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Handwerker baut ein neues Holzfenster in ein saniertes Einfamilienhaus in der Steiermark ein

Handwerkerbonus 2026: ausgelaufen – das gilt jetzt in der Steiermark

Wer heute handwerkerbonus.gv.at aufruft, landet nicht auf einer Abschiedsseite, sondern im Nichts: Der Domainname lässt sich nicht mehr auflösen (Stand 10. August 2026). Das Portal, über das binnen zwei Jahren mehr als 123.500 Anträge liefen, existiert nicht mehr. Die Förderaktion selbst ist seit 28. Februar 2026 geschlossen, die Nachreichfrist endete am 30. April 2026.

Was der Handwerkerbonus konkret gebracht hat

Der Nationalrat beschloss die Wiederauflage am 17. April 2024, rückwirkend gültig für Arbeiten ab 1. März 2024. Gefördert wurden ausschließlich Arbeitsleistungen von Fachbetrieben im privaten Wohn- und Lebensbereich – nicht das Material, nicht der Neubau, nicht die eigene Arbeitszeit.

Förderperiode Fördersatz Maximale Förderung Förderfähige Arbeitskosten
2024 20 % 2.000 EUR pro Person bis 10.000 EUR
2025 20 % 1.500 EUR pro Person bis 7.500 EUR

Die Untergrenze lag bei 50 Euro Förderung, praktisch also bei einer Arbeitskostenrechnung von 250 Euro. Ein Antrag pro Person und Jahr, eingereicht online bei der Buchhaltungsagentur des Bundes, im Schnitt knapp drei Wochen bis zur Auszahlung.

Bis Ende Februar 2025 hatte die Agentur 123.500 Anträge genehmigt und rund 94 Millionen Euro ausbezahlt, bei einer durchschnittlichen Förderhöhe von etwa 785 Euro. Zu Spitzenzeiten kamen rund 1.500 neue Anträge pro Tag herein. Das damalige Wirtschaftsministerium bezifferte die dadurch ausgelöste Wertschöpfung heimischer Handwerksbetriebe mit 468 Millionen Euro. Vom Gesamtbudget von 300 Millionen Euro für beide Jahre blieb am Ende ein Rest übrig.

Bemerkenswert an der Aktion war weniger die Höhe als die Einfachheit: Rechnung hochladen, fertig. Genau das unterscheidet sie von allem, was jetzt an ihre Stelle tritt.

Warum 2026 kein Nachfolger kommt

Die Förderperiode 2025 war die letzte. Eine Neuauflage wurde nicht beschlossen, die Wirtschaftskammer führt den Bonus auf ihrer Informationsseite zur Förderaktion nur noch mit dem Vermerk, dass keine Einreichungen mehr möglich sind.

Der Handwerkerbonus ist dabei nicht der einzige Ausfall. Der Bund hat 2026 seine gesamte Gebäudeförderung nacheinander zugesperrt:

  • 2. Februar 2026: Der Sanierungsbonus des Bundes nimmt keine neuen Registrierungen mehr an, um die Mittel auf den Kesseltausch zu konzentrieren.
  • 10. Juli 2026: Auch der Kesseltausch ist zu. Auf sanierungsoffensive.gv.at steht seither nur noch: Budget ausgeschöpft.

Für die Sanierungsoffensive waren pro Jahr 360 Millionen Euro vorgesehen. Aufgebraucht war der Jahrestopf 2026 nach gut sechs Monaten. Wer bereits registriert ist, verliert nichts – bestehende Registrierungen und Anträge laufen weiter. Alle anderen stehen in diesem Jahr beim Bund vor verschlossenen Türen.

Was in der Steiermark noch offen ist

Damit verschiebt sich die Förderfrage komplett auf die Landesebene. Der Stand für die Steiermark:

Förderschiene Höhe Status
Sanierungspass (Thermische Sanierung mit Sanierungskonzept) 10 bis 30 % je nach Anzahl der Maßnahmen offen seit 1. Juni 2026, 20 Mio. EUR, First Come First Served
Große Eigenheimsanierung 2026 Landesdarlehen bis 80.000 EUR plus Zuschuss bis 30 %, max. 24.000 EUR offen, rund 90 % der Darlehensmittel noch verfügbar
Steirischer Sanierungsbonus 15 % der anerkannten Kosten seit 22. April 2026 ausgeschöpft
Sanierungsbonus und Kesseltausch des Bundes bis 30 % der Investitionskosten geschlossen

Die Große Eigenheimsanierung 2026 ist die am stärksten unterschätzte Schiene. Sie richtet sich an Menschen, die ein bestehendes, sanierungsbedürftiges Ein- oder Zweifamilienhaus außerhalb des Familienverbands kaufen und danach thermisch sanieren. Kaufanbot oder Kaufvertrag müssen ab 1. März 2026 datieren. Der Zuschuss steigt auf maximal 27.000 Euro, wenn nachwachsende Dämmstoffe verwendet werden. Details zur Systematik stehen im Beitrag zur Wohnbauförderung Steiermark 2026.

Der Haken: Was gefördert wird, hat sich verschoben

Diesen Punkt übersehen die meisten. Der Handwerkerbonus war themenoffen. Bad neu verfliest, Wohnzimmer ausgemalt, Parkett verlegt, Zubau errichtet – solange ein Fachbetrieb die Arbeit verrechnete, gab es 20 Prozent auf die Arbeitsleistung.

Die Landesförderungen können das nicht ersetzen, weil sie etwas anderes wollen. Der Sanierungspass fördert thermische Maßnahmen: Fenster, Außentüren, Fassadendämmung, oberste Geschoßdecke, Kellerdecke, Dach. Wer 2026 das Badezimmer erneuert, den Boden tauscht oder die Wohnung ausmalen lässt, bekommt dafür in der Steiermark keinen Cent.

Eine Ausnahme lohnt die Recherche: Für barrierefreies und altengerechtes Wohnen führt das Land eine eigene Förderschiene, die auch Umbauten fördert, die mit Wärmedämmung nichts zu tun haben. Wer ohnehin plant, ein Bad altersgerecht umzubauen, sollte dort ansetzen statt auf eine Neuauflage des Handwerkerbonus zu warten.

Rechenbeispiel Fenstertausch: 2025 gegen 2026

Ein Einfamilienhaus in Leibnitz, zwölf Fenster, Gesamtkosten 18.000 Euro, davon rund 6.000 Euro Arbeitsleistung.

  • 2025 mit Handwerkerbonus: 20 % von 6.000 Euro Arbeitskosten = 1.200 Euro. Gedeckelt wäre erst bei 1.500 Euro gewesen.
  • 2026 mit Sanierungspass, nur Fenstertausch: 10 % der förderfähigen Gesamtkosten = 1.800 Euro.
  • 2026 mit Sanierungspass, Fenster plus oberste Geschoßdecke: 20 % auf die kombinierten Kosten. Bei 18.000 Euro Fenstern und 7.000 Euro Dämmung sind das 5.000 Euro.

Das Ergebnis überrascht viele: Für thermische Maßnahmen ist die Landesförderung deutlich stärker als der alte Bundesbonus, weil sie die Gesamtkosten heranzieht und nicht nur den Arbeitsanteil. Der Handwerkerbonus war der bequemere Weg, nicht der ergiebigere. Wer beide 2025 kombiniert hat, hat den Idealfall erwischt.

Registrierung vor dem ersten Handschlag

Der teuerste Fehler beim Umstieg vom Bundes- auf das Landessystem ist ein zeitlicher. Der Handwerkerbonus wurde nach der Rechnung beantragt. Beim Sanierungspass ist die Registrierung vor Beginn der Maßnahmen zwingend – wer zuerst den Auftrag vergibt und dann ans Förderansuchen denkt, fällt aus der Förderung. Bei einem Topf von 20 Millionen Euro nach dem First-Come-First-Served-Prinzip kommt hinzu, dass Zögern auch schlicht Geld kostet: Der Steirische Sanierungsbonus war nach drei Wochen erschöpft.

Die steuerliche Schiene, die geblieben ist

Unabhängig von allen Antragsfristen existiert die Öko-Sonderausgabenpauschale. Sie bringt fünf Jahre lang jährlich 800 Euro für eine thermisch-energetische Sanierung oder 400 Euro für einen Heizkesseltausch, in Summe also 4.000 beziehungsweise 2.000 Euro Steuerwirkung. Das Finanzamt berücksichtigt sie automatisch bei der Arbeitnehmerveranlagung, ein eigener Antrag ist nicht nötig.

Der Haken steckt in der Voraussetzung: Es muss eine Bundesförderung nach dem Umweltförderungsgesetz ausbezahlt worden sein, und die verbleibenden Ausgaben müssen nach Abzug dieser Förderung über 4.000 Euro (Sanierung) beziehungsweise 2.000 Euro (Kesseltausch) liegen. Für 2026 heißt das praktisch: Die Pauschale erreicht nur, wer seine Bundesförderung noch vor dem Stopp registriert hat. Wer erst jetzt anfängt und ausschließlich Landesmittel bekommt, geht auch steuerlich leer aus.

Häufige Fragen

Kann ich den Handwerkerbonus 2026 noch nachträglich beantragen?

Nein. Die Einreichung für die Förderperiode 2025 endete am 28. Februar 2026, Korrekturen und Nachreichungen zu bereits gestellten Anträgen waren bis 30. April 2026 möglich. Beides ist abgelaufen, das Antragsportal ist offline.

Gibt es einen steirischen Handwerkerbonus?

Nein. Das Land Steiermark führt keine eigene Aktion dieses Namens. Die Landesmittel laufen über die Wohnbau- und Sanierungsförderung, und die ist an thermische Maßnahmen, Barrierefreiheit oder Ortskernbelebung gebunden.

Kommt der Handwerkerbonus wieder?

Beschlossen ist nichts. Angesichts der Budgetlage, die 2026 bereits die Sanierungsoffensive des Bundes vorzeitig gestoppt hat, ist eine Neuauflage kurzfristig unwahrscheinlich. Wer eine Sanierung plant, sollte nicht darauf warten.

Was ist mit dem Reparaturbonus?

Der klassische Reparaturbonus für Elektrogeräte wurde eingestellt, an seine Stelle trat 2026 die Geräte-Retter-Prämie. Mit Handwerksleistungen am Gebäude hat sie nichts zu tun.

Lohnt sich der Sanierungspass auch für eine einzelne Maßnahme?

Bei 10 Prozent auf die Gesamtkosten liegt schon eine Einzelmaßnahme meist über dem, was der Handwerkerbonus gebracht hätte. Der Sprung auf 20 Prozent ab der zweiten Maßnahme ist trotzdem so groß, dass sich das Bündeln fast immer rechnet.

Was, wenn ich die Rechnung aus 2025 noch nicht eingereicht habe?

Dann ist die Förderung verfallen. Ein Härtefall- oder Kulanzverfahren gibt es nicht, die Buchhaltungsagentur nimmt keine Einreichungen mehr entgegen.

Für Betriebe schlägt der Ausfall in die andere Richtung durch: Die steirische Bauwirtschaft verliert mit dem Bonus und der Bundes-Sanierungsoffensive gleichzeitig zwei Nachfrageimpulse, während die Fertigstellungszahlen im Wohnbau ohnehin unter Druck stehen.