließt, sollten sich früh an die Lehrlingsstelle der WKO Steiermark oder die Arbeiterkammer wenden, damit die Lehrzeit in einem anderen Betrieb weiterläuft.

Mehr zu den beiden Zentren, ihren Öffnungszeiten und Parkmöglichkeiten steht auf den Seiten zum Murpark Graz und zum Citypark Graz.

Von sechs steirischen Filialen auf zwei

Die Schließung von 2026 ist nur das Ende eines Rückzugs, der 2024 begann. Als die damalige österreichische Gesellschaft, die Depot Handels GmbH mit Sitz in Wiener Neudorf, am 1. August 2024 beim Landesgericht Wiener Neustadt den Konkurs beantragte, führte sie 48 Filialen mit 349 Beschäftigten und 15,8 Millionen Euro Passiva. Sechs davon lagen in der Steiermark. Der deutsche Mutterkonzern übernahm 29 Standorte in eine neue Gesellschaft, die Gries Deco Austria GmbH, am 28. September 2024 beim Handelsgericht Wien eingetragen und im Dezember 2024 nach Bruck an der Leitha verlegt. In der Steiermark überlebten nur die beiden Grazer Geschäfte.

Standort 2024 Einkaufszentrum Stand Oktober 2026
Graz, Lazarettgürtel 55 Citypark Schließung bis 31.01.2027
Graz, Ostbahnstraße 3 Murpark Schließung bis 31.01.2027
Gleisdorf, Feldbacher Straße Fachmarktzentrum nach der Insolvenz 2024 nicht weitergeführt
Hartberg, Im Hatric Einkaufspark Hatric nach der Insolvenz 2024 nicht weitergeführt; im Center heute Action, TEDi und KiK
Liezen, Salzburger Straße 1 ELI nach der Insolvenz 2024 nicht weitergeführt
Leoben, Hauptplatz Leoben City Shopping eröffnet am 2. März 2023 auf 400 m², nach der Insolvenz 2024 nicht weitergeführt; im Center heute Action

Besonders kurz war das Gastspiel in Leoben: Die Filiale im ersten Obergeschoß des LCS öffnete im März 2023 und war keine zwei Jahre später Geschichte. In Hartberg und Leoben sitzen heute genau jene Diskonter in den Zentren, die Gries als Hauptgrund für das Scheitern nennt.

Abverkauf, Gutscheine und Onlineshop

  • Abverkauf: seit Mittwoch, 28. Oktober 2026, zunächst 30 Prozent auf das gesamte Sortiment. Die Nachlässe sollen je nach Verlauf bis Ende Jänner steigen. Gries hat nach eigenen Angaben zusätzliche Ware im siebenstelligen Eurobereich bestellt, die wöchentlich in die Filialen kommt. Die Regale sollen also bis Weihnachten voll bleiben.
  • Gutscheine: Bestehende Depot-Gutscheine müssen bis spätestens 31. Jänner 2027 eingelöst werden. Danach gibt es keine Gesellschaft mehr, bei der sich ein Anspruch geltend machen ließe. Wer einen Gutschein in der Lade hat, sollte ihn in den nächsten Wochen einlösen und nicht auf die letzten Tage warten, wenn das Sortiment ausgedünnt ist.
  • Onlineshop: Der Webshop unter depot-online.de ist seit der Betriebseinstellung in Deutschland am 30. September 2026 geschlossen. Das Unternehmen warnt auf seiner Website ausdrücklich vor Fakeshops, die unter dem Namen Depot und mit dessen Produktbildern angebliche Restposten verkaufen. Depot betreibt keinen weiteren Onlineshop und übernimmt für solche Bestellungen keine Verantwortung.

140 Beschäftigte, kein Sozialplan

Die Belegschaft erfuhr am Dienstagmittag per Videokonferenz von der Schließung. Laut Gries werden die Gehälter bis Ende Jänner 2027 inklusive Weihnachtsgeld weiterbezahlt, dann folgen reguläre Kündigungen. Einen Sozialplan oder eine Arbeitsstiftung gibt es nicht. Gegenüber der APA zeigte sich Gries zuversichtlich, dass alle Beschäftigten woanders unterkommen. Die Beschäftigten tragen damit das umsatzstärkste Quartal des Jahres und stehen danach ohne Abfederung auf dem Arbeitsmarkt.

Weil die Gesellschaft mit rund 140 Beschäftigten in die Größenklasse von 100 bis 600 Arbeitskräften fällt, greift das Frühwarnsystem des AMS nach § 45a AMFG: Ab fünf Prozent der Belegschaft muss der Arbeitgeber die geplanten Kündigungen mindestens 30 Tage vor dem Ausspruch bei der zuständigen AMS-Geschäftsstelle anzeigen. Kündigungen, die vor der Anzeige oder innerhalb dieser Frist ausgesprochen werden, sind unwirksam.

Ob der steirische Arbeitsmarkt die Grazer Verkäuferinnen und Verkäufer tatsächlich so leicht aufnimmt, wie Gries meint, zeigen die aktuellen AMS-Zahlen nur bedingt. Ende September 2026 waren in der Steiermark 37.501 Personen arbeitslos gemeldet, um 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr, bei 10.149 sofort verfügbaren offenen Stellen (minus 3,3 Prozent). Im Handel sieht es so aus:

Handel in der Steiermark Wert Veränderung zum Vorjahr
Arbeitslose im Handel (Ende September 2026) 4.956 +4,0 %
Sofort verfügbare offene Stellen im Handel 1.415 -7,5 %
Unselbstständig Beschäftigte im Handel (August 2026) 68.291 -0,5 %
davon im Arbeitsmarktbezirk Graz 22.651 -
Arbeitslosenquote im Handel (August 2026) 6,9 % +0,3 Prozentpunkte

Auf eine offene Stelle im steirischen Handel kommen damit dreieinhalb arbeitslose Handelsbeschäftigte. Graz ist allerdings der mit Abstand größte Handelsstandort des Landes, und der Abverkauf endet mitten in der Zeit, in der Händler nach dem Weihnachtsgeschäft ohnehin Personal abbauen. AMS-Landesgeschäftsführer Karl-Heinz Snobe rechnet schon aus saisonalen Gründen mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen in den kommenden Monaten.

Warum Depot scheiterte

Gries nennt drei Gegner: Diskonter wie Action, TEDi und KiK, Onlinehändler wie Temu sowie gestiegene Kosten für Mieten, Löhne, Transport und Zölle auf einzelne Produktgruppen. „So wie es heute aussieht, ist es nicht möglich, Depot profitabel zu führen“, sagte er der Kronen Zeitung. Eigene Fehler räumt er ein. Das Konzept Depot, dekorative Ware im mittleren Preissegment auf großen Flächen in Einkaufszentren, wurde von zwei Seiten zerrieben: von unten durch die Aktionspostenmärkte, die ähnliche Deko zu einem Bruchteil des Preises verkaufen, von oben durch skandinavische Ketten wie Søstrene Grene, die mit kleineren Flächen und schnell wechselndem Sortiment arbeiten.

In der Steiermark ist diese Konkurrenz greifbar. TEDi betreibt 27 Filialen im Bundesland, Action sitzt unter anderem in den Zentren von Hartberg und Leoben, aus denen Depot 2024 verschwand. Søstrene Grene eröffnete seinen ersten steirischen Store in der Shopping City Seiersberg und kündigte im August 2026 einen zweiten in der Grazer Herrengasse 7 für den Herbst an. Für die Kundschaft, die bei Depot Kerzen, Vasen und Kissen kaufte, bleibt das Angebot in Graz also dicht, nur die Marke verschwindet.

Die Zahlen der österreichischen Gesellschaft zeigen, dass das verkleinerte Netz zuletzt nicht einmal unter Wasser war. Laut dem beim Firmenbuch hinterlegten Jahresabschluss 2024 wies die Gries Deco Austria GmbH zum 31. Dezember 2024 eine Bilanzsumme von 5,56 Millionen Euro, Bankguthaben von 3,6 Millionen Euro, Warenvorräte von 1,72 Millionen Euro und ein Eigenkapital von 1,78 Millionen Euro aus, bei durchschnittlich 183 Beschäftigten. Der Umsatz des Österreich-Geschäfts lag laut WirtschaftsCompass 2022, also noch mit 48 Filialen, bei rund 49 Millionen Euro. Das Ende kam nicht aus Bruck an der Leitha, sondern aus Niedernberg: Ohne die deutsche Zentrale, die Einkauf, Logistik, Sortiment und Onlineshop stellte, kann eine 24-Filialen-Kette nicht allein stehen. Genau das meint der Satz, eine eigenständige Weiterführung sei nicht möglich.

Chronik: von Schöllkrippen bis Bruck an der Leitha

Datum Ereignis
1948 Oskar und Maria Gries gründen in Schöllkrippen (Bayern) einen Hersteller von Kunstfrüchten und Christbaumschmuck.
1995 Erste Filiale „Das Depot“ in Aschaffenburg.
2009 Markteintritt in Österreich mit einer Wiener Gesellschaft; die Migros steigt beim Mutterkonzern ein und hält später bis zu 90 Prozent.
2013 Höhepunkt der Expansion: 420 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, über 6.500 Beschäftigte.
2019 Christian Gries kauft die Migros-Anteile zurück.
15.07.2024 Schutzschirmverfahren für die Gries Deco Company GmbH am Amtsgericht Aschaffenburg.
01.08.2024 Konkursantrag der Depot Handels GmbH in Österreich: 48 Filialen, 349 Beschäftigte, 15,8 Mio. Euro Passiva. 29 Standorte gehen an die neue Gries Deco Austria GmbH.
31.01.2025 Konkurs der Depot CH AG, alle 34 Schweizer Filialen schließen.
01.04.2025 Das deutsche Geschäft geht per übertragender Sanierung auf die GDC Deutschland GmbH über, das Netz schrumpft von über 400 auf rund 150 Filialen.
13.05.2026 Zweite Insolvenz: Eigenverwaltung für die GDC Deutschland GmbH am Amtsgericht Aschaffenburg.
Ende Juni 2026 66 von 155 deutschen Filialen werden zur Schließung angekündigt, bis Anfang August rund 30 weitere.
27.08.2026 Alle Miet- und Arbeitsverträge in Deutschland werden gekündigt, rund 730 Beschäftigte betroffen.
30.09.2026 Betriebseinstellung in Deutschland, der Onlineshop schließt.
27.10.2026 Schließung aller 24 österreichischen Filialen bis 31.01.2027 angekündigt, 140 Beschäftigte betroffen.
28.10.2026 Start des Abverkaufs mit 30 Prozent Rabatt.

Keine Insolvenz in Österreich: was das für Kunden und Lieferanten heißt

Dass die österreichische Gesellschaft nicht ins Insolvenzverfahren geht, ist für Gläubiger die bessere Nachricht. Bei einer geordneten Liquidation werden offene Forderungen von Lieferanten, Vermietern und Beschäftigten vollständig bedient, es gibt keinen Insolvenzverwalter, keine Anmeldefrist und keine Quote. Die Bankguthaben von 3,6 Millionen Euro per Ende 2024 und die Erlöse aus dem Abverkauf sollen dafür reichen. Gries, der seit Juni 2026 alleiniger Geschäftsführer der Gries Deco Austria GmbH ist, schließt eine spätere Rückkehr der Marke mit einem neuen Konzept nicht aus.

Für die Steiermark reiht sich Depot in eine Serie von Rückzügen aus dem Handel ein. Im August 2026 beantragte der Baumarktbetreiber Hellweg die Schließung seiner Märkte in Graz-Raaba und Fürstenfeld, dort allerdings im Rahmen eines Sanierungsverfahrens. Welche steirischen Unternehmen 2026 tatsächlich insolvent wurden und wie die Verfahren stehen, zeigt die laufend aktualisierte Übersicht der Insolvenzen in der Steiermark 2026; die Bezirksauswertung und die Entwicklung seit 2008 stehen im Beitrag zu den Firmenpleiten pro Tag.

Stand: 28. Oktober 2026. Angaben zur Schließung laut APA-Meldung vom 27. Oktober 2026, Zitate und Abverkaufsdetails laut heute.at und weekend.at, Grazer Standorte laut WKO-Firmenverzeichnis, steirische Filialen 2024 laut meinbezirk.at, Firmendaten laut firmenabc.at, Arbeitsmarktdaten laut AMS Steiermark, Arbeitsmarktinformation September 2026, Frühwarnsystem laut AMS, Konzernchronik laut retail-news.de und Haushaltswaren-Zeitung.

Häufige Fragen zur Depot-Schließung

Wann schließen die Depot-Filialen in Graz?

Spätestens am 31. Jänner 2027. Bis dahin bleiben Murpark und Citypark regulär geöffnet, mit laufendem Abverkauf. Ein früherer Termin für einzelne Filialen ist nicht angekündigt.

Wie hoch ist der Rabatt im Abverkauf?

Seit 28. Oktober 2026 gibt es 30 Prozent auf das gesamte Sortiment. Die Nachlässe sollen bis Ende Jänner schrittweise steigen, wöchentlich kommt neue Ware.

Bis wann sind Depot-Gutscheine gültig?

Bis 31. Jänner 2027. Nach der Schließung gibt es keine Gesellschaft mehr, gegen die sich ein Gutschein durchsetzen ließe. Gutscheine daher rasch einlösen, solange das Sortiment noch vollständig ist.

Kann ich bei Depot noch online bestellen?

Nein. Der Onlineshop wurde mit dem Ende des deutschen Geschäfts am 30. September 2026 geschlossen. Websites, die unter dem Namen Depot Restposten anbieten, sind laut Unternehmen Fakeshops.

Gibt es noch andere Depot-Filialen in der Steiermark?

Nein. Die Geschäfte in Gleisdorf, Hartberg, Liezen und Leoben wurden nach der Insolvenz 2024 nicht weitergeführt. Die nächstgelegenen Filialen außerhalb der Steiermark liegen in Klagenfurt (City Arkaden) und Villach (Atrio), beide schließen ebenfalls bis Ende Jänner 2027.

Ist Depot in Österreich insolvent?

Nein. Insolvent ist die deutsche GDC Deutschland GmbH. Die österreichische Gries Deco Austria GmbH wird ohne Insolvenzverfahren liquidiert, offene Forderungen sollen vollständig bezahlt werden.