Bei Hofer gab es bis jetzt nur Kassen mit Personal. Das ändert sich: Der Diskonter aus Sattledt hat am 20. Oktober 2026 angekündigt, bis Ende 2027 mehr als 170 seiner österreichischen Filialen mit Selbstbedienungskassen auszustatten, wie der Standard berichtet. Die Einführung hat laut Unternehmen bereits begonnen.
Für die Steiermark bleibt vorerst eine Rechnung mit Unbekannten. Hofer betreibt hier 83 Filialen, 20 davon in Graz. Welche umgebaut werden, sagt das Unternehmen nicht. Und ausgerechnet die Steirer nutzen SB-Kassen im Bundesländervergleich am wenigsten gern.
Was Hofer angekündigt hat
Mehr als 170 von rund 540 Filialen, das ist knapp ein Drittel des Netzes. Die Selbstbedienungskassen kommen zusätzlich zu den bestehenden Kassen, keine Filiale soll ausschließlich auf Selbstbedienung umgestellt werden. Hofer spricht laut Salzburger Nachrichten von „einem weiteren Schritt in Richtung modernes und flexibles Einkaufen“.
Der Ablauf ist der, den man von anderen Ketten kennt: Barcode scannen, alles erfassen, bezahlen. Für die beiden Hofer-typischen Sonderfälle gibt es eine Auswahl am Bildschirm. Loses Obst und Gemüse wird dort ebenso angetippt wie das Gebäck aus der Backbox. Bei Problemen helfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die klassischen Kassen bleiben besetzt. Gedacht sind die Terminals laut VOL.AT vor allem für Kundschaft mit wenigen Artikeln, die schnell fertig sein will.
Offen lässt die Ankündigung drei Dinge, die für den Einkauf zählen: welche Filialen wann an der Reihe sind, wie viele Terminals pro Markt aufgestellt werden und ob an den SB-Kassen auch bar bezahlt werden kann.
Wie viele steirische Filialen betroffen sein könnten
Die Filialsuche auf hofer.at führt mit Stand 20. Oktober 2026 genau 538 Märkte in Österreich, davon 83 in der Steiermark. Das sind 15,4 Prozent des Netzes, nur Wien, Niederösterreich und Oberösterreich haben mehr Hofer-Filialen. Verteilt Hofer die 170 Umbauten gleichmäßig, entfallen auf die Steiermark rund 26.
| Bundesland | Hofer-Filialen | Anteil am Netz | SB-Kassen bei gleichmäßiger Verteilung |
|---|---|---|---|
| Wien | 117 | 21,7 % | rund 37 |
| Niederösterreich | 105 | 19,5 % | rund 33 |
| Oberösterreich | 86 | 16,0 % | rund 27 |
| Steiermark | 83 | 15,4 % | rund 26 |
| Tirol | 48 | 8,9 % | rund 15 |
| Kärnten | 33 | 6,1 % | rund 10 |
| Salzburg | 31 | 5,8 % | rund 10 |
| Vorarlberg | 19 | 3,5 % | rund 6 |
| Burgenland | 16 | 3,0 % | rund 5 |
| Österreich | 538 | 100 % | 170 |
Filialzahlen: Hofer-Filialsuche, Stand 20.10.2026. Letzte Spalte: eigene Rechnung, 170 Filialen anteilig nach Filialzahl verteilt.
Gleichmäßig wird es aber kaum laufen. Selbstbedienungskassen brauchen Platz im Kassenbereich, und sie lohnen sich dort, wo viele Menschen mit wenigen Artikeln einkaufen. Billa stellt sie nach eigenen Angaben vor allem an frequenzstarken Standorten auf, Spar nur, wo genug Platz ist, etwa an Bahnhöfen. Dazu passt eine Zahl aus der Umfrage des Handelsverbands: In Städten über 100.000 Einwohnern zahlen 42 Prozent im Lebensmittelhandel häufig oder fast immer an der SB-Kasse, in Gemeinden unter 20.000 Einwohnern nur 21 Prozent. Übertragen auf die Steiermark spricht das für Graz: Von den 20 Grazer Filialen dürften eher welche an die Reihe kommen als die Märkte in Murau oder Bad Mitterndorf.
Erste Spuren der Umrüstung gibt es schon, auch in Graz. In Google-Bewertungen ist Ende September und Anfang Oktober 2026 bei drei Hofer-Märkten von Selbstbedienungskassen die Rede: bei der Filiale Eckertstraße 54 in Graz sowie am Wonkaplatz 1 und in der Siemensstraße 105 in Wien. Einmal fällt das Urteil begeistert aus, einmal vernichtend, einmal geht es um eine Kontrolle an der SB-Kassa. Bestätigt hat Hofer die Standorte nicht. Andernorts wünschen sich Kunden die Terminals ausdrücklich, etwa in der Landstraßer Hauptstraße in Wien oder in Wattens in Tirol.
Zweieinhalb Jahre Anlauf
Neu ist die Idee nicht. Im Mai 2024 kündigte Hofer-Chef Horst Leitner in einem APA-Interview Selbstbedienungskassen in bis zu 200 Filialen an, die ersten 50 sollten 2025 folgen. Als Gründe nannte er Kundschaft, die nicht anstehen will, und den Personalmangel: „Alle kämpfen damit, Personal zu bekommen“, zitiert ihn vienna.at. Dass das System in Österreich so wenig verbreitet sei, wundere ihn, in anderen Ländern werde es besser angenommen als erwartet.
2025 kam dann etwas anderes. Hofer führte in seinen Filialen eine neue Doppelkassa ein, die das Abkassieren beschleunigen soll. Die Meinungen dazu gingen laut Salzburger Nachrichten im Dezember 2025 auseinander. Noch im März 2026 hieß es, Hofer evaluiere SB-Kassen und habe keine konkreten Pläne, so 5min.at. Jetzt sind es 170 statt 200 Filialen, mit Frist Ende 2027 statt einem ersten Schwung 2025.
In dieselbe Zeit fällt ein Umbau bei Hofer selbst. Im September 2025 kündigte der Diskonter an, das Auslieferungslager Weißenbach in Kärnten mit rund 200 Beschäftigten Ende 2026 zu schließen und Verwaltungsaufgaben in Einkauf und Buchhaltung auszulagern. Die Logistik geht ab Anfang 2027 an andere Standorte, darunter Lieboch in der Steiermark. Das Filialgeschäft sei nicht betroffen, österreichweit seien 1.200 Stellen offen, vor allem im Verkauf und in der Logistik, berichtete vienna.at.
Die Steiermark scannt am wenigsten gern selbst
Hofer stützt seine Ankündigung auf den HV Consumer Check, den der Handelsverband gemeinsam mit Thalia im August 2026 veröffentlicht hat. Reppublika Research befragte dafür im Juli 1.009 Personen ab 18 Jahren. 47 Prozent nutzen Selbstbedienungskassen gern. Der Bundesländervergleich derselben Umfrage zeigt allerdings, dass die Steiermark gemeinsam mit Kärnten hinten liegt.
| Region | Wert laut HV Consumer Check |
|---|---|
| Oberösterreich und Salzburg | 53 % |
| Tirol und Vorarlberg | 50 % |
| Wien | 49 % |
| Niederösterreich und Burgenland | 44 % |
| Steiermark und Kärnten | 41 % |
| Österreich (nutzen SB-Kassen gern) | 47 % |
Quelle: Handelsverband und Thalia, HV Consumer Check, Befragung 6. bis 17. Juli 2026, n = 1.009. Die Bundesländer sind paarweise zusammengefasst.
Zwölf Prozentpunkte trennen die Steiermark von Oberösterreich, der Heimat von Hofer. Größer ist der Abstand zwischen den Generationen. In der Generation Z nutzen 82 Prozent SB-Kassen gern, bei den Millennials 67 Prozent, in der Generation X 39 Prozent, bei Babyboomern und Älteren nur noch 20 Prozent. „Self-Checkout ist ein Generationenthema“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.
Die Einwände lesen sich wie eine Checkliste für Hofer. 36 Prozent sorgen sich um Arbeitsplätze, 34 Prozent finden SB-Kassen bei größeren Einkäufen unpraktisch, 31 Prozent fehlt dort Personal für Fragen, 27 Prozent nennen die Barzahlung als Problem, 24 Prozent fürchten technische Probleme. Und 76 Prozent wollen ausdrücklich zwischen Selbstbedienung und bedienter Kasse wählen können. Diese Wahl lässt Hofer den Kunden, zumindest nach der Ankündigung.
Wo in der Steiermark schon selbst gescannt wird
Hofer ist spät dran. Billa hat Selbstbedienungskassen in etwa der Hälfte seiner rund 1.200 Märkte, Lidl will sie laut Trending Topics bis 2028 flächendeckend haben. Spar bleibt bei rund 50 Standorten und will daran wenig ändern: „Eine größere Ausweitung haben wir aktuell nicht im Sinn“, sagte Sprecherin Nicole Berkmann im März 2026.
| Kette | Filialen mit SB-Kassen | Stand | Plan |
|---|---|---|---|
| Billa | rund 600 von rund 1.200 | März 2026 | bei Neu- und Umbauten, wo baulich sinnvoll |
| Lidl | über 80 | Oktober 2025 | flächendeckend bis 2028 |
| Spar | rund 50 | März 2026 | keine größere Ausweitung |
| dm | 54 von 374, in der Steiermark 7 von 48 | 20.10.2026 | keine Angabe |
| Hofer | erste Filialen | 20.10.2026 | über 170 bis Ende 2027 |
Quellen: 5min.at (06.03.2026) für Billa, Spar und Lidl; dm-Filialdaten, abgerufen am 20.10.2026; Hofer-Aussendung vom 20.10.2026.
Bei dm lässt sich das Tempo an den eigenen Filialdaten ablesen. Im April 2026 nannte die Kette laut MeinBezirk noch 42 Filialen mit SB-Kassa, jetzt weist die Filialsuche 54 aus. In der Steiermark sind es sieben dm-Märkte: in Graz am Lendplatz 40, am Jakominiplatz 12, am Lazarettgürtel 55 und in der Ostbahnstraße 3, dazu Gleisdorf (Ludwig-Binder-Straße 22), Hartberg (Hatric 11) und Weiz (Kaplanweg 14). Vier davon liegen in Graz, die übrigen drei in der Oststeiermark.
Der nächste Schritt läuft bereits bei Billa. Seit Anfang Oktober 2026 testet die Kette in zwei Wiener Filialen Scan & Go: Kundinnen und Kunden nehmen am Eingang einen von 30 Handscannern, erfassen die Ware schon beim Einräumen in den Wagen und zahlen am Ende an einer Expresskassa per QR-Code, wie Heute berichtet. Ende Oktober kommt Stockerau dazu. Wie groß der Sprung ist, zeigt dieselbe Handelsverband-Umfrage: Nur 14 Prozent haben Scan & Go schon genutzt, mehr als die Hälfte hat noch nie davon gehört.
Was das für Kassenkräfte und Kontrollen bedeutet
Hofer beschäftigt österreichweit mehr als 12.000 Menschen. Was die SB-Kassen für die Kassakräfte bedeuten, lässt die Ankündigung offen. Die Erfahrung anderer Ketten spricht gegen einen schnellen Personalabbau. Der Rewe-Konzern erklärte schon 2024 gegenüber dem ORF Wien, die Personalkosten sänken durch SB-Kassen nicht, weil Mitarbeiter die Terminals betreuen und etwa bei Alkohol das Alter kontrollieren. Spar betont, jede SB-Kassa sei von einer Aufsichtsperson betreut.
Bleibt der Diebstahl. Internationale Studien berichten von mehr Ladendiebstählen nach der Einführung von SB-Kassen, eigene Erhebungen für Österreich gibt es nicht. Spar, Rewe, Lidl und dm melden laut MeinBezirk keinen Anstieg. Einen Weg wie die deutsche Kette Netto, die in einer Berliner Filiale nur registrierte Kunden selbst scannen lässt, lehnt Spar ab: „Von einer Registrierung halten wir nichts.“ Zur Sicherung gegen Diebstahl macht die Hofer-Ankündigung keine Angaben.
Häufige Fragen
Ab wann gibt es bei Hofer Selbstbedienungskassen?
Die Einführung hat laut Hofer im Herbst 2026 begonnen. Bis Ende 2027 sollen mehr als 170 der rund 540 österreichischen Hofer-Märkte Selbstbedienungskassen haben.
Welche Hofer-Filialen in der Steiermark bekommen SB-Kassen?
Hofer hat keine Liste veröffentlicht. Bei gleichmäßiger Verteilung auf die 83 steirischen Filialen wären es rund 26. Wahrscheinlicher sind große, stark frequentierte Märkte, vor allem in Graz mit seinen 20 Hofer-Filialen.
Gibt es bei Hofer weiterhin Kassen mit Personal?
Ja. Die Selbstbedienungskassen kommen laut Hofer zusätzlich, die klassischen Kassen mit Personal bleiben erhalten.
Wie erfasst man an der Hofer-SB-Kassa Obst und Gebäck?
Waren ohne Barcode, also loses Obst und Gemüse sowie Gebäck aus der Backbox, wählt man am Bildschirm aus. Alle anderen Artikel werden über den Barcode gescannt, danach wird bezahlt.
Welche Geschäfte in der Steiermark haben schon Selbstbedienungskassen?
Billa hat sie in rund der Hälfte seiner Märkte, dazu kommen einzelne Lidl- und Spar-Filialen. Bei dm sind es in der Steiermark sieben Filialen: vier in Graz sowie Gleisdorf, Hartberg und Weiz.