Wer Doris Kampus ist
Doris Kampus wurde am 26. April 1967 in Köflach geboren. Nach der Matura am Gymnasium ihrer Heimatstadt 1985 studierte sie an der Karl-Franzens-Universität Graz Übersetzen und Dolmetschen und schloss 1991 als Magistra der Philosophie ab. Sie ist damit eine der wenigen Spitzenkandidatinnen mit einem dezidiert europäischen, mehrsprachigen Hintergrund – eine Prägung, die ihren weiteren Weg bestimmt hat.
Von Brüssel in die Landesregierung
Kampus startete 1991 in einem Logistikunternehmen, absolvierte 1994 ein Praktikum bei der EU-Kommission in der Generaldirektion für Beschäftigung und Soziales und arbeitete 1995 als Parlamentsassistentin der SPÖ-Politikerin Heidrun Silhavy. 1996 übernahm sie die Leitung des EU-Regionalmanagements Obersteiermark Ost – Strukturpolitik und Fördermittel waren also früh ihr Metier.
Von 16. Juni 2015 bis 18. Dezember 2024 saß sie als Landesrätin in der steirischen Landesregierung, zuständig für Soziales, Arbeit und Integration – neun Jahre lang. In dieser Zeit verantwortete sie zentrale Felder der Daseinsvorsorge, von der Mindestsicherung bis zur Arbeitsmarktpolitik.
Der Wechsel nach Graz
Nach der Landtagswahl 2024, bei der die SPÖ in die Opposition rutschte, verlagerte Kampus ihren Schwerpunkt in die Landeshauptstadt. Bereits seit Herbst 2022 ist sie geschäftsführende Vorsitzende der SPÖ Graz – als Nachfolgerin von Michael Ehmann – und Bezirksvorsteherin von Andritz. Für die Gemeinderatswahl 2026 wurde sie zur Spitzenkandidatin gekürt, beim Parteitag allerdings mit nur 73 Prozent Zustimmung, was den schwierigen Zustand der einst starken Grazer SPÖ spiegelt.
Ihre Themen: Soziales, Arbeit, Gesundheit
Kampus tritt mit dem Anspruch an, die Sozialdemokratie zurück in den Stadtsenat zu holen. Inhaltlich knüpft sie an ihre Landesarbeit an. Ihr Vorzeigeprojekt ist die Anstellung pflegender Angehöriger, das sie als Pilot in Graz angestoßen hat und langfristig absichern will – sozial- und arbeitsmarktpolitisch zugleich, weil Pflege so zu bezahlter Arbeit wird. Dazu fordert sie ein Gesundheitszentrum für jeden Grazer Bezirk und damit eine Ausweitung von derzeit acht auf siebzehn Standorte. Beschäftigung, leistbares Leben und eine verlässliche Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur bilden den Kern ihres Programms.
Dahinter steht eine wirtschaftliche Logik, die Kampus aus ihrer Zeit im EU-Regionalmanagement und in der Landesregierung kennt: Pflege, Kinderbetreuung und Gesundheit sind nicht nur Soziales, sondern auch Arbeitsmarkt und Standortfaktor. Wer pflegende Angehörige anstellt, schafft bezahlte Arbeit und entlastet zugleich das System; wer Betreuungsplätze sichert, hält Eltern im Beruf. Genau dieses Argument – Soziales als Investition, nicht als Kostenstelle – bildet die Klammer ihres Wahlkampfs.
Ausgangslage vor der Wahl
Die SPÖ kämpft in Graz um Relevanz. 2021 kam sie auf 9,5 Prozent, die aktuellen Umfragen sehen sie bei rund 9 Prozent – weit von früheren Zeiten entfernt, als die Partei den Bürgermeister stellte. Für Kampus geht es darum, die SPÖ als Mitregierungspartei abzusichern und sozialdemokratische Handschrift in einer Stadt mit knappem Budget sichtbar zu machen. Den vollständigen Überblick über Kandidaten und Umfragen bietet der Beitrag zur Graz-Wahl 2026.
Häufige Fragen zu Doris Kampus
Wer ist Doris Kampus?
Die SPÖ-Spitzenkandidatin für die Grazer Gemeinderatswahl 2026, frühere steirische Landesrätin für Soziales, Arbeit und Integration (2015-2024) und Bezirksvorsteherin von Andritz.
Was war Kampus vor der Graz-Wahl?
Neun Jahre lang Landesrätin in der steirischen Landesregierung, davor unter anderem im EU-Regionalmanagement Obersteiermark Ost tätig.
Wofür steht Kampus inhaltlich?
Für Soziales, Arbeit und Gesundheit – etwa die Anstellung pflegender Angehöriger und ein Gesundheitszentrum je Bezirk.
Wie stehen die Chancen der SPÖ?
Laut Umfragen liegt die SPÖ bei rund 9 Prozent. Eine Mitregierung ist möglich, die Spitzenposition außer Reichweite.
Quellen
- ORF Steiermark: Kampus ist Grazer SPÖ-Spitzenkandidatin
- MeinBezirk: SPÖ Graz präsentiert Kandidaten und Programm
- SPÖ Steiermark: Doris Kampus zur Spitzenkandidatin gewählt
Die anderen Kandidaten im Porträt
- Elke Kahr (KPÖ)
- Kurt Hohensinner (ÖVP)
- Judith Schwentner (Grüne)
- René Apfelknab (FPÖ)
- Philipp Pointner (NEOS)
- Claudia Schönbacher (KFG)