Das steirische Online-Magazin für Wirtschaft

graz wahl 2026

Judith Schwentner (Grüne): Vizebürgermeisterin von Graz im Porträt

Wer Judith Schwentner ist

Judith Schwentner wurde am 5. September 1968 in Graz geboren und kam über den Journalismus in die Politik. Nach der Matura am Akademischen Gymnasium 1986 studierte sie an der Universität Graz Slawistik und Germanistik, mit einem Forschungsaufenthalt in Moskau 1992/93, und schloss das Studium 1994 ab. Geprägt hat sie vor allem ihre Zeit bei der Grazer Straßenzeitung Megaphon, deren Chefredakteurin sie von 2004 bis 2008 war – ein Blatt, das von wohnungslosen und armutsbetroffenen Menschen verkauft wird.

Von der Straßenzeitung in den Nationalrat

Vor und neben dem Megaphon arbeitete Schwentner in der Redaktion der Fachzeitschrift Camera Austria, leitete für die Caritas ein Kompetenzzentrum der Entwicklungszusammenarbeit und führte das interkulturelle Café Auschlössl. Von 2008 bis 2017 saß sie für die Grünen im Nationalrat, zunächst als Sprecherin für Frauen und Entwicklung, ab 2013 für Soziales und Senioren. Soziale und entwicklungspolitische Themen ziehen sich also durch ihren gesamten Werdegang.

Vizebürgermeisterin seit 2021

Seit November 2021 ist Schwentner Bürgermeister-Stellvertreterin in der Koalition mit KPÖ und SPÖ. Ihr Ressort umfasst das Straßenamt, die Verkehrsplanung und die Stadtbaudirektion – und damit das vielleicht umstrittenste Politikfeld der Stadt. Der Umbau von Straßen, der Rückbau von Parkplätzen und der Vorrang für Fuß- und Radverkehr machen sie zur bevorzugten Zielscheibe der Opposition, allen voran der ÖVP, die genau hier die Erreichbarkeit der Wirtschaft gefährdet sieht.

Spitzenkandidatin mit 98,86 Prozent

Anders als die SPÖ stehen die Grünen geschlossen hinter ihrer Frontfrau: Mit 98,86 Prozent wurde Schwentner zur Spitzenkandidatin für die Wahl am 28. Juni 2026 gewählt. Dieser Rückhalt ist ihr Pfund in einem Wahlkampf, in dem die Grünen um ihr Ergebnis von 2021 bangen müssen.

Programm „Grün macht Graz“: Verkehr, Energie, Wohnen

Unter dem Motto „Grün macht Graz“ und mit 40 Zielen wollen die Grünen die Stadt bis 2040 „spürbar grüner, lebendiger und gerechter“ machen. Die Schwerpunkte:

  • Verkehr: Vorrang für Fußgänger und Radfahrer, dazu „17 Grüne Meilen“ – eine verkehrsberuhigte Straße in jedem Bezirk.
  • Energie: Nutzung der Abwärme der Marienhütte für den Stadtteil Reininghaus, Geothermie, Photovoltaik und ein Energiewerk Graz, um die Stadt unabhängiger und leistbarer zu versorgen.
  • Wohnen: leistbarer Wohnraum durch neue und sanierte Gemeindewohnungen sowie Maßnahmen gegen Leerstand. „Wohnen ist ein Grundrecht – Spekulation nicht.“

Gerade der Energieteil hat handfeste wirtschaftliche Logik: Industrieabwärme aus der Marienhütte in ein neues Stadtquartier zu leiten, senkt Kosten und CO2 zugleich. Wie sich Reininghaus und der Standort entwickeln, zeigt der Beitrag zu den Gewerbeimmobilien in Graz.

Am Verkehr entzündet sich zugleich der schärfste wirtschaftliche Streit des Wahlkampfs. Schwentner argumentiert, verkehrsberuhigte Straßen und mehr Aufenthaltsqualität brächten Frequenz für Handel und Gastronomie. ÖVP und FPÖ kontern, der Rückbau von Parkplätzen vertreibe Kundschaft und schwäche die Innenstadt. Es ist letztlich ein Richtungsstreit darüber, wie eine lebenswerte und zugleich erreichbare Stadt aussieht – und Schwentner steht dabei klar für die grüne Antwort.

Ausgangslage vor der Wahl

2021 erreichten die Grünen 17,3 Prozent. Die Umfragen 2026 sehen sie bei rund 12 Prozent – ein spürbarer Dämpfer, der die Fortsetzung der Koalition rechnerisch nicht gefährdet, das grüne Gewicht darin aber verringern würde. Den Gesamtüberblick liefert der Beitrag zur Graz-Wahl 2026.

Häufige Fragen zu Judith Schwentner

Welches Amt hat Judith Schwentner?
Sie ist seit November 2021 Vizebürgermeisterin von Graz, zuständig für Verkehrsplanung, Straßenamt und Stadtbaudirektion.

Was war Schwentner vor der Politik?
Journalistin, unter anderem Chefredakteurin der Straßenzeitung Megaphon, und von 2008 bis 2017 Nationalratsabgeordnete.

Wofür stehen die Grünen in Graz?
Für Verkehrswende, Klimaschutz, leistbare Energie und Wohnen – etwa „17 Grüne Meilen“ und die Nutzung von Industrieabwärme.

Wie schneiden die Grünen in Umfragen ab?
Rund 12 Prozent, nach 17,3 Prozent im Jahr 2021.

Quellen

Die anderen Kandidaten im Porträt

Weiterführende Beiträge auf steiermark.biz