Das steirische Online-Magazin für Wirtschaft

graz wahl 2026

Elke Kahr (KPÖ): Bürgermeisterin von Graz im Porträt

Wer Elke Kahr ist

Elke Kahr wurde am 2. November 1961 in Graz geboren und wuchs in einem Arbeiterbezirk auf – mit drei Jahren adoptiert von einer Verkäuferin und einem Schlosser. Sie besuchte die Handelsschule in der Grazbachgasse, arbeitete bei der Oesterreichischen Kontrollbank und holte 1984 an der Abendschule die Matura nach. Gelernt hat sie zudem Sozialpädagogik. Diese Herkunft ist bei Kahr kein Wahlkampf-Detail, sondern der Kern ihres politischen Selbstverständnisses: Politik soll bodennah bleiben.

Seit 1983 ist sie Mitglied der KPÖ, ab 1985 arbeitete sie in deren Grazer Bezirksleitung. Privat lebt sie seit 1988 in einer Lebensgemeinschaft; 1990 kam ihr Sohn Franz zur Welt.

Der politische Werdegang

Kahrs Aufstieg verlief über Jahrzehnte und über die Bezirksarbeit, nicht über einen schnellen Quereinstieg. Die Stationen:

  • ab 1993: Gemeinderätin in Graz
  • ab 1998: Klubobfrau der KPÖ im Gemeinderat
  • 2003-2004: stellvertretende Bundesvorsitzende der KPÖ
  • 2005-2017: Stadträtin für Wohnungsangelegenheiten, ab 2013 auch für Bauangelegenheiten und das Friedensbüro
  • 2016-2017: Bürgermeister-Stellvertreterin
  • 2017-2021: Verkehrsstadträtin
  • seit 17. November 2021: Bürgermeisterin von Graz

Mit der Angelobung 2021 schrieb sie doppelt Geschichte: als erste Frau an der Spitze von Graz und als erste kommunistische Bürgermeisterin einer österreichischen Landeshauptstadt. Möglich machte das eine Dreierkoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ. Am 28. Juni 2026 tritt Kahr erneut an – und führt die Umfragen klar an.

Der überraschende Sieg 2021

Dass eine Kommunistin Graz regiert, hatte kaum jemand auf der Rechnung. Bei der Gemeinderatswahl 2021 wurde die KPÖ mit 28,8 Prozent stärkste Kraft und zog an der jahrelang regierenden ÖVP vorbei. Pikant: Derselbe Meinungsforscher, der 2026 die KPÖ klar vorne sieht, hatte 2021 die ÖVP als Siegerin prognostiziert. Kahr schmiedete daraufhin eine Koalition mit Grünen und SPÖ und übernahm das Bürgermeisteramt – ein Ergebnis, das bundesweit für Aufsehen sorgte und der KPÖ auch in anderen Städten Auftrieb gab. Der Erfolg gilt weniger der Parteiideologie als dem Ruf, sich in Wohn- und Alltagsfragen verlässlich zu kümmern.

Das KPÖ-Gehaltsmodell: Politik mit Obergrenze

Kein Thema ist so eng mit Kahr verbunden wie der Umgang mit dem eigenen Gehalt. Die KPÖ hält seit 1998 an einer selbst auferlegten Einkommensobergrenze fest, die sich grob an einem Facharbeiterlohn orientiert. Was darüber liegt, fließt an Menschen in Notlagen. Die Begründung der Partei: Abgehobene Politikergehälter führten zu abgehobener Politik.

In Zahlen heißt das: Von ihrem Bürgermeister-Bezug behält Kahr rund 2.000 bis 2.200 Euro im Monat, den Rest gibt sie ab. Seit 2005 hat sie nach Angaben der KPÖ deutlich über eine Million Euro weitergegeben. Die Grazer KPÖ kommt seit 1998 in Summe auf rund 2,9 Millionen Euro; allein 2025 flossen rund 304.000 Euro an etwa 2.500 Menschen. Das Geld geht in Lebensmittelgutscheine, Mietzinsrückstände gegen drohende Delogierungen, Strom- und Heizkosten. Kritiker nennen es Symbolpolitik, Anhänger konkrete Hilfe – unbestritten ist, dass es Kahr Glaubwürdigkeit bei einem Teil der Wählerschaft verschafft.

Wohnen als Kernthema

Kahrs zwölf Jahre als Wohnungsstadträtin prägen ihr Profil bis heute. Schon Mitte der 1990er richtete die KPÖ einen Mieternotruf ein – eine kostenlose Mietrechtsberatung für jeden, unabhängig von Herkunft oder Parteibuch, abgeschaut beim Modell der französischen Kommunisten. In ihrer Amtszeit standen der Erhalt und Ausbau der rund 4.500 stadteigenen Gemeindewohnungen im Mittelpunkt, deren Mieten spürbar unter dem freien Markt liegen, sowie Zuschüsse, die Wohnungsverluste verhindern sollen.

Dass leistbares Wohnen in Graz ein wirtschaftliches Dauerthema ist, zeigt der Blick auf den Markt: Wie sich Mieten und Lagen für Betriebe und Bewohner entwickeln, lesen Sie im Beitrag zu den Gewerbeimmobilien in Graz und zur Wohnbauförderung Steiermark 2026.

Als Bürgermeisterin: Soziales gegen Sparzwang

Seit 2021 regiert Kahr eine Stadt mit angespanntem Budget. Das Doppelbudget 2025/26 steht unter dem Eindruck steigender Schulden, die bis Ende 2026 auf rund zwei Milliarden Euro klettern. Ihr Kurs: trotz knapper Kassen nicht bei Sozialem, Wohnen und günstigen Öffis kürzen, sondern die Belastung beim Bund und beim Land adressieren, die der Stadt Geld entziehen. Genau dieser Kurs steht am 28. Juni zur Abstimmung. Den vollständigen Überblick über Kandidaten, Umfragen und die Finanzlage finden Sie im Beitrag zur Graz-Wahl 2026.

Häufige Fragen zu Elke Kahr

Seit wann ist Elke Kahr Bürgermeisterin von Graz?
Seit 17. November 2021. Sie ist die erste Frau und die erste Kommunistin an der Spitze einer österreichischen Landeshauptstadt.

Wie viel von ihrem Gehalt gibt Elke Kahr ab?
Sie behält rund 2.000 bis 2.200 Euro im Monat, den Rest spendet sie. Seit 2005 hat sie nach KPÖ-Angaben über eine Million Euro weitergegeben.

Welche Ämter hatte Kahr vor dem Bürgermeisteramt?
Unter anderem Wohnungsstadträtin (2005-2017) und Verkehrsstadträtin (2017-2021), Gemeinderätin seit 1993.

Tritt Elke Kahr 2026 wieder an?
Ja. Bei der Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 ist sie erneut KPÖ-Spitzenkandidatin und führt die Umfragen an.

Quellen

Die anderen Kandidaten im Porträt

Weiterführende Beiträge auf steiermark.biz