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Skills Schecks 2026 – Bis zu 5.000 Euro Weiterbildungsförderung pro Mitarbeiter für steirische KMU

4 Millionen Euro stellt das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) für die Skills Schecks 2026 bereit. Die Förderung übernimmt 50 % der Weiterbildungskosten – bis zu 5.000 € pro Mitarbeiter. Pro Unternehmen können bis zu 5 Personen gefördert werden, was eine maximale Fördersumme von 25.000 € pro Betrieb ergibt. Die Einreichung läuft seit 2. März 2026 elektronisch über das eCall-System der FFG. Achtung: 2025 wurde die Ausschreibung wegen Ausschöpfung der Mittel vorzeitig geschlossen. Wer 2026 profitieren möchte, sollte schnell handeln. Alle Details zu Förderhöhen, Voraussetzungen, förderbaren Weiterbildungen und dem Antragsverfahren für steirische KMU.

Was sind die Skills Schecks?

Die Skills Schecks sind eine Fördermaßnahme der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), initiiert vom BMWET. Ziel ist es, Unternehmen beim Qualifizieren ihrer Mitarbeiter zu unterstützen – mit Fokus auf digitale Transformation und ökologische Nachhaltigkeit. Die Förderung folgt den Prioritäten der Industriestrategie Österreich 2035, die das Land zu einer der zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt machen soll.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte: „Wer Schlüsseltechnologien im Land entwickeln will, muss auch die Kompetenzen im Land aufbauen. Mit den Skills Schecks investieren wir gezielt in Fachkräfte, senken Weiterbildungshürden für Betriebe und setzen einen zentralen Baustein der Industriestrategie 2035 um.“ FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth ergänzte: „Gerade für kleine und mittlere Unternehmen stellen Investitionen in Weiterbildung häufig eine Herausforderung dar. Mit den Skills Schecks senken wir diese Hürde.“

Die Förderhöhe im Detail

Die Förderung erfolgt als nicht rückzahlbarer Zuschuss auf den Rechnungsbetrag. Die Förderquote beträgt maximal 50 % der förderbaren externen Weiterbildungskosten. Bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen wird die Umsatzsteuer nicht als Kostenfaktor angesetzt – gefördert wird der Nettobetrag.

Weiterbildungskosten Fördersatz Förderbetrag
2.000 € 50 % 1.000 €
5.000 € 50 % 2.500 €
10.000 € 50 % 5.000 € (Maximum)
12.000 € 50 % bis Deckel 5.000 € (Deckelung greift)

Pro Unternehmen kann die Weiterbildung von maximal 5 Personen gefördert werden. Es gilt: ein Scheck pro Person pro Ausschreibung. Ein steirisches KMU mit 5 Mitarbeitern, die jeweils eine Weiterbildung um 10.000 € absolvieren, erhält somit 5 x 5.000 € = 25.000 € Förderung. Das Gesamtbudget von 4 Millionen Euro klingt nach viel, reicht aber bei voller Ausschöpfung nur für rund 800 maximale Schecks. Bei den zahlreichen Weiterbildungsförderungen in der Steiermark ist frühzeitiges Handeln entscheidend.

Welche Weiterbildungen werden gefördert?

Die Förderung ist branchen- und technologieoffen. Alle geförderten Schulungsmaßnahmen müssen einen klaren Schwerpunkt auf ökologische Nachhaltigkeit und/oder Digitalisierung setzen. Besonders berücksichtigt werden Weiterbildungen in den 9 Schlüsseltechnologien der Industriestrategie 2035:

Schlüsseltechnologie Beispiele für Weiterbildungen Relevanz für Steiermark
KI und Dateninnovation Machine Learning, Data Science, Prompt Engineering TU Graz, Know-Center, zahlreiche IT-Firmen
Chips und Elektronik Halbleitertechnik, Sensorik, Embedded Systems Silicon Alps Cluster, ams-OSRAM, Infineon
Produktionstechnologien/Robotik Automatisierung, Industrie 4.0, CNC-Programmierung Magna, AVL, ACstyria-Cluster
Energie- und Umwelttechnologien PV-Technik, Wärmepumpen, Energiemanagement Green Tech Cluster, Energieagentur
Life Sciences/Biotechnologie Bioinformatik, Laborautomation, GMP-Schulungen Human.technology Styria, Med Uni Graz
Mobilitätstechnologien E-Mobilität, Batterietechnik, autonomes Fahren AVL, Magna Steyr, Virtual Vehicle
Quantentechnologie/Photonik Optische Technologien, Quantencomputing TU Graz, Joanneum Research
Fortgeschrittene Werkstoffe Leichtbau, Verbundwerkstoffe, Materialprüfung Montanuniversität Leoben, voestalpine
Weltraum/Luftfahrt Satellitentechnik, Aerospace Engineering JOANNEUM RESEARCH, TU Graz

Auch Online-Weiterbildungen anerkannter Anbieter sind förderbar. Die Weiterbildung muss öffentlich auf der Website des Anbieters dokumentiert sein – individuell zusammengestellte Kurse werden nicht gefördert. Zu den anerkannten Anbietern zählen Universitäten, Fachhochschulen, WIFI, BFI, private Bildungseinrichtungen und zertifizierte Online-Plattformen.

Wer kann die Skills Schecks beantragen?

Die Förderung richtet sich an Unternehmen jeder Rechtsform mit Niederlassung in Österreich: AG, GmbH, KG, OG und Einzelunternehmen. Nicht förderbar sind Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GesbR), Unternehmen in Gründung, Forschungseinrichtungen, Selbstverwaltungskörper und Behörden. Skills Schecks können auch für Geschäftsführer, Einzelunternehmer und mitarbeitende Gesellschafter beantragt werden – nicht nur für Angestellte.

Eine Voraussetzung: Das Unternehmen darf in den letzten drei Jahren die De-minimis-Obergrenze von insgesamt 300.000 € an Förderungen nicht überschritten haben. Das betrifft alle De-minimis-Förderungen, nicht nur Skills Schecks. Die SFG-Förderungen für steirische KMU fallen teilweise ebenfalls unter diese Regelung – eine Gesamtübersicht aller bezogenen Förderungen ist daher ratsam.

Das Antragsverfahren Schritt für Schritt

Die Antragstellung erfolgt ausschließlich elektronisch über das eCall-System der FFG. Der Ablauf:

Schritt 1: Skills Scheck beantragen. Der Antrag muss VOR Beginn der Weiterbildung und VOR Ausstellung der Rechnung eingereicht werden. Für jeden Mitarbeiter ist ein eigener Antrag erforderlich. Im Antrag sind Weiterbildungsstart und -ende sowie der Link zur Weiterbildungsbeschreibung auf der Website des Anbieters anzugeben.

Schritt 2: Förderentscheidung abwarten. Die FFG bemüht sich, innerhalb weniger Tage eine Entscheidung zu treffen. Nur Weiterbildungen, für die eine Förderzusage vorliegt, sind abrechenbar.

Schritt 3: Weiterbildung buchen und besuchen. Die Weiterbildung muss spätestens 4 Wochen nach Antragstellung beginnen. Die Dauer der Maßnahme darf maximal 18 Monate betragen – gerechnet ab dem Antragsdatum, nicht ab Kursbeginn.

Schritt 4: Endbericht einreichen. Die Originalrechnung ist spätestens 4 Wochen nach Abschluss der Weiterbildung im eCall als Endbericht einzureichen. Stichprobenartig fordert die FFG weitere Dokumente wie Teilnahmebestätigung, Überweisungsbeleg oder Nachweis des Arbeitsverhältnisses nach.

Schritt 5: Förderbetrag erhalten. Nach positiver Prüfung wird der Zuschuss ausbezahlt.

Fristen und Budget – warum schnelles Handeln zählt

Die WKO: Skills Scheck 2026 weist darauf hin: Die Einreichung ist laufend bis längstens 15. Dezember 2026, 12:00 Uhr MEZ möglich. Die Erfahrung aus 2025 zeigt aber: Die Mittel können deutlich früher ausgeschöpft sein. Die Skills Schecks 2025 wurden vorzeitig geschlossen, weil das Budget aufgebraucht war. Wer zu spät dran war, ging leer aus.

Das Gesamtbudget 2026 beträgt 4 Millionen Euro. Bei einer durchschnittlichen Förderhöhe von 3.000 bis 4.000 € pro Scheck reicht das für rund 1.000 bis 1.300 Anträge. Angesichts von über 50.000 KMU allein in der Steiermark ist klar: Wer profitieren will, muss zügig einreichen. Der FFG-Kontakt für Rückfragen: Förderservice unter +43 5 7755-0 oder foerderservice@ffg.at.

Was die Skills Schecks für steirische KMU bedeuten

Die Steiermark ist mit ihrer Forschungsquote von 5,32 % Spitzenreiter unter den österreichischen Bundesländern. Die dichte Hochschullandschaft mit TU Graz, Uni Graz, FH Joanneum und Montanuniversität Leoben bildet Fachkräfte in den meisten Schlüsseltechnologien der Industriestrategie 2035 aus. Steirische KMU profitieren von kurzen Wegen zu erstklassigen Weiterbildungsanbietern.

Der Silicon Alps Cluster für Mikroelektronik, der Green Tech Cluster für Energie- und Umwelttechnik und der ACstyria Mobilitätscluster decken mehrere der 9 Schlüsseltechnologien ab. Diese Cluster bieten selbst Weiterbildungsangebote an oder vermitteln an spezialisierte Anbieter. Für steirische KMU, die in diesen Branchen tätig sind, sind die Skills Schecks eine direkte Möglichkeit, ihre Teams auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Auch die IT-Sicherheitsqualifizierung ist über die Skills Schecks förderbar. Die NIS2-Richtlinie verpflichtet viele Unternehmen zu höheren IT-Sicherheitsstandards. Schulungen zu Cybersecurity, ISO-27001-Zertifizierung und IT-Risikomanagement fallen in den Förderschwerpunkt Digitalisierung. Steirische KMU können somit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Compliance-Anforderungen erfüllen und dafür eine Förderung erhalten.

Rechenbeispiel: Steirischer Produktionsbetrieb mit 30 Mitarbeitern

Ein Metallverarbeitungsbetrieb in Kapfenberg mit 30 Mitarbeitern möchte 5 Mitarbeiter zu Industrie 4.0 und KI-gestützter Qualitätskontrolle weiterbilden. Die geplanten Kurse am WIFI Steiermark kosten jeweils 8.000 € netto. Die Berechnung:

  • 5 Mitarbeiter x 8.000 € Kurskosten = 40.000 € Gesamtkosten
  • Förderquote: 50 % = 20.000 €, aber gedeckelt auf 5.000 € pro Person
  • Tatsächliche Förderung: 5 x 4.000 € = 20.000 €
  • Eigenanteil des Unternehmens: 20.000 €

Das Unternehmen investiert 40.000 € in Weiterbildung und erhält 20.000 € zurück. Die 5 Mitarbeiter verfügen danach über Kompetenzen in KI-gestützter Produktionssteuerung, die den Betrieb effizienter und wettbewerbsfähiger machen. Die Förderung finanziert effektiv die Hälfte der Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Rechenbeispiel 2: Grazer IT-Dienstleister mit 8 Mitarbeitern

Ein IT-Unternehmen in Graz mit 8 Mitarbeitern möchte 3 Entwickler in Machine Learning und 2 Projektmanager in nachhaltigem IT-Management schulen. Die Kurse kosten zwischen 3.000 und 6.000 € netto pro Person. Graz als zweitgrößte Stadt Österreichs mit rund 305.000 Einwohnern bietet eine dichte IT-Szene und zahlreiche anerkannte Kursanbieter. Die Berechnung:

  • Entwickler 1: Machine-Learning-Kurs 6.000 € → Förderung 3.000 € (50 %)
  • Entwickler 2: Deep-Learning-Kurs 5.000 € → Förderung 2.500 € (50 %)
  • Entwickler 3: KI-Anwendung 4.000 € → Förderung 2.000 € (50 %)
  • Projektmanager 1: Green IT 3.000 € → Förderung 1.500 € (50 %)
  • Projektmanager 2: Nachhaltiges Projektmanagement 3.000 € → Förderung 1.500 € (50 %)
  • Gesamtkosten: 21.000 €, Gesamtförderung: 10.500 €

Mit einer Investition von 10.500 € Eigenanteil baut das Unternehmen Kompetenzen in zwei Schlüsseltechnologien auf. Für ein KMU mit 8 Mitarbeitern ist das eine spürbare Entlastung.

Welche Weiterbildungsanbieter kommen in der Steiermark in Frage?

Die Steiermark bietet eine dichte Landschaft an anerkannten Weiterbildungsanbietern, die für die Skills Schecks in Frage kommen:

  • WIFI Steiermark: Kurse zu Digitalisierung, Automatisierung, Energiemanagement, Projektmanagement. Standorte in Graz und allen Bezirken.
  • BFI Steiermark: Schwerpunkte IT, Technik, Nachhaltigkeit. Auch berufsbegleitende Formate.
  • TU Graz – Life Long Learning: Hochspezialisierte Kurse zu KI, Robotik, Materialwissenschaften, Energietechnik.
  • FH Joanneum: Weiterbildungsprogramme in Elektronik, Fahrzeugtechnik, Informationsmanagement.
  • Montanuniversität Leoben: Kurse zu Werkstoffen, Kreislaufwirtschaft, Bergbautechnik.
  • bit schulungscenter: IT-Schulungen, Microsoft-Zertifizierungen, Programmierung.
  • tecTrain: Zertifizierte IT-Seminare mit Fokus auf Digitalisierung und Cloud-Technologien.

Alle Anbieter müssen ihre Kursangebote öffentlich auf der eigenen Website dokumentieren. Bei der Antragstellung ist ein direkter Link zur Kursbeschreibung erforderlich. Tipp: Prüfen Sie vorab, ob der gewünschte Kurs die Kriterien der Skills Schecks erfüllt – insbesondere den Schwerpunkt auf Digitalisierung oder Nachhaltigkeit.

Skills Schecks vs. andere Weiterbildungsförderungen in der Steiermark

Förderung Fördergeber Förderhöhe Zielgruppe
Skills Schecks 2026 FFG / BMWET 50 %, max. 5.000 € pro Person Unternehmen (KMU-Fokus)
SFG Qualifizierung SFG Steiermark Variabel je nach Aktion Steirische KMU, Lehrlinge
Fachkräftestipendium AMS Monatliches Stipendium Arbeitnehmer (persönlich)
KMU.DIGITAL WKO / aws Bis zu 6.000 € pro Betrieb KMU (Digitalisierungsprojekte)

Der Vorteil der Skills Schecks gegenüber anderen Förderungen: Die Antragstellung ist vergleichsweise einfach und schnell. Während andere Programme mehrstufige Bewerbungsverfahren erfordern, reicht bei den Skills Schecks ein elektronischer Antrag über eCall. Die Entscheidung fällt innerhalb weniger Tage. Die Kombination von Skills Schecks mit SFG-Qualifizierungsförderungen oder KMU.DIGITAL ist unter Beachtung der De-minimis-Grenze möglich.

Tipps für eine erfolgreiche Antragstellung

Tipp 1: Frühzeitig einreichen. Die Skills Schecks 2025 wurden vorzeitig geschlossen. Je früher der Antrag gestellt wird, desto höher die Chance auf eine Förderzusage. Das 4-Millionen-Budget ist begrenzt.

Tipp 2: Kurs sorgfältig auswählen. Ein Wechsel der Weiterbildung nach Förderzusage ist nicht möglich. Prüfen Sie vorab, ob der Kurs den Schwerpunkt Digitalisierung oder Nachhaltigkeit erfüllt und ob der Anbieter anerkannt ist.

Tipp 3: Antrag VOR Kursbeginn stellen. Der häufigste Fehler: Erst die Weiterbildung beginnen, dann den Antrag stellen. Das führt zur Ablehnung. Der Antrag muss eingereicht sein, BEVOR die Weiterbildung startet und BEVOR die Rechnung ausgestellt wird.

Tipp 4: 4-Wochen-Regel beachten. Die Weiterbildung muss spätestens 4 Wochen nach Antragstellung beginnen. Planen Sie den Zeitpunkt der Antragstellung entsprechend. Zu früh einreichen ist genauso problematisch wie zu spät.

Tipp 5: Alle 5 Schecks nutzen. Pro Unternehmen sind 5 Skills Schecks möglich. Prüfen Sie, ob mehrere Mitarbeiter von einer geförderten Weiterbildung profitieren können. Die maximale Fördersumme von 25.000 € pro Unternehmen ist ein erheblicher Betrag.

Tipp 6: De-minimis-Status prüfen. Die Obergrenze liegt bei 300.000 € über drei Jahre. Rechnen Sie alle De-minimis-Förderungen zusammen, die Ihr Unternehmen in den letzten drei Jahren erhalten hat. Dazu zählen auch kommunale Förderungen und andere Bundesförderungen.

Tipp 7: eCall-Account vorab einrichten. Die Registrierung beim eCall-System der FFG benötigt etwas Zeit. Richten Sie Ihren Account ein, bevor der gewünschte Kurs startet. So vermeiden Sie Verzögerungen bei der Antragstellung.

Kombination mit steirischen Landesförderungen

Die Skills Schecks lassen sich potenziell mit weiteren Förderungen kombinieren – unter Beachtung der De-minimis-Obergrenze von 300.000 € über drei Jahre. In der Steiermark bietet die SFG (Steirische Wirtschaftsförderung) eigene Qualifizierungsförderungen an. Auch das AMS Steiermark fördert berufliche Weiterbildung unter bestimmten Voraussetzungen. Wer die Lehre mit Matura in der Steiermark als Betrieb unterstützt, kann unter Umständen auch dafür Skills Schecks beantragen – sofern die Weiterbildung in den Förderschwerpunkten liegt.

Die Erwachsenenbildung Steiermark bietet eine Übersicht aller anerkannten Weiterbildungsanbieter in der Steiermark. Dazu zählen WIFI Steiermark, BFI Steiermark, Universitäten und Fachhochschulen sowie spezialisierte private Anbieter. Die Angebote decken alle 9 Schlüsseltechnologien der Industriestrategie ab – von KI-Grundlagen über Energiemanagement-Schulungen bis zu Life-Science-Seminaren.

Die Industriestrategie 2035 und ihre Bedeutung für steirische Betriebe

Die Skills Schecks sind Teil einer größeren wirtschaftspolitischen Offensive. Die Industriestrategie Österreich 2035 verfolgt das Ziel, Österreich durch langfristiges Wachstum sowie die Sicherung wirtschaftlicher und technologischer Kompetenz zu einer der zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt zu machen. Für die Steiermark als forschungsintensives Bundesland mit der höchsten F&E-Quote (5,32 %) ist das eine Chance: Die Schlüsseltechnologien der Industriestrategie decken sich weitgehend mit den steirischen Stärkefeldern.

Künstliche Intelligenz wird am Know-Center Graz, an der TU Graz und bei Unternehmen wie AVL List und Infineon vorangetrieben. Die Chip-Produktion hat mit ams-OSRAM in Premstätten einen globalen Player direkt in der Steiermark. Mobilitätstechnologien sind mit Magna Steyr, dem AVL Battery Innovation Center und dem Virtual Vehicle Forschungszentrum fest in Graz verankert. Und bei fortgeschrittenen Werkstoffen ist die Montanuniversität Leoben zusammen mit voestalpine ein internationales Kompetenzzentrum.

Für steirische KMU bedeutet das: Die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter in diesen Technologien ist nicht nur förderfähig, sondern direkt verknüpft mit dem wirtschaftlichen Ökosystem vor Ort. Ein Zulieferer von Magna kann seine Techniker in Automatisierung schulen lassen. Ein IT-Dienstleister kann seine Entwickler in KI-Technologien weiterbilden. Ein Installationsbetrieb kann seine Monteure in Wärmepumpen- und PV-Technik ausbilden.

Fachkräftemangel – Skills Schecks als Gegenstrategie

Die Arbeitslosenquote in der Steiermark liegt bei 4,4 % – unter dem österreichischen Durchschnitt von 5,2 %. Trotzdem klagen steirische Betriebe über den Fachkräftemangel in technischen Berufen, IT und Pflege. Die MINT-Studiengänge in der Steiermark bilden erstklassige Absolventen aus, aber die Nachfrage übersteigt das Angebot. Die Skills Schecks setzen hier an: Statt auf den perfekten Bewerber zu warten, können Unternehmen ihre bestehenden Mitarbeiter gezielt weiterqualifizieren. Ein Mechaniker wird zum Robotik-Spezialisten. Eine Buchhalterin erwirbt Kompetenzen in Datenanalyse. Dieser Ansatz ist oft schneller und günstiger als Neueinstellungen – und die Förderung übernimmt die Hälfte der Kosten.

Laut dem Bildungsnetzwerk Steiermark bilden sich 14,2 % der 25- bis 64-jährigen Steirer aktuell weiter. 37,2 % haben die Matura, 19,4 % einen akademischen Abschluss. Die Skills Schecks können dazu beitragen, die Weiterbildungsquote weiter zu steigern und die steirische Wirtschaft für die Herausforderungen der Digitalisierung und des Klimawandels zu rüsten.

Lehren aus 2025: Warum der Fördertopf schnell leer sein kann

Die Erfahrung aus dem Vorjahr sollte steirischen KMU als Warnung dienen. Die Skills Schecks 2025 wurden wegen Ausschöpfung der Fördermittel vorzeitig geschlossen – lange vor dem geplanten Einreichschluss am 30. Jänner 2026. Hunderte Unternehmen, die zu spät eingereicht hatten, gingen leer aus. Das Gesamtbudget 2026 liegt bei 4 Millionen Euro. Bei einer durchschnittlichen Förderhöhe von 3.500 € pro Scheck reicht das für rund 1.140 Anträge. Zum Vergleich: Allein in der Steiermark gibt es über 50.000 KMU.

Die FFG verarbeitet Anträge in der Reihenfolge ihres Eingangs. Wer früh einreicht, hat die besten Chancen. Wer bis Herbst wartet, riskiert eine geschlossene Ausschreibung. Die optimale Strategie: Jetzt den passenden Kurs identifizieren, den eCall-Account einrichten und den Antrag stellen, sobald der Kurstermin feststeht. Die 4-Wochen-Regel (Kurs muss innerhalb von 4 Wochen nach Antragstellung beginnen) erfordert eine genaue Abstimmung zwischen Antrag und Kursstart.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Dringlichkeit: Bei 4 Millionen Euro Budget und der Annahme, dass 30 % der Anträge aus der Steiermark kommen (entsprechend dem Wirtschaftsanteil), stehen steirischen Betrieben rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Das reicht für etwa 240 bis 340 Skills Schecks. Angesichts der starken Nachfrage aus Technologie- und Produktionsbetrieben in Graz, der Obersteiermark und dem Grazer Umland dürfte das steirische Kontingent schnell aufgebraucht sein.

Praxisbeispiel: Weiterbildung an der TU Graz

Die TU Graz bietet über ihr Life-Long-Learning-Programm zahlreiche Kurse an, die für Skills Schecks in Frage kommen. Ein Beispiel: Der Zertifikatskurs „Machine Learning for Engineers“ vermittelt in 5 Tagen die Grundlagen maschinellen Lernens für Ingenieure und Techniker. Der Kurs kostet rund 3.500 € netto. Mit dem Skills Scheck erhält das entsendende Unternehmen 1.750 € zurück. Der Mitarbeiter erwirbt Kompetenzen, die direkt in der Produktentwicklung, Qualitätssicherung oder Prozessoptimierung eingesetzt werden können.

Auch die FH Joanneum bietet förderbare Programme an: Von „Data Analytics für Unternehmen“ über „Nachhaltige Energiesysteme“ bis zu „Industrie-4.0-Anwendungen“. Die Montanuniversität Leoben hat Kurse zu Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger Materialwirtschaft im Programm. Das WIFI Steiermark deckt mit über 300 Digitalisierungskursen das breiteste Spektrum ab – von der Excel-Schulung für Einsteiger (nicht förderbar, da kein Digitalisierungsschwerpunkt) bis zum Diplomlehrgang „Data Science“ (förderbar).

Entscheidend ist die Abgrenzung: Nicht jeder Kurs mit dem Wort „digital“ im Titel erfüllt die Kriterien. Die FFG prüft, ob die Weiterbildung tatsächlich zur digitalen oder ökologischen Transformation des Unternehmens beiträgt. Ein allgemeiner Computerkurs reicht nicht aus. Ein spezialisierter Kurs zu KI-gestützter Bildverarbeitung in der Qualitätskontrolle schon. Im Zweifelsfall hilft ein Blick in den Ausschreibungsleitfaden auf der FFG-Website oder ein Anruf beim FFG-Förderservice unter +43 5 7755-0. Die Entscheidung fällt erfahrungsgemäß schnell – meist innerhalb weniger Arbeitstage.

Häufige Fragen zu den Skills Schecks 2026

Wie lange dauert die Bearbeitung eines Antrags?

Die FFG bemüht sich um eine Entscheidung innerhalb weniger Tage. Die Weiterbildung muss spätestens 4 Wochen nach Antragstellung beginnen. Planen Sie den Antrag so, dass zwischen Förderzusage und Kursbeginn genügend Zeit für die Buchung bleibt.

Kann ich den Skills Scheck für einen Online-Kurs nutzen?

Ja. Online-Weiterbildungen anerkannter Anbieter sind förderbar. Der Kurs muss öffentlich auf der Website des Anbieters dokumentiert und am Markt verfügbar sein. Individuell zusammengestellte Kurse werden nicht gefördert.

Was passiert, wenn ich die Weiterbildung abbreche?

Ein Wechsel der Weiterbildung nach Förderzusage ist nicht möglich. Bei Abbruch entfällt der Förderanspruch. Die FFG empfiehlt, die Wahl der Weiterbildung sorgfältig zu treffen.

Können auch Geschäftsführer einen Skills Scheck erhalten?

Ja. Skills Schecks können für Geschäftsführer, Einzelunternehmer und mitarbeitende Gesellschafter beantragt werden. Das macht die Förderung auch für Kleinstbetriebe und Ein-Personen-Unternehmen attraktiv.

Ist mein Unternehmen als Verein oder Genossenschaft förderbar?

Vereine mit erwerbswirtschaftlichem Zweck und Genossenschaften sind förderbar. Nicht förderbar sind Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GesbR), Unternehmen in Gründung, Forschungseinrichtungen, Behörden und Gemeinden.

Was zählt als „anerkannter Weiterbildungsanbieter“?

Universitäten, Fachhochschulen, WIFI, BFI, zertifizierte private Bildungseinrichtungen und Plattformen mit öffentlich zugänglichem Kursangebot. Die Weiterbildung muss mit einem direkten Link zur Kursbeschreibung auf der Anbieter-Website nachgewiesen werden.

Welche Kosten werden NICHT gefördert?

Nicht förderbar sind: Reisekosten, Unterkunftskosten, Verpflegung, interne Schulungen durch eigene Mitarbeiter, Coaching und Beratungsleistungen ohne Weiterbildungscharakter sowie individuell zusammengestellte Schulungsprogramme.

Wie reiche ich den Antrag ein?

Ausschließlich elektronisch über das eCall-System der FFG (ecall.ffg.at). Eine Registrierung ist erforderlich. Die FFG bietet ein eCall-Tutorial für Erstnutzer an. Der FFG-Förderservice hilft bei Fragen unter +43 5 7755-0.

Quellen