3.332 steirische Photovoltaik-Projekte haben 2026 eine Förderzusage des Bundes bekommen: 2.789 im April, 543 im Juni. Österreichweit standen den 15.692 Zusagen der beiden Runden 41.022 Absagen gegenüber, bei denen es allein am leeren Topf lag. Am 8. Oktober 2026 um 17 Uhr beginnt die Ticketziehung für den dritten Fördercall des Jahres, dotiert mit 38,5 statt der geplanten 8 Millionen Euro. Es ist der letzte dieser Art. Ab 2027 will der Bund keine PV-Anlagen mehr bezuschussen, sondern Speicher - auch solche, die an eine der rund 85.000 bestehenden steirischen Anlagen nachgerüstet werden.
Steiermark: jede fünfte Zusage ging ins Land
Wie sich die Förderzusagen auf die Bundesländer verteilen, hat das Wirtschaftsministerium am 30. September 2026 in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung offengelegt. Die Steiermark liegt in beiden Calls des Jahres auf Platz drei hinter Niederösterreich und Oberösterreich. Im April kamen 22,0 Prozent aller bedeckten Anträge aus der Steiermark, im Juni 18,2 Prozent.
| Kategorie | Steiermark April | Österreich April | Steiermark Juni | Österreich Juni |
|---|---|---|---|---|
| A (bis 10 kWp) | 1.475 | 6.099 | 246 | 1.236 |
| B (über 10 bis 20 kWp) | 805 | 4.026 | 138 | 858 |
| C (über 20 bis 100 kWp) | 440 | 2.185 | 125 | 710 |
| D (über 100 bis 1.000 kWp) | 69 | 391 | 34 | 187 |
| Zusagen gesamt | 2.789 | 12.701 | 543 | 2.991 |
| davon mit Stromspeicher | 2.486 | 11.116 | 487 | 2.646 |
Quelle: OeMAG, Beilage 4 zur Anfragebeantwortung 6144/AB; bedeckte Förderanträge der Calls vom 23. April und 16. Juni 2026, Stand 9. Juni bzw. 10. Juli 2026.
Auffällig ist die Speicherquote. 2.973 der 3.332 steirischen Zusagen, also 89 Prozent, betreffen Anlagen mit Batteriespeicher. Das deckt sich mit dem, was die Energie Steiermark am Markt beobachtet: Vor fünf Jahren habe nur etwa jeder dritte Photovoltaik-Kunde einen Speicher dazugenommen, inzwischen seien es acht von zehn, sagte Unternehmenssprecher Urs Harnik im September dem ORF Steiermark.
Wie viele steirische Anträge leer ausgingen, lässt sich nicht beziffern. Eine Auswertung der eingereichten und abgelehnten Anträge nach Bundesländern liegt dem Ministerium nach eigener Angabe nicht vor. Einen Anhaltspunkt für die Nachfrage liefert die Regulierungsbehörde: Im ersten Quartal 2026 gingen bei den steirischen Netzbetreibern 5.890 Anträge auf Netzanschluss einer PV-Anlage ein, mehr als in jedem anderen Bundesland. Das zeigt der Quartalsbericht der E-Control, der die 16 größten Verteilernetzbetreiber erfasst.
Warum 2026 zur Lotterie wurde
Noch 2025 war die Förderung praktisch eine Formsache. In den drei Calls jenes Jahres wurden 34.618 von 36.163 eingereichten Anträgen bedeckt, also fast 96 Prozent; 5.378 davon kamen aus der Steiermark. 2026 kippte das Verhältnis. Die Zahl der gezogenen Tickets stieg von 6.000 im April 2025 auf 29.200 im April 2026, während das Geld knapper wurde: 2025 sagte der Bund in drei Calls 188 Millionen Euro zu, in den ersten beiden Calls 2026 waren es 91 Millionen.
| Fördercall 2026 | Anträge | Zusagen | Quote | beantragt | zugesagt |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. Call (23.04. bis 11.05.) | 28.990 | 12.701 | 43,8 % | 135,0 Mio. € | 70,7 Mio. € |
| 2. Call (16.06. bis 30.06.) | 27.925 | 2.991 | 10,7 % | 120,0 Mio. € | 20,7 Mio. € |
| Summe | 56.915 | 15.692 | 27,6 % | 255,0 Mio. € | 91,4 Mio. € |
Quelle: OeMAG, Beilagen 1 und 5 zur Anfragebeantwortung 6144/AB; zugesagte Fördermittel mit Datenstand 3. August 2026.
Im Juni war der Topf nach 33 Sekunden leer. Von 24.934 ausgeschlossenen Anträgen scheiterten 24.914 am ausgeschöpften Kontingent, im April waren es 16.108 von 16.289. Formale Fehler wie ein fehlender Einspeisezählpunkt oder eine zu frühe Inbetriebnahme spielten mit zusammen 133 Fällen in beiden Calls keine Rolle mehr.
Getroffen hat es fast nur die kleinen Anlagen. In der Kategorie A, der klassischen Hausanlage bis 10 kWp, kamen im Juni 1.236 von 14.924 Anträgen durch, das sind 8,3 Prozent. In der Kategorie D mit Anlagen über 100 kWp waren es 187 von 198. Auch im April wurden die Kategorien C und D zu 97 beziehungsweise 95 Prozent bedeckt. Für Betriebe und Landwirte mit großen Dachflächen war die Förderung also auch 2026 weitgehend planbar, für private Haushalte nicht.
Christian Bräuer, Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker, sprach nach dem Juni-Call von einer Lotterie und forderte einen Neustart des Fördersystems. Herbert Paierl vom Branchenverband PV Austria ging weiter: Unter diesen Bedingungen wäre keine Förderung besser als eine, die Verunsicherung schafft, zitierte ihn der ORF.
Der letzte Call: 38,5 Millionen Euro ab 17 Uhr
Für die dritte Runde hat das Ministerium den Topf von 8 auf 38,5 Millionen Euro aufgestockt. Frisches Geld ist das nicht. Die 30,5 Millionen Euro stammen laut Aussendung von Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner aus Zusagen früherer Calls, deren Projekte nicht oder nur teilweise gebaut wurden. Die Größenordnung lässt sich an den Zahlen der Abwicklungsstelle ablesen: Von den 188,25 Millionen Euro, die 2025 zugesagt wurden, waren Anfang August 2026 erst 77,38 Millionen ausbezahlt und 80,34 Millionen noch offen. Die Differenz beträgt 30,5 Millionen Euro. Mit der Aufstockung erreicht das Fördervolumen für PV und Speicher 2026 insgesamt 128,5 Millionen Euro.
Der Ablauf im Überblick:
- 8. Oktober 2026, 17:00 Uhr: Ticketziehung für die Kategorien A bis D. Als Einreichzeitpunkt zählt der Moment, in dem das Ticket gezogen wird. Uneingeschränkt verfügbar ist das Ticketsystem nur an diesem ersten Tag.
- 9. Oktober 2026, 8:00 Uhr: Das EAG-Portal ist nach Wartungsarbeiten wieder erreichbar, ab dann werden die Projekte eingereicht.
- 22. Oktober 2026: Ende der Einreichfrist. Ein Ticket ohne eingereichtes Projekt ist kein Förderantrag.
Die EAG-Abwicklungsstelle warnt davor, die Ticketmaske in kurzen Abständen neu zu laden: Übermäßiges Aufrufen führt zu einer zeitlich begrenzten Sperre. Telefonisch ist die Stelle am 8. Oktober bis 18 Uhr und am 9. Oktober ab 8 Uhr unter +43 5 787 66-10 erreichbar. Wer im April oder Juni abgelehnt wurde, kann dasselbe Projekt erneut einreichen, braucht dafür aber ein neues Ticket. Es gelten die Fördersätze des Jahres 2026 samt Aufschlag von je zehn Prozent für Module, Wechselrichter und Speicher aus europäischer Fertigung.
Wie weit 38,5 Millionen Euro reichen, zeigt eine Überschlagsrechnung. Im April lag die durchschnittliche Zusage bei rund 5.570 Euro, im Juni bei rund 6.930 Euro. Bei diesen Beträgen ist das Geld nach 5.500 bis 6.900 Projekten verbraucht. Kommen wieder an die 28.000 Anträge, erhält etwa jeder vierte bis fünfte eine Zusage. Bei einem steirischen Anteil wie in den ersten beiden Runden wären das 1.000 bis 1.500 Zusagen im Land. Zehetner rechnet damit, dass die Mittel trotz der Laufzeit bis 22. Oktober erneut innerhalb kürzester Zeit gebunden sind.
Ab 2027: Speicherbonus statt Anlagenzuschuss
Zwei Tage vor dem Call, am 6. Oktober 2026, haben die Regierungsparteien die Eckpunkte der Neuaufstellung vorgelegt. Die Errichtung einer PV-Anlage soll künftig nicht mehr gefördert werden. An die Stelle des Investitionszuschusses tritt ein Speichersystembonus.
| Bis Oktober 2026 | Geplant ab 2027 | |
|---|---|---|
| Was gefördert wird | PV-Anlage, Speicher nur gemeinsam mit neuer oder erweiterter Anlage | Speichersystem, bei neuen und bei bestehenden PV-Anlagen |
| Voraussetzung | Antrag vor Inbetriebnahme, Einspeisezählpunkt | intelligentes Energiemanagementsystem, das den Speicher netz- und systemdienlich betreibt |
| Europäische Komponenten | freiwillig, je 10 Prozent Aufschlag für Module, Wechselrichter, Speicher | Made-in-Europe-Wechselrichter verpflichtend bei neuen Anlagen mit Speicher; Bonus bei Nachrüstung weiter möglich |
| Antrag | drei Calls pro Jahr mit Ticketziehung, Reihung nach Zeitpunkt | laufend, nach Fertigstellung mit der Schlussrechnung |
| Förderhöhe | 150 Euro je kWp in Kategorie A, 150 Euro je kWh Speicher, höchstens 30 Prozent der Kosten | noch offen |
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, Aussendungen vom 6. und 8. Oktober 2026; EAG-Abwicklungsstelle.
Das neue Antragsmodell folgt dem Prinzip, das der Bund beim Handwerkerbonus angewandt hat: erst bauen, dann mit der Rechnung einreichen. Damit fällt die Reservierung von Geld für Projekte weg, die später nie entstehen - genau jener Effekt, der jetzt 30,5 Millionen Euro freigespielt hat. Für Elektrobetriebe endet das Stop-and-go rund um die Calltermine, bei dem Kunden ihre Aufträge bis zur nächsten Ticketziehung zurückhalten.
Begründet wird der Schwenk mit dem Stromsystem. Sonnenstrom ist zu Mittag im Überschuss vorhanden, während am Abend teuer importiert werden muss; so argumentiert Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer in der Anfragebeantwortung. PV-Anlagen würden sich inzwischen ohne Förderung rechnen. Schon im Juli hatte Zehetner angekündigt, die gesetzliche Förderintensität von höchstens 30 auf höchstens 20 Prozent zu senken. Aus bisher ungenutzten Mitteln soll außerdem die EAG-Förderpauschale geringfügig sinken, die Stromkunden mit ihrer Rechnung zahlen.
Was das für die 85.000 steirischen Anlagen bedeutet
Die größte Änderung betrifft nicht den Neubau, sondern den Bestand. Nach geltender Rechtslage ist ein Speicher nur förderbar, wenn zugleich eine PV-Anlage neu errichtet oder erweitert wird. Wer seine Anlage vor Jahren ohne Batterie gebaut hat, bekommt für die Nachrüstung nichts. In den fünf Calls seit April 2025 hat die Abwicklungsstelle bei 999 genehmigten PV-Anträgen den Speicherteil gestrichen, weil eine reine Speichererweiterung nicht förderfähig ist; 123 weitere Anträge wurden abgelehnt, weil ein Speicher ohne PV-Anlage eingereicht worden war.
In der Steiermark ist dieser Bestand groß. Rund 85.000 Photovoltaik-Anlagen sind laut Energie Steiermark in Betrieb, die meisten bei Privaten, allein im Netz der Energienetze Steiermark rund 50.000. Deren Zahl hat sich binnen zwei Jahren nahezu verdoppelt, 2024 kamen über 7.800 dazu. Wenn vor fünf Jahren nur jeder dritte Käufer einen Speicher mitbestellt hat, ist ein großer Teil der älteren Anlagen ohne Batterie ans Netz gegangen. Für deren Nachrüstung wäre der Speicherbonus die erste Förderung des Bundes.
Wie stark Eigenverbrauch bereits wirkt, zeigt eine Zahl der Energie Steiermark: Der Strombezug der steirischen Haushalte aus dem Netz ist in drei Jahren um etwa sieben Prozent gesunken, obwohl die Haushalte insgesamt mehr Strom verbrauchen. Für den Netzbetreiber ist der Speicher zugleich eine Entlastung. Die Energienetze Steiermark wollen bis 2030 rund 2.000 Megawatt Photovoltaik und 800 Megawatt Windkraft aufnehmen und veranschlagen dafür etwa 1,5 Milliarden Euro für Ausbau und Modernisierung. Der Branchenverband PV Austria beziffert den Stand des Ausbaus mit 47 Prozent jener PV-Leistung, die die Steiermark laut Netzinfrastrukturplan des Bundes bis 2030 braucht (Datenstand Ende 2024). Staatssekretärin Michaela Schmidt erwartet, dass der Ausbau intelligenter Speicher die Entwicklung der Netzkosten dämpft. Bei den Tarifen setzt der Sonnenrabatt auf die Netzentgelte seit April 2026 einen ähnlichen Anreiz, Strom zu Mittag zu verbrauchen.
Übergangsregel für alle, die heuer leer ausgehen
Für Projekte, die 2026 keine Zusage bekommen haben, ist eine Brücke vorgesehen: Anlagen mit intelligentem Speicher, die ab 1. November 2026 abgerechnet beziehungsweise in Betrieb genommen werden, sollen 2027 bereits im neuen System einreichen können. Das kehrt die bisherige Logik um. Im alten Modell war die Inbetriebnahme vor dem Antrag ein Ausschlussgrund, im Oktober-Call 2025 traf das 293 Projekte. Künftig ist die fertige Anlage die Voraussetzung.
Der Stichtag hat eine praktische Folge. Wer am 8. Oktober kein Ticket im Kontingent zieht und trotzdem bauen will, sollte mit dem Errichter klären, ob das Energiemanagementsystem die späteren Kriterien voraussichtlich erfüllt und ob Rechnung und Inbetriebnahme nach dem 1. November liegen. Verbindlich ist die Regel erst, wenn das Gesetz beschlossen ist.
Was noch offen ist
Beschlossen ist bisher nichts. Die Eckpunkte werden in eine Novelle des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes überführt, und die braucht im Nationalrat eine Zweidrittelmehrheit, also Stimmen aus der Opposition. Das Windhundprinzip selbst steht nach Auskunft des Ministers im Gesetz und lässt sich nicht per Verordnung ändern. Zehetner hat alle Parteien eingeladen, den Weg mitzugehen; Hattmannsdorfer wandte sich in seiner Antwort ausdrücklich an die Grünen, die die Anfrage gestellt hatten.
- Höhe des Bonus: Weder ein Betrag je Kilowattstunde noch ein Jahresbudget sind genannt. Die Details sollen in der jährlichen Investitionszuschuss-Verordnung stehen.
- Technische Kriterien: Was ein Energiemanagementsystem können muss, um als netz- und systemdienlich zu gelten, wird noch verhandelt. Für Besitzer älterer Wechselrichter entscheidet das darüber, ob eine Nachrüstung mit einem Speicher allein getan ist.
- Made in Europe: PV Austria sieht bei der Wechselrichter-Pflicht „noch Spielraum für eine breitere und praxistaugliche Ausgestaltung“. Die Elektrotechniker wollen den Bonus auf weitere Komponenten ausdehnen.
- Budgetgrenze: Ein laufendes Antragsmodell beseitigt das Wettrennen, nicht die Knappheit. Wie verfahren wird, wenn das Jahresbudget vor Jahresende verbraucht ist, geht aus den Eckpunkten nicht hervor.
Vom Land Steiermark ist für private Dachanlagen derzeit kein Ersatz zu erwarten. Der Steirische Sanierungsbonus, der auch PV und Speicher abdeckte, ist seit 22. April 2026 ausgeschöpft. Wer den selbst erzeugten Strom nicht speichern, sondern in der Nachbarschaft verkaufen will, findet die Alternative in einer der steirischen Energiegemeinschaften.
Häufige Fragen zur PV-Förderung ab 2027
Gibt es 2027 noch Geld für eine PV-Anlage ohne Speicher?
Nach den Eckpunkten vom 6. Oktober 2026 nein. Die klassische Investitionsförderung für die Anlage selbst soll durch den Speichersystembonus ersetzt werden. Gefördert wird dann der Speicher samt Energiemanagement, nicht mehr das Modulfeld.
Kann ich für meine bestehende Anlage einen Speicher fördern lassen?
Derzeit nicht. Eine alleinige Förderung von Speichern oder Speichererweiterungen ist nach geltender Gesetzeslage ausgeschlossen. Ab 2027 soll die Nachrüstung an bestehenden PV-Anlagen ausdrücklich förderbar sein, sofern ein intelligentes Energiemanagementsystem eingebaut ist.
Gilt mein Ticket vom Juni auch im Oktober?
Nein. Für jeden Call muss ein neues Ticket gezogen werden. Das bereits im EAG-Portal erfasste Projekt lässt sich danach erneut einreichen, ohne alle Daten neu einzugeben.
Wie viele steirische Projekte wurden 2026 bisher gefördert?
3.332 in den ersten beiden Calls, davon 2.973 mit Stromspeicher. 1.721 Zusagen entfielen auf Hausanlagen bis 10 kWp, 943 auf Anlagen bis 20 kWp, 668 auf Anlagen über 20 kWp.
Wann wird die neue Förderung beschlossen?
Ein Termin steht nicht fest. Die Novelle zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz muss erst eingebracht werden und braucht eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat. Förderhöhe und technische Kriterien folgen danach per Verordnung.
Stand: 8. Oktober 2026.