Das steirische Online-Magazin für Wirtschaft

Graz-Wahl 2026: Kandidaten, Prognosen und die Wirtschaftsfrage

Wann Graz wählt und worum es geht

Am Sonntag, 28. Juni 2026, wählt Graz einen neuen Gemeinderat – von 07:00 bis 16:00 Uhr, 225.883 Menschen sind wahlberechtigt. Elf Listen stehen am Stimmzettel. Im Kern entscheidet diese Wahl aber nicht nur über Personen, sondern über die Finanzen einer Stadt, die auf zwei Milliarden Euro Schulden zusteuert. Wer das Rathaus führt, verwaltet ein Budget unter Druck – und genau das macht den Wirtschaftskurs zur eigentlichen Frage des 28. Juni.

Neu ist heuer die Möglichkeit, schon vor dem Wahltag per Wahlkarte abzustimmen. An der Servicestelle am Riesplatz geben zeitweise bis zu 150 Personen täglich ihre Stimme ab – Stimmen, die kein Wahlkampfauftritt der letzten Tage mehr umdreht.

Die Kandidaten und Listen

Die amtierende Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) tritt erneut an und führt eine Dreierkoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ. Herausforderer Nummer eins ist ÖVP-Spitzenkandidat Kurt Hohensinner, der einen wirtschaftlichen Kurswechsel verspricht. Das sind die elf Listen in der Reihenfolge am Stimmzettel:

Liste Partei Spitzenkandidat/in
1 FPÖ René Apfelknab
2 ÖVP (Team Kurt Hohensinner) Kurt Hohensinner
3 SPÖ Graz Doris Kampus
4 Die Grazer Grünen Judith Schwentner
5 NEOS Philipp Pointner
6 KPÖ Elke Kahr
7 DBÖ
8 KFG (Korruptionsfreies Graz) Claudia Schönbacher
9 Liste GAZA
10 Piratenpartei Graz
11 MFG

Mit Doris Kampus schickt die SPÖ ein bekanntes Gesicht ins Rennen – die frühere Landesrätin für Soziales soll der zuletzt schwachen Grazer SPÖ wieder Profil geben. Bei der FPÖ führt mit René Apfelknab ein neuer Spitzenkandidat, nachdem sich rund um die Bürgerliste KFG (Korruptionsfreies Graz) ein Teil der früheren Freiheitlichen abgespalten hatte.

Die Kandidatinnen und Kandidaten im Porträt

Zu den sieben wichtigsten Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten haben wir eigene, ausführliche Porträts mit Werdegang, Programm und wirtschaftlicher Einordnung:

Die Umfragen: KPÖ klar voran

Die zuletzt veröffentlichte Umfrage stammt von Meinungsforscher Peter Hajek im Auftrag der „Kleinen Zeitung“ (veröffentlicht am 6. Juni 2026, 620 Befragte, Schwankungsbreite knapp vier Prozent). Sie sieht die KPÖ klar voran:

  • KPÖ: 32 %
  • ÖVP: rund 22 %
  • FPÖ: 15 %
  • Grüne: 12 %
  • SPÖ: rund 9 %
  • NEOS: rund 9 %

Bei einer direkten Bürgermeisterwahl käme Elke Kahr sogar auf 39 Prozent – mehr als alle Mitbewerber zusammen. Die ÖVP konnte seit März leicht zulegen, vor allem auf Kosten der FPÖ. Über die letzten Monate bewegte sich die KPÖ in vier Umfragen zwischen 27 und 31 Prozent, die ÖVP zwischen 20 und 24.

Drei Vorbehalte gehören dazu. Erstens war 2021 dieselbe Demoskopie danebengelegen: Hajek hatte damals die ÖVP vorne gesehen, am Ende wurde die KPÖ stärkste Kraft. Zweitens lag die Wahlbeteiligung 2021 bei nur rund 53 Prozent – fast jeder Zweite blieb zu Hause, und wer mobilisiert, gewinnt. Drittens werden die Mandate nach dem D’Hondt-Verfahren vergeben, das größere Listen leicht bevorzugt; kleine Verschiebungen können die Sitzverteilung spürbar drehen.

Die Wirtschaftsfrage: zwei Milliarden Euro Schulden

Hinter dem Wahlkampf steht eine angespannte Kassenlage. Das Doppelbudget 2025/26 trägt den Titel „Stabil durch die Rezession“, doch die Zahlen sind unbequem: Der Schuldenstand der Stadt lag Ende 2024 bei 1,744 Milliarden Euro, steigt Ende 2025 auf 1,826 Milliarden und erreicht Ende 2026 voraussichtlich gut 2,003 Milliarden Euro. Bis 2030 könnten es nach aktueller Planung bis zu 2,5 Milliarden werden.

Die Treiber liegen nur teilweise in der Stadt selbst. Graz bekommt weniger Ertragsanteile vom Bund als erwartet, die Konjunktur lahmt, und das Sozial- und Pflegeleistungsgesetz des Landes belastet das Stadtbudget laut KPÖ mit 13 Millionen Euro im Jahr 2026 – kalkuliert 37 Millionen bis 2030. Der operative Saldo bleibt im Minus. Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) sagte es bei der Budgetpräsentation deutlich: „Das werden wir nicht lange durchhalten.“ Die nächste Stadtregierung erbt also einen Sparzwang – egal, wer sie anführt.

Wofür die Parteien wirtschaftlich stehen

Genau an dieser Kassenlage scheiden sich die Programme. Die regierende KPÖ versteht Tarif- und Wohnpolitik als Sozialpolitik und will trotz knapper Kassen nicht beim Leistbaren kürzen. Die ÖVP fordert das Gegenmodell: weniger Bürokratie, mehr Standortpolitik, ein Budget, das wieder ins Lot kommt. So positionieren sich die sechs aussichtsreichsten Listen:

Partei Wirtschaftlicher Schwerpunkt
KPÖ Leistbares Wohnen, Mietdeckel in Gemeindewohnungen, SozialCard, günstige Öffis – soziale Absicherung vor Sparpaket
ÖVP Wirtschaftsstandort, Bürokratieabbau, Parkgaragen für die Innenstadt, Budgetdisziplin
Grüne Klima, Umweltverbund, sanfte Mobilität, ökologische Stadtentwicklung
FPÖ Sicherheit, Gebührenkritik, Entlastung der Bürger
SPÖ Soziale Sicherheit, Arbeit, Wohnen
NEOS Reform, Transparenz, Entbürokratisierung, solides Budget

Die KPÖ verweist auf Handfestes: rund 4.500 stadteigene Gemeindewohnungen mit Mietdeckel, deren Mieten etwa 40 Prozent unter dem freien Markt liegen, 420 neue Wohnungen seit 2022, ein Öffi-Jahresticket um 60 Euro über die SozialCard sowie 31 neue „Flexity“-Straßenbahnen, von denen die erste im Mai 2026 kam. Ihr Argument: Wer die Lebenskosten dämpft, stützt die Kaufkraft.

Hohensinner und die ÖVP halten dagegen, die Stadt müsse „mehr für ihre Betriebe tun“. Unternehmen sollten ausdrücklich willkommen sein, Verordnungen alle fünf Jahre auf Wirtschaftsfreundlichkeit geprüft werden, neue Parkgaragen die Innenstadt für Kunden erreichbar halten. Die ÖVP kritisiert gebrochene Versprechen der Koalition – vom Gebührenstopp bis zu 500 verlorenen Kindergartenplätzen – und reklamiert die Wirtschaftskompetenz für sich. Für den lokalen Handel und die Gastronomie sind das keine Nebenfragen: Erreichbarkeit, Gebühren und Standortklima entscheiden mit über Umsätze. Wie sich der Standort entwickelt, zeigt sich auch am Grazer Gewerbeimmobilienmarkt und an Großprojekten wie der Koralmbahn im Süden.

Mögliche Mehrheiten nach dem 28. Juni

Rechnet man die Hajek-Umfrage durch, ginge sich die amtierende Dreierkoalition wieder aus: KPÖ, Grüne und SPÖ kämen zusammen auf rund 53 Prozent. Das bürgerliche Lager aus ÖVP, FPÖ und NEOS läge bei etwa 46 Prozent. Eine Fortsetzung von Rot-Grün unter kommunistischer Führung ist damit das wahrscheinlichste, aber kein sicheres Szenario – die genaue Mandatsverteilung hängt am D’Hondt-Verfahren, an der Wahlbeteiligung und daran, welche Kleinlisten die Vier-Prozent-Hürde nehmen. Sicher ist nur eines: Wer immer regiert, muss bei zwei Milliarden Euro Schulden zugleich sparen und investieren. Die Wirtschaftsfrage bleibt nach dem 28. Juni offen – sie wird dann nur konkreter.

Häufige Fragen zur Graz-Wahl 2026

Wann ist die Graz-Wahl 2026?
Am Sonntag, 28. Juni 2026, von 07:00 bis 16:00 Uhr. Wahlberechtigt sind 225.883 Personen.

Wer sind die Spitzenkandidaten?
Unter anderem Elke Kahr (KPÖ), Kurt Hohensinner (ÖVP), Doris Kampus (SPÖ), Judith Schwentner (Grüne), René Apfelknab (FPÖ) und Philipp Pointner (NEOS). Insgesamt treten elf Listen an.

Wer führt in den Umfragen?
Die KPÖ. Die jüngste Umfrage (Hajek für die „Kleine Zeitung“, 6. Juni 2026) sah sie bei 32 Prozent, vor der ÖVP mit rund 22 Prozent.

Wie hoch sind die Schulden der Stadt Graz?
Ende 2026 voraussichtlich gut 2 Milliarden Euro, mit steigender Tendenz bis möglicherweise 2,5 Milliarden im Jahr 2030.

Kann man vorab per Wahlkarte wählen?
Ja, das ist 2026 erstmals möglich, etwa an der Servicestelle am Riesplatz.

Quellen

Weiterführende Beiträge auf steiermark.biz