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A.I. Love Graz - KI-Förderung für Grazer Unternehmen und Startups

Der erste Grazer Fördercall für Künstliche Intelligenz ist Geschichte: Am 31. März 2026 endete die Einreichfrist für A.I. Love Graz, die geförderten Projekte laufen seit Mai und enden im November. 50.000 Euro standen insgesamt bereit, 75 Prozent der Projektkosten und höchstens 3.000 Euro je Vorhaben. Ein Nachfolgecall ist bislang nicht angekündigt.

Welche Töpfe steirische Betriebe stattdessen ansteuern können, steht in der Übersicht zu den KI-Förderungen in der Steiermark mit den aktuellen Sätzen und Fristen. Hier geht es um den Grazer Call und das Umfeld, in dem er stattfand.

Der Fördercall der Stadt Graz im Detail

Das Budget der Wirtschaftsabteilung der Stadt Graz ist in den vergangenen Jahren von 5,7 Millionen Euro (2021) auf 2,7 Millionen Euro (2026) gesunken. Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) setzt daher auf gezielte Schwerpunkte anstelle vieler Einzelmaßnahmen. Der erste Fördercall widmet sich unter dem programmatischen Titel „A.I. Love Graz“ der Künstlichen Intelligenz und adressiert damit eines der drängendsten Zukunftsthemen der regionalen Wirtschaft.

Die Förderung richtet sich an Grazer Einzelunternehmen, Klein- und Kleinstunternehmen sowie Startups, die KI praxisnah in ihre Geschäftsmodelle integrieren möchten. Gefördert werden marktorientierte KI-Anwendungen - von ersten Pilotprojekten über Prototypen bis hin zu konkreten Anwendungsfällen. Projekte mit klarer Umsetzbarkeit, wirtschaftlichem Nutzen und verantwortungsvollem KI-Einsatz können mit bis zu 75 Prozent der Projektkosten, maximal jedoch 3.000 Euro, unterstützt werden.

Kriterium A.I. Love Graz
Gesamtbudget 50.000 Euro
Förderquote Bis zu 75% der Projektkosten
Maximale Förderung 3.000 Euro pro Projekt
Einreichfrist 9. Februar bis 31. März 2026
Projektlaufzeit Mai bis November 2026
Zielgruppe EPU, Kleinst- und Kleinunternehmen, Startups
Status abgeschlossen, kein Nachfolgecall angekündigt

Die Initiative basiert auf der Wirtschaftsstrategie Graz 2030, die im Transformationsfeld „Entrepreneurship und Neue Arbeitswelt“ das Ziel verfolgt, selbständige Erwerbstätigkeit gezielt zu stärken. Studien zeigen, dass der Einsatz von KI in Verwaltung, Industrie und Dienstleistungsbereichen realistische Effizienzgewinne von 10 bis 16 Prozent ermöglicht - insbesondere in den Bereichen IT, Administration, Sales, Finance und Forschung. Xiaoao Dong von der Wirtschaftsabteilung steht als Ansprechpartnerin unter xiaoao.dong@stadt.graz.at zur Verfügung.

Was der Bund zur selben Zeit anbot - und was davon blieb

Als der Grazer Call im Februar 2026 startete, war die Bundesebene noch anders aufgestellt. Die Austria Wirtschaftsservice führte vier Förderschienen für Künstliche Intelligenz: AI-Start Green für den erstmaligen KI-Einsatz, AI-Adoption für vertrauenswürdige KI-Vorhaben, AI Wissen für Trainingsdaten und Rechtsfragen sowie die Sonderkondition Künstliche Intelligenz im Programm aws Digitalisierung. Keine davon nimmt heute noch Anträge entgegen; AI-Adoption schloss am 28. Februar 2025, ein neuer Call ist nicht angekündigt.

Ähnlich beim Digitalisierungsprogramm der Wirtschaftskammer: Bei KMU.DIGITAL 4.0 ist das Budget ausgeschöpft, Beratungs- und Umsetzungsförderung sind zu. Die Sätze für eine mögliche Neuauflage: 80 Prozent für die Status- und Potenzialanalyse (maximal 400 Euro pro Tool), 50 Prozent für die Strategieberatung (maximal 1.000 Euro), 30 Prozent für die Umsetzung (maximal 6.000 Euro).

Offen geblieben ist die Forschungsförderungsgesellschaft. Das FFG-Basisprogramm nimmt ganzjährig Anträge bis zu 3 Millionen Euro Fördervolumen, die Kleinprojekt-Schiene deckt Vorhaben bis 150.000 Euro Gesamtkosten mit maximal 88.500 Euro ab. Dazu kommt die Ausschreibung AI Ökosysteme 2026 mit 8,4 Millionen Euro für die Schwerpunkte Hybrid AI und Green AI - allerdings nur für kooperative Forschungsprojekte an KI-Kerntechnologien, nicht für die Anwendung bestehender Modelle.

Steirische Wirtschaftsförderung SFG als Partner

Die Steirische Wirtschaftsförderung SFG ergänzt die Bundesprogramme mit regionalen Angeboten. Die Förderaktion Ideen!Reich eignet sich für Digitalisierungsvorhaben mit echtem Innovationscharakter und zahlt im Modul XS bis zu 70 Prozent von maximal 20.000 Euro Projektkosten, während Cyber!Sicher Investitionen in IT-Sicherheit unterstützt - angesichts der NIS2-Richtlinie ein Thema, das oft mit KI-Implementierung einhergeht.

Eine Besonderheit der steirischen Förderlandschaft ist der Steiermark!Bonus: Sagt die FFG einem steirischen KMU eine Förderung aus dem Basisprogramm zu, erhöht die SFG den Darlehensanteil um 20 Prozent. Beantragt wird er nicht gesondert - wer sein Projekt bei der FFG einreicht, hat ihn automatisch mit beantragt. Für forschungsintensive KI-Projekte ist das der stärkste Standortvorteil, den die Steiermark zu bieten hat.

Know Center - 25 Jahre KI-Forschung in Graz

Als führendes europäisches Innovations- und Spitzenforschungszentrum für vertrauenswürdige KI und Data Science hat das Know Center im August 2025 sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Das COMET-Kompetenzzentrum in der Sandgasse 34 beschäftigt über 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus mehr als 20 Nationen und hat über 700 Industrie-Projekte erfolgreich abgewickelt. Geschäftsführer Oliver Bernecker betont: „Wir entwickeln KI nicht für theoretische Szenarien, sondern dort, wo sie gebraucht wird: in Unternehmen, in der Verwaltung und im Alltag der Menschen.“

Das Know Center forscht in sechs strategischen Bereichen: Data Management for AI, Data Privacy for AI, Methods & Algorithms for AI, Human-AI Interaction, Fair AI und Digital Transformation Design. Besonderer Fokus liegt auf vertrauenswürdiger KI - mit Schwerpunkten auf Stabilität, Sicherheit, Transparenz, Fairness und Datenschutz. Chief Scientific Officer Roman Kern erklärt: „Vertrauenswürdige KI bedeutet für uns, Transparenz zu schaffen, Risiken zu minimieren und Technologie erklärbar zu machen - und letztendlich wieder den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.“

Das Kompetenzzentrum ist eng mit der TU Graz verbunden und wird vom BMIMI, BMWET, Land Steiermark, SFG, Wirtschaftsagentur Wien und Standortagentur Tirol finanziert. Zu den Spin-offs des Know Centers zählt das Tech-Startup TACEO, das Technologien zur sicheren gemeinsamen Datenverarbeitung entwickelt.

TU Graz als KI-Bildungsstandort

Die Technische Universität Graz bietet seit Herbst 2025 als erste österreichische Universität das Erweiterungsstudium Artificial Intelligence Engineering (AIE) an. Das zweisemestrige Programm umfasst 34 ECTS und vermittelt Masterstudierenden und Absolvent*innen Grundlagen der Informatik und KI-Methoden zur Anwendung in ihrem Fachgebiet. Vizerektor Stefan Vorbach betont: „In immer mehr wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Themenfeldern nimmt die Bedeutung künstlicher Intelligenz zu. Daher ist es wichtig, dass wir Studierenden neben dem Fachwissen auch die Werkzeuge an die Hand geben, um bestens gerüstet in die Arbeits- oder Forschungswelt einzusteigen.“

Die Fakultät für Informatik und Biomedizinische Technik bündelt die KI-Expertise in mehreren Instituten: Das Institut für Softwaretechnologie unter Gerald Steinbauer-Wagner erforscht intelligente Systeme und bietet Community-Workshops zur KI-Vermittlung an. Das Institut für Grundlagen der Informationsverarbeitung unter Robert Legenstein widmet sich künstlichen neuronalen Netzwerken. Am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen erklärt Thomas Pock die Zusammenhänge zwischen maschinellem Lernen und KI.

Auch die Universität Graz reagiert auf den Trend: Seit dem Wintersemester 2024/25 bietet sie ein Microcredential „Künstliche Intelligenz“ mit 16 ECTS für alle Studierenden an. Das IDea_Lab der Uni Graz erforscht zudem den Einsatz von KI in der Bildung und arbeitet an Fragen wie der Gestaltung von Curricula durch KI oder der Unterstützung von Lehrkräften.

COMET-Modul DDAI - Datengetriebene KI

Das mit 4 Millionen Euro dotierte COMET-Modul DDAI - Data Driven Artificial Intelligence bringt führende steirische Unternehmen wie AVL List, Magna Steyr, AT&S und NXP mit Forschungseinrichtungen zusammen. Kern des Moduls ist die Erarbeitung einer theoretischen Basis für sichere KI-Algorithmen, die erklärbar und verifizierbar sind. AVL List setzt KI bereits erfolgreich in der Fahrzeugentwicklung ein und nutzt Methoden der Künstlichen Intelligenz, um Probleme in Fahrzeugen vorherzusagen, bevor diese auftreten.

Die Zahlen dieser Programme haben sich seit dem Frühjahr 2026 mehrfach geändert. Den aktuellen Stand samt offenen Fristen führt die Übersicht zu den KI-Förderungen in der Steiermark.

Praktische Anwendungsbeispiele

Die KI-Forschung aus Graz findet bereits vielfältige Anwendung in der Praxis. Das Know Center entwickelte gemeinsam mit den Bühnen Graz ein Recommender-System, das Kulturinteressierten personalisierte Empfehlungen liefert. KI-gestützte Wettervorhersagen optimieren den Schutz der steirischen Landwirtschaft. Die Initiative CODE/WENDE, ausgezeichnet mit dem Ailevator Award 2025, ist eine kooperationsbasierte Plattform, die IT-Modernisierung in Unternehmen systematisch vorantreibt und den verantwortungsvollen KI-Einsatz gezielt integriert.

Für Grazer Unternehmen, die in die KI-Welt einsteigen möchten, bietet das Know Center geförderte KI-Schulungen und Beratungen an. Der Data Value Check hilft Unternehmen, Mehrwert aus digitalen Daten zu schaffen und datengetriebene Wertschöpfung zu etablieren. Die jährliche Konferenz AI Know vernetzt lokale Fachexperten mit internationaler KI-Forschungselite.

Was von A.I. Love Graz bleibt

Für die Stadt war der Call ein Testlauf mit kleinem Einsatz. 50.000 Euro Gesamtbudget und 3.000 Euro je Projekt reichen für einen Piloten, eine Machbarkeitsstudie oder die erste Integration in einen bestehenden Prozess - nicht für eine Entwicklung, auf die sich ein Investitionsplan stützen lässt. Gemessen an einem Wirtschaftsbudget, das von 5,7 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 2,7 Millionen 2026 geschrumpft ist, war mehr auch nicht zu erwarten.

Der eigentliche Grazer Vorteil liegt ohnehin nicht im Fördertopf. Er liegt darin, dass Know Center, TU Graz und die Institute der Universität in derselben Stadt sitzen wie die Betriebe, die KI einsetzen wollen - und dass der Konsortialpartner, den die großen FFG-Ausschreibungen zwingend verlangen, damit fußläufig erreichbar ist. Wer 2027 etwas vorhat, plant besser mit SFG und FFG als mit einem kommunalen Call, dessen Neuauflage offen ist.

Mit dem EU-AI-Act kommt zusätzlich Compliance ins Spiel - ein Feld, in dem das Know Center mit seinem Schwerpunkt auf Fairness, Transparenz und Erklärbarkeit einschlägig arbeitet.

Quellen