Vier Förderschienen für Künstliche Intelligenz hat die Austria Wirtschaftsservice in den vergangenen Jahren aufgelegt. Keine davon nimmt noch Anträge entgegen, AI-Adoption seit 28. Februar 2025. Bei KMU.DIGITAL, dem Standardweg für Digitalisierungsberatung im Kleinbetrieb, ist das Budget der vierten Runde vollständig ausgeschöpft. Und der Grazer Call A.I. Love Graz endete am 31. März 2026.
Trotzdem lässt sich ein KI-Projekt in der Steiermark derzeit gut finanzieren - nur eben nicht über einen Topf mit „KI“ im Namen. Zwei Fristen sind dabei knapp: das nächste Cut-off-Date der SFG am 15. September und der FFG-Call AI Ökosysteme am 6. Oktober 2026.
Warum es keine steirische KI-Förderung gibt
Die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft führt aktuell 13 Förderungsaktionen. Keine einzige trägt Künstliche Intelligenz im Titel, und auch unter den ausgelaufenen Aktionen findet sich keine. Das ist kein Versäumnis, sondern Systematik: Die SFG fördert nach Projektart, nicht nach Technologie. Ein Sprachmodell, das Angebote vorstrukturiert, ist förderrechtlich dasselbe wie eine neue Steuerungssoftware - ein Digitalisierungs- oder Innovationsvorhaben.
Für Betriebe hat das einen praktischen Vorteil. Wer auf einen KI-Call wartet, wartet auf ein enges Zeitfenster mit hoher Konkurrenz. Wer stattdessen die bestehenden Schienen nutzt, reicht ein, wann er so weit ist.
Ideen!Reich XS: 30 Prozent Basis, bis zu 70 mit Boni
Für ein erstes KI-Vorhaben ist Ideen!Reich XS die naheliegende Schiene. Anrechenbar sind bis zu 20.000 Euro Projektkosten, gefördert werden maximal 70 Prozent davon, also 14.000 Euro. Diese 70 Prozent bekommt aber niemand automatisch - sie setzen sich aus einem Basissatz und vier Boni zusammen.
| Bestandteil | Satz | Bedingung |
|---|---|---|
| Basisförderungssatz | 30 % | immer |
| Regionalbonus | + 10 % | Unternehmenssitz außerhalb von Graz |
| Kooperationsbonus | + 10 % | Kooperation mit einer Forschungseinrichtung |
| Digitalisierungsbonus | + 10 % | Digitalisierungsprojekt laut Detailinformation |
| Nachhaltigkeitsbonus | + 10 % | Nachhaltigkeitsprojekt laut Detailinformation |
Rechnen wir das an einem realistischen Fall durch. Ein Metallverarbeiter in Kapfenberg will ein Modell trainieren, das Ausschuss in der Fertigung anhand von Kamerabildern erkennt. Projektkosten 20.000 Euro, davon interne Personalstunden, Sachkosten und eine externe Machbarkeitsstudie. Der Sitz liegt außerhalb von Graz, das bringt den Regionalbonus. Das Vorhaben ist ein Digitalisierungsprojekt, das bringt den nächsten. Kooperiert der Betrieb zusätzlich mit einer Forschungseinrichtung, sind es 60 Prozent - 12.000 Euro Zuschuss. Zielt das Modell nachweislich auf weniger Materialverbrauch, wird der Nachhaltigkeitsbonus zum Thema und die Rechnung endet bei 14.000 Euro.
Der Regionalbonus ist der Grund, warum sich diese Aktion für Betriebe in Leoben, Feldbach oder Liezen deutlich besser rechnet als für Grazer Unternehmen. Zehn Prozentpunkte allein für den Standort sind in der österreichischen Förderlandschaft ungewöhnlich.
Vergeben wird im Cut-off-Verfahren: Anträge laufen ganzjährig ein, an definierten Stichtagen werden alle eingelangten Projekte bewertet und die besten ausgewählt. Für 2026 stehen noch drei Termine offen - 15. September, 15. Oktober und 16. November. Die Rückmeldung kommt frühestens sechs Wochen nach dem jeweiligen Cut-off. Der Antrag muss auf Deutsch und vor Projektbeginn eingereicht werden; Kosten, die vorher anfallen, sind verloren.
Für größere Vorhaben gibt es Ideen!Reich XL mit bis zu 50 Prozent und maximal 75.000 Euro. Junge Betriebe unter fünf Jahren fahren oft besser mit Start!Klar, wo bis zu 37.500 Euro pro Antrag möglich sind.
AI Ökosysteme 2026: 8,4 Millionen, Einreichschluss 6. Oktober
Die zentrale laufende Ausschreibung mit KI im Namen kommt von der Forschungsförderungsgesellschaft. AI Ökosysteme 2026 verteilt rund 8,4 Millionen Euro zu gleichen Teilen auf die Schwerpunkte Hybrid AI und Green AI. Pro Projekt sind 100.000 Euro bis 1 Million Euro drin. Einreichschluss ist der 6. Oktober 2026 um 12:00 Uhr, die Förderentscheidung ist für Jänner 2027 geplant.
Zwei Hürden sollte man kennen, bevor man Zeit investiert. Erstens ist eine Kooperation zwingend - das sind kooperative F&E-Projekte der industriellen Forschung, kein Einzelunternehmen kommt durch. Zweitens, und das filtert die meisten Anträge: Gefördert wird ausschließlich die Weiterentwicklung von KI-Kerntechnologien. Die Ausschreibung sagt es unmissverständlich - die alleinige Adaption bestehender Modelle auf einen Anwendungsfall oder eine Branche reicht nicht. Wer ein Sprachmodell für die eigene Produktion feinjustiert, ist hier falsch. Die Anträge sind ausnahmslos auf Englisch zu stellen.
Für steirische Betriebe ist die Nähe zu TU Graz und Know Center hier ein echter Standortvorteil: Der Konsortialpartner, den dieser Call verlangt, sitzt im selben Bundesland.
Das FFG-Basisprogramm nimmt das ganze Jahr Anträge
Wer kein Forschungskonsortium zusammenbringt, landet beim Basisprogramm. Es ist themenoffen, digitale Innovationen sind ausdrücklich eingeschlossen, und eingereicht werden kann jederzeit bis 31. Dezember 2026. Über die Anträge wird in sieben Sitzungen pro Jahr entschieden. Die Förderung liegt in der Regel bei 50 Prozent der Projektkosten, bei Startups in der Gründungsphase bei bis zu 70, und sie kommt als Mischung aus Zuschuss und Darlehen - der Zinssatz liegt seit 30. Jänner 2025 bei 1,75 Prozent pro Jahr. Bis zu 3 Millionen Euro Fördervolumen sind je Projekt möglich.
Interessanter für die meisten steirischen KMU ist die kleine Schwester. Das Basisprogramm Kleinprojekt deckt Vorhaben bis 150.000 Euro Gesamtkosten ab und zahlt reine Zuschüsse, kein Darlehen: Kleinunternehmen bekommen 45 Prozent, mit wissenschaftlicher Kooperation bis zu 60. Mittelunternehmen 35 beziehungsweise bis zu 50 Prozent. Maximal sind 88.500 Euro pro Projekt möglich. Das Projektziel muss ein verwertbares Ergebnis sein - ein Proof of Concept oder ein Minimum Viable Product genügt.
Steiermark!Bonus: 20 Prozent mehr, ohne zweiten Antrag
Der Bonus trägt einen eigenen Namen, hat aber kein eigenes Antragsverfahren. Sagt die FFG einem steirischen KMU eine Förderung aus dem Basisprogramm zu, erhöht die SFG den Darlehensanteil um 20 Prozent. Der Steiermark!Bonus ist dabei kein eigenes Verfahren: Wer sein F&E-Projekt elektronisch bei der FFG einreicht, beantragt ihn automatisch mit. Kein zweites Formular, keine zweite Frist.
In der Praxis heißt das: Dasselbe KI-Entwicklungsprojekt bringt in Graz oder Kapfenberg mehr Geld als in Wien oder Salzburg, ohne dass jemand zusätzlichen Aufwand hat.
Was 2026 geschlossen ist
Sechs Programme mit KI-Bezug nehmen derzeit keine Anträge entgegen. Stand 7. September 2026:
| Programm | Status |
|---|---|
| KMU.DIGITAL 4.0 (Beratung und Umsetzung) | Budget vollständig ausgeschöpft, keine Antragstellung möglich |
| aws Digitalisierung - Künstliche Intelligenz | beide Calls abgeschlossen, kein weiterer Call angekündigt |
| aws AI-Adoption | geschlossen seit 28. Februar 2025 |
| aws AI-Start Green | Call endete 30. November 2024, derzeit keiner offen |
| aws AI Wissen | keine Antragstellung mehr möglich |
| A.I. Love Graz | Einreichfrist endete 31. März 2026, Projektlaufzeit bis November |
Bei KMU.DIGITAL lohnt sich das Merken der Sätze für die nächste Auflage, weil das Programm seit 2017 immer wieder neu aufgelegt wurde: 80 Prozent Zuschuss bei der Status- und Potenzialanalyse (maximal 400 Euro pro Tool), 50 Prozent bei der Strategieberatung (maximal 1.000 Euro), 30 Prozent bei der Umsetzung (maximal 6.000 Euro). Für Beratung waren insgesamt höchstens 3.000 Euro pro Unternehmen drin, und die Umsetzungsförderung setzte eine absolvierte Beratung voraus.
Die Forschungsprämie ist keine Förderung und zahlt oft mehr
Wer eigenes Personal an einem KI-Modell arbeiten lässt, sollte vor jedem Förderantrag die Forschungsprämie rechnen. Sie beträgt 14 Prozent der Forschungsaufwendungen eines Wirtschaftsjahres, wird vom Finanzamt am Abgabenkonto gutgeschrieben und kommt auch Unternehmen zugute, die keinen Gewinn ausweisen - für ein Startup in der Verlustphase ist das bares Geld statt eines Steuervorteils, der ins Leere läuft.
Der Ablauf ist zweistufig und kostet nichts. Über FinanzOnline wird bei der FFG ein Jahresgutachten angefordert, in dem sich bis zu 20 F&E-Projekte oder Schwerpunkte anlegen lassen, jeweils beschrieben nach Ziel und Inhalt, Methode und Neuheit. Der eigentliche Antrag geht mit dem Formular E108C ebenfalls über FinanzOnline ans Finanzamt. Themenoffen, für alle Unternehmensgrößen bis hin zu Einzelforschenden.
Zwei Zahlen zum Vergleich: Ein Entwicklungsteam, das ein Jahr lang 200.000 Euro Personalaufwand in ein KI-Produkt steckt, bekommt über die Prämie 28.000 Euro. Das ist doppelt so viel wie das Maximum aus Ideen!Reich XS - und die beiden schließen einander nicht aus, solange dieselben Kosten nicht zweimal geltend gemacht werden.
Wo es Hilfe statt Geld gibt
Der DIH Süd ist ein Kompetenznetzwerk für die Steiermark und Kärnten mit Standorten in Graz, Villach und Klagenfurt. Weiterbildung, Workshops, Laborzugang und Netzwerkveranstaltungen sind für KMU kostenlos, weil FFG, Wirtschaftsministerium und die beiden Landesregierungen die Finanzierung tragen. Im laufenden Programm stehen unter anderem ein Netzwerkfrühstück zum KI-Einsatz im Berufsalltag und Schulungen zu Robotik und Automatisierung.
Rechenleistung kommt seit heuer aus der AI Factory Austria, einer 80-Millionen-Investition an der TU Wien mit Coworking-Hub seit Jänner 2026; der eigene Supercomputer soll 2027 in Betrieb gehen. Und für Betriebe, die einen Forschungspartner für den FFG-Call brauchen: Das Know Center in Graz ist ein COMET-Zentrum mit Schwerpunkt vertrauenswürdige KI und Data Science.
Nicht geeignet für KI-Schulungen ist übrigens die SFG-Aktion Weiter!Bilden. Sie zahlt zwar 30 Prozent der Qualifizierungskosten und bis zu 2.500 Euro zweimal jährlich, ihr Themenkatalog ist aber auf nachhaltige Unternehmensentwicklung zugeschnitten. Für den Kompetenzaufbau führt der Weg eher über die Skills-Schecks oder das Fachkräftestipendium.
Häufige Fragen
Kann ein Einzelunternehmer eine KI-Förderung bekommen?
Bei der SFG ja, sofern das Unternehmen zur Zielgruppe zählt - Ideen!Reich steht kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen offen, ausgenommen sind Großunternehmen und Branchen wie Tourismus und Gastronomie. Der FFG-Call AI Ökosysteme verlangt dagegen ein Konsortium und scheidet damit aus.
Zählt die Anschaffung eines KI-Tools als förderbares Projekt?
In der Regel nicht. Gefördert wird Entwicklung, nicht Einkauf. Eine Lizenz für ein fertiges Produkt ist bei Ideen!Reich so wenig ein Innovationsprojekt wie bei der FFG. Anders sieht es aus, wenn die Integration in bestehende Systeme eigene Entwicklungsarbeit erfordert - dann ist der Aufwand für diese Arbeit das Projekt.
Lassen sich Landes- und Bundesförderung kombinieren?
Für dieselben Kosten grundsätzlich nicht, wohl aber für getrennte Projektteile oder aufeinander folgende Phasen. Der Steiermark!Bonus ist die Ausnahme: Er ist bewusst als Aufstockung der FFG-Förderung konstruiert.
Wie lange dauert es vom Antrag bis zur Zusage?
Bei Ideen!Reich frühestens sechs Wochen nach dem Cut-off-Date, in der Praxis also gut zwei Monate nach Einreichung. Das FFG-Basisprogramm entscheidet in sieben Sitzungen pro Jahr. Bei AI Ökosysteme 2026 liegen zwischen Einreichschluss am 6. Oktober und der geplanten Entscheidung im Jänner 2027 rund drei Monate.
Was passiert, wenn ich vor der Zusage starte?
Dann fällt die Förderung weg. Sowohl SFG als auch aws fördern ausschließlich Kosten, die nach dem Einlangen des Antrags anfallen. Bei der SFG gilt der Tag der Einreichung als Anrechnungsstichtag - ab da darf gearbeitet werden, auch ohne Zusage, allerdings auf eigenes Risiko.
Gibt es 2027 wieder einen Call für Grazer Betriebe?
Für A.I. Love Graz ist bislang keine Neuauflage angekündigt. Die erste Runde war mit 50.000 Euro Gesamtbudget und maximal 3.000 Euro pro Projekt bei 75 Prozent Förderquote ausgestattet - hilfreich für einen ersten Piloten, aber keine Größenordnung, auf die sich ein Investitionsplan stützen lässt. Wer 2027 etwas vorhat, plant besser mit SFG und FFG.