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Zapfpistole am Tank eines Lastwagens vor sommerlicher Landschaft in der Steiermark

Spritpreisbremse bis Ende September verlängert - 1,9 statt 10 Cent für die Steiermark

Das Wirtschaftsministerium hat die Spritpreisbremse am 31. August um ein weiteres Monat verlängert, sie gilt nun bis 30. September. An der Zapfsäule kommen davon 1,9 Cent pro Liter an. Eine 50-Liter-Tankfüllung wird damit um 95 Cent billiger. Im April waren es rund zehn Cent und knapp fünf Euro. Der Unterschied liegt an der zweiten Säule des Pakets, die seit Juni nicht mehr steht.

Was im September an der Zapfsäule gilt

Verlängert wird die gesenkte Mineralölsteuer. Der Finanzminister ermittelt monatlich, wie viel Umsatzsteuer der Staat durch die hohen Energiepreise zusätzlich einnimmt, und gibt diesen Betrag über einen reduzierten MÖSt-Satz zurück. Für September bleibt es bei 1,9 Cent je Liter, dem gleichen Wert wie im August.

Erhalten bleibt auch die sogenannte Preisrunter-Garantie: Sinken die internationalen Notierungen für Diesel und Eurosuper E10, müssen Tankstellen diese Senkung rasch weitergeben. Das ist die Regel, die verhindern soll, dass fallende Großhandelspreise erst mit Wochen Verzögerung am Zapfhahn ankommen - während Erhöhungen am selben Tag durchschlagen.

Nicht verlängert wurde der Eingriff in die Gewinnmargen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) nannte die Verlängerung eine „gezielte, befristete und verantwortungsvolle Maßnahme“, dauerhafte Markteingriffe seien der falsche Weg. Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) bezeichnete das Instrument als wichtig im Kampf gegen die Inflation. Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) verwies auf die Schwankungen an den internationalen Energiemärkten und plädierte dafür, stattdessen die heimische Energieunabhängigkeit auszubauen.

Zum Preisniveau, auf das die 1,9 Cent treffen: Der österreichweite Durchschnitt lag am 31. August laut Kraftstoffpreis-Statistik der Wirtschaftskammer bei 1,993 Euro je Liter Diesel und 1,784 Euro bei Eurosuper 95. Beim Benzin liegt Österreich damit 15,8 Cent unter dem EU-Schnitt, beim Diesel nur 1,3 Cent - ausgerechnet jener Treibstoff, von dem die Transportwirtschaft lebt, ist hierzulande also praktisch europäischer Durchschnittspreis.

Wie aus zehn Cent 1,9 wurden

Der Nationalrat beschloss die Spritpreisbremse am 25. März mit Verfassungsmehrheit, die Grünen stimmten der Margenbegrenzung mit 123 zu 54 Stimmen zu. Geplant war eine Doppelkonstruktion: fünf Cent aus der Steuersenkung, fünf Cent aus einer gesetzlich verordneten Margenkürzung bei Raffinerien und Tankstellen. Zusammen zehn Cent.

Zwei Wochen hielt das. Am 14. April kürzte die OMV ihren Beitrag beim Diesel von fünf auf 2,8 Cent und berief sich auf eine Notfallklausel in der Verordnung: Mehr als die Hälfte des in Österreich verbrauchten Diesels werde importiert und zu Marktpreisen eingekauft, dort lasse sich die volle Marge nicht opfern. SPÖ, ÖGB und Arbeiterkammer nannten das angesichts der Konzerngewinne inakzeptabel, die FPÖ sprach vom „größten Murks“, die Grünen von einem „Rohrkrepierer“. Das Wirtschaftsministerium ordnete eine Sonderprüfung an. Kurz davor hatte die E-Control noch einen durchschnittlichen Dieselpreis-Rückgang von 10,5 Cent gemeldet.

Am 30. Mai einigten sich ÖVP, SPÖ und NEOS darauf, den Margeneingriff fallen zu lassen. Seither trägt die Bremse nur noch die Steuerseite - und die schrumpft oder wächst mit den Umsatzsteuer-Mehreinnahmen, aus denen sie berechnet wird.

Monat 2026 MÖSt-Senkung Margeneingriff Entlastung je Liter Je 50-Liter-Tankfüllung
April 5 Cent ja rund 10 Cent rund 5,00 Euro
Mai 2 Cent 2,5 Cent 4,5 Cent 2,25 Euro
Juni 1,7 Cent nein 1,7 Cent 0,85 Euro
Juli 0,8 Cent nein 0,8 Cent 0,40 Euro
August 1,9 Cent nein 1,9 Cent 0,95 Euro
September 1,9 Cent nein 1,9 Cent 0,95 Euro

Wie die Einführung im Frühjahr abgelaufen ist, steht im Detail im Beitrag zur Spritpreisbremse ab April 2026.

Der Streit, der die Bremse klein hält

Die Koalition ist sich uneinig, und zwar nicht über die Verlängerung, sondern über den Wirkmechanismus. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hält eine reine Steuersenkung für kaum spürbar und will die Margenbegrenzung zurück. Auf EU-Ebene fordert er gemeinsam mit fünf Amtskollegen einen Rahmen zur Besteuerung von Übergewinnen der Ölkonzerne. Hattmannsdorfer hält dagegen, dauerhafte Preiseingriffe gefährdeten freie Tankstellen und die Versorgungssicherheit, funktionierender Wettbewerb sei der bessere Garant für faire Preise.

Die Autofahrerklubs sehen die Bilanz nüchtern. ARBÖ-Generalsekretär Gerald Kumnig rechnete Ende Juli vor, dass die Verdoppelung der Bremse eine 50-Liter-Füllung um 95 Cent verbilligt, und forderte eine deutlich höhere steuerliche Entlastung. Der ÖAMTC hatte schon für den August eine stärkere Senkung verlangt und kritisiert die asymmetrische Preisbildung: Sinkende Rohölpreise kommen an den Zapfsäulen kaum an, steigende sofort.

Der Vergleich, der das Ausmaß zeigt: Im April lagen die Spritpreise auf ähnlichem Niveau wie heute. Damals brachte die Bremse rund zehn Cent. Jetzt bringt sie ein Fünftel davon.

Was ein steirischer 40-Tonner davon hat

Für einen Fernverkehrs-Lkw mit 100.000 Kilometern Jahresleistung und einem Verbrauch von 30 Litern je 100 Kilometer sind das 30.000 Liter Diesel pro Jahr. Die aktuelle Spritpreisbremse bringt darauf 570 Euro - vorausgesetzt, sie liefe ein ganzes Jahr in dieser Höhe, was sie nicht tut. Dem stehen 4.140 Euro allein an nationaler CO₂-Bepreisung gegenüber (13,8 Cent netto je Liter Diesel bei 55 Euro je Tonne) und 11.910 Euro Mineralölsteuer bei einem Satz von 39,7 Cent. Die Bremse gibt also rund ein Siebentel dessen zurück, was der CO₂-Preis kostet, und knapp fünf Prozent der MÖSt.

Genau deshalb hat die WKO Steiermark schon im April einen Gewerbediesel gefordert. Die Dieselpreise lagen damals 30 bis 40 Prozent über dem Jännerwert, parallel stieg die Maut um 7,7 Prozent. Spartenvertreter Johannes Matzhold: „Für viele Betriebe ist das keine normale Marktschwankung mehr, sondern eine existenzielle Belastung.“ WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk warnte, in diesem Tempo steigende Kosten gefährdeten Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit. Neben dem Gewerbediesel verlangt die Kammer eine temporäre Aussetzung der CO₂-Bepreisung und eine Absenkung der Mineralölsteuer auf EU-Niveau.

Wie breit das durchschlägt, zeigt das Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark zur Jahresmitte. 58 Prozent der Betriebe spüren negative Folgen des Iran-Kriegs, und von diesen berichten 82 Prozent von höheren Transport- und Treibstoffkosten. Der Saldo zur Gesamtwirtschaft liegt bei minus 49,9 Prozentpunkten: 56,5 Prozent erwarten eine Verschlechterung, 6,6 Prozent eine Verbesserung. Als größte Kostenprobleme nennen die Betriebe Arbeitskosten (77,2 Prozent), Energiekosten (60,8 Prozent) und Bürokratie (55,4 Prozent).

In den Pendlerbezirken sind es 1,81 Euro im Monat

Die Steiermark pendelt. Für 35,9 Prozent der hier lebenden Erwerbstätigen liegt der Arbeitsplatz außerhalb des Wohnbezirks. Die höchsten Auspendlerquoten weisen laut Landesstatistik Graz-Umgebung mit 79,7 Prozent, Leibnitz mit 75,9 und Voitsberg mit 74,5 Prozent auf. Graz-Stadt liegt bei 26,3 Prozent und ist der große Einpendlerbezirk des Landes.

Ein Rechenbeispiel für die Strecke Leibnitz nach Graz: rund 40 Kilometer einfach, 80 Kilometer am Arbeitstag, bei 220 Arbeitstagen 17.600 Kilometer im Jahr. Bei 6,5 Litern je 100 Kilometer sind das etwa 95 Liter im Monat. Die Spritpreisbremse bringt darauf 1,81 Euro monatlich. Im April-Modell wären es 9,50 Euro gewesen.

Spürbarer als die Bremse ist für diese Gruppe eine andere Änderung: Der Pendlereuro hat sich mit 2026 von zwei auf sechs Euro je Kilometer der einfachen Fahrtstrecke verdreifacht. Was das konkret bedeutet, steht im Beitrag zu Pendlerpauschale und Pendlereuro in der Steiermark.

24 Cent Unterschied an der Grenze bei Spielfeld

Slowenien deckelt seit Jahren die Treibstoffpreise abseits der Autobahnen und setzt sie wöchentlich neu fest. Seit Juni ist zusätzlich die Handelsspanne mit 11,5 Cent je Liter begrenzt - also genau jenes Instrument, das Österreich Ende Mai fallen gelassen hat. Am 11. August sanken die slowenischen Höchstpreise erneut, auf 1,753 Euro für Diesel und 1,519 Euro für Super 95.

Gegen den österreichischen Durchschnitt vom 31. August ergibt das 24 Cent Unterschied beim Diesel und 26,5 Cent beim Benzin. Eine 50-Liter-Füllung ist südlich der Grenze also um rund zwölf Euro billiger. Die Spritpreisbremse deckt davon 95 Cent ab. Für die Südsteiermark ist das keine akademische Rechnung: Von Leibnitz zum Grenzübergang Spielfeld sind es keine 15 Kilometer, und wer ohnehin nach Maribor pendelt oder liefert, tankt dort.

Bemerkenswert ist der Kontrast im Ansatz. Slowenien greift bei den Margen ein und lässt die Steuern in Ruhe. Österreich hat sich für das Gegenteil entschieden und senkt eine Steuer, deren Höhe sich aus Mehreinnahmen an einer anderen Steuer errechnet. Das Ergebnis an der Zapfsäule spricht für sich.

Was nach dem 30. September kommt

Die gesetzliche Grundlage läuft am 31. Dezember 2026 automatisch aus. Bis dahin kann die Regierung jeden Monat neu verordnen: Die MÖSt-Senkung wird auf Basis der Umsatzsteuer-Mehreinnahmen berechnet, die Margenbegrenzung ließe sich per Verordnung reaktivieren, wenn die Krisenschwelle greift - definiert als Preisanstieg von über 30 Prozent binnen zwei Monaten. Politisch ist das derzeit nicht in Sicht, ÖVP und NEOS haben ihre Position seit Mai nicht geändert.

Auf Entspannung an den Rohstoffmärkten sollte sich niemand verlassen. Brent notierte am 31. August bei rund 91 US-Dollar je Barrel, die Analysten von DBS erwarten für September eine Spanne zwischen 85 und 95 Dollar. Bleibt das Niveau, bleiben auch die Umsatzsteuer-Mehreinnahmen hoch, aus denen die MÖSt-Senkung errechnet wird. Genau darin liegt die Schwäche der Konstruktion: Der Entlastungsbetrag hängt daran, wie viel der Staat zusätzlich einnimmt, nicht daran, wie sehr die Preise die Betriebe treffen. 1,9 Cent bleiben 1,9 Cent, ob der Liter Diesel nun 1,99 Euro kostet oder 2,20.

Für steirische Betriebe heißt das: Die Spritpreisbremse ist in ihrer aktuellen Form kein Faktor mehr in der Kalkulation. Wer Transportkosten senken will, kommt eher über den Fuhrpark, über Tourenplanung und über Verhandlungen zur Weitergabe von Kostensteigerungen weiter als über 1,9 Cent je Liter. Der WKO-Ruf nach einem Gewerbediesel und einer Aussetzung der CO₂-Bepreisung zielt auf die Beträge, um die es tatsächlich geht. Beides steht derzeit nicht auf der Regierungsagenda. Ab 2028 kommt mit dem europäischen Emissionshandel für Verkehr und Gebäude ohnehin ein neuer Preisfaktor dazu, dazu mehr im Beitrag zur CO₂-Steuer und ETS 2 ab 2028.

Stand: 31. August 2026. Preisangaben laut Wirtschaftskammer-Kraftstoffstatistik und E-Control-Spritpreisrechner, die MÖSt-Senkung wird monatlich per Verordnung neu festgelegt.