Am Samstag, 3. Oktober 2026, heulen um 12 Uhr in der ganzen Steiermark die Sirenen, und diesmal nicht nur 15 Sekunden lang. Beim bundesweiten Zivilschutz-Probealarm spielen rund 1.300 steirische Sirenen bis 12:45 Uhr alle drei Zivilschutzsignale durch: Warnung, Alarm und Entwarnung. Dazu kommen zwei Testnachrichten über AT-Alert aufs Handy. Die zweite trifft um 12:45 Uhr auf der höchsten Stufe ein, dem Notfallalarm. Der lässt sich nicht abschalten und klingelt auch bei stummgeschaltetem Telefon.
Wer um 12 Uhr eine Nachricht bekommt und um 12:45 Uhr noch eine, ist richtig eingestellt. Wer nur die zweite sieht, hat eine Warnstufe deaktiviert, über die das Land auch echte Unwetterwarnungen verschickt.
Der Ablauf am 3. Oktober Minute für Minute
| Uhrzeit | Sirene | Handy (AT-Alert) | Ausgelöst von |
|---|---|---|---|
| 12:00 | Sirenenprobe, 15 Sekunden | Testnachricht 1, Stufe „Gefahreninformation“ (Versand 12:00 bis 12:15) | Sirene: Landeswarnzentrale; Handy: Bundeswarnzentrale im Innenministerium |
| 12:15 | Warnung, 3 Minuten gleichbleibender Dauerton | - | Bundeswarnzentrale, österreichweit |
| 12:30 | Alarm, 1 Minute auf- und abschwellender Heulton | - | Landeswarnzentrale |
| 12:45 | Entwarnung, 1 Minute gleichbleibender Dauerton | Testnachricht 2, Stufe „Notfallalarm“ (Versand 12:45 bis 13:00) | Landeswarnzentrale Steiermark |
Quelle: Land Steiermark, Aussendung vom 28.09.2026.
Nur die Warnung um 12:15 Uhr kommt zentral aus dem Lagezentrum des Innenministeriums in Wien. Sirenenprobe, Alarm und Entwarnung löst jedes Bundesland selbst aus, in der Steiermark die Landeswarnzentrale in Graz. Genau so wäre es auch im Ernstfall: Je nach Lage alarmiert der Bund oder das Land.
Beide Handynachrichten beginnen mit „Probealarm - Test Alert“ und erscheinen auf Deutsch und Englisch. Die erste stammt vom Innenministerium und kündigt die österreichweite Testauslösung von Sirenen und AT-Alert an, die zweite von der Landeswarnzentrale Steiermark und meldet das Ende des Probealarms. Beide stellen klar, dass keine Gefahr besteht, und bitten darum, keine Notrufnummern zu wählen.
Was die Signale im Ernstfall bedeuten
Warnung (3 Minuten gleichbleibender Dauerton): Eine Gefahr kommt näher. Radio oder Fernsehen einschalten, ORF oder orf.at, und die durchgegebenen Verhaltensmaßnahmen beachten.
Alarm (1 Minute auf- und abschwellender Heulton): Die Gefahr ist da. Schützende Räume aufsuchen und die Anweisungen der Behörden über ORF befolgen.
Entwarnung (1 Minute gleichbleibender Dauerton): Die Gefahr ist vorbei. Weitere Hinweise über Radio, Fernsehen oder Internet beachten.
Die Tücke liegt im Unterschied zwischen Warnung und Entwarnung. Beide sind ein gleichbleibender Ton, sie unterscheiden sich nur in der Dauer. Wer erst mitten im Signal aufmerksam wird, kann nicht sagen, ob es drei Minuten oder eine dauert. Im Zweifel also Radio an.
Die 15 Sekunden Sirenenprobe kennen die meisten Steirerinnen und Steirer ohnehin. Sie läuft laut Zivilschutzverband Steiermark jeden Samstag um 12 Uhr in ganz Österreich, ausgenommen Wien. Einmal im Jahr, am ersten Samstag im Oktober, folgen die drei langen Signale. Heult eine Sirene an einem anderen Tag länger als 15 Sekunden, ist das kein Test.
Zwei Handy-Warnungen auf zwei Stufen
AT-Alert verschickt Warnungen per Cell Broadcast an alle Handys, die in den ausgewählten Funkzellen eingebucht sind. Telefonnummern werden dafür nicht gebraucht, gespeichert wird nichts. Das Innenministerium unterscheidet sieben Stufen: Notfallalarm, Extreme Gefahr, Erhebliche Gefahr, Gefahreninformation, Abgängige Personen, Testwarnung und Übungswarnung. Nur der Notfallalarm ist immer aktiv. Alle anderen kann man am Handy abdrehen.
Deshalb ist die erste Nachricht um 12 Uhr die eigentlich aufschlussreiche. Sie kommt als Gefahreninformation, also auf einer Stufe, die ausgeschaltet sein kann. Bleibt das Display um 12 Uhr ruhig, während die Nachbarn eine Meldung haben, liegt es fast immer an den Einstellungen. 2025 lief es genauso: Der Bund schickte eine abschaltbare Stufe, die Länder den Notfallalarm, und nur der kam laut 5min.at bei allen an.
Das ist keine Formalie. Am 26. Juni 2025 warnte das Land vor einem Extremwetter mit Sturmböen bis 100 km/h, Starkregen und Hagel, ebenfalls als Gefahreninformation. Die Meldung erreichte nur Handys, auf denen alle Stufen aktiviert waren. Nur die höchste Stufe, der sogenannte Presidential Alert, „überdeckt jede Grundeinstellung und kommt immer durch“, sagte Harald Eitner, Leiter der steirischen Katastrophenschutzabteilung, damals dem ORF Steiermark.
So prüfen Sie die Einstellungen
- Android: Einstellungen, dann „Sicherheit und Notfall“, dann „Notfallwarnungen“. Je nach Hersteller heißen die Menüpunkte leicht anders. Alle Warnstufen einschalten, auch die Testwarnungen.
- iPhone: Einstellungen, dann „Mitteilungen“, ganz nach unten scrollen. Dort stehen die Behördenwarnungen mit ihren Schaltern.
Voraussetzung ist Android ab Version 11 oder iOS ab 17.4. iPads empfangen AT-Alert nicht, eine Apple Watch ab Series 4 mit Mobilfunk dagegen schon. Ältere Huawei-Geräte bleiben wegen der fehlenden Google-Dienste außen vor. Laut Zivilschutzverband kommt die Warnung auch ohne Guthaben, mit defekter SIM-Karte oder im Nicht-stören-Modus an. Nur im Flugmodus und bei ausgeschaltetem Handy nicht, weil dann keine Verbindung zum Mobilfunknetz besteht.
Samstag, 12:45 Uhr: Wo der Notfallalarm stört
Der 3. Oktober ist ein Samstag, und um 12:45 Uhr ist in der Steiermark viel los. Handel und Gastronomie haben geöffnet, auf Märkten wird verkauft, in Standesämtern und Kirchen finden Trauungen statt. Im selben Moment schlagen in einem Geschäft, einem Gastgarten oder einer Kirche alle Handys gleichzeitig Alarm, laut, auch wenn sie stumm geschaltet sind.
Wer eine Trauung, eine Verkostung oder eine Veranstaltung um diese Zeit leitet, sollte die Gäste vorher darauf hinweisen. Verhindern lässt sich der Ton nur, indem das Handy für die Viertelstunde aus ist oder im Flugmodus liegt. Im Verkauf reicht meist ein Satz an das Personal, damit es erschrockene Kundschaft beruhigen kann: kein Ernstfall, nur der Test.
Gäste aus dem Ausland bekommen die Meldung übrigens genauso. Cell Broadcast erreicht alle Geräte im bewarnten Gebiet, unabhängig vom Wohnort, und der englische Text ist gleich dabei.
Wie die Steiermark AT-Alert bisher eingesetzt hat
Die Steiermark hat das System früher und häufiger genutzt als die anderen Bundesländer. Der ORF zählte im ersten Jahr 13 steirische Aussendungen bei drei großen Ereignissen, mehr als in jedem anderen Land.
| Datum | Gebiet | Anlass |
|---|---|---|
| 15.09.2024 | Thörl (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag), dazu Unwetterwarnungen für mehrere Bezirke | Hochwasser nach Starkregen, Zivilschutzalarm am Nachmittag aufgehoben |
| 26.06.2025 | ganze Steiermark, Schwerpunkt Nordosten und Grazer Becken | Extremwetter mit Sturm, Starkregen und Hagel; im Raum Spielberg zusätzlich auf Niederländisch |
| 13.08.2025 | Hartberg, später Hartberg-Umgebung, Grafendorf und Greinbach | Rauchwolke nach chemischer Reaktion auf einem Firmengelände |
| 20.02.2026 | Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark, Leibnitz, Deutschlandsberg, Weiz, Graz-Umgebung Süd | massiver Schneefall, Schneebruch, Stromausfälle; Stufe Notfallalarm |
Quellen: ORF Steiermark, 5min.at, Land Steiermark, 5min.at.
In Thörl lautete die Anweisung, zu Hause zu bleiben, in höhere Stockwerke zu gehen und Keller wie Tiefgaragen zu meiden. Wie viel Bund, Land und Gemeinden seither in den Schutz vor solchen Ereignissen stecken, steht in der Bilanz zum Hochwasserschutz in der Steiermark. Die Warnung vom Juni 2025 fiel auf den Donnerstag vor dem Grand Prix. Weil schon tausende Fans rund um den Red Bull Ring campierten, ging im Raum Spielberg eine eigene Meldung auf Niederländisch hinaus. Zur Formel 1 in Spielberg kommen jedes Jahr viele Gäste, die kein Deutsch lesen.
Am deutlichsten zeigte Hartberg, was das System kann. Die Warnung ging in der Früh an die Stadt, bei schwachem Wind breitete sich der Rauch aus, und um 8:29 Uhr erweiterte die Landeswarnzentrale das Gebiet auf drei Nachbargemeinden. Um 9:21 Uhr kam die Entwarnung. Laut Eitner hat sich das Instrument dabei bewährt, weil die Behörden unmittelbar auf die Lage reagieren und das Warngebiet ausweiten konnten. Mit Sirenen allein lässt sich ein Gebiet nicht so fein nachziehen.
Beim Schneechaos im Februar 2026 wählte das Land dann die höchste Stufe. Rund 30.000 Haushalte im Westen und Osten des Landes waren ohne Strom, die Warnung riet, unnötige Autofahrten zu vermeiden und Wälder wegen Schneebruchs zu meiden. Diese Stufe erreicht jedes eingeschaltete Handy mit aktuellem Betriebssystem, unabhängig von den Einstellungen.
Wie verlässlich die steirischen Sirenen sind
Beim Probealarm im Oktober 2025 fielen in der Steiermark 11 von 1.278 Sirenen aus. Das ergibt eine Funktionsquote von 99,14 Prozent, etwas unter dem Österreichschnitt von 99,56 Prozent. Nur Kärnten und Wien lagen darunter.
| Bundesland | Sirenen | Ausfälle | funktionstüchtig |
|---|---|---|---|
| Steiermark | 1.278 | 11 | 99,14 % |
| Niederösterreich | 2.450 | 7 | 99,71 % |
| Oberösterreich | 1.468 | 2 | 99,86 % |
| Tirol | 1.025 | 3 | 99,71 % |
| Kärnten | 887 | 9 | 98,99 % |
| Salzburg | 521 | 2 | 99,62 % |
| Burgenland | 325 | 0 | 100 % |
| Vorarlberg | 230 | 0 | 100 % |
| Wien | 180 | 3 | 98,33 % |
| Österreich | 8.364 | 37 | 99,56 % |
Quelle: Zivilschutzverband Steiermark, Ergebnis des Probealarms vom 04.10.2025.
Österreichweit sank die Ausfallquote von 0,57 Prozent (48 Sirenen) im Jahr 2024 auf 0,44 Prozent. Genau dafür ist der Probealarm da: Eine Sirene, die nur 15 Sekunden läuft, verrät nicht, ob sie auch drei Minuten durchhält. Der lange Test deckt defekte Anlagen auf, bevor sie im Ernstfall schweigen. Mit etwa 1.300 Anlagen hat die Steiermark nach Niederösterreich und Oberösterreich das drittgrößte Netz des Landes.
ZIVA: die App zu Sirene und Handyalarm
Neu beim Probealarm 2026 ist die Zivilschutz-App ZIVA des Österreichischen Zivilschutzverbands. Sie ist kostenlos und werbefrei für iPhone und Android erhältlich und bündelt drei Dinge: Gefahren am eigenen Wohnort, etwa aus den Daten von HORA und GeoSphere, persönliche Vorsorge-Checklisten und Echtzeitwarnungen für mehrere gespeicherte Orte. Praktisch ist das für alle, die wissen wollen, was bei den Eltern in der Obersteiermark oder am Betriebsstandort passiert, während sie selbst woanders sind. AT-Alert warnt nur dort, wo das Handy gerade eingebucht ist.
Fragen zum Probealarm beantwortet der Zivilschutzverband Steiermark in der Florianistraße 24 in 8403 Lebring unter 03182/7000-733. Aktuelle AT-Alert-Warnungen stehen jederzeit auf warnungen.at-alert.at.
Häufige Fragen zur Sirenenprobe und zum AT-Alert
Wann ist die Sirenenprobe 2026 in der Steiermark?
Am Samstag, 3. Oktober 2026. Die Sirenen laufen zwischen 12:00 und 12:45 Uhr, die Handywarnungen über AT-Alert kommen zwischen 12:00 und 13:00 Uhr.
Muss ich beim Probealarm etwas tun?
Nein. Es besteht keine Gefahr. Bitte keine Notrufnummer wählen, um nachzufragen. Sinnvoll ist nur, die eigenen Handyeinstellungen zu prüfen, falls die erste Nachricht um 12 Uhr ausbleibt.
Warum habe ich um 12 Uhr keine Nachricht bekommen?
Die erste Testnachricht kommt auf der Stufe Gefahreninformation, und die ist auf Ihrem Handy vermutlich abgeschaltet. Unter Android finden Sie die Schalter bei „Notfallwarnungen“, am iPhone ganz unten in den „Mitteilungen“. Kommt auch um 12:45 Uhr nichts, war das Handy aus, im Flugmodus oder ist zu alt für AT-Alert.
Kann ich den AT-Alert-Ton am 3. Oktober abschalten?
Nur teilweise. Die Nachricht um 12:45 Uhr ist ein Notfallalarm, der sich nicht deaktivieren lässt und auch bei stummem Handy laut ertönt. Wer ihn vermeiden muss, etwa bei einer Trauung, schaltet das Handy bis 13 Uhr aus oder in den Flugmodus.
Brauche ich eine App für AT-Alert?
Nein. AT-Alert ist in Android ab Version 11 und iOS ab Version 17.4 eingebaut und automatisch eingeschaltet. Die ZIVA-App ist eine freiwillige Ergänzung.
Bekommen auch Urlauber und Pendler die Warnung?
Ja. Entscheidend ist, in welcher Funkzelle das Handy gerade eingebucht ist, nicht der Wohnort oder der Netzbetreiber. Die Texte kommen auf Deutsch und Englisch.