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Freiflaechen-Photovoltaikanlage mit weidenden Schafen zwischen den Modulreihen

Photovoltaikpark Feiting: 22 Megawatt auf 20 Hektar bei Wildon

Elf Millionen Euro für 29 Gigawattstunden Strom im Jahr: Der Photovoltaikpark, für den die Energie Steiermark am Dienstag in Feiting den Spatenstich gesetzt hat, kostet je Kilowattstunde Jahresertrag rund ein Drittel weniger als jene Anlage, die der Landesenergieversorger erst im Oktober 2025 in Dobl-Zwaring eröffnet hat. Mit 22 Megawatt wird Feiting die leistungsstärkste Anlage des Unternehmens.

Gebaut wird auf rund 20 Hektar in der Gemeinde Allerheiligen bei Wildon im Bezirk Leibnitz. Der Strom soll ab dem zweiten Quartal 2027 fließen und rechnerisch 8.300 Haushalte versorgen. Dass der Spatenstich ausgerechnet in einem Jahr fällt, in dem den steirischen Flusskraftwerken das Wasser ausgeht, ist kein Zufall.

Die Eckdaten der Anlage in Feiting

Punkt Angabe
Standort Feiting, Gemeinde Allerheiligen bei Wildon, Bezirk Leibnitz
Leistung 22 Megawatt
Fläche rund 20 Hektar
Jahresertrag über 29 Gigawattstunden
Investition 11 Millionen Euro
Versorgte Haushalte 8.300 (rechnerisch rund 3.500 kWh je Haushalt)
CO2-Ersparnis rund 4.900 Tonnen pro Jahr
Doppelnutzung Weide für etwa 140 Schafe
Spatenstich 25. August 2026
Inbetriebnahme 2. Quartal 2027

Gleiche Fläche, ein Drittel mehr Strom

Interessant wird die Anlage im Vergleich mit den beiden Vorgängerprojekten. Neudau im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld ging 2022 in Betrieb, Dobl-Zwaring bei Graz wurde am 1. Oktober 2025 eröffnet – und ist mit 20 Hektar exakt so groß wie Feiting.

Anlage Neudau Dobl-Zwaring Feiting
In Betrieb seit / geplant Herbst 2022 Oktober 2025 2. Quartal 2027
Fläche 12 ha 20 ha 20 ha
Jahresertrag 12 GWh 22 GWh 29 GWh
Investition 7,5 Mio. Euro 13 Mio. Euro (mit Partner Enery) 11 Mio. Euro
Kosten je kWh Jahresertrag 0,63 Euro 0,59 Euro 0,38 Euro
Ertrag je Hektar 1,0 GWh 1,1 GWh 1,45 GWh

Die letzten beiden Zeilen sind eigene Berechnungen aus den veröffentlichten Eckdaten. Sie zeigen zweierlei: Auf derselben Fläche holt Feiting rund ein Drittel mehr Strom heraus als der zehn Monate ältere Park in Dobl-Zwaring, und die Investition je Kilowattstunde Jahresertrag sinkt um mehr als 35 Prozent. Aus 22 Megawatt und 29 Gigawattstunden ergibt sich ein spezifischer Ertrag von rund 1.318 Kilowattstunden je installiertem Kilowatt – Neudau kam 2022 auf etwa 1.091. Solche Werte erreichen Freiflächenanlagen in dieser Breitenlage nur mit dichter belegten, ertragsstärkeren Modulreihen.

Eine Zahl passt allerdings nicht ins Bild: Feiting soll 4.900 Tonnen CO2 im Jahr ersparen, Dobl-Zwaring bei einem Drittel weniger Strom über 6.300 Tonnen. Das liegt am Referenzwert – je nachdem, ob der Solarstrom gegen den europäischen Strommix oder gegen ein Gaskraftwerk gerechnet wird, verdoppelt sich das Ergebnis fast. Feiting rechnet mit rund 169 Gramm je Kilowattstunde und damit deutlich konservativer.

Warum der Zeitpunkt kein Zufall ist

Die Steiermark deckt ihren Strombedarf traditionell zu einem großen Teil aus Wasserkraft – und die steht heuer massiv unter Druck. Bei den größeren Flusskraftwerken an Mur und Mürz ist der Ertrag laut ORF Steiermark um rund ein Drittel eingebrochen, in der Gesamtbilanz liegen die steirischen Kraftwerke 25 bis 30 Prozent unter den Vorjahren. Mehrere Kleinwasserkraftwerke im Südosten mussten abgeschaltet werden, weil das Wasser gar nicht mehr ankommt.

Vorstand Werner Ressi begründete den Ausbau beim Spatenstich entsprechend: „Wir haben auf der einen Seite die Turbulenzen beim Gaspreis aufgrund der Iran-Krise, wir haben die extremen Wetterereignisse, die Dürre. Für ein resilientes Energiesystem brauchen wir alles.“

Genau darin liegt der betriebswirtschaftliche Reiz der Photovoltaik für einen Versorger: Sie produziert dann am meisten, wenn die Flüsse am wenigsten führen. Ein trockener, heißer Sommer ist für ein Laufkraftwerk das schlechteste und für einen Solarpark das beste Szenario. Was das für die Tarife bedeutet, zeigt der Strompreisvergleich für die Steiermark.

Ohne Vorrangzone kein Solarpark

Freiflächenanlagen dieser Größe lassen sich in der Steiermark nicht frei platzieren. Das Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Erneuerbare Energie – Solarenergie ist seit 7. Juni 2023 in Kraft und weist landesweit 36 Vorrangzonen aus. Anlagen ab zehn Hektar Flächenverbrauch sind an diese Zonen gebunden, in den Ausschlusszonen sind entsprechende Widmungen verboten. Die erste Novelle des Programms gilt seit 13. Februar 2026.

Beschlossen wurde das Programm am 1. Juni 2023 mit 778 Hektar in 33 Gemeinden – rund 46 Hektar weniger als im Begutachtungsentwurf. Der Bezirk Leibnitz gehört mit einem der größten Flächenanteile zu den Schwerpunkten. Das erklärt, warum sich Projekte dieser Größenordnung im Süden des Landes häufen, während anderswo selbst geeignete Grundstücke ausscheiden.

Sechs Millionen Euro für das Umspannwerk

Der weniger sichtbare Teil des Projekts steht schon: Die Energienetze Steiermark haben das Umspannwerk Feiting um sechs Millionen Euro erweitert, ausdrücklich auch für künftige Erzeugungsanlagen in der PV-Vorrangzone. Damit ist der Solarpark selbst nur die Hälfte der Investition in der Gemeinde.

Für Betriebe in der Region ist das die eigentlich relevante Nachricht. Ob eine größere Dachanlage einspeisen darf, hängt weniger vom Dach ab als von der Kapazität des nächsten Umspannwerks. Rund 50.000 PV-Anlagen hängen mittlerweile am Netz der Energienetze Steiermark, allein 2024 kamen über 7.800 dazu. Bis 2030 will der Netzbetreiber 2.000 Megawatt Photovoltaik und 800 Megawatt Windkraft aufnehmen und dafür etwa 1,5 Milliarden Euro in Netzausbau und Modernisierung stecken. Wer eine Anlage plant, meldet sie sinnvollerweise schon in der Planungsphase an – die technische Prüfung des Einspeisepunkts dauert je nach Kapazität mehrere Wochen. Welche Zuschüsse dabei möglich sind, steht im Überblick zur Photovoltaik-Förderung in der Steiermark; wer den Strom lieber in der Nachbarschaft weitergibt, findet die Regeln bei den steirischen Energiegemeinschaften.

140 Schafe unter den Modulen

Die 20 Hektar bleiben landwirtschaftlich in Nutzung: Etwa 140 Schafe sollen zwischen den Modulreihen weiden. Bürgermeister Christian Sekli (ÖVP) hebt diesen Punkt hervor, und er ist mehr als Kosmetik – in Dobl-Zwaring grasen über 100 Tiere eines nahe gelegenen Hofs unter der Anlage, seit sie in Betrieb ist. Die Beweidung ersetzt das maschinelle Mähen zwischen den Reihen, das bei Freiflächenanlagen sonst zu den laufenden Betriebskosten zählt.

Das Land unterstützt diese Doppelnutzung gezielt: Über den Ökofonds fördert die Abteilung 15 innovative Photovoltaik-Doppelnutzung mit bis zu 30 Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 250.000 Euro je Anlage. Die jüngste Ausschreibung war mit 1,5 Millionen Euro dotiert und lief bis 31. Mai 2026; antragsberechtigt waren neben Unternehmen und Gemeinden auch landwirtschaftliche Betriebe, ab 20 kWp installierter Leistung. Für Landwirte mit größeren Flächen ist das die Schiene, auf der Agri-Photovoltaik rechenbar wird.

Was bis zum Frühjahr 2027 passiert

Zwischen Spatenstich und Netzeinspeisung liegen gut neun Monate – dieselbe Bauzeit, die auch Dobl-Zwaring gebraucht hat. Für die Energie Steiermark ist Feiting ein Zwischenschritt: Angepeilt sind 300 Megawatt eigene Photovoltaikleistung, was rechnerisch für 100.000 Haushalte reichen würde. Mit den 22 Megawatt aus Feiting ist gut ein Vierzehntel davon erreicht.

Für den Bezirk Leibnitz kommt das Projekt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Wirtschaft im Bezirk ohnehin stärker um Energiethemen dreht: In Wagna entsteht die größte Aufdachanlage der Südsteiermark, und Allerheiligen bei Wildon gehört zur Klima- und Energie-Modellregion Stiefingtal, in der sich sechs Gemeinden zusammengeschlossen haben.

Quellen und weiterführende Informationen