Im Bezirk Murtal arbeiten 5.655 von 19.705 Beschäftigten der gewerblichen Wirtschaft in der Industrie. Das sind 28,7 Prozent, im steirischen Schnitt 20,7 Prozent. Einen höheren Anteil haben nur Bruck-Mürzzuschlag, Leoben und Deutschlandsberg. Dahinter stehen Namen wie Stahl Judenburg, Zellstoff Pöls, Sandvik und voestalpine in Zeltweg oder Austria Email in Knittelfeld.
Über die Landesgrenzen hinaus kennt man den Bezirk vor allem wegen des Red Bull Rings. Die Industrie war lange vor ihm da. In Fohnsdorf wurde ab 1670 Braunkohle abgebaut, in Zeltweg entstand 1851 ein Eisenwerk, Stahl Judenburg wurde 1906 gegründet. Der Österreichring eröffnete erst 1969.
Den Bezirk selbst gibt es seit 1. Jänner 2012, er entstand aus den Bezirken Judenburg und Knittelfeld. Laut Landesstatistik Steiermark leben auf 1.675,9 Quadratkilometern in 20 Gemeinden 71.178 Menschen (Stand 1. Jänner 2026).
Kohle, Eisen, Weichen: wie die Industrie ins Murtal kam
1670 ging unter Fürst Johann Adolf I. Schwarzenberg bei Dietersdorf ein Tagbau in Betrieb. Damit begann der Fohnsdorfer Kohlebergbau. 1945 arbeiteten dort rund 1.300 Bergleute, 1978 war Schluss. Seither hat sich Fohnsdorf laut Gemeinde zu einem Standort mit Industrie, Gewerbe, Handel und Tourismus entwickelt.
Das Eisen ist geblieben. Graf Hugo Henckel von Donnersmarck gründete 1851 in Zeltweg die Hugo-Hütte, 1866 begann dort die industrielle Fertigung von Weichen. Diese Linie führt heute die voestalpine Turnout Technology Zeltweg fort, seit 2003 zur Gänze im Besitz der voestalpine. Auch Sandvik datiert seine Fabrik in Zeltweg auf 1851. Sie ist Sitz der Konzernsparte Mechanical Cutting, die Maschinen für den mechanischen Abbau unter Tage baut.
Zwei weitere Gründungen prägen den Bezirk bis heute. 1930 schlossen sich kleine Molkereigenossenschaften aus dem Murtal zur Obersteirischen Molkerei zusammen. Und 1940 erwarb Johann Pabst das heutige Stammwerk seiner Holzindustrie in Kathal bei Obdach.
Die großen Arbeitgeber und was sie herstellen
Stahl, Holz und Zellstoff, dazu Speichertechnik und Lebensmittel. Fünf der sieben Leitbetriebe gehören zu Gruppen, deren Konzernzentralen außerhalb des Bezirks liegen. Nur die Obersteirische Molkerei und Pabst werden aus dem Murtal heraus geführt.
| Unternehmen | Standort | Schwerpunkt | Hintergrund |
|---|---|---|---|
| Stahl Judenburg GmbH | Judenburg | Stab- und Blankstahl aus Edelbaustählen, Kolbenstangen, CNC-Komponenten | gegründet 1906, Teil der GMH Gruppe |
| Zellstoff Pöls AG | Pöls | rund 480.000 Tonnen Langfasersulfatzellstoff (ORION) pro Jahr, Kraftpapier (STARKRAFT) auf drei Papiermaschinen | Heinzel Group, speist Strom und Fernwärme ins öffentliche Netz |
| voestalpine Turnout Technology Zeltweg GmbH | Zeltweg | Weichen, Kreuzungen, Antriebs-, Verschluss- und Überwachungstechnik | Werk seit 1851, Weichenbau seit 1866 |
| Sandvik | Zeltweg | Teilschnittmaschinen, Bolter Miner und Continuous Miner für den Untertagebau | Sitz der Sparte Mechanical Cutting |
| Austria Email AG | Knittelfeld | Warmwasserspeicher, Wärmepumpen, Speicher- und Heiztechnik | rund 400 Mitarbeiter, gehört zur Groupe Atlantic |
| Obersteirische Molkerei eGen | Knittelfeld, Spielberg (dazu Kapfenberg) | Milch- und Käseprodukte | Genossenschaft seit 1930, 2.400 Mitglieder, rund 1.100 Milchlieferanten |
| Pabst Holzindustrie | Kathal bei Obdach, Zeltweg | Schnittholz, Hobelware, Brettschichtholz, Pellets | gegründet 1940, Firmenzentrale in Zeltweg |
Quellen: Unternehmensangaben von GMH Gruppe, Zellstoff Pöls, voestalpine, Sandvik, Austria Email, Obersteirische Molkerei und Pabst Holzindustrie, abgerufen im September 2026.
Welche Mengen durch die Werke gehen, zeigt Pabst. Das Stammwerk in Kathal verarbeitet jährlich rund 400.000 Festmeter Fichtenrundholz, 2025 wurde das Sägewerk um 40 Millionen Euro modernisiert. In Zeltweg entstehen rund 100.000 Kubikmeter Brettschichtholz im Jahr.
Das Zeltweger Werk liegt am Holzinnovationszentrum. Auf dem 40 Hektar großen Areal arbeiten laut Holzinnovationszentrum 12 Firmen mit rund 220 Mitarbeitern, die meisten aus der Holzbranche. Bezirksweit sind viele Betriebe in der Initiative KRAFT. Das Murtal vernetzt, für die das Regionalmanagement Murau Murtal über 80 Partnerunternehmen mit zusammen 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nennt.
Industrie vor Gewerbe: die Branchen im Vergleich
Die Beschäftigtenstatistik der Wirtschaftskammer erfasst die gewerbliche Wirtschaft. Öffentlicher Dienst, freie Berufe sowie Land- und Forstwirtschaft fehlen darin. Stichtag war der 31. Juli 2025.
| Sparte | Beschäftigte Murtal | Anteil Murtal | Anteil Steiermark |
|---|---|---|---|
| Industrie | 5.655 | 28,7 % | 20,7 % |
| Gewerbe und Handwerk | 4.832 | 24,5 % | 30,6 % |
| Handel | 3.307 | 16,8 % | 17,6 % |
| Tourismus und Freizeitwirtschaft | 2.700 | 13,7 % | 13,0 % |
| Transport und Verkehr | 2.147 | 10,9 % | 7,2 % |
| Information und Consulting | 570 | 2,9 % | 8,3 % |
| Bank und Versicherung | 494 | 2,5 % | 2,6 % |
| Gesamt | 19.705 | 100 % | 100 % |
Quelle: WKO Steiermark, Beschäftigtenstatistik 2025, Beschäftigte in den Arbeitsstätten, vorläufige Werte vom 31.07.2025. Anteile eigene Berechnung.
Im Land ist das Gewerbe die größte Sparte, im Murtal die Industrie. Auch Transport und Verkehr sind mit 10,9 Prozent stark. Information und Consulting spielen dagegen kaum eine Rolle. Von den 33.284 Beschäftigten dieser Sparte in der Steiermark arbeitet rund die Hälfte in Graz-Stadt.
Mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze liegt in drei Städten: Knittelfeld (4.441 Beschäftigte), Zeltweg (3.268) und Judenburg (3.185). Es folgen Fohnsdorf mit 2.395 und Spielberg mit 1.326. Mit allen Branchen und den Selbständigen kam die Arbeitsstättenzählung 2024 auf 6.170 Unternehmen und 33.240 Beschäftigte im Bezirk. Von den Erwerbspersonen mit Wohnsitz im Murtal entfielen 2024 genau 32,0 Prozent auf Industrie, Gewerbe und Bau und 3,9 Prozent auf die Land- und Forstwirtschaft.
Red Bull Ring: 479,5 Millionen Euro Wertschöpfung seit 2014
Gefahren wurde zuerst auf dem Flugplatz Zeltweg. 1969 eröffnete der Österreichring mit einem 1000-Kilometer-Rennen, am 15. August 1970 sahen mehr als 100.000 Zuschauer dort den ersten Formel-1-Grand-Prix. 1996 wurde die Strecke zum A1-Ring umgebaut, verbreitert und auf 4,3 Kilometer verkürzt. Nach dem Grand Prix 2003 rissen Bagger einen Teil davon ab.
2004 startete Dietrich Mateschitz das Projekt Spielberg. Es folgte ein mehrjähriger Baustopp, grünes Licht gab es erst am 20. Oktober 2008. Am 15. Mai 2011 eröffnete der Red Bull Ring. Die Formel 1 kehrte 2014 zurück, 2025 wurde ihr Vertrag bis 2041 verlängert. Die MotoGP fährt seit 2016 wieder in Spielberg und hat bis 2030 unterschrieben.
Was das bringt, hat das Institut economixs im Auftrag des Landes berechnet. Seit der Formel-1-Rückkehr löste das Projekt Spielberg laut Land Steiermark 479,5 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung in der Steiermark aus und 686,5 Millionen Euro in ganz Österreich. Besucherausgaben und Investitionen brachten in diesen zehn Jahren bis 2024 Umsätze von 1,07 Milliarden Euro, davon 671 Millionen Euro in der Steiermark. 85 Prozent der Hauptlieferanten kamen aus Österreich, die Hälfte davon aus der Steiermark.
Sichtbar wird der Ring in den Nächtigungen. Laut Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl haben sie sich in der Region seit 2014 auf rund 600.000 pro Jahr verdoppelt. Die Landesstatistik zählt für den Bezirk 620.790 Nächtigungen im Jahr 2024 und 560.865 im Jahr 2025, ein Minus von 9,7 Prozent. Als Arbeitgeber bleibt der Tourismus klar hinter der Industrie: 2.700 Beschäftigte gegenüber 5.655. Anreise, Tickets und Unterkünfte zum Rennwochenende: Formel 1 in Spielberg.
Arbeitsmarkt: weniger Arbeitslose gegen den Landestrend
2025 waren im Bezirk im Jahresschnitt 1.827 Menschen arbeitslos, um 2,2 Prozent weniger als 2024. Steiermarkweit stieg die Zahl im selben Jahr um 8,8 Prozent. Einen Rückgang gab es sonst nur im Bezirk Leoben.
| Jahr | Murtal | Steiermark | Österreich |
|---|---|---|---|
| 2021 | 6,9 % | 6,5 % | 8,0 % |
| 2022 | 5,5 % | 5,2 % | 6,3 % |
| 2023 | 5,7 % | 5,5 % | 6,4 % |
| 2024 | 6,3 % | 6,1 % | 7,0 % |
| 2025 | 6,1 % | 6,6 % | 7,4 % |
Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung im Jahresdurchschnitt. Quellen: AMS, aufbereitet von der Landesstatistik Steiermark (Arbeitsmarkt 2025) und der WKO Steiermark. Die Bezirkswerte beziehen sich auf den Wohnort. Nach derselben Methode lag die Steiermark 2024 bei 6,4 und 2025 bei 6,9 Prozent.
Wer Arbeit sucht, hat im Murtal bessere Karten als im Landesschnitt. Auf eine offene Stelle kamen 2025 rechnerisch 2,9 Arbeitsuchende, in der Steiermark 3,7. Der Anteil der gemeldeten, noch unbesetzten Stellen, die Vakanzquote, lag bei 2,2 Prozent gegenüber 1,9 Prozent im Land. Für Betriebe heißt das weniger Bewerber pro Stelle. Die Arbeitslosen sind auch älter: 37,1 Prozent waren 50 oder darüber, steiermarkweit 34,4 Prozent.
Pendler: mehr fahren hinaus als herein
Laut Registerzählung 2024 wohnen im Bezirk 32.690 Erwerbstätige, im Bezirk arbeiten aber nur 30.114. Der Pendlersaldo liegt damit bei minus 2.576. 2011 waren es minus 2.459, 2021 sogar minus 3.091.
Wohin es geht, zeigt die Pendlermatrix 2023. Knapp 7.500 Erwerbstätige arbeiteten außerhalb des Bezirks, am häufigsten in anderen Bundesländern oder im Ausland (2.181), in Leoben (1.963) und in Graz-Stadt (1.471). In die Gegenrichtung kamen rund 5.000 Menschen, die meisten aus anderen Bundesländern (1.095), aus Murau (955) und aus Leoben (930).
Der größte Strom bleibt im Bezirk. 14.721 Erwerbstätige pendelten 2023 in eine andere Murtaler Gemeinde, fast doppelt so viele wie hinaus. Die wichtigsten Siedlungs- und Wirtschaftszentren liegen laut Regionalmanagement im Becken Aichfeld-Murboden, wo sich das Murtal bei Judenburg weitet. Dort funktioniert der Bezirk wie ein gemeinsamer Arbeitsmarkt. Was Pendler steuerlich geltend machen können: Pendlerpauschale, Pendlereuro und KlimaTicket.
6.700 Einwohner weniger als 2001
Die Volkszählung 2001 kam im heutigen Bezirksgebiet auf 77.879 Einwohner, am 1. Jänner 2026 waren es 71.178. 2025 standen 484 Geburten 1.024 Sterbefällen gegenüber. Der Zuzug gleicht das nur zum Teil aus, die Wanderungsbilanz lag bei plus 194.
26,0 Prozent der Einwohner sind 65 oder älter. Der Anteil ausländischer Staatsbürger stieg von 9,5 Prozent Anfang 2022 auf 12,0 Prozent Anfang 2026. Bei 39,4 Prozent der über 14-Jährigen ist die Lehre der höchste Abschluss, die Akademikerquote der 25- bis 64-Jährigen liegt bei 11,2 Prozent (beides Registerzählung 2024). Wie viele Lehrstellen offen sind: Lehrstellenmarkt in der Steiermark. Wohnungs- und Hauspreise je Bezirk: Immobilienpreise im Bezirksvergleich.
S 36: 640 Millionen Euro für zwölf Kilometer
Das größte Verkehrsprojekt des Bezirks steht noch vor dem Bau. Westlich von Judenburg ist die S 36 Murtal Schnellstraße in Teilen fertig: Die Unterflurtrasse St. Georgen ob Judenburg entstand 2013 bis 2015, jene in Unzmarkt ging 2020 in Betrieb.
Offen ist der zwölf Kilometer lange Abschnitt von Judenburg nach St. Georgen. Die ASFINAG hat ihn im September 2024 zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht und rechnet mit 640 Millionen Euro. Baubeginn soll 2029 sein, Fertigstellung 2034.
Häufige Fragen zur Wirtschaft im Murtal
Welche großen Unternehmen gibt es im Murtal?
Zu den bekanntesten zählen Stahl Judenburg, Zellstoff Pöls, voestalpine Turnout Technology und Sandvik in Zeltweg, Austria Email und die Obersteirische Molkerei in Knittelfeld sowie Pabst Holzindustrie in Kathal bei Obdach und Zeltweg. Dazu kommt der Red Bull Ring in Spielberg.
Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit im Bezirk Murtal?
Die Arbeitslosenquote lag 2025 im Jahresschnitt bei 6,1 Prozent, nach 6,3 Prozent im Jahr davor. Das entspricht 1.827 Arbeitslosen. Die Steiermark kam auf 6,6 Prozent, Österreich auf 7,4 Prozent.
Welche Gemeinden gehören zum Bezirk Murtal?
20 Gemeinden: Fohnsdorf, Gaal, Hohentauern, Judenburg, Knittelfeld, Kobenz, Lobmingtal, Obdach, Pöls-Oberkurzheim, Pölstal, Pusterwald, Sankt Georgen ob Judenburg, Sankt Marein-Feistritz, Sankt Margarethen bei Knittelfeld, Sankt Peter ob Judenburg, Seckau, Spielberg, Unzmarkt-Frauenburg, Weißkirchen in Steiermark und Zeltweg.
Wo gibt es im Murtal die meisten Arbeitsplätze?
In Knittelfeld mit 4.441 Beschäftigten in der gewerblichen Wirtschaft, vor Zeltweg mit 3.268 und Judenburg mit 3.185. Stand ist der 31. Juli 2025.
Was bringt der Red Bull Ring der Region?
Laut einer economixs-Studie für das Land Steiermark löste das Projekt Spielberg in den zehn Jahren seit der Formel-1-Rückkehr 2014 rund 479,5 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung in der Steiermark aus. Die Nächtigungen in der Region haben sich im selben Zeitraum auf rund 600.000 pro Jahr verdoppelt.